Arbeit statt Rente Mit 65 weiterarbeiten – geht das?

Rolf Winkel
von Rolf Winkel
04.07.2016
Auf einen Blick

Fast jeder fünfte ältere Arbeitnehmer möchte gerne über das reguläre Rentenalter hinaus weiterarbeiten, so eine aktuelle Allensbach-Studie. Die Spielregeln:

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Müssen Arbeitnehmer heute mit Erreichen des regulären Rentenalters Rente beantragen?

Nein. Der Antrag kann auch später gestellt werden, beispielsweise mit 67 oder mit 70. Das ist frei wählbar. Wichtig ist auch: Ohne Antrag gibt es keine Altersrente.

Bringt es mehr Rente, wenn diese später beantragt wird?

Ja. Das reguläre Rentenalter liegt derzeit für den Jahrgang 1951 bei 65 Jahren und fünf Monaten. Wer später Rente beantragt, wird dafür belohnt. Die gesetzliche Rente erhöht sich pro Monat des späteren Einstiegs um 0,5 Prozent. Wer erst mit 67 und fünf Monaten in Rente geht, erhält also eine um zwölf Prozent höhere Rente – und zwar lebenslang. Hinzu kommt: Wer über das reguläre Rentenalter hinaus arbeitet, ist in der Regel auch weiterhin rentenversicherungspflichtig. Die gezahlten Beiträge bringen dann nochmals eine Rentenerhöhung. Aus 1.000 Euro monatlicher Rente werden so durch zwei Jahre Weiterarbeit für einen Durchschnittsverdiener knapp 1.200 Euro.

Gibt es auch die Möglichkeit, neben der Rente weiterzuarbeiten?

Natürlich. Dann ist der Lebensunterhalt doppelt gesichert. Durch die Rente und durch die Arbeit.

Interessiert es die Rentenversicherung, wenn jemand zusätzlich zur regulären Altersrente Arbeitseinkommen erzielt?

Nein, jedenfalls dann nicht, wenn das reguläre Rentenalter bereits erreicht ist. Wer 65 Jahre und drei Monate alt ist, darf zusätzlich zur Rente beliebig viel hinzuverdienen – ohne dass das Altersruhegeld gekürzt wird.

Und was gilt bei Frührenten?

Da sieht die Sache anders aus. Dann verlangt die Rentenversicherung eine Erklärung, dass das Arbeitsverhältnis nicht mehr besteht oder der Rentenantragsteller nur höchstens 450 Euro pro Monat verdient. Zwei Monate pro Jahr ist auch ein Verdienst von maximal 900 Euro erlaubt. Verdient jemand mehr, so wird die Rente gekürzt – und zwar um mindestens ein Drittel. Man kann sich auch von vornherein für eine sogenannte Teilrente entscheiden und beispielsweise neben einer halben Stelle die halbe Rente beziehen. Dann muss man sich aber von der Rentenversicherung genau ausrechnen lassen, wie viel man neben der halben (oder Drittel- oder Zwei-Drittel-)Rente hinzuverdienen darf.

Und was gilt arbeitsrechtlich, wenn jemand über das Renteneintrittsalter hinaus weiterarbeitet?

Da sieht es ein wenig komplizierter aus. Zwar ist eine altersbedingte Kündigung sogar gesetzlich verboten. Das sechste Sozialgesetzbuch, in dem es um die Rente geht, enthält nämlich in Paragraf 41 ausdrücklich eine Regelung zu „Altersrente und Kündigungsschutz“. Aber eine Befristung des Arbeitsvertrages auf das Erreichen eines bestimmten Lebensjahres – beispielsweise auf das 65. Lebensjahr oder auf das reguläre Rentenalter – ist erlaubt und in Arbeitsverträgen üblich.

Und was gilt, wenn jemand nach dem Auslaufen des befristeten Arbeitsvertrags im Rentenalter bei der gleichen Firma weiterarbeitet?

Dann wird aus dem befristeten Vertrag ein ganz normaler unbefristeter Arbeitsvertrag. Für Arbeitnehmer ist das wunderbar, aber viele Arbeitgeber werden sich darauf nicht einlassen, weil dann auch wieder der gesetzliche Kündigungsschutz gilt. Daher ist es kaum verwunderlich, dass das Paderborner Arbeitsgericht in einem Urteil vom 23. März 2006 die Kündigung eines 70 Jahre alten Autoverkäufers durch seinen Arbeitgeber als unwirksam angesehen hat (Az.: 3 Ca1947/05). Das Gericht hatte die Wirksamkeit der Kündigung – wie gesetzlich vorgeschrieben – nach den im Kündigungsschutzgesetz genannten vier Sozialkriterien (Betriebszugehörigkeit, Lebensalter, Unterhaltspflichten, Schwerbehinderung) geprüft. Nach diesen Regeln hätten zunächst einmal Jüngere entlassen werden müssen, die noch nicht so lange im Betrieb tätig waren. Das bedeutet: Lässt der Arbeitgeber das Beschäftigungsverhältnis mit Erreichen des regulären Rentenalters einfach weiterlaufen, dann bindet er sich stark. Für Arbeitnehmer ist das immer in Ordnung, ob ein Arbeitgeber sich darauf einlässt, steht auf einem anderen Blatt.


Gibt es altersspezifische Beschäftigungsverbote?

Nur in ganz wenigen Berufen, dürfen Personen nicht über ein bestimmtes Alter hinaus weiterarbeiten. Piloten dürfen beispielsweise mit 65 nicht mehr beschäftigt werden.

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ist unser Spezialist für alles, was mit den Sozialversicherungen und Sozialleistungen  zu tun hat. Er ist gelernter Sozialwissenschafter und schreibt seit 35 Jahren Sozialratgeber, unter anderem die vom DGB-Bundesvorstand herausgegebenen „111 Tipps für Arbeitslose - Arbeitslosengeld I“ und die „111 Tipps zu Arbeitslosengeld II und Sozialgeld“.

Seit 2005 arbeitet er für biallo.de und betreut die Monatszeitschrift "Soziale Sicherheit".

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