Geldanlage Schlaue sparen mehr

Geldanlage Schlaue sparen mehr

Max Geißler
von Max Geißler
07.06.2016
Auf einen Blick

Trotz niedriger Zinsen haben die Deutschen Freude am Sparen. Die eifrigsten Anleger sind diejenigen, die sich mit der Materie auskennen.

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In zinslosen Zeiten wird das Geld lieber ausgegeben als angelegt? Stimmt nicht, so das Ergebnis einer Befragung von mehr als 8.000 Bundesbürgern durch das Hamburger Marktforschungsinstitut Elbe 19 im Auftrag von Union Investment. Trotz gestiegener Konsumlaune sparen die Deutschen weiter auf hohem Niveau.

Neun von zehn Befragten halten es weder für altmodisch noch für spießig, sein Geld zur Bank oder Sparkasse zu tragen. Die Sparquote liegt konstant über zehn Prozent. „Sparen ist alles andere als ein Auslaufmodell“, bekräftigt Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender von Union Investment. Schließlich lege jeder zweite Deutsche monatlich Geld zurück.

Sparen gibt ein gutes Gefühl

Das Thema Geldanlage ist positiv besetzt. Für 73 Prozent der Befragten bedeuten finanzielle Rücklagen jederzeit handlungsfähig zu sein. Die eigenen Ersparnisse stehen für einen Zugewinn an persönlicher Freiheit. „Wer spart, dessen Wohlfühlfaktor steigt, auch wenn es nur rein rational um das Halten oder Steigen des Lebensstandards geht“, sagt Reinke. Nicht zu sparen, bereitet vielen Unbehagen. Interessant ist, dass die Freude am Sparen mit der Art und Weise der Geldanlage zusammenhängt.

Wer Aktien und Fonds besitzt, der kommt auf einen Sparlaune-Index von 64 auf einer Skala von null bis hundert. Wer auf verzinste Geldanlagen wie Tagesgeld, Festgeld oder das Sparbuch setzt, der liegt mit 59 Punkten dahinter. Die Zahlen zeigen: Die Freude am Sparen steigt mit dem Besitz von chancenreicheren Geldanlagen. Eine Ursache hierfür könnten die auf lange Sicht höheren erzielbaren Renditen sein.

Geldanlage bei Niedrigzins nicht lohnenswert?

Der Anteil derer, die kein Geld sparen, fällt mit rund zehn Prozent überraschend gering aus. Gut die Hälfte davon gibt als Grund dafür fehlende Mittel an. Bei der anderen Hälfte scheint es hingegen so, dass sie ihr Sparpotential nicht nutzt. Jeder dritte Nichtsparer (36 Prozent) gibt niedrige Zinsen und geringe Renditen als Ursache für die Sparverweigerung an.

„Viele glauben, dass sich Geldanlage bei Minizinsen nicht lohnt“, kritisiert Reinke. Dem ist aber nicht so. Es finden sich verschiedene, attraktive Angebote. Selbst verzinste Geldanlagen bringen bei einer Inflationsrate von null Prozent ordentlich Rendite, weil der Ertrag bei ausbleibender Geldentwertung vergleichsweise hoch ist. Einige Beispiele:
 

  • Fünfjähriges Festgeld: Bestes Angebot bietet derzeit 1,61 Prozent Zinsen p.a., zum Beispiel bei Credite Agricole.
  • Fünfjähriger Sparplan: Bestes Angebot bietet derzeit 1,7 Prozent Festzins p.a., zum Beispiel bei Denizbank.
  • Fonds mit deutschen Aktien: Hier liegt die durchschnittliche Fünfjahresperformance laut Fondsverband BVI bei 5,7 Prozent p.a.
  • Fonds mit internationalen Aktien: Hier beträgt die durchschnittliche Fünfjahresperformance aktuell 6,8 Prozent p.a.


Viele Sparer unterschätzen zudem ihre finanziellen Möglichkeiten. 37,6 Prozent der Befragten geben an, über ein Sparvermögen von mehr als 5.000 Euro zu verfügen, 27,6 könnten sogar mehr als 10.000 Euro sparen. Für die Geldanlage wollen sie ihr Kapital aber nicht verwenden. Auf der anderen Seite führen die niedrigen Zinsen nicht dazu, dass vorgezogener Konsum, etwa über Ratenkredite, das Sparen ersetzt. Nur 31 Prozent der Befragten geben eine Affinität zu höheren Konsumausgaben an.
 

Sparen als Beziehungskiste

Das Verhältnis der Deutschen zum Geldanlegen ist dreigeteilt. Auf die Frage, wie Studienteilnehmer ihr Verhältnis zum Sparen beschreiben, stufte fast jeder Dritte sein Verhältnis als „Liebesheirat“ ein, 64 Prozent nannten es eine „Zweckbeziehung“. Auf Kriegsfuß mit der finanziellen Vorsorge stehen nur gut sechs Prozent der Befragten. Interessant ist, dass unter den risikobewussten Anlegern, die sich als moderne Sparer einstufen, nur 2,5 Prozent der Befragten auf Kriegsfuß mit ihrer Geldanlage stehen. Bei den Nichtsparern sind es dagegen 17,7 Prozent.
 

Schlaue sparen mehr

Ein wichtiger Faktor bei der Geldanlage ist die Selbsteinschätzung des Wissens. Die Studie ergab, dass diejenigen, die sich selbst als Anlage-Experten bezeichnen, und das sind immerhin fast 86 Prozent, regelmäßiger Sparen als diejenigen, die sich eher als ahnungslos bezeichnen. Von den Unwissenden legt nur jeder dritte regelmäßig Geld zurück. „Um erfolgreich zu sparen, muss man aber nicht unbedingt ein Experte sein“, erklärt Reinke.

Wer wenig Erfahrung hat, der könne sich zum Beispiel beraten lassen. Auch plädiert der Union-Investment-Chef für eine andere Diskussionskultur: „Im Niedrigzinsumfeld sollte mehr darüber gesprochen werden, welche Geldanlage sich lohnt und weniger darüber, warum Sparen und Altersvorsorge angeblich keinen Sinn mehr macht."


Mein Tipp: Vergleichen Sie die Angebote und die Renditen verschiedener Geldanlagen, bevor Sie sich für eine Anlageform entscheiden. Bei einer Geldentwertung von null Prozent versprechen zum Beispiel Festgeld, Sparbriefe und Aktienfonds Global attraktive Nettorenditen.

3
 
Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
58,33
1,00%
2.
57,57
0,75%
3.
49,22
1,10%
Betrag 10.000 €, Laufzeit 9 Monate
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Max Geißler
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Max Geißler
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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

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