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Afrika-Investments: Chance oder Risiko?

Update: 03.03.2020
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Auf einen Blick
  • In Afrika liegen die Staaten mit dem weltweit höchsten Wirtschaftswachstum. Die hohe mögliche Rendite birgt als Kehrseite allerdings auch hohe Risiken.

  • Afrika ist ein sehr großer Kontinent mit unterschiedlichen Investitionsmöglichkeiten. Der Schwerpunkt in Afrika liegt bei den sogenannten Frontier Markets – den Emerging Markets von morgen.

  • Welche Aussichten bieten Afrika-ETFs Privatanlegern und welche Fonds bieten sich an? Wir geben einen Überblick.
Bodenschätze und Wirtschaftswachstum - Afrika ist ein Kontinent mit spannenden Investitionsmöglichkeiten. Aber es gibt auch Risiken.
Syda_Productions/shutterstock.com

Kennen Sie die Länder mit dem höchsten Wirtschaftswachstum der Welt? Es sind Ruanda und Guinea in Ost- und Westafrika. Die Wirtschaft der beiden Staaten wuchs 2018 um jeweils über 8,6 Prozent. Der weltweite Durchschnitt betrug gerade einmal gut drei Prozent. Unter den zehn Staaten mit dem größten Wirtschaftswachstum der Welt befinden sich vier afrikanische Staaten. Nämlich außer Ruanda und Guinea auf Platz eins und zwei noch Libyen auf Platz vier und die Elfenbeinküste auf Platz sechs.

Diese Zahlen illustrieren gut die Chancen, die sich auf dem afrikanischen Kontinent bieten. Aber auch die Risiken. Denn in Libyen etwa herrscht seit 2014 Bürgerkrieg. Das führt zu starken Schwankungen in der wirtschaftlichen Entwicklung. 2014 schrumpfte die libysche Ökonomie um 24 Prozent, 2017 wuchs sie um über 26 Prozent. Auf der einen Seite kann man also am Beispiel Libyens politische Unsicherheit ausmachen, auf der anderen Seite sieht man exemplarisch, wie unterschiedlich die Staaten und Regionen auf diesem riesigen Kontinent sich entwickeln können.

Ein riesiger Kontinent mit vielen Gesichtern

Schaut man auf die Plätze zehn bis 20 der wachstumsstärksten Wirtschaften, dann finden sich hier weitere fünf afrikanische Länder: Benin (Platz 13), Äthiopien (14), Senegal (15), Gambia (18) und Burkina Faso (20). All diese Staaten haben ein Wachstum von über 6,5 Prozent.

Afrika ist auch ökonomisch betrachtet ein heterogener Kontinent. "Aufgrund der beeindruckenden Wachstumsdynamik einzelner Staaten bietet Afrika grundlegend interessante Anlagechancen. Afrika ist jedoch keinesfalls eine homogene Region, denn die wirtschaftliche Entwicklung der einzelnen Länder ist sehr unterschiedlich", sagt Dr. Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank. "Während die Weltbank beispielsweise 2020 für Subsahara-Afrika ein Wirtschaftswachstum von 2,9 Prozent erwartet, wird für einzelne Länder wie Kenia oder Ghana mit einer BIP-Steigerung von 6,0 beziehungsweise 6,8 Prozent gerechnet."

Kann ein Privatanleger aus dieser Gemengelage Honig saugen? Und wenn ja, wie? Prinzipiell gilt bekanntlich: Man erkauft sich die Möglichkeit einer höheren Rendite, wenn man ein höheres Risiko eingeht. Und dieses höhere Risiko besteht auf einem Kontinent, auf dem gerade einmal zwei Staaten noch zu den Emerging Markets (Schwellenländern) zählen: nämlich Ägypten und Südafrika. Emerging Markets sind Länder, die sich zu einem Industrieland entwickeln. Sie weisen hohe Wachstumsraten und hohe Chancen an den Börsen auf, bergen aber oft auch wirtschaftliche und politische Risiken.

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Afrika: mehr Rendite durch mehr Risiko?

Der Schwerpunkt in Afrika liegt bei den sogenannten Frontier Markets. Zu diesen Grenzmärkten oder Entwicklungsländern in Afrika zählen laut der Klassifikation von Morgan Stanley – MSCI: Kenia, Mauritius, Marokko, Nigeria, Tunesien und die Westafrikanische Wirtschafts- und Währungsunion (Benin, Burkina Faso, Elfenbeinküste, Mali, Niger, Senegal, Togo, Guinea-Bissau).

