Geldanlage

E-Mobility: Wie Anleger vom Elektro-Boom profitieren

Update: 10.06.2020
Auf einen Blick
  • Die Nachfrage nach Elektroautos dürfte durch die "Innovationsprämie" nochmals einen deutlichen Schub bekommen.

  • In vielen anderen Ländern ist die Elektromobilität bereits deutlich stärker verbreitet.

  • Ob E-Mobility-Aktien oder Rohstoff-Investment – für Anleger bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, am Megatrend teilzuhaben.
Elektromobilität bietet umweltfreundlichen Fahrspaß und interessante Investmentideen für Anleger.
Bartolomiej_Pietrzyk/shutterstock.com
Autos mit alternativen Antrieben liegen voll im Trend. Im Mai 2020 wurde die magische Marke von 200.000 Anträgen seit Beginn der Auflage für die staatliche Kaufprämie im Sommer 2016 geknackt. Und die Nachfrage dürfte künftig noch deutlich steigen. Schließlich wird mit dem neuesten Corona-Konjunkturpaket der Bundesregierung die "Innovationsprämie" beim Kauf eines E-Fahrzeugs und Pkw mit Brennstoffzelle (Wasserstoffautos) bis zu einem Nettolistenpreis von 40.000 Euro auf 6.000 Euro verdoppelt. Hinzu kommen 3.000 Euro vom Hersteller, also insgesamt bis zu 9.000 Euro. Für Plug-in-Hybride gibt es künftig bis zu 6.750 Euro – 4.500 Euro Prämie plus 2.250 Euro vom Hersteller.

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Rechnet man noch die ab Juli bis Jahresende geltende Mehrwertsteuersenkung von 19 auf 16 Prozent hinzu, ist der Kaufanreiz für die Stromer mit Lithium-Ionen-Technologie so hoch wie nie.
Auch die Wasserstoff-Industrie wird mit dem neuen Konjunkturpaket mit bis zu neun Milliarden Euro gefördert. Der Wasserstoff-Antrieb mit Brennstoffzellen gilt besonders im Schwerlastverkehr und in der Schifffahrt als Antrieb der Zukunft.

Trend zu alternativen Antrieben dürfte sich beschleunigen

"Wir werden die Corona-Krise überwinden und erwarten eine wirtschaftliche Erholung im zweiten Halbjahr 2020. Dabei dürften Investitionen in den Klimaschutz eine wichtige Rolle spielen. Das gilt auch für die Automobilbranche", sagt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege der Deutschen Bank im Gespräch mit biallo.de. "Insofern rechne ich mit einer Beschleunigung des bestehenden Trends zu alternativen Antrieben in der Mobilität."
Neben der Verdopplung der Prämie beim Kauf eines Autos mit alternativen Antrieben locken weitere Vorteile. Wer sein Auto mit alternativem Antrieb bis Ende 2020 zulässt, muss zudem zehn Jahre lang keine KFZ-Steuer bezahlen. Dazu bieten Städte wie München oder Stadtwerke Zuschüsse für die nötige Ladeinfrastruktur an.

Tesla und BYD als Vorreiter

Im wichtigsten Auto-Absatzmarkt China ist die Zahl der neu zugelassenen Elektroautos wegen der zwischenzeitlichen Reduzierung der staatlichen Förderung zwar zwischenzeitlich zurückgegangen. Allerdings hat das Reich der Mitte nun neue Stimuli beschlossen und zudem sorgte E-Auto-Technologieführer Tesla durch den Produktionsstart seiner Firma in China für positive Schlagzeilen.
Der Weltmarktführer im Bereich Elektromobilität ist an der Börse eine unglaubliche Erfolgsgeschichte. Binnen eines Jahres hat die Aktie trotz der Corona-Krise um rund 350 Prozent zugelegt. Die Marktkapitalisierung der Firma beträgt rund 170 Milliarden US-Dollar (gut 150 Milliarden Euro). Zum Vergleich: Weltmarktführer Volkswagen ist an der Börse gerade mal die Hälfte wert.
Zu den Pionieren im Bereich Lithium-Ionen-Technologie gehört neben Tesla auch der chinesische Autohersteller BYD – "Build Your Dreams", an dem Warren Buffetts Berkshire Hathaway rund 25 Prozent der Anteile hält. BYD kooperiert auch mit dem Stuttgarter Autobauer Daimler. Die Chinesen verkaufen E-Autos, elektrisch betriebene Busse und haben eine eigene Batterieproduktion. Noch in diesem Jahr will BYD mit dem Elektro-SUV "Tang EV600" den Marktstart in Europa feiern. Im Vergleich zu Highflyer Tesla hinkt die BYD-Aktie allerdings deutlich hinterher. Die Zwölf-Monats-Performance beläuft sich auf knapp 15 Prozent.
Im Windschatten von Tesla gibt es andere interessante Projekte in diesem Bereich. Brandheiß ist momentan die Aktie von Nikola Motor (vormals VectoIQ Acquisition), die sich in vergangenen Wochen mehr als verdreifacht hat. Nikola Motor will 2021 einen E-LKW auf den Markt bringen, 2023 soll ein Modell mit Brennstoffzelle folgen. Schon jetzt hat die Firma Bestellungen im Wert von zwölf Milliarden US-Dollar vorliegen. Nikola arbeitet auch mit dem norwegischen Wasserstoff-Pionier Nel ASA zusammen. Die Nel-Aktie hat sich auf Jahressicht mehr als verdoppelt.

