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23.12.2015 11:29

Nürnberger Versicherung erneuert Widerspruchsfrist Was steckt dahinter?

von Max Geißler Autor
Die Nürnberger Versicherung versucht mit einer neuen Widerspruchsfrist eigene Fehler auf Kosten ihrer Kunden auszumerzen. Betroffene sollten reagieren.
Nürnberger Versicherung erneuert Widerspruchsfrist Was steckt dahinter?
Zeitlich unbefristet widersprechen: Gelten alte Verträge bei den Nürnbergern nichts mehr?
Die Nürnberger Lebensversicherung verschickt derzeit Briefe an die Besitzer fondsgebundener Lebens- und Rentenversicherungen. Damit möchte sie Kunden, die in den Jahren 1994 bis 2007 eine entsprechende Police abgeschlossen haben, nachträglich darüber unterrichten, dass sie ihrem Vertrag widersprechen und die gezahlten Beiträge zurückfordern dürfen. Die Krux an der Geschichte: Möchten Kunden so verfahren, bleibt ihnen nur 14 Tage Zeit, um sich von ihrer Lebensversicherung ohne Verlust zu trennen. Die zeitlich unbefristete Widerspruchsoption, die viele Policen aufgrund mangelhafter Erstbelehrung ermöglichen, geht damit verloren.

Die Versicherungen haben aktuell ein ähnliches Rechtsproblem wie die Kreditwirtschaft beim Widerrufsjoker. Beide Branchen haben jahrelang ihre Kunden falsch über das Widerspruchsrecht belehrt. Folge: Das Widerspruchsrecht begann für diese Kunden gar nicht erst zu laufen. Dadurch können Sie ihren Vertrag noch Jahre später widerrufen. Viele Lebensversicherungen hatten über Jahre die Widerspruchsbelehrung gemeinsam mit der Police erst nach der Vertragsunterzeichnung an die Versicherten geschickt. Diese hatten dann zwei Wochen, ab 2003 vier Wochen Zeit, vom Vertrag zurückzutreten. Viele Kunden ließen diese Frist ohne Rückmeldung verstreichen. Nach zwölf Monaten galt der Vertrag dann automatisch als angenommen. Der Europäische Gerichtshof hat diese Regelung 2013 jedoch gekippt. Seither können Versicherte erneut ihre Verträge wegen falscher Widerrufsbelehrung kündigen und die eingezahlten Gelder zurückfordern.
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Foto(s): Falko Matte/Fotolia.com Falko Matte/Fotolia.com

Wie sollten Kunden auf die neue Widerspruchbelehrung reagieren?

Genau dies möchten die Versicherer gern verhindern. Daher belehren Sie ihre Kunden jetzt nachträglich noch einmal über ihr Widerspruchsrecht, so auch die Nürnberger Versicherung. Wahrscheinlich hofft die Assekuranz, dass viele Versicherte erneut untätig bleiben und nicht auf das Schreiben reagieren. Doch das kann ein Fehler sein. „Nach der erneuten Widerspruchsbelehrung sollten sich Versicherte schnell Klarheit über ihre eigenen Interessen verschaffen“, rät Ralf Koch, Fachanwalt bei der Kanzlei Göddecke in Siegburg. Wer seine Lebensversicherung nicht mehr wolle, der sollte sofort handeln und schriftlich widersprechen. Denn ab Zugang einer korrekten Nachbelehrung gilt nur noch eine Frist von 14 Tagen für den Widerspruch. Dazu müssen Kunden ihren Widerspruch rechtzeitig absenden.
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„Es gibt keine bessere Möglichkeit, eine unrentable Sparpolice vorzeitig zu beenden“, betont Koch. Das gelte für die kapitalbildende Lebensversicherung, die fondsgebundene Lebensversicherung und die private Rentenversicherung. Der Vorteil liegt darin, dass der Vertrag nach einem Widerspruch komplett rückabgewickelt wird. Die Versicherung darf nur in sehr begrenztem Umfang Abzüge geltend machen, etwa Beitragsanteile, die für das abgesicherte Sterbefallrisiko kalkuliert wurden oder Steuern auf Gewinne. Aber das muss die Gesellschaft genau nachweisen. Bei einer fondsgebundenen Lebensversicherung können Fondsverluste hinzukommen. Wer hingegen auf eigene Faust kündigt, der muss hohe Stornoabschläge verkraften. Die gleichen Abschläge werden bei der Beitragsfreistellung fällig. Der Kunde bekomme regelmäßig nur den so genannten Rückkaufswert, und das sei oft genug weniger als die Summe aller eingezahlten Beiträge, moniert Koch.

Versicherte können nach einem Widerspruch nicht nur ihre Beiträge zurückverlangen. In vielen Fällen können sie zudem eine Nutzungsentschädigung geltend machen. „Die Nutzungsentschädigung ist das Sahnehäubchen des Vertragswiderspruchs“, freut sich Koch. „Mitunter holen wir dadurch das Doppelte der eingezahlten Beiträge für unsere Mandanten heraus.“

Widerspruch in jedem Fall?

Sicher nicht. Wenn Sie mit der Entwicklung ihrer Lebensversicherung zufrieden sind, etwa weil Ihre Fonds gut laufen, besteht kein Widerspruchsgrund. Verbraucherschützer raten zu einer individuellen Einzelfallprüfung. Ein Widerspruch kann aber sinnvoll sein, wenn Sie ihre Police bereits nach wenigen Jahren storniert und nur sehr wenig herausbekommen haben. Das gleiche gilt, wenn der Rückkaufswert geringer ist, als die eingezahlten Beiträge. Die Verbraucherzentrale Hamburg sieht das aktuelle Vorgehen der Nürnberger Versicherung kritisch. Nach ihrer Ansicht dürfte die Gesellschaft gar keine neue Widerspruchsfrist setzen. Fachanwälte wie Ralf Koch sind sich da nicht so sicher und raten zum Handeln.
Tipp: Wenn Sie mehr über Ihre Rechte auf Widerspruch bei Lebensversicherungen wissen möchten, dann finden Sie im Internet unter: www.widerrufsbelehrungen.de nützliche Informationen dazu.

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