Wenn die Oma dem Enkel den Führerschein finanziert

Hartz IV Wenn die Oma dem Enkel den Führerschein finanziert

Rolf Winkel
von Rolf Winkel
24.07.2016
Auf einen Blick
Kindern aus armen Familien gesteht der Staat nur karge Leistungen zu. Was dürfen ihnen ihre Großeltern, Onkel oder Tanten zuschustern, ohne dass die Hartz-IV-Leistungen der Kinder gekürzt werden?
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Darüber hinaus findet sich in der Arbeitslosengeld-II-/Sozialgeld-Verordnung die Regel, dass beispielsweise zur Kommunion oder Konfirmation Geldgeschenke bis 3.100 Euro erlaubt sind. Ob dies auch für die Hochzeit gilt, haben die Gerichte noch nicht entschieden. Zudem werden monatliche Einkünfte bis zu zehn Euro nicht auf die Hartz-IV-Leistungen angerechnet. Dies ist vor allem für Minderjährige wichtig. Der Freibetrag gilt für jedes Kind extra. Für Erwachsene, die keinerlei sonstige Einnahmen haben, sind monatlich mindestens 30 Euro anrechnungsfrei, da ihnen ein pauschaler 30-Euro-Absetzbetrag für angemessene Versicherungen eingeräumt wird.

Grundsicherung im Alter: Derart klare Regeln fehlen bisher bei der Grundsicherung im Alter – so nennt sich die „Alters-Sozialhilfe“. Nach Paragraf 84 Absatz 2 des Sozialgesetzbuches XII sollen Zuwendungen von Verwandten mit den staatlichen Leistungen nicht verrechnet werden, wenn ihre Berücksichtigung für die Sozialhilfeempfänger eine „besondere Härte“ bedeuten würde. Was als „Härte“ gilt, entscheiden die Ämter – und im Streitfall die Sozialgerichte. In vielen Kommunen gelten einmalige Zuwendungen im Wert von bis zum halben Regelsatz - also derzeit bis 202 Euro - als erlaubt. Was darüber hinausgeht, führt dazu, dass die Grundsicherung gekürzt wird. Zum praktischen Problem kann dies beispielsweise werden, wenn die Urlaubsreise eines hilfebedürftigen Seniors von seinen Kindern finanziert wurde.

Tipp: Im Zweifelsfall sollten Bezieher der Grundsicherung einen teuren Flug von ihren Rücklagen (falls vorhanden) finanzieren – erlaubt sind bis zu 2.600 Euro für einen Alleinstehenden.

Klarere Regeln gelten für den Fall, dass jetzige hilfebedürftige Senioren in früheren besseren Zeiten Geschenke an ihre Kinder verteilt haben. Ein inzwischen verarmter Schenker kann beispielsweise innerhalb von zehn Jahren die Rückgabe des Hauses oder Grundstücks verlangen, das er seinem Kind geschenkt hat. Das Sozialamt kann diesen Anspruch auf sich überleiten. Das laufende Einkommen der Kinder von Grundsicherungsbeziehern wird allerdings in der Regel nicht vom Sozialamt angetastet. Nur wer ein Jahreseinkommen von mehr als 100.000 Euro hat, wird von Amts wegen für seine über 65 Jahre alten Eltern zur Kasse gebeten.

Wollen Sie mehr wissen? In unserem Dossier informieren wir unter anderem über diese Themen:


1 Arbeitslosengeld II

1a Wann Angehörige zur Kasse gebeten werden können (Zahlungsverpflichtung)
 

  • Fall 1: Eltern arbeitslos
  • Fall 2: Kinder arbeitslos
  • Fall 3: Schwangere Tochter

1b Freiwillige Zahlungen von Angehörigen an ALG-II-Bezieher
 

  • 3.100-Euro-Pauschbetrag für Kommunion etc.
  • Geschenke zu sonstigen besonderen Anlässen (Geburtstage etc.)
  • 10-Euro-Bagatellbetrag
  • 30-Euro-Regel für Erwachsene
  • Zweckbestimmte Geschenke
  • Rechtsprechung zu Darlehen
  • Überbrückungszahlungen bei Rechtsstreit


2 Grundsicherung im Alter

2a (Kein) Rückgriff auf Angehörige
2b Freiwillige Unterstützungsleistungen für Grundsicherungsbezieher

3 Wohngeld / Lastenzuschuss

3a Kein Rückgriff auf Angehörige
3b Berücksichtigung freiwilliger Zahlungen und von Darlehen


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ist unser Spezialist für alles, was mit den Sozialversicherungen und Sozialleistungen  zu tun hat. Er ist gelernter Sozialwissenschafter und schreibt seit 35 Jahren Sozialratgeber, unter anderem die vom DGB-Bundesvorstand herausgegebenen „111 Tipps für Arbeitslose - Arbeitslosengeld I“ und die „111 Tipps zu Arbeitslosengeld II und Sozialgeld“.

Seit 2005 arbeitet er für biallo.de und betreut die Monatszeitschrift "Soziale Sicherheit".

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ist unser Spezialist für alles, was mit den Sozialversicherungen und Sozialleistungen  zu tun hat. Er ist gelernter Sozialwissenschafter und schreibt seit 35 Jahren Sozialratgeber, unter anderem die vom DGB-Bundesvorstand herausgegebenen „111 Tipps für Arbeitslose - Arbeitslosengeld I“ und die „111 Tipps zu Arbeitslosengeld II und Sozialgeld“.

Seit 2005 arbeitet er für biallo.de und betreut die Monatszeitschrift "Soziale Sicherheit".

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