Frontier Markets sind die Emerging Markets von morgen. Sie befinden sich in einem frühen Entwicklungsstadium und haben oft eine hohe Wachstumsstärke. Kennzeichnend sind eine junge Bevölkerung und ein hoher Bevölkerungszuwachs, bei dem Menschen vom Land in die Stadt ziehen. Ein weiterer Faktor ist schneller Wandel: Anziehende Löhne lassen die Nachfrage nach Konsumgütern wie Fernsehern oder Autos steigen und fördern den Finanzsektor. Typisch für Frontier Markets ist ein großes Reservoir an Rohstoffen.

Welche Rolle spielt ein hoher Bevölkerungszuwachs für die Wirtschaft auf dem afrikanischen Kontinent? Afrika hat laut der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung mit 4,5 die höchste Fertilitätsrate unter den Weltregionen (Stand: 2016). Der Weltdurchschnitt liegt bei 2,5. Im Jahr 2015 lebten gut 1,2 Milliarden Menschen auf dem Kontinent. Die Vereinten Nationen prognostizieren, dass sich diese Zahl bis 2050 etwa verdoppeln wird. Denn die Hälfte der Afrikaner ist zurzeit unter 19 Jahre alt.

Nun macht man sich wegen der perspektivisch verzerrten Afrikakarten allerdings kaum eine Vorstellung, was diese Verdoppelung bedeutet und wie groß dieser Kontinent ist. Derzeit liegt die Bevölkerungsdichte in Afrika noch durchschnittlich bei 44 Menschen pro Quadratkilometer. Selbst mit zwei Milliarden Bewohnern läge die Bevölkerungsdichte noch um einiges unter der heutigen der EU (102 Einwohner pro Quadratkilometer).

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Schroder ISF Em. Asia C Acc USD
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HSBC GIF BRIC Equity M2C USD
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GS BRICs Equ. Pf. E EUR Acc
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Afrika als Werkbank der Welt?

Diese junge Bevölkerung ist technikaffin und verlangt nach denselben Produkten wie die Altersgenossen in entwickelten Staaten. Abzusehen ist der Zeitpunkt der "demographischen Dividende" – eines wichtigen Grundes für den Aufschwung einer Weltregion: Es ist das Zeitfenster, in dem es noch nicht sehr viele Alte gibt, aber bereits mehr Kinder als früher das Erwachsenenalter erreichen. Somit ist der Anteil der Arbeitsfähigen an der Gesamtbevölkerung eine Generation lang ungewöhnlich hoch.

Dieses Zeitfenster hat Europa hinter sich. China genießt es heute. 70 Prozent der Chinesen befinden sich im arbeitsfähigen Alter. Das sind mehr als in Europa und in den USA und vor allem mehr als in Afrika mit 56 Prozent.

In 50 Jahren aber wird sich dieses Verhältnis umgekehrt haben, so eine Prognose der Vereinten Nationen: Dann wird China in dieser Rangliste das Schlusslicht bilden, mit 56 Prozent – wie Afrika derzeit. Afrika hingegen wird mit einem Anteil der erwerbsfähigen Bevölkerung von 65 Prozent den Spitzenplatz einnehmen. Laut dieser Prognose wird China wegen seiner Ein-Kind-Politik in einigen Jahrzehnten vergreisen, ähnlich wie Japan heute. Durch diese Umkehr würde Afrika zur Werkbank der Welt.

Afrika ist riesig und steckt voller Überraschungen und Unterschiede. Wer weiß schon, dass dieser Kontinent der Wachstumsmarkt Nummer eins für Cognac ist? Auch hier könnte sich das Verhältnis von China und Afrika demnächst umkehren. Vor allem in Nigeria und Südafrika entwickelt man ein besonderes Faible für diese Luxus-Spirituose.

