Aktionär beim Arbeitgeber werden

Belegschaftsaktien Aktionär beim Arbeitgeber werden

von Horst Peter Wickel
17.12.2017
Auf einen Blick
  • Die meisten börsennotierten Großunternehmen bieten Mitarbeitern eigene Aktien zu günstigen Konditionen an.

  • Unternehmen wollen motivieren und Identität schaffen, Mitarbeiter können Altersvorsorge betreiben.
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Rund 70 Prozent der börsennotierten Großunternehmen in Deutschland bieten nach einer aktuellen wissenschaftlichen Studie ihren Mitarbeitern irgendeine Form von Belegschaftsaktien an. Zwar stellen die verbilligten oder Gratisaktien bei einigen Unternehmen einen Teil der variablen Vergütung für Führungskräfte dar, aber bei den anderen Firmen können alle Mitarbeiter Miteigentümer werden.

Rund eine Million deutsche Arbeitnehmer sind Inhaber von Belegschaftsaktien, in einigen Fällen verfügen die Mitarbeiter bereits über nennenswerte Aktienpakete. So halten bei Siemens aktuelle und frühere Mitarbeiter insgesamt fünf Prozent des Kapitals. Das Management will durch Belegschaftsaktien die Motivation und die Identifikation mit dem Arbeitgeber steigern – und damit die Mitarbeiterbindung erhöhen.

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Was Sie als Belegschaftsaktionär davon haben

Belegschaftsaktien sind keine besondere Aktienart oder Aktiengattung. Ihre Besonderheit liegt aber darin, dass sie von Aktiengesellschaften ausschließlich an Mitarbeiter des Unternehmens ausgegeben werden. Dabei können Sie mit besonders vorteilhaften Konditionen rechnen. So werden Belegschaftsaktien in der Regel zu einem Vorzugskurs, deutlich unter dem aktuellen Börsenkurs ausgegeben. Ihr Arbeitgeber kann zusätzlich alle mit dem Erwerb der Aktien verbundenen Nebenkosten übernehmen, Ihnen Aktien zum Vorzugskurs anstelle von Weihnachtsgeld anbieten oder die Erwerbskosten mit vermögenswirksamen Leistungen verrechnen.

Warum Steuern fällig werden

Firmen-Aktien gelten steuerrechtlich als geldwerter Vorteil. Wenn Sie durch Vorzugskonditionen beim Kauf von Belegschaftsaktien einen geldwerten Vorteil, wie zum Beispiel bei der Nutzung eines Firmenwagens, erlangen, ist er lohnsteuerpflichtig.

Nach Paragraf 3 Nummer 39 Einkommensteuergesetz gibt es lediglich einen Freibetrag von 360 Euro pro Jahr. Als geldwerter Vorteil wird der Differenzbetrag zischen Börsenkurs und dem Vorteilspreis angesehen. Wenn Sie nach dem Belegschaftsaktienprogramm Ihres Arbeitsgebers also jährlich zehn Aktien jeweils 20 Euro unter dem aktuellen Börsenkurs erwerben können, addiert sich daraus ein geldwerter Vorteil von 200 Euro.

Wichtig ist der Zeitpunkt, zu dem Ihnen der geldwerte Vorteil zufließt. Der geldwerte Vorteil entsteht in dem Augenblick, in dem Sie Inhaber der Aktie werden, also die wirtschaftliche Verfügungsmacht über die zum Vorzugspreis erworbenen Papiere ausüben können.

Wenn Ihnen erst einmal Aktienoptionen übertragen werden, ergeben sich steuerrechtlich komplizierte Berechnungsmodelle, um den geldwerten Vorteil gleichmäßig auf mehrere Jahre zu verteilen. Teilweise erhalten Arbeitnehmer bei Ausübung der Option statt Aktien eine Ausgleichszahlung. Dies ist insbesondere bei virtuellen Aktienoptionen der Fall. Die Ausgleichszahlung bemisst sich nach dem Wert der fiktiv zu erwerbenden Aktien abzüglich des Ausübungspreises und ist bei Zufluss allerdings auch steuerpflichtiger Arbeitslohn.

Nicht gleich verkaufen

Eigentlich haben Sie als Belegschaftsaktionär dieselben Rechte, die jedem anderen Aktionär auch zustehen. Dazu gehören vor allem Stimmrechte, sofern sie in der Aktie verbrieft sind, und das Recht auf Gewinnbeteiligung.

Allerdings gibt es Verfügungsbeschränkungen, die besonders bei einem geplanten Verkauf eine Rolle spielen. Regelmäßig unterliegen Belegschaftsaktien Sperrfristen von meist fünf Jahren. Während die Sperrfrist gilt, ist es Ihnen nicht erlaubt, die Belegschaftsaktien zu veräußern. Eine Ausnahme gilt grundsätzlich bei Arbeitsunfähigkeit oder bei Tod des Belegschaftsaktionärs.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de