Staatsfonds statt Riester und Rürup

Altersvorsorge Staatsfonds statt Riester und Rürup

von Horst Peter Wickel
25.11.2016
Auf einen Blick

Das Rentenniveau sinkt - eine zusätzliche private Altersvorsorge tut not. Ein Staatsfonds könnte dabei helfen.

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Als Arbeitnehmer blicken Sie vermutlich mit Sorge auf die künftige gesetzliche Rente. Denn klar ist, dass das Rentenniveau in den nächsten Jahren weiter sinkt und gewaltige Einkommenslücken bei der Rente drohen. Bei jedem zweiten Deutschen werden sogar Einkünfte aus der gesetzlichen Rente befürchtet, die unterhalb der Armutsgrenze liegen. Aber kümmern Sie sich schon heute um eine zusätzliche private Altersvorsorge?

Dass bei Angeboten wie Riester-Rente und Rürup-Rente nicht beherzter zugegriffen wird, liegt nicht zuletzt an der mangelnden Rentabilität der Produkte. Verantwortlich dafür sind vor allem die hohen Kosten der Anbieter als auch die staatlich verordneten Garantien und die Kompliziertheit der Konstrukte.

Verbraucherschützer und Finanzexperten bemängeln dies schon lange und fordern einen Systemwechsel oder zumindest ein ergänzendes staatliches Angebot.

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Berechnungsgrundlage/Modellfall: 

Die Idee ist nicht neu: Bereits vor Jahren gab es Bestrebungen, ein unter der Ägide der Deutschen Rentenversicherung stehendes "Vorsorgekonto" einzuführen, das deutlich günstiger, transparenter und auch renditestärker sein sollte.

Zuletzt präsentierten drei hessische Minister von CDU und Grünen die Idee eines "Deutschland-Fonds“ bzw. einer "Deutschland-Rente“ in Form einer kapitalgedeckten Altersvorsorge. Im Gegensatz zur Riester-Rente soll es keine renditehemmende Garantie geben. Zudem sollen deutlich geringere Kosten anfallen, denn der Fonds soll auf Selbstkostenbasis und ohne Gewinnerzielungsabsicht von einer öffentlichen Stelle verwaltet werden.

Genau wie die Riester-Rente soll der Vorsorgefonds freiwillig sein. Allerdings müssten Sie sich als Arbeitnehmer explizit gegen den "Deutschland-Fonds" aussprechen, ansonsten würden die Beiträge automatisch vom Arbeitgeber abgeführt. In Schweden wird ein solches Modell bereits erfolgreich praktiziert. Mit dem Unterschied, dass die zusätzliche private Altersvorsorge hier Pflicht ist.

Erfolgreiche Staatsfonds

Wie erfolgreich solche Staatsfonds arbeiten können, zeigen zahlreiche internationale Beispiele. 7,3 Billionen Dollar haben die Staatsfonds laut den Experten des Sovereign Wealth Fund Institute investiert. Zu den Top-Ten dieser Staatsfonds gehören Fonds in China, Hong Kong, Singapur, Katar, Kuwait, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Der größte Staatsfonds der Welt ist der Government Pension Fund in Norwegen.

Seit 1990 verwaltet der Fonds die Öleinnahmen des Landes, sein Vermögen beträgt rund 850 Milliarden US-Dollar (mehr als fünf Billionen Norwegische Kronen). Somit verfügt jeder der 5,1 Millionen Norweger theoretisch über eine Million NOK, das sind umgerechnet rund 120.000 Euro.


Kritik von Lobbyisten

Bei der Diskussion um einen solchen „Deutschland-Fonds“, der ihren Interessen der Gewinnerzielung entgegenläuft, warnen die Anbieter von Riester & Co., vor allem aus der Finanz- und Versicherungsbranche, vor staatlicher Einmischung. Frei nach dem Ökonomen Alois Schumpeter wird darauf verwiesen, dass sich eher ein Hund einen Wurstvorrat anlegt, als eine Regierung eine Geldreserve. Auf die Rentenkasse habe die Politik in der Vergangenheit bei Bedarf schon immer zugegriffen.

Befürworter eines Staatsfonds weisen allerdings darauf hin, dass die einzahlenden Arbeitnehmer Eigentümer des angesparten Vorsorgevermögens bleiben. Lediglich die Verwaltung würde - ähnlich wie bei einer Depotbank - dem Staat obliegen. Etwaige Unternehmensbeteiligungen in Form von Aktien blieben Eigentum des Sparers und wären zudem vor staatlichen Zugriffen geschützt.
 

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