Der Markt für Luxusgüter befindet sich insgesamt auf steilem Wachstumskurs. Die wachsenden Mittelschichten verlangen nach denselben Luxusmarken wie in Europa. Zehn Prozent der beliebtesten Marken Afrikas entstammen dem Luxussegment. Allen voran Gucci (Rang 9), auf den weiteren Plätzen folgen Ralph Lauren (33), Lacoste (37), Versace (42), Chanel (43), Louis Vuitton (46), Dolce & Gabbana (60), Rolex (88), Victoria's Secret (89) und Fendi (100).

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Konsum in Afrika

Welche Marken sind die populärsten in Afrika? Aus welchen Ländern kommen sie? Welchen Branchen gehören sie an? Bei der Befragung afrikanischer Konsumenten 2018/2019 durch das Wirtschaftsmagazin "African Business" ergaben sich folgende Daten: Auf den Plätzen eins bis drei in der Befragung aus 2018/2019 landeten die Marken Nike, Adidas und Samsung. Die beliebteste Marke des Kontinents selbst war MTN (Telekommunikation) aus Südafrika (Platz acht). Damit stellen vor allem multinationale Unternehmen die beliebtesten Marken Afrikas.

Die dominierenden Branchen sind Technologie (18 Prozent), Konsumgüter (16 Prozent), Autos (elf Prozent), Getränke (zehn Prozent) und Luxus (zehn Prozent). Aus Afrika selbst stammen 14 Prozent der genannten Marken. Afrikanische Marken verzeichnen in den Umfragen über die Jahre eine sinkende Relevanz. Die Tabelle zur Befragung ist zu finden auf brandafrica.net.

Wie erwähnt, ist für Frontier Markets ein großes Reservoir an Rohstoffen typisch. Das trifft auch auf Afrika zu: Rohstoffe sind mit Abstand der wichtigste Exportsektor des Kontinents. Afrika verfügt insbesondere über Öl, Gold, Diamanten und Erze. Hier finden sich etwa 90 Prozent der weltweiten Vorkommen an mineralischen Rohstoffen wie Bauxit, Chromit, Kobalt, Diamanten, Gold, Platin und Titan.

Leider kann ein Reichtum an Bodenschätzen zum sogenannten Ressourcenfluch führen: Rohstoffreiche Länder konzentrieren sich oft einseitig auf den lukrativen Bergbau und vernachlässigen den Auf- und Ausbau anderer Bereiche der Wirtschaft, nicht nur in Afrika. Das führt dazu, dass Bodenschätze paradoxerweise für die Ökonomie eines Landes häufig von Nachteil sind, nicht von Vorteil.

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Was machen die großen Spieler in Afrika?

Welche Schlüsse ziehen Wirtschaft und institutionelle Investoren aus dieser Lage? Ein Stichwort, das in diesem Zusammenhang auftaucht: Chinas Neue Seidenstraße.

Das Reich der Mitte ist mittlerweile die wichtigste Wirtschaftsmacht in Afrika geworden. China hat beim Handel alle Konkurrenten abgehängt. Westliche Staaten wie die USA, Großbritannien oder Frankreich investieren zwar schon länger in Afrika, doch es ist absehbar, dass China diese Länder auch beim Kapitalstock überholen wird.

Laut einer Schätzung waren im Jahr 2017 über 10.000 chinesische Firmen in Afrika aktiv. Die Investitionen konzentrieren sich auf ressourcenreiche Länder. Den Untersuchungen des McKinsey Global Institute zufolge beschäftigen die chinesischen Unternehmen in Afrika durchaus eine große Zahl von Einheimischen. In der Presse liest man allerdings öfter, dass vor allem chinesische Arbeiter zum Zuge kämen.

McKinsey attestiert China bei seiner Investitionstrategie ähnliche Probleme wie den westlichen Staaten. Als größte Schwierigkeiten gelten Korruption, persönliche Sicherheit und Energieversorgung. Das Projekt der Neuen Seidenstraße – oder "One Belt, One Road"– wurde auch erst 2013 gestartet. Daher steht noch nicht fest, als wie erfolgreich sich die chinesischen Investitionen erweisen werden.

Laut Anlagestratege Stephan sind mittlerweile etwa 40 afrikanische Länder offizielle Partner der Neuen Seidenstraße. Zwar geht der Experte davon aus, dass die afrikanischen Staaten langfristig von einer verbesserten Infrastruktur und einem besseren Anschluss an die asiatischen und europäischen Märkte profitieren können.

