Geldanlagen in "exotischen" Märkten

Brasilien: Auch die Aktienkurse tanzen Samba

Update: 06.08.2019
Lars Becker
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Auf einen Blick
  • Das Sprichwort "Politische Börsen haben kurze Beine" scheint auf Brasilien nicht zuzutreffen. Der brasilianische Aktienmarkt ist schon länger maßgeblich von der Politik abhängig.

  • Experten mahnen derzeit zur Vorsicht: "Die Gewinne der Unternehmen wurden in letzter Zeit nach unten revidiert. Und die Bewertung der Unternehmen liegt über dem Zehn-Jahres-Durchschnitt."
Nicht nur beim Samba geht es in Rio heiß her, auch der brasilianische Aktienmarkt ist nichts für schwache Nerven.
CP DC Press /Shutterstock.com

Brasilien stand in diesem Jahrzehnt vor allem durch sportliche Großereignisse gleich mehrfach im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit. Statt des erhofften Langzeit-Aufschwungs im Tourismus brachten die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Spiele 2016 jedoch große Probleme.

Das hatte mit den in der Bevölkerung höchst umstrittenen Milliarden-Ausgaben für die Mega-Events, vor allem aber mit einer großen Wirtschaftskrise zu tun. Im Zuge dessen wurden diverse Korruptionsskandale aufgedeckt, die Präsidentin Dilma Rousseff musste nach einem Amtsenthebungsverfahren ihren Hut nehmen. Auch der beliebte Ex-Präsident Lula wurde wegen Korruption zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

Hoffnungsträger und Kritikpunkt: Der neue Präsident Bolsonaro

Das zeigt, dass die Politik bei der Entwicklung der Aktienmärkte im Land eine ganz wichtige Rolle spielt. Und das ist auch seit dem Amtsantritt des neuen Präsidenten Jair Messias Bolsonaro zu Jahresbeginn so. Seither hat der Aktienindex Bovespa in der Spitze rund 20 Prozent zugelegt, vor allem in der Hoffnung auf eine Wirtschafts- und Pensionsreform der mit einem renommierten Wirtschaftsminister ausgestatteten Regierung des neuen Machthabers.

Dabei ist Hoffnungsträger Bolsonaro eine überaus umstrittene Figur – der "Trump Brasiliens" geht gegen die Ureinwohner vor, will im geschützten Amazonas-Urwaldgebiet neue Rohstoffquellen erschließen und hält nicht besonders viel vom Klimaschutz.

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"Märkte zu weit gelaufen"

"Wir sind derzeit vorsichtig in Brasilien, die Märkte sind schon zu weit gelaufen. Es ist viel Hoffnung eingepreist", sagt Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank, im Gespräch mit biallo.de. "Dafür ist das Wachstum mit rund einem Prozent deutlich zu niedrig für ein Schwellenland".

Der Experte hat die Entwicklung im südamerikanischen Land und die Aufdeckung der ganzen Korruptionsfälle in den vergangenen Jahren aufmerksam verfolgt. Der Aufschwung wird vor allem vom privaten Konsum getrieben. Zuletzt gab es noch einmal einen Zusatzschub, nachdem die sogenannten Mercosur-Staaten (gemeinsamer Markt Südamerikas) inklusive Schwergewicht Brasilien mit der EU die weltgrößte Freihandelszone vereinbarten.

Mit einem ETF wie etwa dem Lyxor MSCI BrazilUCITS ETF (ISIN LU1900066207) konnte man vom Aufschwung der letzten Zeit deutlich profitieren – seit Jahresanfang liegt der ETF gut 14 Prozent im Plus. Das zeigt, dass die Kurse in Brasilien wirklich Samba tanzen.

Extreme Vorsicht ist gefragt

Ulrich Stephan mahnt wegen der hohen Risiken und politischen Unwägbarkeiten im größten Land Südamerikas dennoch zur Vorsicht. Die Staatsverschuldung liegt auch wegen des extrem teuren Pensionssystems – im Schnitt liegt das Renteneintrittsalter in Brasilien bei 54 (Männer) beziehungsweise 52 Jahren (Frauen) – bei fast 88 Prozent (2018). Nur die angekündigte Pensionsreform könnte die Dinge zum Besseren wenden.

Die Landeswährung Real jedenfalls ist schon auf dem Weg nach oben. Derzeit gibt es "nur" noch 4,41 Real für einen Euro. Im September 2018 waren es noch knapp fünf Real – das zeigt, dass man auch mit Währungsspekulationen in Brasilien in letzter Zeit gutes Geld verdienen konnte.

Diese Zeiten könnten laut Ulrich Stephan jedoch bald zu Ende gehen: "Die Gewinne der Unternehmen wurden in letzter Zeit nach unten revidiert. Und die Bewertung der Unternehmen liegt über dem Zehn-Jahres-Durchschnitt. Man muss also bei einer Investition ganz genau hinzuschauen."

3
 
Name
ISIN
Wertzu-
wachs p.a.
 
1.
Schroder ISF Em. Asia C Acc USD
LU0181496059
9,49%
Zum Chart
2.
Schroder ISF BRIC(Br. R. In. Ch. )A Acc EUR
LU0232931963
6,91%
Zum Chart
3.
FvS Gl. Emerging Mkt. Equities R
LU1012015118
6,56%
Zum Chart
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Skandal um Bergbauunternehmen Vale

Besonders empfehlenswert scheint eine Investition in den Energiebereich zu sein. Auch der Bereich Materials sowie Firmen, die konjunkturelle Güter herstellen, sind einen Blick wert. Zurückhaltung empfiehlt sich dagegen zum Beispiel beim Bergbau-Giganten Vale. Als jüngst der Damm eines Rückhaltebeckens des Unternehmens brach, starben über 300 Menschen.

"Man muss bei Brasilien immer sehr aufmerksam sein, da der Markt stark schwankt und maßgeblich von der Politik abhängig ist", so Stephan. Brasilien bietet große Chancen, aber vor allem derzeit auch extrem große Risiken – weil die Kurse Samba tanzen.

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Fazit

Von einem Investment in Brasilien ist wegen der zuletzt starken Kursentwicklung, die von den Fundamentaldaten nicht entsprechend gestützt wurde, eher abzuraten. Wer trotzdem zocken will, sollte auf ET’s oder Fonds setzen und das Risiko somit breit streuen.



  Lars Becker


 

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