Altersvorsorge für Geringverdiener So entgehen Sie der Altersarmut

Altersvorsorge für Geringverdiener So entgehen Sie der Altersarmut

von Horst Peter Wickel
10.11.2016
Auf einen Blick

Zwar haben Sie wenig Geld für die Altersvorsorge übrig, wenn Sie nur wenig verdienen, aber einige Möglichkeiten zum Vermögensaufbau sollten Sie auf jeden Fall nutzen.

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Der aktuelle Alterssicherungsbericht der Bundesregierung lässt keine Zweifel: Wenn Sie wenig Geld verdienen, werden Sie auch nur eine kleine gesetzliche Rente bekommen. Und wenn Ihr Einkommen nicht reicht, um zusätzlich privat für das Alter vorzusorgen, „steigt das Risiko der Bedürftigkeit im Alter stark an“, so der Regierungsbericht.

Aber wie sollen Sie vorsorgen, wenn Sie mit Ihren monatlichen Einnahmen kaum über die Runden kommen? Am Anfang steht, da sind sich Finanzexperten und Verbraucherschützer einig, ein Blick ins eigene Haushaltsbuch. Es macht nur wenig Sinn, mit der Altersvorsorge zu starten, wenn gleichzeitig noch teure Kredite aus der Vergangenheit abbezahlt werden müssen. „In der Altersvorsorge kommt man nicht voran, wenn der Konsum dann auf Pump finanziert werden muss", sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Und künftige Risiken müssen Sie natürlich auch absichern, ehe Sie an eine Zusatzrente denken. Auf eine Haftpflichtversicherung und eine Berufsunfähigkeitsversicherung sollten Sie nicht verzichten, auch wenn Sie zu den Geringverdienern gehören.

Riester-Rente muss sein

Trotz aller Kritik – die staatlich geförderte Riester-Rente ist ein Klassiker der privaten Altersvorsorge geworden. Neben der jährlichen Grundzulage von 154 Euro für einen Riester-Sparer gibt es für alle Kinder, die nach dem 1. Januar 2008 geboren wurden, jährlich 300 Euro Kinderzulage oben drauf. Wurden die Kinder vorher geboren, sind es jedes Jahr 185 Euro Kinderzulage. Für ein Neugeborenes summiert sich das in 25 Jahren auf insgesamt 7.500 Euro Kinderzulage, bei zwei Kindern sind es schon 15.000 Euro - geschenkt von Vater Staat.
Um die vollen Riester-Zulagen zu erhalten, müssen Sie pro Jahr vier Prozent des Brutto-Vorjahreseinkommens (maximal 2.100 Euro) in Ihren Riester-Vertrag einzahlen. Das Geld müssen Sie jedoch nicht alleine aufbringen, denn die Zulagen zählen hier mit. Das heißt: Je mehr Kinder eine Familie hat, für die sie auch Kindergeld bezieht, umso mehr Zuschläge gibt es und desto geringer fällt die jährliche Eigenbeteiligung aus.

Ein aktuelles Riester-Beispiel : Ein Familienvater verdient im Jahr 40.000 Euro pro Jahr. Die Kinder sind vier und sechs Jahre alt. Seine Ehefrau betreut zu Hause die beiden Kleinen und hat ebenfalls Anspruch auf einen eigenen Riester-Vertrag plus Zulage. Bei vier Prozent des Gehalts des Mannes (1.600 Euro), abzüglich 154 Euro Grundzulage und 600 Euro Kinderzulage, fällt für den Mann nur noch ein geringer Eigenanteil von 70,50 Euro im Monat an. Die Ehefrau braucht lediglich 60 Euro Eigenteil im ganzen Jahr in ihren Riester-Vertrag einzahlen. Die Familie bekommt so jährlich 908 Euro (2 x 154, 2 x 300) allein an Riester-Zulagen vom Staat geschenkt.

Selbst wenn Sie zeitweise Arbeitslosengeld I oder II bekommen, haben Sie Anspruch auf eine Riester-Förderung. Und das angesparte Geld wird nicht angerechnet. Wenn Sie sich die Zahlungen vorübergehend nicht leisten können, verlieren Sie Ihr Geld nicht, denn Sie können den Vertrag ruhend stellen.
 

Zusatzrente durch Vermögensbildung

Beim VL-Sparen geht es zwar nicht um die Altersvorsorge, sondern um die Vermögensbildung, aber gerade als Geringverdiener sollten Sie keinesfalls auf die staatlichen Fördermittel verzichten. Und häufig können Sie zusätzlich noch Geld vom Arbeitgeber bekommen. Bei der Anlage können Sie zwischen verschiedenen Anlageformen wählen – Banksparpläne, Bausparverträge und Fondssparpläne gehören dazu.

Innerhalb bestimmter Einkommensgrenzen gibt es auf die eingezahlte Summe eine Arbeitnehmersparzulage und eine Wohnungsbauprämie. Der Sparbetrag wird frühestens nach sieben Jahren ausgezahlt, auch die staatlichen Prämien erhalten Sie erst am Ende der Laufzeit. Aber gerade bei der Zusatz-Altersvorsorge haben Sparer ja meistens Zeit.

Biallo-Tipp: Zusätzliche Informationen und Vergleichsrechnungen finden Sie in unserem Sparpläne Vergleich.

Fondssparpläne können sich rechnen

„Gerade Fondsparpläne eignen sich für die Altersvorsorge mit wenig Geld, da man relativ flexibel ist", sagt Tanja Beller vom Bundesverband deutscher Banken in Berlin. Wenn Sie noch jünger sind und Ihnen für eine private Zusatzrente noch viel Zeit bleibt, sollten Sie gerade in der aktuellen Niedrigzinsphase mit risikoreicheren Fonds einsteigen.

Biallo-Tipp: Was Fondssparpläne Ihnen auf lange Sicht bieten können, erfahren Sie unter anderem in unserem Fondsrendite-Rechner.


Von der Politik nicht viel zu erwarten

Trotz der drohenden Altersarmut für immer mehr Bundesbürger können gerade Geringverdiener von den Regierungsparteien in Berlin nicht viel erwarten. Rund 47 Prozent der Geringversdiener mit einem Bruttolohn von weniger als 1.500 Euro pro Monat verfügen über keine zusätzliche Altersvorsorge. Viele Kritiker, unter ihnen auch der DGB, meinen, dass gerade Geringverdiener Rentenlücken über private Altersvorsorge nicht werden ausgleichen können. Für die Bundestagswahlen im kommenden Jahr sind auf jeden Fall Diskussionen und Forderungen nach einer staatlich garantierten, steuerfinanzierten Mindestrente zu erwarten.

Biallo-Lesetipp:

Die Renditen für Lebensversicherungen sind rückläufig, 2017 sinkt auch der Garantiezins weiter ab. Welche Vorsorgealternativen bieten sich an? Lesen Sie hierzu unseren Beitrag: "Altersvorsorge: Fünf Alternativen zur Lebensversicherung".

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Horst Peter Wickel
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