"Inwieweit das chinesische Megaprojekt aber afrikanischen Unternehmen direkt zugutekommt, ist fraglich", sagt Stephan. "Ein Großteil der Projekte wird von chinesischen Unternehmen durchgeführt, die chinesische Arbeiter beschäftigen. Zudem scheint China weniger Wert auf Umweltstandards und Menschenrechte zu legen, als dies wünschenswert wäre oder westliche Partner fordern. Unter dem Strich sollte Afrika von den Infrastrukturprojekten profitieren können."

Und was macht der legendäre Norwegische Staatsfonds? Er investiert seit Jahren einen größeren Teil seiner Gelder in Afrika, um von einigen der schnellsten Wachstums-Geschichten in der Weltwirtschaft zu profitieren. Und der Fonds ist über eine Billion US-Dollar schwer.

Bis vor rund fünf Jahren waren die Norweger in Südafrika investiert und weiteten dann ihre Anlagen in Richtung Norden aus: nach Kenia, Nigeria, einigen Staaten der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion, außerdem nach Marokko, Ägypten und Tunesien. Frontier-Märkte sind für den Staatsfonds keine Ausnahme. Er investiert dort, wo sich Möglichkeiten ergeben, soweit ein Markt die Mindestanforderungen erfüllt.

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Afrika und der deutsche Außenhandel

Für den deutschen Außenhandel spielt Afrika bisher kaum eine Rolle. Aber das könnte sich ändern. Im Jahr 2019 sind Importe und Exporte kräftig gestiegen. Die deutsche Regierung will mehr Investoren nach Afrika locken. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) ist der Ansicht, dass in Afrika die Zukunftsmärkte liegen. Und über die Hälfte der deutschen Unternehmen will nach Angaben des AHK World Business Outlook mehr in Afrika investieren.

Der Afrika-Verein der Deutschen Wirtschaft beobachtet ebenfalls wachsendes Interesse. Die großen Wachstumsraten in Staaten wie Äthiopien, Ghana, Ruanda oder der Elfenbeinküste reizen deutsche Firmen zu einer Zeit, da sich die Konjunktur in anderen Weltregionen abkühlt.

Derzeit machen Importe aus Afrika nur knapp zwei Prozent des deutschen Gesamtimports aus. Die Exporte aus Deutschland auf den südlichen Kontinent bewegen sich in derselben Größenordnung. Allein mit Ungarn handelt Deutschland mehr als mit Afrika. Fast die Hälfte des deutschen Außenhandels entfällt zudem auf Südafrika.

Deutschland liefert in den Kontinent vor allem Maschinen und Autos, Elektronik und chemische Produkte. Umgekehrt sind Erdöl und Erdgas die wichtigsten Importgüter – sie machen rund ein Drittel der Einfuhren aus Afrika aus – dahinter folgen Agrarprodukte, Autoteile und Metalle.

Auch den Mittelstand erwarten Chancen und Risiken auf dem afrikanischen Kontinent. Die immer gleichbleibende Verlockung ist, dass die Märkte in den Industrienationen zunehmend gesättigt sind, Afrika aber einen großen Bedarf hat. Investitionen entgegen steht ein Defizit an Infrastruktur.

Das Potential steht wieder einmal im Widerstreit mit den Gefahren. Es ist jedenfalls abzusehen, dass die Nachfrage nach Energie, Wohnraum und Nahrungsmitteln auf dem Kontinent stark zunehmen wird. Gleiches gilt für die Digitalisierung. Davon kann auch der Mittelstand profitieren. Ein weiteres Beispiel ist der Umbau zu einer modernen Landwirtschaft in der Subsahara-Region. Das Beratungshaus PricewaterhouseCoopers sieht in der Agrarwirtschaft in Subsahara erhebliche Chancen für den deutschen Mittelstand.

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Das Bevölkerungswachstum Afrikas treibt ebenfalls den Immobilienmarkt an. Wie vielfältig der Kontinent ist, zeigt ein Blick auf die Grundstückspreise. Mit Luanda, Kinshasa und N'Djamena landen gleich drei afrikanische Städte in den Top-10 der 200 teuersten Städte weltweit. Dort ist es teurer als in New York und London. Das bietet Chancen für Wohnungsbauunternehmen, Handwerksbetriebe, Werkzeugbauer, Infrastrukturunternehmen, Möbelhersteller und viele weitere Akteure.

