Auf einen Blick
  • Die Innovationsprämie dürfte die Nachfrage nach Elektroautos in den kommenden Jahren weiter antreiben. Der gemeinsame Umweltbonus von Staat und Herstellern wurde jetzt bis 2025 verlängert.

  • Um von dem Trend zu profitieren, können Anleger auf Einzelaktien setzen. Weniger riskant sind jedoch Fonds oder ETFs auf die Branche.

  • Dabei geht es nicht nur um die Hersteller von Elektroautos. Auch Halbleiterfirmen, Software-Unternehmen oder die Produzenten von Wasserstofftechnologie sind für Investoren interessant.

Elektromobilität bietet umweltfreundlichen Fahrspaß und interessante Investmentideen für Anleger.
Bartolomiej_Pietrzyk/shutterstock.com

Bis zu zehn Millionen Elektro-Fahrzeuge auf deutschen Straßen im Jahr 2030: Das ist das erklärte Ziel der Bundesregierung. Und mittlerweile tut die Große Koalition einiges, um die Elektromobilität zu fördern. So verkündete die Regierung beim jüngsten Autogipfel: Die „Innovationsprämie“ werde bis 2025 verlängert. Bislang sollte sie Ende 2021 auslaufen.

Mit dem Umweltbonus finanzieren Staat und Hersteller derzeit den Kauf reiner E-Fahrzeuge mit bis zu 9000 Euro pro Fahrzeug. Davon kommen 6.000 Euro vom Staat und 3000 Euro von den Herstellern. Für Plug-in-Hybride – also Fahrzeuge, die mit Strom und Sprit fahren – gibt es bis zu 6.750 Euro – 4.500 Euro Prämie plus 2.250 Euro vom Hersteller.

Für die Prämie stellt der Bund bis Ende 2025 rund eine Milliarde Euro bereit. Beim Autogipfel wurden darüber hinaus weitere zwei Milliarden an Förderung für die Elektromobilität beschlossen. So soll auch die Ladeinfrastruktur für die E-Autos verbessert werden. Bis 2022 soll es an jeder vierten herkömmlichen Tankstelle Elektro-Schnellladesäulen geben. Bis 2026 sollen drei von vier Tankstellen damit ausgestattet sein. Der Mangel an Ladesäulen gilt als eines der größten Hemmnisse für die Verbreitung von Elektrofahrzeugen.

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Um Elektroautos zu fördern, muss Sprit teurer werden

Die höhere Förderung für die Stromer zeigt bereits Wirkung. Waren Anfang des Jahres noch knapp 140.000 reine Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen unterwegs, so sind es mittlerweile rund 240.000. Hinzu kommen etwa 200.000 Plug-in-Hybride.

Ob diese Dynamik ausreichen wird, um in zehn Jahren das Ziel von bis zu zehn Millionen E-Fahrzeugen zu erreichen, ist dennoch fraglich. So hält etwa die Beratungsgesellschaft Deloitte in einer Machbarkeitsstudie bestenfalls knapp 6,5 Millionen Fahrzeuge für wahrscheinlich. Um mehr zu erreichen, sei es unter anderem nötig, die Spritpreise für herkömmliche Fahrzeuge deutlich zu erhöhen – konkret um 30 Cent bis 2024.

Ähnlich denkt der Duisburger Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer. Je günstiger der Treibstoff für Verbrenner ist, desto schwieriger sei der Absatz von Elektroautos, sagt Dudenhöffer: „Wenn der Liter Diesel 95 Cent kostet, kauft kaum einer ein E-Auto.“ Um den Elektrofahrzeugen zum Durchbruch zu verhelfen, müssten die Preise stattdessen „eher in Richtung zwei Euro gehen“.

CO2-Abgabe schiebt die Elektromobilität an

Solche weitgehenden Schritte sind bislang schwer vorstellbar. In die Richtung jedoch geht es bereits: So wird Sprit ab dem kommenden Jahr teurer: Benzin um rund sieben Cent, Diesel um acht Cent pro Liter. Auch die Kfz-Steuer steigt für einige Verbrenner-Fahrzeuge deutlich. Grund ist die Anhebung der CO2-Abgabe.

Diese Kombination aus gesetzlichen Vorgaben bei den CO2-Emissionen und staatlichen Fördermaßnahmen führe dazu, „dass die Elektromobilität aus der Nische herauskommt und sich in die Breite entwickelt“, sagt Lorenz Blume, Fondsmanager und Mobilitätsexperte bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Elektro-Antriebe werden bis 2030 in Europa und global weit verbreitet sein, glaubt der Anlagespezialist.

Auch Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank, rechnet in den kommenden Jahren „mit einer Beschleunigung des bestehenden Trends zu alternativen Antrieben in der Mobilität“. Stephan erwartet nach dem Überwinden der Corona-Krise eine wirtschaftliche Erholung, bei der Investitionen in den Klimaschutz eine wichtige Rolle spielen werden: „Das gilt auch für die Automobilbranche.“

Anleger können von diesen Trends profitieren: Einerseits, indem sie auf Einzelaktien der Unternehmen in der Branche setzen. Auf der anderen Seite gibt es Fonds und ETFs, die die Entwicklung des Sektors abbilden.

