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29.07.2016 00:48

Private Krankenversicherung Ärger bei Erstattung - das können Sie tun

von Annette Jäger Autor
Private Krankenversicherungen ziehen die Zügel an: Sie erstatten nicht immer alle Arztrechnungen komplett. Lesen Sie Tipps, wie Sie Ärger vermeiden.
Private Krankenversicherung Ärger bei Erstattung - das können Sie tun
Manche private Krankenversicherungen stellen sich bei der Erstattung bestimmter Arztrechnungen quer
Sie sind als Privatpatient beim Arzt gerne gesehen. Bei Diagnose und Behandlung ist der Mediziner nicht sklavisch an einen Leistungskatalog gebunden wie in der gesetzlichen Krankenversicherung. Viel eher kann er wesentlich umfangreicher untersuchen und verordnen. Was medizinisch notwendig ist, entscheidet der Arzt – da haben Sie als Patient meist keinen Einblick.

Private Krankenversicherung pocht auf medizinische Notwendigkeit

Wenn Sie dann die Rechnung bei Ihrer privaten Krankenversicherung zur Erstattung einreichen, kommt das böse Erwachen: dort lehnt der Versicherer einen Posten ab, weil er nicht als "medizinisch notwendig“ gilt. Denn das ist natürlich auch ein wichtiges Kriterium in der privaten Krankenversicherung: Die Behandlung muss medizinisch notwendig sein, eine Wellness-Massage und Wunderpillen, deren Nutzen nicht erwiesen sind, muss der Versicherer auch nicht erstatten.

Trotzdem: „Es ist zu beobachten, dass die Versicherer die Rechnungen auseinander nehmen und genau hinschauen“, sagt Elke Weidenbach, Expertin für private Krankenversicherung bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Noch vor einigen Jahren war es durchaus üblich, dass die private Krankenversicherung aus Kulanz Behandlungen bezahlt hat, die nicht in ihrer Leistungspflicht stand. Heute bleiben Privatpatienten vermehrt auf Kosten sitzen.

Das sind typische Fallstricke bei der Kostenerstattung

Zunehmend lehnen private Krankenversicherungen die Kostenübernahme teurer stationärer Behandlungen ab, wenn ihrer Meinung nach eine ambulante Behandlung ausgereicht hätte, zeigt die Erfahrung.

Unstimmigkeiten gibt es auch, wenn der Privatpatient in der Klinik automatisch davon ausgeht, dass Einbettzimmer und Chefarztbehandlung angesagt sind, sagt Weidenbach. Aber nicht jede Police deckt dies automatisch ab. Manchmal ist nur das Zweibettzimmer versichert und die Chefarztbehandlung gar nicht. Dann muss der Versicherer das natürlich auch nicht bezahlen.

Im ambulanten Bereich gibt es häufig Probleme, wenn der Arzt Behandlungen verordnet, die nach der Gebührenordnung gar nicht erstattungsfähig sind. Auch dann kann der Versicherer die Kostenerstattung ablehnen.

Das können Sie als Patient tun

Lesen Sie Ihren Versicherungsvertrag genau! Es gibt unendlich viele Tarife in der privaten Krankenversicherung, die alle in anderem Umfang ärztliche Behandlungen erstatten. Bestes Beispiel sind Psychotherapien. In vielen Verträgen sind diese nicht in vollem Umfang versichert, manchmal sogar gar nicht, gelegentlich sind nur bestimmte Therapierichtungen wie auch klar eingegrenzte Stundenkontingente abgesichert. Das sollen Sie als Patient wissen, bevor Sie eine Behandlung beginnen.

Dasselbe gilt für das Ein- oder Zweibettzimmer und die Chefarztbehandlung im Krankenhaus. Haben Sie diese Leistung auch wirklich abgesichert?
„Bei größeren oder langfristigen Behandlungen, sollte man vorher mit seiner privaten Krankenversicherung sprechen, ob sie das auch erstattet“, rät Weidenbach. Lassen Sie sich eine Zustimmung immer schriftlich geben. Auch wenn es um einen Aufenthalt in einer Spezialklinik geht, lohnt es, sich vorher Rücksprache zu halten, ebenso wenn eine Behandlungsmethode ansteht, die außerhalb des Standards liegt.


Unser Tipp:
Die meisten Versicherer erstatten Arzthonorare in Höhe des 3,5-fachen Gebührensatzes. Manche Policen erstatten aber nur den 2,5-fachen. Das sollten Sie bei dem Mediziner unbedingt  ansprechen. Sonst bleiben Sie immer auf den Mehrkosten sitzen.


Sollte der Versicherer eine Rechnung Ihrer Meinung nach zu Unrecht nicht erstatten, beschweren Sie sich! Am besten legen Sie Ihrem Schreiben an die private Krankenversicherung eine Stellungnahme Ihres Arztes bei. Er kann am besten belegen, warum eine bestimmte Behandlung oder Verordnung medizinisch notwendig ist.  

Hier bekommen Sie Hilfe


Wenn Sie Ärger mit der Erstattung einer Arztrechnung haben, können Sie sich auch an den Ombudsmann der privaten Krankenversicherung wenden. Allerdings müssen Sie sich auf eine lange Bearbeitungsdauer des Falls einstellen. Der Ombudsmann greift übrigens nur vermittelnd ein, er ist nicht automatisch Anwalt der Versicherten, sondern eine neutrale Schiedsperson.
Vergleich Private Krankenversicherung
Sämtliche Angaben ohne Gewähr

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Leserkommentare
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17.05.2010 - von Kunde58
Endlich Rechnungsprüfung
Vor dem Hintergrund der jährlich fast automatisch steigenden KV-Kosten ist dies ein notwendiger, leider noch nicht hinreichender Schritt. Nach meiner Erfahrung nehmen es Ärzte bei der Rechnungstellung nicht so genau. So wird z. B. für die beiläufige Frage "Und wie geht es Deinem Bruder?" schon mal gerne auch für den Bruder "Beratung, auch telefonisch" in Rechnung gestellt. Ich sehe es da zunächst als meine Aufgabe an, die Rechnung dem Arzt zurückzugeben und ihm zu bedeuten, dass ein derartiger Betrugsversuch besser einmalig bleiben sollte. In vielen anderen Bereichen kann ich es jedoch nicht beurteilen, ob in Rechnung gestellte Posten sachgerecht sind! Hier ist die Krankenkasse gefordert! Beispiel: Kieferorthopädische Behandlungen von Kindern sind eine Lizenz zum Geld drucken, wenn nicht die zur Zahlung verpflichtete Kasse den betroffenen Ärzten einen Riegel vorschiebt (und z. B. die "Vergoldung" der Behandlung (ich behandle das Kind so lange, bis ich ein neues Opfer finde und so meine 100-%ige Auslastung sicherstelle) untersagen!
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