Gefahren, Probleme, Risiken

Zu den Gefahren auf dem Kontinent zählen unter anderem der Bürgerkrieg in Libyen, der Scharia-Konflikt in Nigeria, der somalische Bürgerkrieg, der Bürgerkrieg im Südsudan und der Konflikt in Nordmali. Hier herrscht nur sehr eingeschränkt eine öffentliche Ordnung, sodass die Durchführung von Investitionsprojekten oft schon an elementaren Anforderungen scheitert, was die persönliche Sicherheit angeht. Ganz zu schweigen von Rechtssicherheit.

Wie steht es um die oft angesprochene Korruption in Afrika? Dieses weltweite Problem schlägt laut Transparency International auf dem Kontinent besonders hart zu. Im Korruptionsindex dieser Organisation belegen Somalia, der Südsudan, der Sudan, Guinea-Bissau und Äquatorial-Guinea fünf der acht letzten Plätze.

In dem 180 Staaten umfassenden Ranking kommen die Seychellen auf den 28. Platz und sind damit das am besten platzierte afrikanische Land. Es folgen Botswana (Platz 34), die kapverdischen Inseln (Platz 45), Ruanda (Platz 48), Namibia (Platz 52) und der Senegal (Platz 67). Weitere Probleme auf dem Kontinent ergeben sich aus einer überraschend umständlichen Bürokratie, einem mangelnden Entwicklungsstand der Verwaltungsstrukturen. Dazu kommt eine oft unterentwickelte Infrastruktur.

Afrika-Investments für Privatanleger?

So – nun Butter bei die Fische: Was können Privatanleger mit diesen Erkenntnissen zu Chancen und Risiken in Afrika anfangen? Ein Investment in Afrika sollte jedenfalls nur einen Teil des Depots ausmachen. Anlageexperte Stephan formuliert es so: "Frontier Markets können aufgrund ihrer geringen Korrelation mit anderen Assetklassen als Portfoliobaustein dazu beitragen, eine verbesserte Diversifizierung zu erzielen. Aufgrund der erhöhten Schwankungen rate ich zu diesen Investments jedoch lediglich Personen mit einem entsprechenden Risikoprofil und langfristigem Anlagehorizont."

Die angesprochene Korrelation bedeutet, dass Anlageklassen sich zueinander typischerweise in einer bestimmten Art verhalten. Der Index für Aktien der Industriestaaten entwickelt sich also anders als der von Rohstoffen oder Euro-Staatsanleihen. Zur Streuung eines Portfolios ist es erwünscht, dass sich die Assets darin typischerweise unterschiedlich entwickeln, am besten gegenläufig. Dadurch erreicht man einen größeren Diversifikationseffekt: Das Risiko eines Portfolios sinkt, gemessen an der Volatilität, bei gleicher erwarteter Rendite.

Das bedeutet in diesem Fall schlicht, dass Aktien aus Frontier Markets sich anders entwickeln als solche aus entwickelten Staaten (Industriestaaten) und selbst als solche aus Schwellenländern (Emerging Markets). Das ist erwünscht in einem Portfolio. Allerdings sollten Frontier Markets, und damit auch Investionen in Afrika, einem Depot wirklich nur beigemischt werden. Und das auch nur, wenn man in diesem Bereich erhöhte Schwankungen aushalten kann (Risikotoleranz) und diese Volatilität über einen ausreichenden, langfristigen Zeitraum aussitzt.

Damit wären Umfang und Dauer eines Afrika-Investments ungefähr geklärt. Doch auf welchem Wege könnte man teilweise sein Depot auf diese Weise bestücken? "Zu den größten Wertpapierbörsen in Afrika zählen neben Südafrika und Ägypten auch Marokko, Nigeria und Kenia. Der direkte Zugang für Privatanleger ist oft schwierig beziehungsweise eingeschränkt möglich", sagt Stephan. "Daher bietet sich für Interessenten ein breit diversifiziertes Investment über Fonds an."

Wie wäre es also mit "Afrika pur"? Also mit einem passiven Investment in einen Index auf den afrikanischen Kontinent? Klingt verführerisch, denn die Kosten sind bei einem passiven Investment niedriger als bei einem aktiven. Welche Angebote gibt es dazu? Es gibt nicht viele solcher Indexfonds (ETFs). Es sind genau zwei reine Afrika-ETFs auf dem Markt: Der Xtrackers MSCI EFM Africa TOP 50 und der Lyxor Pan Africa.