Einzelaktien: Tesla und BYD sind Vorreiter

Im wichtigsten Auto-Absatzmarkt China ist die Zahl der neu zugelassenen Elektroautos wegen des Rückgangs der staatlichen Förderung zwar zwischenzeitlich gesunken. Allerdings hat China zuletzt wieder neue Fördermaßnahmen beschlossen. Zudem sorgte E-Auto-Technologieführer Tesla durch den Produktionsstart seiner Firma in China für positive Schlagzeilen.

Tesla, der Weltmarktführer im Bereich Elektromobilität, ist an der Börse eine Erfolgsgeschichte. Binnen eines Jahres hat die Tesla-Aktie trotz der Corona-Krise um fast 600 Prozent zugelegt. Die Marktkapitalisierung der Firma beträgt fast 475 Milliarden US-Dollar (knapp 400 Milliarden Euro).

Zu den Pionieren im Bereich Lithium-Ionen-Technologie gehört neben Tesla auch der chinesische Autohersteller BYD – „Build Your Dreams“. BYD kooperiert mit dem Stuttgarter Autobauer Daimler. Die Chinesen verkaufen E-Autos, elektrisch betriebene Busse und haben eine eigene Batterieproduktion. Noch in diesem Jahr könnte BYD den Elektro-SUV "Tang EV600" in Europa auf den Markt bringen. Auch die BYD-Aktie verzeichnete mit einem Plus von fast 350 Prozent innerhalb eines Jahres eine beeindruckende Kurssteigerung.

Zu den Profiteuren bei den alternativen Antrieben könnte auch die die Aktie von Nikola Motor gehören. Das US-Unternehmen will 2021 einen Elektro-Lkw auf den Markt bringen, 2023 soll ein Modell mit Brennstoffzelle folgen. Schon jetzt hat die Firma Bestellungen im Wert von zwölf Milliarden US-Dollar vorliegen. Nikola arbeitet auch mit dem norwegischen Wasserstoff-Pionier Nel ASA zusammen. Der jüngste Hype um die Nikola-Aktie ist jedoch zuletzt verflogen – auch wegen Betrugsvorwürfen gegen die sich das Unternehmen jedoch wehrte. Auf Jahressicht steht ein Minus von mehr als 60 Prozent zu Buche.

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Deutsche Autobauer hinken bei E-Mobilität hinterher

Die deutschen Hersteller VW, BMW und Daimler hinkten bei den alternativen Antrieben lange hinterher. Sie tun mittlerweile jedoch einiges, um aufzuholen. So kündigte der VW-Konzern jüngst eine E-Auto-Offensive an. Bis 2024 will der Konzern 60 Milliarden Euro in die Entwicklung klimafreundlicher Antriebe investieren. Die VW-Aktie hat davon zuletzt profitiert. Auf Jahressicht liegt sie jedoch derzeit mit 15 Prozent im Minus. Die Aktie von BMW verzeichnete in den vergangenen zwölf Monaten dagegen ein leichtes Plus von knapp einem Prozent, Daimler gewann auf Jahressicht sogar knapp zehn Prozent.

Gerade bei den deutschen Autobauern allerdings sollten Anleger die Risiken nicht außer Acht lassen. Es könne durchaus sein, dass es in der Branche „weitere Zusammenschlüsse bei den Marken und einige Pleiten bei den Zulieferern“ geben werde, meint Anlagestratege Ulrich Stephan. Engagements in die Aktien sollten daher „wohlüberlegt sein."

Fonds und ETFs investieren breit in Elektromobilität

Das Risiko verringern können Anleger mit aktiv gemanagten Fonds oder passiven ETFs. Damit lässt sich breiter in die Branche investieren. Dabei geht es nicht nur um die Hersteller von Elektroautos oder Fahrzeuge mit alternativen Antrieben. Man sollte sich die gesamte Wertschöpfungskette anschauen, meint Lorenz Blume, der für die LBBW den Fonds „Mobilität der Zukunft“ managt: „Nachgelagerte Branchen profitieren zum Teil deutlich stärker vom Trend zum elektrifizierten Pkw als die Hersteller von Autos.“

So kommt die zunehmende Produktion von Batterien und Akkus bestimmten Rohstoffproduzenten zugute. Außerdem profitiert die Halbleiterindustrie, weil mehr Chips in den Fahrzeugen verbaut werden. Überdies sollten sich Anleger beim Thema Zukunftsmobilität nicht nur auf die Elektrotechnologie konzentrieren. Er gehe davon aus, dass auch „Alternativen wie die mit Wasserstoff betriebenen Brennstoffzellen weiterentwickelt werden“, sagt Blume.

