Tagesgeld bei ausländischen Banken Hohe Zinsen auf Kosten der Sicherheit?

Tagesgeld bei ausländischen Banken Hohe Zinsen auf Kosten der Sicherheit?

Max Geißler
von Max Geißler
17.06.2016
Auf einen Blick

Manche ausländische Bank zahlt mehr als das Hundertfache an Tagesgeldzinsen im Vergleich zu deutschen Banken. Doch ist das Ersparte dort auch sicher?

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Beispiele: Die maltesische Ferratum Bank schreibt für ihr Tagesgeld bis zu 1,3 Prozent Zinsen gut, die österreichische Austrian Anadi Bank spendiert 1,15 Prozent.

Bei Postbank oder Comdirect muss man sich hingegen mit 0,01 Prozent zufrieden geben. Kein Wunder, dass es immer mehr Sparer zur fremdländischen Konkurrenz zieht.



So ist Ihr Tagesgeld bei ausländischen Banken abgesichert

Grundsätzlich gilt: Bis zur Höhe von 100.000 Euro brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Bis dahin gilt für alle Banken mit Sitz in der Europäischen Union die gesetzliche Einlagensicherung. Bei einer Bankpleite besteht ein Rechtsanspruch darauf, dass das Ersparte binnen sieben Arbeitstagen erstattet wird – egal, ob es sich um ein aus- oder inländisches Institut handelt. Die Entschädigung erfolgt durch die deutsche gesetzliche Einlagensicherung in Euro, diese holt sich das Geld von der Auslandsbank zurück. Jedes Land verfügt über entsprechende Sicherungsfonds.

Mein Tipp: Für Ehepartner mit Gemeinschaftskonto gelten 200.000 Euro Einlagensicherung. Vermögende Anleger, die auf Nummer sicher gehen wollen, können Guthaben über 100.000 Euro auf verschiedene Banken verteilen und so die gesetzliche Basissicherung mehrfach in Anspruch nehmen.

Wann fällt die Einlagensicherung noch höher aus?

Darüber hinaus greift in bestimmten Fällen eine erweiterte Sicherungsgrenze von bis zu 500.000 Euro. Solche Sonderfälle können Sie für sich geltend machen, wenn Ihr Kapital beispielsweise aus dem Verkauf einer privat genutzten Immobilie stammt, es sich um eine betriebliche Abfindung handelt oder um eine Auszahlung aus einer Betriebsrente. Auch der Versorgungsausgleich nach einer Scheidung ist durch die erweiterte Einlagensicherung geschützt.

Achtung: Der höhere Schutzumfang ist jedoch mit einem Wermutstropfen versehen: Er gilt nur für die relativ kurze Dauer von sechs Monaten ab Geldeingang auf dem eigenen Konto.

Wann tritt der Entschädigungsfall ein?

Kommt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zu dem Ergebnis, dass für eine Bank keine Chance mehr besteht, die Geschäfte erfolgreich fortzuführen, oder dauert das von der Bafin verhängte Moratorium (Ein- und Auszahlungsverbot) bereits sechs Wochen an, stellt sie den sogenannten Entschädigungsfall fest. Dann nimmt der Einlagensicherungsfonds seine Tätigkeit auf und beginnt, die Anleger zu entschädigen. Dazu wird der Fonds die Kunden anschreiben, deren Forderungen prüfen und bei berechtigtem Anspruch Gelder auszahlen.

Freiwilliger Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB)

Viele in- und ausländische Banken sind über die gesetzliche Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) hinaus Mitglied im freiwilligen Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken. Dieser garantiert Sparguthaben bis zur Höhe von 20 Prozent des haftenden Eigenkapitals der Bank. In der Praxis entspricht dies Millionenbeträgen, manchmal sogar Milliardenbeträgen. Dadurch ist Tagesgeld bei Banken wie DAB, ING-Diba, Ziraat Bank oder Barclays Bank trotz Auslandshintergrund weit über den Betrag von 100.000 Euro hinaus abgesichert.

Wie erfolgt die Entschädigung bei ausländischen Banken?