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Welche Aussichten bieten Afrika-ETFs?

Der Xtrackers hat den Charme, dass die Stiftung Warentest ihn als markttypischen ETF und "Erste Wahl" bezeichnet. Gemessen am MSCI EFM Africa hat er eine Marktnähe von 86 Prozent.

Der MSCI Emerging and Frontier (EFM) Africa Top 50 bietet Zugang zu den 50 größten Unternehmen aus Schwellenländern und Frontier Markets in Afrika. Die laufenden Kosten (TER) liegen bei 0,65 Prozent pro Jahr. Der ETF ist synthetisch und thesaurierend. Allerdings hat er nur eine Fondsgröße von knapp 25 Millionen Euro und laut Investmentportal Trackingdifferences.com eine durchschnittliche Abweichung vom Index von 1,16 Prozent pro Jahr (seit 2012). Damit ist der ETF teurer, als es die TER suggeriert.

Im vergangenen Jahr hat der Xtrackers auf Euro-Basis eine Performance von gut 13 Prozent erzielt, sei Jahresanfang steht allerdings ein Verlust von rund 15 Prozent zu Buche (Stichtag: 28. Februar).

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Der Lyxor Pan Africa bietet Zugang zu 30 börsengehandelten Unternehmen, die in Afrika gelistet oder überwiegend in Afrika tätig sind. Der Index enthält Werte aus drei Zonen: Nordafrika (mit Marokko und Ägypten), Subsahara-Region und Südafrika. Für jede dieser Zonen werden die jeweils zehn größten Werte ausgewählt.

Dieser ETF hat, gemessen am MSCI EFM Africa, laut Stiftung Warentest eine Marktnähe von 59 Prozent. Die laufenden Kosten liegen bei 0,85 Prozent pro Jahr. Der Lyxor ist also, ebenso wie der Xtrackers, für einen ETF relativ teuer. Er ist synthetisch und thesaurierend, das Fondsvolumen liegt bei rund 46 Millionen Euro. Laut Trackingdifferences.com beträgt die durchschnittliche Indexabweichung 1,19 Prozent pro Jahr (seit 2009). Sprich: Ebenso wie der Xtrackers, bildet der Lyxor den Index nicht exakt ab und ist somit teurer, als die TER es vermuten lässt. 

Für 2019 weist der Lyxor auf Euro-Basis eine Performance von knapp 13 Prozent aus, seit Jahresanfang beträgt der Verlust rund elf Prozent (Stichtag: 28. Februar).

Weitere Afrika-ETFs

Klingt bislang nicht berauschend. Bleibt auf ETF-Basis noch der Xtrackers MSCI EM Europe, Middle East & Africa – mit Afrika als Teilregion. Er investiert in die großen und mittleren Unternehmen der Emerging Markets aus Europa, dem Mittleren Osten und Afrika (EMEA). Gemessen an dieser Benchmark, hat der ETF eine Marktnähe von 65 Prozent. Die laufenden Kosten liegen bei 0,65 Prozent pro Jahr. Er ist synthetisch und thesaurierend. Sein Fondsvolumen beträgt aktuell gut 37 Millionen Euro. Laut Trackingdifferences.com liegt die Indexabweichung bei 0,82 Prozent pro Jahr (seit 2008). Auch diese Differenz erhöht die Kosten für die Anleger.

Im vergangenen Jahr hat der Xtrackers MSCI EM Europe, Middle East & Africa auf Euro-Basis eine Performance von fast 18 Prozent erzielt, seit Jahresanfang liegt er knapp 15 Prozent im Minus (Stichtag: 28. Februar).

Aus Afrika enthält der Fonds allerdings nur Ägypten und Südafrika. Und viele passive Anleger haben ja schon entweder einen Südafrika-ETF oder einen ETF mit den Emerging Markets der Welt. Dabei ist zu berücksichtigen: Wenn ein afrikanischer Frontier Market stärker wird, dann steigt er automatisch in den MSCI Emerging Markets auf, sofern er die Voraussetzungen erfüllt. Ein ETF auf die Schwellenländer ist also flexibel mit Blick auf zukünftige afrikanische Märkte. Das ändert nur nichts an der derzeitigen Situation.

