Pflegende Angehörige Welche Leistungen die Pflegekasse bietet

Rolf Winkel
von Rolf Winkel
18.10.2013
Auf einen Blick

Die Pflege von Angehörigen ist anstrengend und wird kaum bezahlt. Umso wichtiger ist es, wenigstens die Leistungen zu nutzen, die die Pflegeversicherung zur Entlastung der Pflegenden bietet.

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Wird ein Angehöriger pflegebedürftig – etwa nach einem Schlaganfall –, sollte man umgehend mit dessen Pflegeversicherung Kontakt aufnehmen und einen Pflegeantrag stellen. Dann muss innerhalb von zwei Wochen eine Begutachtung und spätestens nach fünf Wochen eine Entscheidung über die Einstufung erfolgen.

Pflegegeld oder Dienstleistung:
Die Leistungen der Kasse unterscheiden sich je nach Pflegestufe. Bei Pflegestufe II gibt es beispielsweise pro Monat 440 Euro Pflegegeld zur freien Verfügung. Alternativ dazu können Leistungen eines professionellen Pflegedienstes im Wert von 1.100 Euro in Anspruch genommen werden. Wer den „Etat“ für die professionellen Pflegedienstleistungen nicht ausschöpft, kann ergänzend noch anteiliges Pflegegeld erhalten. Beispiel: Bei Pflegestufe II wird nur die Hälfte der möglichen Pflegedienstleistungen beansprucht. Dann muss zusätzlich das halbe Pflegegeld (also 220 Euro) gezahlt werden. Das Pflegegeld darf der Angehörige steuer- und sozialversicherungsfrei erhalten.

Kräfte nicht überschätzen: „Pflege ist hart und äußerst belastend – körperlich und psychisch“, sagt Markus Siegmann, Pflegeberater der Knappschaft in Lünen. Er rät: „Von Anfang an sollten pflegende Angehörige der Überlastung vorbeugen“. Sein Tipp: „Man kann zunächst einmal die Dienstleistungen eines Pflegedienstes nutzen und sich von den Profis abschauen, wie man z.B. jemanden im Bett auf-richtet.“ Wenn ein Angehöriger sich später zutraut, die Pflege allein zu bewältigen, kann der Vertrag mit dem Pflegedienst gekündigt werden. Stattdessen kann man dann Pflegegeld in Anspruch nehmen.

Auswahl möglich: Der Pflegedienst bietet mit einem Kostenvoranschlag Dienstleistungen wie Waschen, Zahnpflege oder Hilfen beim An- und Ausziehen an. Was davon in Anspruch genommen wird, kann man sich aussuchen. Tätigkeiten, die Angehörige nicht übernehmen können oder wollen, sollten sie dem Pflegedienst überlassen. Siegmann: „Ein pflegebedürftiger Vater will sich vielleicht nicht von seiner Tochter waschen lassen und der Tochter ist das auch peinlich. Das sollte man dann an einen Pflegedienst abgeben.“

Auszeiten nehmen: „Wer sich als Angehöriger nicht zwischendurch Luft verschafft, hält die Belastung kaum aus“, so der Knappschafts-Berater. Sinnvoll ist es deshalb, Auszeiten von der Pflege zu nehmen und in dieser Zeit die Verhinderungspflege in Anspruch zu nehmen. Dann kann – bezahlt durch die Pflegekasse – ein Pflegedienst, ein Bekannter oder Verwandter als Ersatz für den pflegenden Angehörigen einspringen. Dafür gibt es bis zu 1.550 Euro im Jahr. Die Leistung kann stundenweise (etwa für einen Kinobesuch oder für die wöchentliche Doppelkopfrunde), aber auch für einen bis zu vierwöchigen Urlaub genutzt werden. Zusätzlich kann auch die Kurzzeitpflege in Anspruch genommen werden. Der Pflegebedürftige wird hier allerdings nicht zu Hause, sondern in einer stationären Einrichtung betreut. Diese Leistung kann deshalb auch genutzt werden, um ein Pflegeheim „auszuprobieren“.

Pflegende Angehörige
Die Pflege von Angehörigen ist anstrengend und wird kaum bezahlt. Umso wichtiger ist es, wenigstens die Leistungen zu nutzen, die die Pflegeversicherung zur Entlastung der Pflegenden bietet.
Wird ein Angehöriger pflegebedürftig - etwa nach einem Schlaganfall -, sollte man umgehend mit dessen Pflegeversicherung Kontakt aufnehmen und einen Pflegeantrag stellen. Dann muss innerhalb von zwei Wochen eine Begutachtung und spätestens nach fünf Wochen eine Entscheidung über die Einstufung erfolgen.

Schlaf sichern: Die Betreuung von Pflegebedürftigen – insbesondere von Demenzkranken – raubt dem Betreuenden vielfach den Schlaf. Hier kann eine Nachtpflege helfen. Dabei wird der/die Pflege-bedürftige über Nacht in einer teilstationären Einrichtung versorgt. Für die Versorgung nur über den Vor- und Nachmittag gibt es die teilstationäre Tagespflege. Wichtig: Auch wenn der volle Zuschuss der Pflegekasse für die Tages- oder Nachtpflege genutzt wird (in Pflegestufe II sind es 1.100 Euro), besteht dazu noch Anspruch auf das halbe Pflegegeld der Pflegeversicherung.

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ist unser Spezialist für alles, was mit den Sozialversicherungen und Sozialleistungen  zu tun hat. Er ist gelernter Sozialwissenschafter und schreibt seit 35 Jahren Sozialratgeber, unter anderem die vom DGB-Bundesvorstand herausgegebenen „111 Tipps für Arbeitslose - Arbeitslosengeld I“ und die „111 Tipps zu Arbeitslosengeld II und Sozialgeld“.

Seit 2005 arbeitet er für biallo.de und betreut die Monatszeitschrift "Soziale Sicherheit".

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ist unser Spezialist für alles, was mit den Sozialversicherungen und Sozialleistungen  zu tun hat. Er ist gelernter Sozialwissenschafter und schreibt seit 35 Jahren Sozialratgeber, unter anderem die vom DGB-Bundesvorstand herausgegebenen „111 Tipps für Arbeitslose - Arbeitslosengeld I“ und die „111 Tipps zu Arbeitslosengeld II und Sozialgeld“.

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