Brillenversicherung Von überflüssig bis sinnvoll

von Horst Peter Wickel
08.01.2014
Auf einen Blick

Brillenversicherung ist nicht gleich Brillenversicherung. Einige decken nur Verlust oder Beschädigung ab. Andere bieten auch medizinische Leistungen.

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Die deutschen Brillen-Riesen Fielmann und Apollo haben schon vor rund zehn Jahren einen einträglichen Zusatzmarkt entdeckt – sie verkaufen Brillenversicherungen von Hanse Merkur oder Ergo Direkt (zuvor Karstadt Quelle), doch die Leistungen dieser Versicherungen sind stark begrenzt. Bei Fielmann kostet die „Nulltarifversicherung“ bei Einstärkengläsern lediglich zehn Euro pro Jahr, für Mehrstärkengläser werden 50 Euro Jahresbeitrag fällig. Bei Ergo Direkt bemessen sich die Prämienhöhen nach dem Wert der Brille – sie liegen zwischen fünf und 22,50 Euro pro Jahr. Während Ergo Direkt bei Verlust oder Schädigung der Brille zahlt, leistet Hanse Merkur bei Sehstärkenveränderungen von mindestens 0,5 Dioptrien oder Beschädigung der Sehhilfe. Allerdings gibt es bei Fielmann eine kostenlose neue Brille nur aus dem Nulltarifsegment.


Besser Geld zurücklegen

Verbraucherschützer vom Bund der Versicherten (BdV) wollen diese Versicherungen nicht empfehlen. BdV-Beraterin Bianca Boss sagt: „Die Neuanschaffung einer Brille stellt einen in der Regel nicht vor eine finanziell ausweglose Situation und nur für eine solche Situation sollte eine Versicherung überhaupt abgeschlossen werden. Außerdem sind so viele Voraussetzungen an eine Erstattung geknüpft, dass es sich nicht lohnt, so eine Versicherung abzuschließen.“ Sie rät, stattdessen, „für den Fall der Fälle etwas Geld zurückzulegen.“

Alternativen zu diesen reinen Brillenversicherungen sind Zusatzversicherungen mit Monatsbeiträgen von wenigen bis zu mehreren Dutzend Euro (je nach Alter). Aber diese Versicherungen versprechen nicht nur höhere Zuschüsse, sondern Zusatzleistungen außerhalb der Kassenerstattungsbeträge. So übernehmen beispielsweise Tarife wie Barmenia AN+, Arag 483 oder Ergo Direkt Augen Vorsorge 100 Prozent der Kosten beim Kauf von Sehhilfen, Gestellen, Gläsern, Kontaktlinsen und Sonnenbrillen. Aber während Ergo Direkt nur Rechnungsbeträge bis zu 150 Euro erstattet, übernimmt Arag Rechnungsbeträge bis zu 330 Euro. Und während bei Arag diese Leistung nur innerhalb von drei Jahren einmal erfolgt, übernehmen Barmenia und Ergo Direkt den Betrag innerhalb von zwei Kalenderjahren. Bei einigen Tarifen entstehen zusätzliche Ansprüche bei einer Sehschärfenveränderung, so zum Beispiel beim Tarif DKV KHMR – die Veränderung muss dann allerdings mindestens 0,5 Dioptrien betragen.

Brillenversicherungen mit zusätzlichen medizinischen Leistungen

Viele Tarife der Brillenzusatzversicherung, so zum Beispiel Ergo Direkt Augen Vorsorge oder R+V Blick + Check comfort, bieten darüber hinaus zusätzliche Leistungen für Glaukom-Untersuchungen (grüner Star) an. Geleistet wird für die Perimetrie (Gesichtsfeldmessung), Tonometrie (Augeninnendruckmessung) und Gonioskopie (Untersuchung des Kammerwinkels). Damit kann ein mögliches Erblinden rechtzeitig erkannt und behandelt werden. Und einzelne Versicherer, so Arag, bieten auch Zuschüsse für Laser-Operationen zur Sehschärfenkorrektur (bei Arag 483 einmal während der Vertragslaufzeit bis zu 1.000 Euro). Andere, so zum Beispiel Ergo Direkt Augen Vorsorge, leisten erhebliche Zuschüsse für die Kosten, die bei einer unfallbedingten Erblindung für erforderliche Umbaumaßnahmen, Hilfsmittel und Schulungen entstehen.

Bei anderen Policen sind zusätzlich die Kosten für Heilpraktikerbehandlung eingeschlossen, so zum Beispiel bei Barmenia, in anderen Fällen besteht eine Verknüpfung mit anderen medizinischen Hilfsmitteln, zum Beispiel Hörgeräten beim Tarif DKV KHMR. Als weiterer Baustein ist teilweise eine Auslandsreisekrankenversicherung integriert, so bei der DKV. Auch bei Wartezeiten, Gesundheitsprüfungen und Kündigungsmöglichkeiten bestehen erhebliche Unterschiede. BdV-Beraterin Boss rät deshalb Verbrauchern mit Interesse an einer Brillenversicherung, „sich das Kleingedruckte genau anzuschauen.“

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