So sei gerade im Bereich schwerer Transporte über weite Strecken Wasserstoff die bessere Alternative. Lastwagen, Flugzeuge oder Schiffe könnten künftig daher eher mit Wasserstoff als mit elektrischer Energie betrieben werden. Nicht zuletzt fördert deshalb auch die Bundesregierung die Wasserstoff-Industrie im Rahmen des Corona-Konjunkturpakets mit bis zu neun Milliarden Euro. Mehr Infos zum Thema Wasserstoff in unserem Youtube-Video.


Neben diesen Technologien setzen die in den Tabellen unten aufgeführten aktiv gemanagten Fonds und ETFs auch auf den Trend zum autonomen Fahren. Zusammen mit zunehmender Digitalisierung dürfte er dazu führen, dass künftig Softwarehersteller eine größere Rolle bei der Entwicklung neuer Fahrzeuge spielen werden.

Die folgenden aktiven Fonds und ETFs investieren breit in das Thema alternative Mobilität. Es sind vergleichsweise junge Fonds. Ihre Performance lässt sich daher erst für einen Zeitraum von einem Jahr angeben. Wie gut die Fonds langfristig abschneiden, muss sich noch zeigen. Anleger sollten außerdem bedenken, dass sie mit den Fonds und ETFs zwar in eine ganze Reihe von Unternehmen investieren. Dennoch bilden die Fonds nur ein enges Marktsegment ab. Der Depotanteil solcher Investments sollte begrenzt sein.

Aktive Fonds zum Thema zukünftige Mobilität:

LBBW Mobilität der Zukunft R: Der Fonds verfolgt nach Auskunft von Fondsmanager Lorenz Blume einen „undogmatischen, technologieoffenen Ansatz“. Man versuche, die Profiteure des Megatrends Mobilität ausfindig zu machen. Von den knapp 70 Werten, die der Fonds enthält, stammen etwa 40 Prozent aus dem Technologiebereich. Größte Positionen sind die Technologie-Riesen Microsoft und Amazon, außerdem große Firmen aus der Halbleiterindustrie wie Nvidia oder Qualcomm. Auch der japanische Spezialist für elektrische Antriebe Mitsubishi Electric gehört dazu. Der Fonds hat derzeit ein Vermögen von gut 85 Millionen Euro. Der Ausgabeaufschlag liegt bei 3,75 Prozent.

Blackrock Future of Transport Fund: Der Fonds investiert vor allem in Unternehmen, die sich der Entwicklung neuer Transporttechnologien widmen. Insbesondere gehören dazu Unternehmen, die elektrische autonome und vernetzte Fahrzeuge erforschen. Insgesamt enthält der Fonds gut 40 Aktien. Größte Positionen sind der US-Halbleiterspezialist Xilinx, der koreanische Batterien- und Akku-Produzent Samsung SDI und der chinesische Autobauer Geely, der seit einigen Jahren eine Elektroauto-Strategie verfolgt. Das Volumen des Fonds liegt derzeit bei gut 405 Millionen US-Dollar (340 Millionen Euro). Der Ausgabeaufschlag beträgt fünf Prozent.

Fondsname Gesamtkosten-
Quote
Performance
1 Jahr
LBBW Mobilität der Zukunft R 1,46 % 27,92 %
Blackrock Future of Transport Fund* 1,80 % 42,12 %

Quelle: Biallo.de / Mountain-View Data Gmbh, Stichtag 20. November, *Performance in US-Dollar

ETFs zum Thema zukünftige Mobilität

iShares Electric Vehicles und Driving Technology: Der ETF bildet den Stoxx Global Electric Vehicles and Driving Technology Index ab. Die größten Positionen unter den rund 90 Unternehmen sind die Elektroauto-Hersteller Tesla und BYD. Auch große herkömmliche Autobauer wie Fiat, Ford und General Motors gehören dazu. Außerdem der schwedische Messtechnik- und Softwarekonzern Hexagon und die Halbleiterhersteller Nvidia und Infineon. Der ETF hat derzeit ein Fondsvermögen von 208 Millionen US-Dollar (175 Millionen Euro).

Xtrackers Future Mobility: Der ETF der Fondsgesellschaft DWS folgt dem Nasdaq Global Yewno Future Mobility Index. Auch er enthält rund 90 Positionen. Zu den größten zählen auch hier Tesla und BYD. Außerdem investiert der Fonds in große asiatische Autobauer wie Hyundai, Kia oder das indische Unternehmen Tata Motors. Auch der koreanische Hersteller von Auto-Klimaanlagen Hanon und der japanische Elektromotoren-Hersteller Nidec sind stark im Portfolio vertreten. Der Fonds hat derzeit ein Vermögen von 47 Millionen Euro.

Fondsname Gesamtkosten-
Quote
Performance
1 Jahr
Xtrackers Future Mobility* 0,35 % 14,39 %
iShares Electric Vehicle and Driving Technology* 0,40 % 22,45 %

Quelle: Biallo.de / Mountain-View Data GmbH, Stichtag 20. November, *Performance in US-Dollar






  Andreas Jalsovec


 
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