Kfz-Versicherung Vorsicht bei kleinen Schäden

Kfz-Versicherung Vorsicht bei kleinen Schäden

von Horst Peter Wickel
04.08.2016
Auf einen Blick

Nicht nur schwere Unfälle, auch kleinere Schäden, sogenannte Bagatellschäden, können zu erheblichen Problemen führen. Auch mit der Kfz-Versicherung.

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Ganz ohne Dellen und Kratzer schafft es wohl kein Autofahrer mehr – vor allem beim Ein- und Ausparken ist es leicht passiert, gerade, wenn Sie auch noch von drängelnden, ungeduldigen anderen Fahrern genervt werden.

Auf keinen Fall dürfen Sie den Unfallort sofort verlassen, selbst wenn Sie einen Zettel mit Ihren Kontaktdaten an der Scheibe des beschädigten Autos hinterlassen. Dies gilt als unerlaubtes Entfernen vom Unfallort, also als Fahrerflucht. Nach Paragraf 142 des Strafgesetzbuches müssen Sie „eine nach den Umständen angemessene Zeit“ warten, bei kleineren Blechschäden reichen etwa 20 bis 30 Minuten. Wenn der Halter des beschädigten Fahrzeugs in dieser Zeit nicht auftaucht, müssen Sie nicht nur Namen und Anschrift am Tatort hinterlegen, sondern den Unfall auch der nächsten Polizeidienststelle (direkt oder telefonisch) melden. Im Anschluss daran müssen Sie einen solchen Unfall auch Ihrer Versicherung anzeigen.

Auch kleine Schäden genau anschauen

„Ist ja nur eine Schramme“ oder „Na, so eine kleine Delle“ - auch wenn der Schaden nicht so groß erscheint: jetzt ist Vorsicht geboten. Insbesondere für Laien ist es schwierig, wenn nicht nahezu unmöglich, die Höhe des Schadens abzuschätzen. Schon kleine Dellen oder Schrammen an der Karosserie mindern den Wert eines beschädigten Autos in jedem Fall.

Aber Vorsicht - selbst hinter einem scheinbar harmlosen Kratzer kann ein ernsthafter Schaden stecken. Kfz-Experten und Sachverständige weisen darauf hin, dass vor allem bei neueren Fahrzeugen viele Schäden im Aufprallbereich gar nicht zu erkennen sind. Sie verbergen sich hinter viel Kunststoff. Auch bei Schäden, die äußerlich sehr gering wirken, ergeben sich nicht selten nach genauerer Überprüfung Schadenhöhen von mehreren tausend Euro. In vielen Fällen ist ohne die Demontage von Anbauteilen das ganze Ausmaß des Schadens kaum feststellbar.

Aus Sicherheitsgründen sollten Sie deshalb auch bei einem vermeintlichen Bagatellschaden, der oberflächlich vielleicht sogar selbst repariert werden kann, einen unabhängigen Gutachter hinzuziehen. Da sich Autoversicherer in vielen Fällen bei Bagatellschäden weigern, die Kosten für ein umfassendes Sachverständigen-Gutachten zu übernehmen, raten Verkehrsrecht-Anwälte zu einem Kurzgutachten (Kosten in der Regel 50 bis 100 Euro). Diese Kosten werden dann in der Regel von der Versicherung übernommen. Andere Versicherer geben sich allerdings bereits mit einem Kostenvoranschlag der Kfz-Werkstatt zufrieden.

Bagatellschäden kosten auch Geld

Fachanwälte und Kfz-Experten sprechen bei Reparaturkosten von weniger als 750 Euro von einem Bagatellschaden, aber das ist in der Regel nicht einmal alles. Bei einem Bagatellschaden am eigenen Fahrzeug, der nicht durch die Haftpflichtversicherung eines Dritten bezahlt wird, sollten Sie sich von Ihrer Versicherung beraten lassen, ob beispielsweise eine Abwicklung über die Vollkaskoversicherung wirklich Sinn macht. Die Versicherung kann einen sog. „Prämienmehraufwand“ errechnen, der aufzeigt wie sich die Prämienzahlungen infolge einer Rückstufung über die nächsten Jahre erhöhen können. Wenn Sie weniger für den Schaden bezahlen würden, als Sie später für die Versicherung an Prämien aufbringen müssten, sollten Sie die Rechnung lieber selbst begleichen.

Ohne Polizei einigen

Auch wenn der Schaden nicht so groß erscheint, dass die Polizei eingeschaltet werden muss, sollten Sie einige Punkte berücksichtigen. Zwar ist es natürlich schön, wenn der Unfallgegner seine Schuld unumwunden zugibt, aber das sollte am besten auch festgehalten werden, bevor er es sich eventuell anders überlegt. Ideal ist es, wenn beide Parteien ein Protokoll des Unfallhergangs anfertigen und es unterschreiben. Natürlich sind daneben die persönlichen Daten wie Name und Anschrift sowie Fahrzeugkennzeichen auszutauschen - im Idealfall auch die Versicherungsnummern. Sinnvoll sind darüber hinaus Fotos, die den Unfallort, die Position der Fahrzeuge und auch die beschädigten Teile festhalten.

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