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Aktiv gemanagte Fonds machen Sinn

Was also tun? "Da die Märkte sich in Afrika nicht durch die gleiche Effizienz wie in den Industriestaaten auszeichnen, bieten sich aktiv gemanagte Fonds an", sagt Stephan. Bei passiven Investments nach Marktkapitalisierung sei der Anteil an Bergbau, Telekommunikation und Finanzen sehr hoch. "Aus Risikogesichtspunkten sollten Anleger breit gestreut investieren. Von einem Engagement in Einzeltiteln rate ich daher ab. Gegeben der noch immer geringeren Markteffizienz in weiten Teilen Afrikas können Investitionen, die aktiv gemanagt werden, in dieser Region durchaus Sinn machen."

Fondsmanager können besonders bei ineffizienten Märkten gezielt auswählen, welche Unternehmen Afrikas sie als vielversprechend betrachten. Will ein Privatinvestor dagegen in afrikanische Einzelwerte investieren, sollte er sich sehr gut auskennen und auch das Währungsrisiko einschätzen können. Doch dazu dürfte kaum ein Privatanleger in der Lage sein. Welche aktiven Fonds bieten sich also an?

Zu erwähnen ist beispielsweise der Robeco Afrika Fonds. Der Fonds investiert in Aktien von Unternehmen in der panafrikanischen Region. Dabei handelt es sich vorwiegend um börsengelistete, potenziell ertragreiche Unternehmen in Südafrika, Ägypten, Marokko und Nigeria. Der Fonds ist ausschüttend und hat ein Volumen von rund 23 Millionen Euro. Die laufenden jährlichen Kosten betragen 2,13 Prozent. Positiv: Es fällt kein Ausgabeaufschlag an.

Im vergangenen Jahr erzielte der Robeco Afrika Fonds eine Performance von gut 12 Prozent. Seit Jahresanfang beträgt der Verlust knapp elf Prozent (Stichtag: 28. Februar).

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Rechner topfondsaw
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MSIF Global Advantage A USD
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ABAKUS New Growth Stocks
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18,30%
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MSIF Global Opportunity AH EUR
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Laufzeit: 5 Jahre

Global agierende Unternehmen und Afrika

Wie bereits erwähnt, rät Anlagestratege Stephan von einem Engagement in afrikanische Einzeltitel ab. Doch wie ist es mit Unternehmen, die auf dem Kontinent zwar nicht ihren Hauptsitz haben, in Afrika aber besonders populär sind? So wie die oben genannten Unternehmen Nike, Adidas und Samsung.

"In nicht-afrikanische Unternehmen zu investieren, ist eine Möglichkeit, um vom dynamischen Wachstum der Absatzmärkte in einzelnen Regionen Afrikas zu profitieren. Der Vorteil ist: Diese internationalen und bekannten Unternehmen sind häufig an den großen Börsen der Welt notiert, und man kann somit einfacher investieren als etwa in Afrika", sagt Stephan. "Global agierende Konzerne entdecken Afrika darüber hinaus zunehmend als Produktionsstandort. Dies wirkt sich nicht nur positiv auf die Kostenstruktur dieser Unternehmen aus, sondern stärkt auch die Volkswirtschaften vor Ort."

Dazu ist hier noch einmal auf die oben verlinkte Rangliste von brandafrica.net zu verweisen. Außer den drei Spitzenreitern Nike, Adidas und Samsung finden sich dort unter den 20 beliebtesten Marken auch: Coca Cola, Tecno, Puma, Apple, Gucci, LG, Toyota, Airtel, Vodafone, Nokia, Pepsi Cola, Itel Mobile, Huawei, Nestle und Mercedes-Benz. Wer in die Unternehmen solcher Marken investiert, der investiert zugleich in Afrika. Und kauft damit die Marken, die die Afrikaner selbst kaufen.

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Fazit

Wenn Afrika, dann breit gestreut und nur als Beimischung. Oder man investiert in Welt-Unternehmen, die in Afrika besonders populär sind. Dieser Kontinent bietet enorme Chancen. Es lohnt sich, risikobewusst und langfristig mit Blick auf Afrika zu investieren.



  Alexander Rudow


 

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