Kindergeld nach dem Abitur

Geld vom Staat Kindergeld nach dem Abitur

Rolf Winkel
von Rolf Winkel
08.07.2016
Auf einen Blick

Hunderttausende Schüler haben in diesem Jahr ihr Abitur gemacht. Ist ein Kind dann bereits 18 Jahre alt, so stellt sich für die Eltern die Frage: Was wird aus dem Kindergeld?

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„Ohne Antrag läuft jetzt nichts mehr“, erfuhr Ulf S. von der Familienkasse. Sein Sohn Alexander ist volljährig und hat gerade sein Abitur gemacht. Deshalb hat die Kasse dem Vater einen „Antrag zur Weitergewährung des Kindergeldes“ zugeschickt. Darin hat Ulf S. zunächst bei Punkt drei eingetragen: „Das Kind befindet sich bis zum 31.7.2016 in Schulausbildung“. Dass sein Sohn bereits am 25. Juni sein Abschlusszeugnis erhalten hat, spielt keine Rolle. Denn für die Kindergeldkasse endet das Schuljahr an allgemeinbildenden Schulen bundeseinheitlich in aller Regel am 31. Juli. Bis dahin erhalten auch volljährige Schüler Kindergeld.

Kindergeld in viermonatiger Übergangszeit

Ab August muss Ulf S. der Familienkasse immer wieder Nachweise für seine Kindergeldberechtigung vorlegen. Einfach wird dies erst ab dem Herbst 2017. Denn dann wird Sohn Alex voraussichtlich ein Studium beginnen. Und während einer Ausbildungszeit gibt es Kindergeld – maximal bis zum 25. Geburtstag des Kindes. Das Gleiche gilt in einer Zeit der Studien- bzw. Ausbildungsplatzsuche.

Komplizierter wird der Nachweis in der Zeit bis zum Beginn der Ausbildung – und die zieht sich oft hin. Alexander wird vom 25. Oktober bis zum 9. Dezember 2016 zunächst einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst in Südafrika absolvieren. Auch in dieser Zeit besteht – wie bei vielen dieser Dienste – ein Anspruch auf Kindergeld. Damit sind drei volle Monate Kindergeld (Oktober, November und Dezember) gesichert. Bis zum Beginn des Freiwilligendienstes fließt ebenfalls Kindergeld. Dafür sorgt die Regelung in Paragraf 32 des Einkommensteuergesetzes. Danach gibt es die steuerlichen Kinderfreibeträge und das Kindergeld „in einer Übergangszeit von höchstens vier Monaten“ weiter. Abgesichert sind damit unter anderem Übergangszeiten zwischen zwei Ausbildungsabschnitten oder zwischen Ausbildung und freiwilligem Wehrdienst sowie anerkannten freiwilligen Diensten. Was die Söhne oder Töchter in diesen Übergangszeiten machen, spielt keine Rolle. Wichtig ist nur: Die Überbrückungszeit darf nicht länger als vier volle Monate dauern, sonst kann das Kindergeld für die komplette Zeit entfallen.

Die Übergangszeit-Regelung kann beliebig oft genutzt werden

Alexander wird sie voraussichtlich auch 2017 noch zwei Mal in Anspruch nehmen: zum einen während der vier Monate (Januar bis April 2017) zwischen dem Ende seines Dienstes in Südafrika und dem Beginn eines geplanten Praktikums. Denn für den Mai und Juni 2017 hat er sich ein Praktikum in einer Familienfürsorgeeinrichtung besorgt. Da dieses zu seinem gewählten Studium passt, zählt es selbst als Ausbildungsabschnitt, wodurch auch dann der Kindergeld-Anspruch gesichert ist. Danach bleiben noch etwa drei Monate bis zum Studienbeginn. Hier kann er dann noch einmal die Übergangsregelung fürs Kindergeld nutzen. Voraussetzung ist dafür jeweils, dass die Familienkasse auch die entsprechenden Bescheinigungen erhält.

Zur Not arbeitsuchend melden

Manchmal dauert die „Pause“ bis zur Aufnahme einer Ausbildung aber mehr als vier Monate. In solchen Fällen kann eine Arbeitslosmeldung den Anspruch auf Kindergeld sichern – zumindest wenn das Kind noch nicht älter als 21 ist. Ein Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 18. Februar 2016 hat dabei weitere Fallstricke für Eltern und Kinder aus dem Weg geräumt (Az.: V R 22/15). Der BFH befand: Eine einfache Arbeitslosmeldung reicht. Der Nachweis, dass tatsächlich eine Arbeit gesucht wird, ist für den Kindergeldanspruch nicht erforderlich.

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ist unser Spezialist für alles, was mit den Sozialversicherungen und Sozialleistungen  zu tun hat. Er ist gelernter Sozialwissenschafter und schreibt seit 35 Jahren Sozialratgeber, unter anderem die vom DGB-Bundesvorstand herausgegebenen „111 Tipps für Arbeitslose - Arbeitslosengeld I“ und die „111 Tipps zu Arbeitslosengeld II und Sozialgeld“.

Seit 2005 arbeitet er für biallo.de und betreut die Monatszeitschrift "Soziale Sicherheit".

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