Versicherungen Volle Leistung bei grober Fahrlässigkeit sichern

Annette Jäger
von Annette Jäger
04.03.2014
Auf einen Blick

Handelt man grob fahrlässig, hat man als Versicherungsnehmer das Nachsehen. Die Versicherung kürzt die Leistung. Manchmal kann man das Risiko extra absichern.

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Wer „grob fahrlässig“ handelt, trägt in erheblichem Maße dazu bei, dass ein Schaden eintritt. Es liegt, im Juristendeutsch gesprochen, eine besonders schwere Verletzung der erforderlichen Sorgfalt vor. Klassisches Beispiel: Man fährt betrunken Auto und baut einen Unfall. Oder: Man beruhigt während der Autofahrt das schreiende Kind auf der Rückbank und fährt auf ein anderes Fahrzeug auf. In solchen Fällen darf der Versicherer die Leistung in der Vollkaskoversicherung, die den Schaden am eigenen Auto deckt, wegen grober Fahrlässigkeit kürzen. Versicherungen, bei denen grobe Fahrlässigkeit eine Rolle spielt, sind die Kfz-Kaskoversicherung, die Hausratversicherung und die Wohngebäudeversicherung.

Was leistet der Versicherer bei grober Fahrlässigkeit?

„Im neuen Versicherungsvertragsgesetze von 2008 wurde festgelegt, dass der Versicherer die Leistung bei grob fahrlässigem Handeln zwar kürzen, aber nicht komplett streichen darf“, stellt Versicherungsberater Thorsten Rudnik klar. Der Versicherer dürfe die Leistung „entsprechend dem Grad der Verschuldung“ reduzieren. Die Kürzung der Leistung muss also der Schwere des Handelns angemessen sein. Das lässt natürlich Interpretationsspielraum. Die Rechtssprechung hat in den vergangenen Jahren diese Regelung durch Urteile zum Thema grobe Fahrlässigkeit konkretisiert und wird das in Zukunft durch weitere Urteile tun. Ziel ist es, zu einer fairen Abstufung der Leistung zu gelangen, erklärt Rudnik.

Der Streit um die Höhe der Leistung bei grober Fahrlässigkeit endet bislang meist vor Gericht. Wer als Versicherungsnehmer über eine Rechtsschutzversicherung verfügt, hat Glück gehabt. Versicherungsstreitigkeiten sind in dem Leistungspaket Privat- und Berufsrechtsschutz mit abgedeckt. Dann kommt die Police unter anderem für die Anwalts- und Gerichtskosten auf.

Grobe Fahrlässigkeit als Extra mitversichern

Das riskante Handeln kann man mitversichern, und das ist auch dringend zu empfehlen, meint Rudnik.

Kfz-Versicherung: Möglich ist dies bei der Vollkaskoversicherung der Kfz-Police: Auch das Überfahren eines Stoppschildes und einer roten Ampel gilt als grob fahrlässiges Handeln. Das sollte zwar nicht, kann aber durchaus passieren. Ausgenommen von der Leistung ist immer das Fahren unter Alkoholeinfluss und der erleichterte Diebstahl des Fahrzeugs, etwa wenn man den Schlüssel im Zündschloss stecken lässt.

Hausratversicherung: Auch bei der Hausratversicherung lohnt es sich zu überprüfen, ob grobe Fahrlässigkeit abgedeckt ist. Beispiel: Man vergisst die brennenden Kerzen auf dem Adventskranz, der Kranz fängt Feuer und in der Folge brennt die ganze Wohnung ab. Normalerweise würde der Versicherungsnehmer dann nur anteilig seinen Schaden am Inventar der Wohnung ersetzt bekommen. Ist die grobe Fahrlässigkeit jedoch versichert, erhält er die volle Leistung. Ebenso ist das Extra bei der Wohngebäudeversicherung sinnvoll. Schon wer das Haus verlässt und die Waschmaschine laufen lässt ohne Aqua-Stopp-Vorrichtung, handelt grob fahrlässig.

„Das Extra kostet nicht unbedingt mehr“, meint Rudnik. In manchen Tarifen ist es auch automatisch enthalten. Vor allem ältere Verträge sollte man nachzurüsten. Oft hat das Unternehmen, bei dem man versichert ist, inzwischen einen neueren Tarif auf dem Markt mit wesentlich besseren Leistungen - nicht selten zum günstigeren Preis, hat der Versicherungsberater erfahren.

Übrigens:
Die private Haftpflichtversicherung leistet auch immer bei grober Fahrlässigkeit. Hier muss man den Schutz nicht extra absichern.

Obliegenheitspflichten beachten

Um grobe Fahrlässigkeit handelt es sich auch, wenn man seinen Pflichten als Versicherungsnehmer nicht nachkommt. Viele wissen nicht, dass sie laut Vertrag in der Hausratversicherung beispielsweise dazu verpflichtet sind, einen entstanden Schaden möglichst gering zu halten. Wer das nicht tut, muss akzeptieren, dass die Versicherung die Leistung kürzt. Beispiel: Hat man einen Leitungswasserschaden, kann man nicht einfach den Hahn abdrehen und in den Urlaub fahren. Auch wenn man in den Winterurlaub fährt, alle Heizkörper ausdreht und bei Rückkehr einen Wasserrohrbruch hat, kann der Versicherer eine Teilschuld mit einkalkulieren. Diese Art grob fahrlässigen Handelns kann man nicht über ein Extra mitversichern. Auch in anderen Versicherungen sind Obliegenheiten zu erfüllen.

Schäden die der Versicherungsnehmer vorsätzlich, also absichtlich, herbeiführt, sind nie versichert.

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während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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