Hickhack um Kindergeld Wann endet die „Erstausbildung“?

Hickhack um Kindergeld Wann endet die „Erstausbildung“?

Brigitte Watermann
von Brigitte Watermann
16.03.2016
Auf einen Blick

Wie lange können Sie als Eltern Kindergeld für bereits erwachsene Sprößlinge in Ausbildung beziehen? Das Bundesfinanzministerium zeigt sich jetzt familienfreundlich.

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Das Bundesfinanzministerium hat sich nun auf die Seite der Familien geschlagen. In einem neuen Schreiben verweist es darauf, dass eine so genannte Erstausbildung nicht in jedem Fall mit dem ersten möglich Berufsabschluss endet – und dann keine Kinderförderung mehr fließt. Damit folgt das Amt der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs.

Zum Hintergrund: Eltern können für volljährige Kinder weiter Kindergeld und die gesamte Palette der Kinderförderung erhalten, wenn ihre Kinder in Ausbildung sind und weitere Voraussetzungen erfüllen. Durchläuft Ihr Kind eine so genannte Erstausbildung und jobbt nebenbei, ist es unerheblich, wie viel das Kind nebenbei arbeitet – der Umfang der Nebentätigkeit wirkt sich nicht auf die Kinderförderung aus. Doch nach Abschluss seiner Erstausbildung darf ein Kind grundsätzlich nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten. Der Neue Verband der Lohnsteuervereine e.V. weist darauf hin, dass längere Wochenarbeitszeiten dann das Ende von Kindergeld & Co bedeuten können. Es ist daher für Sie als Eltern wichtig zu unterscheiden, was Erst- und was Zweitausbildung ist.

Kindergeld: Bundesfinanzhof hat entschieden

Deutschlands höchstes Finanzgericht, der Bundesfinanzhof (BFH), hatte entschieden, dass ein erster Berufsabschluss nicht in jedem Fall das Ende einer Erstausbildung sein muss. Er kann auch Teil einer „mehraktigen Erstausbildung“ sein. Wer also auf den Bachelor-Abschluss gleich das Masterstudium aufsetzt, absolviert eine solche mehraktige Ausbildung. So urteilte der BFH im Fall eines Wirtschaftsmathematikers mit Bachelor-Abschluss, dass das unmittelbar anschließende Masterstudium im selben Fach zur Erstausbildung gehört (Az.VI R 9/15). Einem „Elektroniker für Betriebstechnik“, der nach seinem Berufsabschluss ein Studium zum Elektroingenieur begann, bescheinigten die Richter ebenfalls die Fortführung seiner Erstausbildung (Az. V R 27/14). Das Bundesfinanzministerium (BMF) hat sich mit Schreiben vom 8. Februar 2016 der Haltung des BFH angeschlossen (IV C 4 – S 2282/07/0001-01). Das macht es nicht immer – manchmal gibt es auch Nichtanwendungserlasse heraus und begrenzt dann die Wirkung eines Urteils auf den entschiedenen Einzelfall.

Mein Tipp für Sie als Eltern:

Sie sollten darauf achten, dass sich bei mehrstufigen Ausbildungen Ihrer Kinder der zweite Teil inhaltlich und zeitlich möglichst eng an den ersten Teil anschließt – und bereits im Kindergeldantrag das letztendliche Ausbildungsziel angeben. Klar ist nun auch: Wird eine Ausbildung erst Jahre später oder auf einem anderen Fachgebiet fortgesetzt, gilt sie nicht mehr als „mehraktige Erstausbildung“, sondern als Zweitausbildung. Außerdem: Die Kindergeldkassen benötigen seit 2016 die Steuer-IDs – und zwar die des Elternteils, der das Kindergeld bezieht und auch die der Kinder, für die das Kindergeld fließt.

Kinderförderung während der Ausbildung

Kinder dürfen ihre Ausbildungskosten für den zweiten Teil einer „mehraktigen Erstausbildung“ übrigens als vorweggenommene Werbungskosten geltend machen, zum Beispiel für ein Masterstudium nach einem Bachelor-Abschluss. Darauf weist der NVL hin. Das gilt unabhängig davon, ob die Kinderförderung während dieser Ausbildungsphase weiterläuft oder nicht.

Übrigens:
Die Altersgrenze von 25 Jahren für den Bezug von Kindergeld hat das Bundesverfassungsgericht inzwischen de facto abgesegnet: Denn es nahm 2015 ein Verfahren (Az. 2 BvR 646/14) gar nicht erst zur Prüfung an. Darin ging es um die Frage, ob Eltern für Kinder im Alter zwischen 25 und 27 Jahren, die weiter in Ausbildung sind, Freiwilligendienst absolvieren oder zwischen zwei Ausbildungsabschnitten pausieren, weiter Kindergeld beziehen dürfen.

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Für meine Leser bin ich stets auf der Suche nach neuen Angebots- und Konditionen-Trends bei Direkt- und Filialbanken. Denn mein Ziel ist es, dass Anleger wohl durchdachte Entscheidungen treffen können, welchen Anbietern sie ihr Vertrauen schenken. Außerdem schreibe ich seit vielen Jahren zu den Themen Vermögensaufbau und Altersvorsorge, aber auch Anlegerschutzrecht und Steuern. Private Geldanleger und ihre Bedürfnisse stehen dabei für mich immer im Fokus.  

In München und Washington, D.C., habe ich Diplom-Journalistik und Diplom-Volkswirtschaftslehre studiert, außerdem meine Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München absolviert. Nach meinem Berufseinstieg als Redakteurin beim Anlegermagazin Börse Online arbeitete ich von 1998 bis 2000 als Investor Relations Managerin bei der HypoVereinsbank. 2000 kehrte ich als Ressortleiterin zu Börse Online zurück und verantwortete dort bis 2009 die Bereiche “Geld und Vorsorge” sowie die Portrait- und Interviewstrecke “Börsianer und Anleger”. In dieser Zeit habe ich mehrere renommierte Journalistenpreise gewonnen.  

Seit 2009 schreibe ich für biallo.de, aber auch für Capital, Euro am Sonntag, Euro und weiterhin für Börse Online sowie für andere bekannte überregionale Wirtschaftsmedien. Gemeinsam mit früheren Börse Online-Kollegen betreibe ich den börsentäglichen Blog finanzjournalisten.blogspot.com. Daneben bin ich als Referentin für Wirtschaftsjournalismus an der Deutschen Journalistenschule München sowie als Moderatorin von Podiumsdiskussionen tätig.

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