Private Haftpflichtversicherung Wer haftet bei Schäden?

Fritz Himmel
von Fritz Himmel
16.04.2015
Auf einen Blick

Mal einige Tage auf die Wohnung des Nachbarn aufpassen oder beim Umzug helfen – ein netter Freundschaftsdienst eben. Doch was ist, wenn dabei etwas beschädigt wird?

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Während der Urlaubszeit die Pflanzen pflegen und die Katze füttern oder bei einem Umzug schnell mit anpacken – solche Gefälligkeiten übernehmen Freunde oder Nachbarn in der Regel gerne. Doch trotz bester Absicht kommt es immer wieder vor, dass dabei etwas passiert und ein Gegenstand zu Schaden kommt. Solche sogenannten „Gefälligkeitsschäden“ können beispielsweise sein:

  • Sie helfen beim Umzug eines Freundes. Plötzlich rutscht Ihnen beim Transport die Kommode aus der Hand, kullert die Treppe hinunter und geht zu Bruch.
     
  • Sie versprechen dem Nachbarn, während dessen Urlaubs dort die Blumen zu gießen. Leider stolpern Sie dabei über ein Kabel und reißen einen teuren Bildschirm vom Schreibtisch.
     
  • Auf dem Parkplatz eines Baumarkts sollen Sie einer Frau kurz helfen, ein paar schwere Bretter in ihren Kombi zu verladen. Dabei beschädigen Sie leider die Innenverkleidung.

Die Statistiken der Versicherungsanbieter zeigen, solche Missgeschicke geschehen öfter, als man denkt.

Wann zahlt die private Haftpflichtversicherung?

Ist nun versehentlich ein Malheur passiert, geht in der Regel der hilfsbereite Verursacher davon aus, dass seine private Haftpflichtversicherung den entstandenen Schaden erstattet. Doch hier beginnt nun oft das Problem. Laut Gesetzgebung sind Sie für Schäden, die aus reiner Gefälligkeit entstehen, nicht ersatzpflichtig. Der Gesetzgeber geht hier von einem stillschweigenden Haftungsausschluss aus. Die rechtliche Schlussfolgerung: Wenn der Versicherte (Verursacher) nicht haftet und den angerichteten Schaden nicht ersetzen muss, so muss dies in diesem Fall seine private Haftpflichtversicherung auch nicht („Haftungsausschluss bei Gefälligkeiten“). Und in der Tat: Meist sind typische Gefälligkeitsschäden durch günstige Standardpolicen bei der privaten Haftpflichtversicherung nicht abgedeckt. Auch die Gerichte gehen in solchen Fällen von einem „stillschweigenden Haftungsausschluss“ aus – zwischen dem, der um Hilfe bat, und dem, der freundlicherweise half.

Eine meist sehr prekäre Situation, vor allem wenn es Freunde, Verwandte oder Nachbarn betrifft. Da viele Betroffene sich trotz Haftungsausschluss moralisch zum Schadensersatz verpflichtet fühlen, bezahlen sie oft den Schaden aus eigener Tasche. Eine kleine Gefälligkeit kann so entweder ziemlich teuer werden – oder halt für deutliche Missstimmung sorgen.

Unser Tipp: Bevor Sie Ihre Hilfe bei Freunden oder Nachbarn zusagen, sollten Sie dahingehend Ihre Versicherungspolice überprüfen. Viele moderne Tarife versichern mittlerweile auch Schäden bei Gefälligkeitshandlungen – eventuell den Vertrag aktualisieren! Haben Sie den Schutz nicht in Ihrem Vertrag, können Sie sich aktuell auch so behelfen: Den Freund oder Nachbarn bitten, Sie für die Hilfsaktion von vornherein von jeglicher Haftung bei Missgeschicken freizustellen. Für den kleinen Vertrag unter Freunden reicht schon ein formloses Blatt Papier.

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nach dem Sprachstudium (Indologie/Anglistik) in München ging ich zuerst in die Filmbranche zu Warner Columbia und arbeitete anschließend viele Jahre als Werbeleiter in einem Fachbuchverlag in München.

Seit Gründung 1997 bin ich Mitglied bei Biallo & Team. Für das Finanzportal biallo.de bearbeite ich schwerpunktmäßig die Bereiche Telekommunikation, Altersvorsorge und Versicherungen sowie Erbrecht. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschien das Biallo-Buch „Das neue Pflichtteilsrecht“.

Darüber hinaus in dieser Zeit regelmäßige Veröffentlichungen zu Wirtschafts- und Verbraucherthemen in rund 20 Tageszeitungen, u.a. Welt am Sonntag, Münchner Merkur, Kölner Stadtanzeiger, Frankfurter Neue Presse, Westdeutsche Zeitung, Südkurier, Schwäbische Zeitung etc.

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Darüber hinaus in dieser Zeit regelmäßige Veröffentlichungen zu Wirtschafts- und Verbraucherthemen in rund 20 Tageszeitungen, u.a. Welt am Sonntag, Münchner Merkur, Kölner Stadtanzeiger, Frankfurter Neue Presse, Westdeutsche Zeitung, Südkurier, Schwäbische Zeitung etc.

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