Selbstständige Tochterunternehmen von Auslandsbanken: Bei einem selbstständigen deutschen Tochterunternehmen einer ausländischen Bank handelt es sich um eine nach deutschem Recht gegründete Bank, die deutschem Aufsichtsrecht unterliegt. Ein Beispiel hierfür ist die ING-Diba. Die Bank ist daher Mitglied bei einer deutschen gesetzlichen Entschädigungseinrichtung. Die Entschädigung der Anleger erfolgt wie bei einer deutschen Bank.

Unselbstständige Zweigstellen:
Anders sieht es bei deutschen Zweigstellen europäischer Kreditinstitute oder solcher des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) aus. Hier erfolgt die gesetzliche Einlagensicherung (bis 100.000 Euro) grundsätzlich über das jeweilige Herkunftsland. Beispiele hierfür sind die Ferratum Bank (Malta) oder die Renault Bank direkt (Frankreich).

Im Entschädigungsfall übernimmt jedoch die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) stellvertretend für die Auslandsbank die Entschädigung des Anlegers. Das heißt: Der Anleger bekommt sein Geld vom deutschen Entschädigungssystem in Euro, der deutsche Entschädigungsfonds holt sich das Geld vom ausländischen Einlagensicherungssystem zurück.

Unselbstständige Niederlassungen von Banken außerhalb der EU oder des EWR:
Unselbstständige Niederlassungen von Kreditinstituten außerhalb Zentral-Europas sind automatisch Mitglied der deutschen gesetzlichen Entschädigungseinrichtungen. Im Pleitefall werden Anleger also vom deutschen Sicherungssystem entschädigt.

Zweifelsfälle

Vorsicht sollten Sie bei Banken walten lassen, die zwar in der EU gemeldet sind, deren Mutterkonzerne aber in weniger rechtssicheren Drittstaaten liegen. Russland kämpft zum Beispiel mit Sanktionen aus der EU. Davon sind zwar die europäischen Töchter russischer Geldhäuser explizit ausgenommen, doch was passiert, wenn beispielsweise die russische Sberbank in Schieflage gerät? Wird dann das Ersparte, das bei deren EU-Ableger Deniz Bank lagert, wirklich an die Sparer zurückgezahlt? Oder was passiert, wenn die Türkei in den Syrien-Konflikt hineingezogen wird? Komme ich dann noch an mein Geld bei einer türkischen Bank heran? Im Kriegsfall gelten oft andere Gesetze.
 

So erfolgt die konkrete Abwicklung im Schadenfall

Beispiel Großbritannien: Die gesetzliche britische Einlagensicherung FSCS schickt Kunden einer Pleitebank ein Formular, in dem sie ihre Forderungssumme und ihre Bankverbindung eintragen. Die FSCS prüft die Forderung und entschädigt bei Berechtigung binnen sieben Tagen. Die Entschädigung erfolgt im Falle Großbritanniens in Pfund, und zwar bis zur Maximalhöhe von 85.000 Pfund. Den fraglichen Betrag erhält die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken, die den Betrag in Euro umrechnet und ihn an den geschädigten Anleger auszahlt.

Ist die ausländische Bank zusätzlich eigenständiges Mitglied im freiwilligen Einlagensicherungsfonds deutscher Banken, erhalten Kunden, die mehr als 100.000 Euro angelegt haben, zusätzlich einen Antrag, in dem sie ihre darüber hinausgehenden Forderungen geltend machen können. Der Fonds prüft den Anspruch und erstattet im Rahmen der jeweiligen Sicherungsgrenze binnen ein bis zwei Wochen das Geld.

Beispiel Niederlande: Meldet ein niederländisches Institut Konkurs an, müssen Bankkunden warten, bis die Zentralbank des Nachbarlandes das Procedere der Entschädigung festgelegt hat. Die Niederländische Bank AG (DNB) veröffentlicht auf ihrer Internetseite die Adresse, unter der Betroffene ihren Antrag stellen können. Wird dem Entschädigungsantrag stattgegeben, beauftragt das niederländische Entschädigungssystem die deutsche Einlagensicherung, das Geld auszuzahlen.

Tipp: Sie möchten wissen, warum ausländische Banken bei Tagesgeld höhere Zinsen zahlen. Und wie legt man dort Geld an? Dies erfahren Sie in unserem kostenlosen sechsseitigen Dossier.

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Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
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58,33
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49,22
1,10%
Betrag 10.000 €, Laufzeit 9 Monate
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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

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