Bitcoin: Mega-Blase oder digitales Gold?

Krypto-Serie Teil 2 Bitcoin: Mega-Blase oder digitales Gold?

von Lars Becker
17.11.2017
Auf einen Blick
  • Nach dem Crash in den vergangenen Tagen befindet sich der Bitcoin-Kurs bereits wieder auf Rekordjagd.

  • Eine rationale Erklärung für die jüngsten Kurskapriolen gibt es nicht.

  • Das Expertenlager ist gespalten wie nie: Die einen warnen vor dem Platzen der Krypto-Blase. Die anderen sehen bereits sechsstellige Kurse beim Bitcoin.

  • Für Privatanleger ist ein Bitcoin-Investment nicht zu empfehlen – Kryptowährungen sind nur etwas für Zocker. Ein Totalverlust kann nicht ausgeschlossen werden.
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Bitcoin-Anleger brauchen derzeit Nerven wie Drahtseile. Vom Zwischenhoch am 8. November bei rund 7.800 US-Dollar ist der Bitcoin-Kurs innerhalb von nur vier Tagen auf 5.500 Dollar gekracht – ein Verlust von 30 Prozent. Mittlerweile kratzt die Kryptowährung schon wieder an der 8.000-Dollar-Marke.

Experten können sich die gewaltigen Kursauschläge nicht mehr erklären. Es vergeht kein Tag, an dem nicht irgendeine Meldung den Kurs gegen Süden oder Norden schickt. "Bitcoin ist Betrug", schimpfte Jamie Dimon, Chef der Investmentbank JP Morgan, kürzlich auf einer Investorenkonferenz. "Das Ganze ist sogar schlimmer als bei den Tulpenzwiebeln."

Wiederholt sich die Geschichte?

Damit spielte Dimon auf die erste Spekulationsblase der Geschichte an. Anfang des 17. Jahrhunderts wurden Tulpen zum beliebten Haarschmuck der gehobenen Gesellschaft: Für eine Tulpe der Sorte "Vizekönig" mussten damals beispielsweise zwei Wagenladungen Roggen, vier fette Ochsen oder vier Tonnen Bier bezahlt werden. Als die Blase platzte, verloren viele Haus und Hof.

Immer mehr kritische Experten warnen, dass Bitcoin-Anlegern das gleiche Schicksal passieren könnte wie damals den Tulpen-Anlegern. Die Internet-Taler seien nur virtuell, so das Argument. Mittlerweile ist ein Bitcoin sechsmal so teuer wie eine Feinunze Gold. Die Parallelen zum Tulpenboom scheinen frappierend. Auf der anderen Seite prophezeien die Krypto-Jünger, dass ein Bitcoin bis 2030 über 500.000 Dollar wert sein könnte.

Und selbst Chefkritiker Dimon, dessen Institut übrigens anscheinend zeitnah –trotz seiner Aussagen – Millionen für seine Kunden in Kryptowährungen investierte, hält 20.000 Dollar pro Bitcoin für möglich, "bis die Blase platzt".

Stärken und Schwächen

Bitcoin-Experte Professor Philipp Sandner vom Frankfurt School Blockchain Center tut sich schwer mit einer Prognose über die künftige Wertentwicklung der Nummer eins unter den Kryptowährungen: "Zweifellos zieht Bitcoin unter allen Kryptowährungen mit Abstand das größte Medieninteresse auf sich. Auch weil Bitcoin mit einer Leistungsbilanz von nunmehr neun Jahren das größte Vertrauen unter allen Kryptowährungen genießt", sagt Sandner. "Allerdings hat die Währung auch enorme Governance-Probleme und auch Schwächen in der Technik."

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Die Verantwortung für die Währung liegt einerseits vor allem bei einer Handvoll Firmen, die mit dem sogenannten Mining das Bitcoin-Netzwerk unterhalten und andererseits bei einer Community, die weltweit aus nur 200 bis 300 Entwicklern besteht. Es gibt dazu Kritik, dass die Kryptowährung von Verbrecherorganisationen oder Staaten wie Nordkorea zur Geldwäsche genutzt wird. Dazu dauern die Transaktionen im Vergleich zu anderen Kryptowährungen deutlich länger.

Das hat schon dazu geführt, dass sich mit Bitcoin Cash eine Kryptowährung abgespalten hat, die inzwischen in Sachen Marktkapitalisierung die Nummer vier unter den Kryptowährungen ist. Sandner glaubt, dass es künftig weitere Abspaltungen geben wird – seit November gibt es Bitcoin Gold.

