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22.12.2015 09:54

Stress, Burnout, Depression Hilfe bei Seelenstress

von Annette Jäger Autor und Fritz Himmel Autor
Psychische Erkrankungen sind langwierig und führen zu vielen Fehltagen im Job. Doch es gibt Hilfe: So sind Behandlung und Einkommen abgesichert.
Stress, Burnout, Depression Hilfe bei Seelenstress
Keine Mode-Diagnose: Dauerhafter Stress im Job kann krank machen

Psychotherapie

Um aus dem Seelentief herauszufinden, kann der Arzt eine Psychotherapie verschreiben. Die gesetzliche Krankenkasse (GKV) gewährt ambulante wie auch stationäre Behandlungen. „Leider sind im ambulanten Bereich Therapieplätze rar“, stellt Charlotte Henkel, Patientenberaterin bei der Verbraucherzentrale Hamburg fest. Patienten müssen oft monatelang auf einen Therapieplatz warten. „Wenn Sie nachweisen, dass Sie keinen Platz gefunden haben und auch die Kasse kein Angebot machen kann, dürfen sie einen Therapeuten ohne Kassenzulassung aufsuchen.“ Die Kasse muss dies vorher genehmigen. Einige Krankenkassen, darunter auch die DAK, bieten neuerdings Online-Therapien für eine erste Linderung an.

Privatpatienten

Wer privat versichert ist, muss seinen Vertrag studieren: In älteren Verträgen sind die Leistungen für Psychotherapie oft minimal oder fehlen ganz. In neueren Verträgen dagegen sind Leistungen für Psychotherapie vorgesehen, der Umfang variiert jedoch. Einige Tarife gewähren einen bestimmten Prozentsatz der Gesamtkosten, andere eine bestimmte Anzahl an Sitzungen pro Jahr, wieder andere erstatten die ersten 30 Sitzungen zu 100 Prozent, weitere Sitzungen zu 70 oder 80 Prozent. Stationäre Psychotherapie erstatten die Versicherer meist in unbegrenztem Umfang.

Kuren

Auch eine Kur kann in Frage kommen. Für Mütter gibt es spezielle Mutter-Kind-Kuren. „2,1 Millionen Mütter hätten gemäß ihrer gesundheitlichen Situation sofort Anspruch auf eine Kurmaßnahme, aber nur fünf Prozent machen eine“, sagt Anne Schilling, Geschäftsführerin vom Müttergenesungswerk in Berlin. Die Krankenkasse gewährt dreiwöchige Kuraufenthalte für Mutter und Kind. „Die medizinische Notwendigkeit der Kur muss gut begründet sein“, rät Schilling. Wird der Antrag abgelehnt, lohnt es sich, Widerspruch einzulegen und die persönliche Notlage erneut darzulegen. Beratungsstellen der Wohlfahrtsverbände im Verbund Müttergenesungswerk unterstützen dabei. Auch für Väter gibt es solche Kuren. Privatpatienten müssen einen speziellen Kurtarif abgeschlossen haben, um eine mehrwöchige Auszeit finanziert zu bekommen.

Krankengeld

Kassenpatienten sind über das Krankengeld der GKV auch in längeren Krankheitsphasen finanziell abgesichert. Es wird maximal 78 Wochen lang bezahlt. Immer wieder ist aber zu hören, dass bei langen Krankengeldzahlungen der Medizinische Dienst der Krankenkassen die Diagnose des Patienten nach Aktenlage beurteilt und diesen rasch wieder gesundschreibt. „Patienten sind gut beraten, sich mit seelischen Leiden gleich an einen Psychiater zu wenden, dessen Aussagen mehr Gewicht hat, als die des Hausarztes“, rät Henkel. Selbstständige müssen sich über einen privaten Krankentagegeldtarif absichern.

Berufsunfähigkeit

Im schlimmsten Fall führt eine psychische Erkrankung zu einer Berufsunfähigkeit. Weil sich gerade bei psychischen Leiden oft erst nach langer Dauer zeigt, dass der Patient berufsunfähig ist, gewährt ein guter Vertrag rückwirkend Leistung – also ab Tag eins der Diagnose, betont Stefan Albers, Präsident des Bundesverbands der Versicherungsberater. „Der Versicherte sollte alle Arztbesuche, Diagnosen und Behandlungen mit Datum notieren, um den Krankheitsverlauf zu dokumentieren.“ Policen mit guten Bedingungen bieten beispielweise die Hannoversche, Europa oder Community Life. Noch ein Tipp: Frühzeitig eine Police abschließen: „Wer in den letzten zehn Jahren vor Antragstellung einmal wegen Prüfungs- oder Ehestress zum Therapeuten gegangen ist, hat kaum mehr eine Chance, psychische Leiden als Risiko zu versichern.“
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