Was sich durch die Flexi-Rente ändert

Rente 2017 Was sich durch die Flexi-Rente ändert

Rolf Winkel
von Rolf Winkel
18.11.2016
Auf einen Blick

Längeres Arbeiten im Alter soll in Deutschland attraktiver werden. Möglich machen soll das die Flexi-Rente. Eine Übersicht über die neuen Rentenregeln.

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Hier die Rentner – da die Arbeitnehmer. Diese strikte Trennung ist längst überholt. So sieht es jedenfalls der Gesetzgeber. Künftig soll es mehr Rente beziehende Arbeitnehmer und Lohn beziehende Rentner geben. „Wer mit 63 oder 65 noch Lust hat zu arbeiten und gesundheitlich fit ist, für den ist die Flexi-Rente ein Geschenk“, sagt Peter Knöppel, Rechtsanwalt und Rentenberater aus Halle. Denn das neue Flexi-Gesetz sorgt dafür, dass Rente und Job ab 2017 flexibler kombiniert werden können.

Arbeitende Rentner

Wer bereits Rente bezieht und das reguläre Rentenalter erreicht hat, kann die Rente künftig steigern, wenn er noch einmal eine Erwerbstätigkeit aufnimmt oder einfach in seinem bisherigen Job weiterarbeitet. Dafür muss man allerdings die Versicherungspflicht ausdrücklich wählen – und Rentenbeiträge zahlen. Auf Neudeutsch nennt sich dies „Opting-In“. Damit schlägt man – so Knöppel – zwei Fliegen mit einer Klappe: „Man sammelt durch seine eigenen Beiträge weitere Rentenpunkte. Und der Arbeitgeberbeitrag wird dem Rentenkonto des Versicherten gutgeschrieben.“ Bislang zahlen Arbeitgeber, die Rentner beschäftigen, zwar pro 1.000 Euro Bruttoverdienst 93,50 Euro Rentenversicherungsbeiträge. Doch den Versicherten bringt das nichts, weil das Geld nur der Rentenkasse zugutekommt. Unterm Strich bringt die Neuregelung einem Rentner, der ein Jahr lang mit einem Durchschnittsverdienst weiterarbeitet, ein monatliches Rentenplus von etwa 30 Euro. Bei einem Spitzenverdiener sind es 60 Euro. Die Regelung gilt ab Anfang 2017.

Weiterarbeit ohne Rente

Noch günstiger ist es häufig, den Renteneintritt zu verschieben und weiterzuarbeiten. Schon bisher gilt: Wer ein Jahr später als regulär in Rente geht, dessen Rentenansprüche steigen allein hierdurch um sechs Prozent. Zudem bringen die dann gezahlten Rentenbeiträge zusätzlich ein Rentenplus. Aus 1.500 Euro Altersrente können dann für einen sehr gut verdienenden Versicherten binnen eines Jahres durchaus 1.650 Euro werden. Nach zwei Jahren können es mehr als 1.800 Euro sein. Hinzu kommen jeweils die jährlichen Rentenerhöhungen - ein wirklicher Rententurbo.

Mein Tipp: Arbeitnehmer, die nach Erreichen der Altersgrenze weiterarbeiten möchten, sollten dies ihrem Arbeitgeber und auch dem Betriebsrat gegenüber frühzeitig signalisieren. Es gibt jedoch keinen Rechtsanspruch auf eine Weiterbeschäftigung im Rentenalter.

Leichter Rentenabschläge wettmachen

Künftig wird es einfacher werden, Rentenabschläge auszugleichen. Wer heute 50 ist, bekommt seine reguläre Altersrente erst mit 67. Es geht zwar meist auch mit 63, doch dann gibt es einen Abschlag von 14,4 Prozent. Dieses Rentenminus kann man jedoch ausgleichen. Ab Anfang 2017 sind Ausgleichszahlungen schon ab 50 erlaubt. Das geht auch in Teilzahlungen – beispielsweise in zwei Raten über je 2.000 Euro pro Jahr. „Das funktioniert dann fast ähnlich wie bei einer privaten Rentenversicherung“, sagt Rentenberater Knöppel. „Der Unterschied ist nur, dass die Rendite bei der gesetzlichen Rente weit besser ist.“ Besonders lohnt sich die Einzahlung für Gutverdiener. „Denn die Einzahlungen sind ein Steuersparmodell.“ Künftig sind die Sonderzahlungen bis zu 100 Prozent von der Steuer absetzbar. „Wenn man es sich dann später anders überlegt und mit 63 doch weiterarbeitet: „Kein Problem“, sagt Knöppel. „Dann bringen die Einzahlungen später ein schönes Rentenplus“.

Was die Flexi-Rente für Früh-Rentner bringt

Wer im regulären Rentenalter ist, darf zur Rente unbegrenzt hinzuverdienen. Die Rente wird nicht gekürzt. Wer das reguläre Rentenalter aber noch nicht erreicht hat, muss dagegen aufpassen. Wer zu viel verdient, bekommt nämlich weniger Rente – anders gesagt: Er bekommt nur eine „Teilrente“. An diesem Prinzip ändert sich nichts. Ab dem 1.7.2017 gelten jedoch andere Hinzuver-dienstregeln. Statt des bisherigen starren Modells, das nur wenige Abstufungen erlaubte, gibt es nun ein stufenloses „Flexi-Modell“. Der Zuverdienst wird nicht mehr in Stufen, sondern gleitend angerechnet. Damit sind fast beliebig viele Kombinationen von Rente und Teilzeitbeschäftigung möglich.

Außerdem soll künftig keine monatliche, sondern eine jährliche Hinzuverdienstgrenze gelten. Sie liegt bei 6.300 Euro im Jahr. Das darüber hinausgehende Brutto-Einkommen soll zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet werden. Wichtig: „Die Hinzuverdienstgrenze bezieht sich nicht auf zwölf Monate des Rentenbezugs, sondern auf das Kalenderjahr“, erklärt Manuela Budewell von der Deutschen Rentenversicherung Bund. Wer also beispielsweise im Oktober 2017 in Rente geht, darf in den kommenden drei Monaten jeweils 2.100 Euro zu seiner Frührente hinzuverdienen, ohne dass diese gekürzt wird.

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ist unser Spezialist für alles, was mit den Sozialversicherungen und Sozialleistungen  zu tun hat. Er ist gelernter Sozialwissenschafter und schreibt seit 35 Jahren Sozialratgeber, unter anderem die vom DGB-Bundesvorstand herausgegebenen „111 Tipps für Arbeitslose - Arbeitslosengeld I“ und die „111 Tipps zu Arbeitslosengeld II und Sozialgeld“.

Seit 2005 arbeitet er für biallo.de und betreut die Monatszeitschrift "Soziale Sicherheit".

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