Deutsche Autobauer fahren (noch) hinterher

Die deutschen Platzhirsche VW, BMW und Daimler fahren in Sachen alternative Antriebe bislang nur in der zweiten Reihe. Das scheint sich auch in den Aktienkursen widerzuspiegeln. Lediglich die VW-Vorzugsaktie liegt auf Jahressicht mit gut vier Prozent im grünen Bereich. Die Papiere von BMW und Daimler verzeichnen dagegen Abschläge von knapp sechs beziehungsweise rund 17 Prozent.
Auch wenn alle drei genannten Titel sich von ihren März-Tiefs deutlich erholen konnten, sollten Anleger die Risiken laut Ulrich Stephan nicht außer Acht lassen: "Ich würde mich nicht wundern, gäbe es in der Branche weitere Zusammenschlüsse bei den Marken und einige Pleiten bei den Zulieferern. Insofern sollten Engagements bei Autoherstellern wohlüberlegt sein", so der Chefanlagestratege.

Batterieproduzenten, Seltene Erden und Nickel

Profiteure des Wandels zur E-Mobilität sind auch Batteriefirmen wie Varta oder Samsung SDI. Aber auch die in den vergangenen Monaten arg gebeutelten Rohstoffaktien sind in Verbindung mit der Elektromobilität wieder ins Blickfeld von Anlegern gerückt. "Nickel scheint derzeit der größte Profiteur für eine langfristige Nutzung der E-Mobilität zu sein. Batterien, die reich an Nickel sind, haben eine höhere Energiedichte und werden im Markt zunehmend eingesetzt", sagt Ulrich Stephan. "Außerdem wird der Preis steigen müssen, um Anreize für neue Angebote zu schaffen."
Auch die sogenannten Seltenen Erden – Stoffe mit exotischen Namen wie Rhenium, Terbium, Dysprosium, Germanium, Scandium, Tantal, Neodym und Praseodym – werden für Zukunftstechnologien wie die E-Mobilität oder Smartphones dringend benötigt. Weil China derzeit über 90 Prozent der Bestände kontrolliert, sind frei zugängliche Kapazitäten knapp. Bei den einst als "Trendelemente" gerühmten Lithium und Kobalt ist dagegen Vorsicht geboten. Zumal die Erforschung von lithium- und kobaltfreien Batterien bereits auf Hochtouren läuft.

Biallo-Tipp

Die Elektromobilität ist ein Zukunftstrend. Am besten davon profitieren können Anleger mit einem breit gestreuten Aktienportfolio mit Top-Unternehmen aus dem Auto-, Batterie- und Rohstoffbereich. Wichtig: Ein Themeninvestment sollte stets nur einen geringen Teil des Gesamtportfolios ausmachen. Wem ein Investment in Einzelaktien zu risikoreich ist, kann das Risiko durch ETFs und Fonds diversifizieren. Zu den Empfehlungen der Biallo-Redaktion zählen der iShares Electric Vehicles and Driving Technology und der Xtrackers Future Mobility sowie auf der aktiven Seite der LBBW Mobilität der Zukunft R und der RobecoSAM Smart Mobility .



  Lars Becker


 
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