Rente und Hinzuverdienst Ab 65 plus zwei Monate gibt es heute schon keine Grenzen

Rente und Hinzuverdienst Ab 65 plus zwei Monate gibt es keine Grenzen

Rolf Winkel
von Rolf Winkel
18.08.2016
Auf einen Blick

Die "Flexirente" soll ab 2017 den Übergang in den Ruhestand flexibler machen. Doch heute schon endet mit der Rente keineswegs das Arbeitsleben.

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Weiterarbeit mit 65

Das reguläre Rentenalter liegt für den Jahrgang 1951 bei 65 Jahren plus fünf Monaten - und steigt Jahrgang für Jahrgang weiter an. Doch damit endet das Arbeitsleben in Deutschland keineswegs automatisch. Man kann manchmal auch nach Erreichen des Rentenalters beim alten Arbeitgeber weiterarbeiten. Alter ist nämlich in Deutschland kein Kündigungsgrund. Und Rente gibt es nur dann, wenn man einen Rentenantrag stellt. Diesen kann man jedoch auch aufschieben und sich beispielsweise erst mit 67 oder 70 vom Arbeitsleben verabschieden.

„Wer erst nach dem Erreichen des regulären Rentenalters mit dem Arbeiten aufhört, bekommt später mehr Rente. Es rechnet sich also, später in Rente zu gehen“, sagt Stefan Braatz vom Deutschen Rentenversicherung Bund. Das Altersruhegeld erhöht sich nämlich pro Monat des späteren Einstiegs um 0,5 Prozent. Wer erst mit 67 in Rente geht, erhält also derzeit noch eine um zehn Prozent höhere Rente – und zwar lebenslang.

Hinzu kommt: Wer über die reguläre Altersgrenze hinaus arbeitet, ist in der Regel auch weiterhin rentenversicherungspflichtig. Die gezahlten Beiträge bringen dann nochmals eine Rentenerhöhung. Unterm Strich können so zwei Jahre Mehrarbeit 15 oder gar 20 Prozent mehr Rente bringen.

Arbeit neben der Rente

„Wenn Rentenbezieher das reguläre Rentenalter erreicht haben, interessiert uns gar nicht, ob sie noch arbeiten“, sagt Braatz. „Denn neben der regulären Altersrente darf man dann zusätzlich beliebig viel verdienen – ohne dass die Rente gekürzt wird.“ Anders ist dies vor der regulären Rentenaltersgrenze. Wer ein vorgezogenes Altersruhegeld bezieht, darf nach seit Anfang 2013 geltenden Regelungen maximal 450 Euro im Monat hinzuverdienen. In zwei Monaten pro Jahr sind 900 Euro erlaubt. Wer mehr verdient, dessen Altersrente wird gekürzt – und zwar mindestens um ein Drittel.

Arbeitsrecht

Das Arbeitsrecht gilt auch für Rentner, die nebenher jobben. Sie müssen also so bezahlt werden wie es im Tarifvertrag steht oder betriebsüblich ist. Rentnern steht auch Urlaub zu. Sie können wenigstens den Mindesturlaub verlangen, den das Bundesurlaubsgesetz vorschreibt – also 24 Werktage oder vier Wochen pro Jahr. Weiterhin gilt auch für jobbende Rentner das Kündigungsschutzgesetz.

Nur bei längerer Krankheit stehen Rentner zurück: Zwar muss auch ihnen bei Erkrankungen das Arbeitsentgelt für bis zu sechs Wochen fortgezahlt werden. Ab dem 43. Krankheitstag gehen sie jedoch leer aus. „Der Krankengeldanspruch für Vollrentner ist nämlich gesetzlich ausgeschlossen“, so Michael Bernatek vom AOK-Bundesverband. Dafür zahlen arbeitende Rentner und ihre Arbeitgeber allerdings auch nur einen ermäßigten Beitrag zur Krankenversicherung.

Rentnerjobs

Die Arbeitsagentur vermittelt keine Jobs für Rentner und auch bei den Internet-Jobbörsen finden Ruheständler nur wenige Angebote. Fündig werden sie gelegentlich in den „Arbeitsangeboten“ der Tageszeitungen, vor allem aber in den kostenlosen Wochenblättern. Hier werden etwa in einem Kölner Wochenspiegel „rüstige Rentner für Gartenarbeit“ oder „Rentner für Reparaturen an Reinigungsmaschinen und für Lagerarbeiten“ gesucht oder ein Hotel möchte eine „Rentnerin als Haus- und Küchenhilfe zur Urlaubsvertretung“, eine Tankstelle einen „Nachtschichtkassierer von Sonntag auf Montag auf 450-Euro Basis (gerne auch rüstiger Rentner)“ oder ein Partyservice einen „Auslieferungsfahrer (gerne Rentner) mit eigenem PKW“.

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ist unser Spezialist für alles, was mit den Sozialversicherungen und Sozialleistungen  zu tun hat. Er ist gelernter Sozialwissenschafter und schreibt seit 35 Jahren Sozialratgeber, unter anderem die vom DGB-Bundesvorstand herausgegebenen „111 Tipps für Arbeitslose - Arbeitslosengeld I“ und die „111 Tipps zu Arbeitslosengeld II und Sozialgeld“.

Seit 2005 arbeitet er für biallo.de und betreut die Monatszeitschrift "Soziale Sicherheit".

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