Eine komplexe Welt

Gastkommentar Eine komplexe Welt

von Manfred Lappe
28.11.2016
Auf einen Blick
  • Nach einer Schrecksekunde reagierte der Aktienmarkt positiv.
  • Der amerikanische Dollar gewinnt im Verhältnis zum Euro.
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Der zukünftige amerikanische Präsident schaffte es, mit einfachen Aussagen und Antworten die Mehrheit des Wahlvolks für sich zu gewinnen: Senkung der Steuersätze, Aufkündigung von Handelsabkommen, höhere Einfuhrzölle, Investitionen in die Infrastruktur, Verringerung der Einwanderung, etc. Ziel dieser Maßnahmen ist es unter anderem, in Amerika eine höhere Beschäftigung zu erzielen.

Nach einer Schrecksekunde reagierte der Aktienmarkt positiv ob der höheren Absatzmöglichkeiten von amerikanischen Unternehmen. Der Anleihemarkt jedoch fällt, die Zinsen am langen Ende steigen. Hintergrund hierfür ist einerseits die Befürchtung einer höheren Inflation durch die Ausgabeprogramme, andererseits eine erwartete (noch) höhere Verschuldung. Und ob die mit angedrohten Zollerhöhungen geschmähten Chinesen dann in gleichem Maße amerikanische Anleihen kaufen werden, erscheint fraglich – also möglicherweise gleichzeitig eine Erhöhung des Anleiheangebots bei verkleinerter Nachfrage? Dies spricht für sinkende Kurse und damit steigende Zinsen.

Und noch etwas fällt auf: Der amerikanische Dollar gewinnt im Verhältnis zum Euro. Was sich unter anderem natürlich durch die steigende Zinsdifferenz erklärt: Während in Amerika die Zinsen tendenziell und nach der Wahl besonders klettern, werden sie in Europa durch die Europäische Zentralbank künstlich niedrig gehalten.

Das bedeutet ein steigender Dollar:

1) Eine Verbilligung der nach Amerika importierten Waren, das heißt, die Importgüter erhalten einen zusätzlichen Nachfrageschub durch niedrigere Preise, was amerikanische Waren im heimischen Markt Amerika weniger konkurrenzfähig werden lässt.

2) Eine Verteuerung der von Amerika exportierten Waren, das heißt, die Nachfrage nach amerikanischen Exportgütern wird gehemmt.

3
 
Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
58,33
1,00%
2.
57,57
0,75%
3.
49,22
1,10%
Betrag 10.000 €, Laufzeit 9 Monate

Beide Auswirkungen der gerade zu beobachtenden Wechselkursentwicklung laufen dem erklärten Ziel der Verringerung der Arbeitslosigkeit in Amerika entgegen.

Die Quintessenz ist, dass populistische, „einfache Aussagen und Antworten“ in einer komplexen Welt oft wenig hilfreich, oft sogar kontraproduktiv sein können.

...und das Positive

Eine Schwächung des Euro gegenüber dem US-Dollar verbessert die Exportchancen für europäische und damit auch deutsche Unternehmen und führt damit tendenziell zu einer Verringerung der Arbeitslosigkeit (in Europa). Und die für Importgüter zu bezahlenden höheren Preise (in Euro) führen bei uns zu einem Anstieg der Inflation, was die Europäische Zentralbank ja seit Jahren weitgehend vergeblich mit dem Ankauf von Anleihen zu erreichen sucht.

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