Kaum Chancen für Betrüger

Schadenversicherungen Kaum Chancen für Betrüger

von Horst Peter Wickel
22.09.2016
Auf einen Blick
Durch Betrug entstehen in der Schaden- und Unfallversicherung in jedem Jahr Kosten von rund vier Milliarden Euro. Deshalb schauen die Versicherer heute genauer hin.
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Ob Schwarzarbeit, Einkäufe aus dem Ausland nicht verzollen oder Raubkopien aus dem Internet herunterladen – nach einer aktuellen Emnid-Umfrage halten fast 30 Prozent der Bundesbürger das für ein „Kavaliersdelikt“. Kleine Betrügereien finden fast zwei Drittel der Befragten prinzipiell in Ordnung. Vor allem Besserverdiener pflegen gegenüber Schummeleien ein besonders laxes Verhältnis.

Selbst ernstzunehmende Straftaten wie Versicherungsbetrug lösen bei den meisten Deutschen keine schweren Bedenken aus. So hält es jeder Zehnte (9,3 Prozent) für verzeihlich, bei der Versicherung ein paar Falschangaben zu machen, so zum Beispiel bei der Schadenshöhe.

Wenn Sie allerdings zu den ehrlichen Verbrauchern gehören, müssten Sie sich zumindest über Versicherungsbetrug eigentlich ärgern, denn selbstverständlich muss die Versicherungswirtschaft die Betrugsschäden von vier Milliarden Euro jährlich durch höhere Beiträge auch bei Ihnen wieder hereinholen.

Schadenexperten auf der Suche

Laut GDV (Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft) ist einer von zehn Schadensfällen frei erfunden oder wurde manipuliert, aber die Versicherer lassen sich diese Schummeleien längst nicht mehr so einfach gefallen. „Die Vermeidung von ungerechtfertigten Schadenzahlungen ist ein großer Hebel, um Kosten zu senken, Beiträge stabil zu halten und Kunden attraktive Angebote machen zu können“, sagt Christoph Hartmann, Sprecher der Provinzial Rheinland. Und Stefan Liebl, Pressechef der Versicherungskammer Bayern (VKB), sagt: „Wir stehen den ehrlichen Kunden gegenüber in der Pflicht. Deshalb ist Schadenmanagement notwendig, um Versicherungsbeiträge stabil zu halten. Denn mehr Versicherungsbetrug führt zu erhöhten Prämien und schadet letztendlich allen Versicherten.“

Oft stellt sich heraus, dass sich der Fall gar nicht wie geschildert ereignet haben kann oder die eingereichte Rechnung schlichtweg gefälscht ist. Weitere Indikatoren sind beispielsweise eine Erhöhung der Versicherungssumme unmittelbar vor dem Schadeneintritt, unglaubwürdige oder widersprüchliche Angaben zum Schadenhergang sowie auffällige Angaben zur Höhe und Umfang des Schadens.

Software zur Betrügersuche

Die Versicherungen vertrauen nicht nur regelmäßig geschulten Mitarbeitern, sondern setzen auch auf Softwareprogramme, die bestimmte Schadenfälle zur genauen Überprüfung herausfiltern.

So werden beispielsweise Fälle, bei denen ein Versicherungsvertrag erst kürzlich abgeschlossen wurde und unmittelbar darauf Schäden gemeldet wurden, näher überprüft. Zwar muss es sich hier nicht um einen Betrugsfall handeln, die Wahrscheinlichkeit ist jedoch zumindest erhöht.
Provinzial-Sprecher Hartmann sagt: „Bei bestimmten ‚Schadentypen‘ schauen wir genauer hin - zum Beispiel bei Streifschäden an geparkten Fahrzeugen, angeblichem Diebstahl der Innenausstattung von Fahrzeugen oder bei Vandalismusschäden.“

Technische Unterstützung liefern dabei automatisierte Plausibilitätsprüfungen, die beispielsweise erkennen, ob zum Zeitpunkt eines Überspannungsschadens tatsächlich ein Gewitter am Schadenort getobt hat. Rechnungen werden ebenfalls auf Plausibilität überprüft, um "schadenfremde" Positionen zu erkennen. Zu einem wichtigen Hilfsmittel hat sich das „Hinweis- und Informationssystem“ (HIS) der Versicherungswirtschaft entwickelt. Hier erfolgen Mitteilungen über Vorschäden, insbesondere an Fahrzeugen oder verdächtige Personen. Hartmann sagt: „Hilfreich ist dies zum Beispiel, wenn ein nicht behobener Hagelschaden Jahre später bei einem anderen Versicherer erneut als Schaden gemeldet wird.“

Bei Betrugsnachweis wird es teuer

Wenn Ihnen Versicherungsbetrug nachgewiesen wird, kann es teuer werden: Hier drohen nicht nur der Verlust des Versicherungsschutzes und die Rückforderung bereits bezahlter Leistungen und Sachverständigenkosten, sondern auch Strafanzeige, Geldbußen sowie Freiheitsstrafen bis zu zehn Jahren.
 

Biallo-Lesetipp

: Bei der Regulierung von Versicherungsschäden lässt sich die Versicherung manchmal viel Zeit, selbst bei klaren Fällen. Was Sie richtig reagieren, lesen in dem Beitrag "Wenn sich die Versicherung Zeit lässt".

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