Das ist natürlich nicht förderlich für den Wert des Bitcoins. Im Gegenzug spricht allerdings die begrenzte Zahl von Bitcoins – derzeit sind etwa 16,5 Millionen im Umlauf, generell ist die Zahl auf 21 Millionen gedeckelt – für einen weiteren Wertzuwachs. Wenn die Nachfrage höher ist als das Angebot, dann steigt der Preis. Und dies könnte möglich sein, weil sich immer mehr Menschen mit dem Thema Kryptowährungen beschäftigen.

Wie der Bitcoin entstand

Das hängt natürlich mit den märchenhaften Wertzuwächsen zusammen. Bitcoin hat schon einige Menschen zu Millionären gemacht – wer vor sieben Jahren nur einen Dollar in die neue Kryptowährung investiert hat, ist jetzt Millionär. Die Idee für das virtuelle Geld stammt von einem Phantom namens Satoshi Nakamoto, vermutlich ein Pseudoynm.

Er stellte 2008 in einem Newsforum die Idee eines freien und nicht von Staaten kontrollierten Geldes vor. Später setzte er die Idee gemeinsam mit anderen Programmierern um und legte damit einen Grundstein für die Revolution in der Finanzwelt.

Zukunftschancen

Ob der Bitcoin langfristig den Durchbruch zur neuen "Weltwährung" schaffen und damit einen weiteren Wertzuwachs generieren kann, hängt von vielen Faktoren ab. "Momentan ist der Bitcoin doch nur ein Spekulationsobjekt in der Hoffnung auf Wertzuwächse", sagt Devisen-Expertin Thu Lan Nguyen von der Commerzbank. "Als Zahlungsmittel wird es doch nur vereinzelt verwendet. Warum sollte ich dann vom Euro oder Dollar weggehen?"

Wichtig wird also sein, ob große Händler wie Amazon den Bitcoin als Zahlungsmittel anerkennen. Vor kurzem sickerte durch, dass Amazon bereits drei Krypto-Domains eingerichtet hat. Bislang wollte sich der Internetriese allerdings nicht zu den Spekulationen äußern, dass man bald mit Bitcoin oder Ethereum bei Amazon zahlen kann.

Zudem wird sich zeigen, ob sich Bitcoin künftig gegen andere Kryptowährungen und trotz der Regulierungsbemühungen der Staaten durchsetzen kann. Mit großen Schwankungen – nach dem Handelsverbot an speziellen Börsen in China verlor der Bitcoin ebenfalls zwischenzeitlich 30 Prozent seines Werts – wird definitiv zu rechnen sein. Das Risiko ist also gewaltig.

"Ich glaube, dass die Bedeutung von Kryptowährungen generell in den nächsten ein, zwei Jahren definitiv noch zunehmen wird", sagt Sandner. Wer Bitcoins erwerben will, kann das auf Handelsplattformen wie coinbase.com oder bitcoin.de tun. Allerdings warnt Sandner ausdrücklich davor, ohne ausreichende Vorkenntnisse in Bitcoin oder andere Kryptowährungen zu investieren.

Bitcoin-Wertpapiere

Der Aktienwert der deutschen Bitcoin Group, der Mutter von bitcoin.de, hat sich übrigens seit Jahresanfang mehr als verzehnfacht. Allerdings ebenfalls mit zwischenzeitlich drastischen Ausschlägen nach unten. Zudem ist die Bitcoin Group-Aktie ein äußerst marktenger Wert: Der Streubesitz – also die Quote der im Umlauf befindlichen Aktien – liegt gerade mal bei fünf Prozent. Aufgrund der niedrigen Liquidität ist die Aktie deshalb besonders anfällig für extreme Kursausschläge in beide Richtungen.

Der Schweizer Finanzdienstleister Vontobel bietet zudem über ein Zertifikat (ISIN DE000VN5MJG9) die direkte Partizipation am Bitcoin-Preis. Dessen Wert hat sich seit Jahresanfang rund versechsfacht. Allerdings sei auch hier die niedrige Liquidität erwähnt. In Spitzenzeiten beläuft sich das Handelsvolumen bei der Börse Stuttgart gerade einmal auf 3.000 Stück pro Tag. Im Falle eines Mega-Crahs drohen Anleger damit auf ihren Papieren sitzen zu bleiben.

Biallo-Tipp

Biallo.de warnt vor einem Investment in Bitcoins. Die Anlage ist hochriskant, die Gefahr eines Totalverlusts immens. Zudem kann die Währung für kriminelle Zwecke missbraucht werden. Anleger sollten getreu dem Motto verfahren: Kaufe nur, was Du kennst!

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de