Brasilien: Wo die Kurse Samba tanzen

Geldanlagen in "exotischen" Märkten Brasilien: Wo die Kurse Samba tanzen

Lars Becker
von Lars Becker
15.03.2017
Auf einen Blick
  • Brasilien ist nach ganz schweren Zeiten auf dem Weg zurück in den Wachstumsbereich. Aktien, Staatsanleihen und Währung des südamerikanischen Landes bieten große Rendite-Chancen – aber auch große Risiken.
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Brasilien stand in den letzten Jahren gleich mehrfach im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit. Statt des erhofften Langzeit-Aufschwungs im Tourismus brachten die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Spiele 2016 jedoch große Probleme.

Das hatte mit den in der Bevölkerung höchst umstrittenen Milliarden-Ausgaben für die Mega-Events, vor allem aber mit einer großen Wirtschaftskrise zu tun. Im Zuge dessen wurden diverse Korruptionsskandale aufgedeckt, die Präsidentin Dilma Rousseff musste nach einem Amtsenthebungsverfahren ihren Hut nehmen.

Geheimtipp Brasilien

Das klingt nach einem extrem schwierigen Umfeld für lohnende Investitionen, doch Brasilien ist schon seit einiger Zeit wieder ein Geheimtipp für Investoren. "In der Vergangenheit hat Brasilien als rohstoffreiches Land mit Öl oder Eisenerz eine sehr gute Entwicklung genommen. Dann sind die Preise gesunken und die Wirtschaftsblase ist geplatzt. In diesem Zuge kam die ganze Korruption zum Vorschein. Inzwischen steigen die Rohstoffpreise wieder, auch mit der Börse und der Währung geht es wieder aufwärts", erklärt Ulrich Stephan die Hintergründe.

Der Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank geht nach Jahren des Abschwungs davon aus, "dass wir in diesem Jahr erstmals wieder ein positives Wachstum von rund 0,5 Prozent in Brasilien sehen werden".

Der Aufschwung wird vor allem vom privaten Konsum getrieben, der mit dem Ifo-Geschäftsklimaindex vergleichbare FGV-Index steigt ebenfalls. Das treibt die Hoffnungen auf ähnliche Gewinnsprünge auf dem Aktienmarkt wie im vergangenen Jahr an.

Damals stand am Ende ein Plus von 103 Prozent zu Buche, was neben den Hoffnungen auf eine bessere Zukunft vor allen den sich erholenden Rohstoffpreisen geschuldet ist. Mit dem LYXOR UCITS ETF BRAZIL (IBOVESPA) C-EUR konnte man davon profitieren. Blickt man auf die langfristige Bilanz, sieht die Sache komplett anders aus.

Im Vergleich zu 2010 ist der Bovespa-Index immer noch zehn Prozent im Minus – der Dax gewann in dieser Zeit 110 Prozent. Das zeigt, dass die Kurse in Brasilien wirklich Samba tanzen.

3
 
Name
ISIN
Wertzuwachs p.a.
 
1.
Magna New Frontiers Fund R
IE00B68FF474
11,26%
2.
Fidelity Fd. Em. Asia A Acc EUR
LU0329678410
10,57%
3.
Templeton EM Smaller Comp. Fd. A acc EUR
LU0300743431
8,43%
Laufzeit: 5 Jahre

Gewaltige Renditechancen, hohes Risiko

Ulrich Stephan glaubt jedoch zumindest kurzfristig an eine weitere Erholung und hat deshalb auch für von ihm verwaltete Fonds brasilianische Aktien hinzugekauft. "Brasilien kommt aus einer Depression und scheint auf dem Weg nach oben zu sein. Die Inflation dürfte in diesem Jahr von sechs auf fünf Prozent sinken, wir rechnen auch mit fallenden Leitzinsen, von 12,25 auf neun Prozent. Man kann in Brasilien investieren", erklärt der Experte.

Stephan weist aber gleichzeitig auf die hohen Risiken und politischen Unwägbarkeiten im größten Land Südamerikas hin. 2018 stehen wieder Präsidentenwahlen mit ungewissem Ausgang an. Die Staatsverschuldung liegt auch wegen des extrem teuren Pensionssystems – im Schnitt liegt das Renteneintrittsalter in Brasilien bei 54 (Männer) bzw. 52 Jahren (Frauen) – bei 75 Prozent. Die Kreditwürdigkeit des Landes liegt nach Meinung der Rating-Agenturen auf Ramschniveau.

Das bietet jedoch auch gewaltige Chancen: Zehnjährige Staatsanleihen bringen momentan 10,3 Prozent Zinsen. Da gleichzeitig der brasilianische Real im vergangenen Jahr im Verhältnis zum Euro um 35 Prozent nach oben schoss, konnte man im Jahr 2016 mit diesen Papieren in Euro gerechnet bis zu 75 Prozent Gewinn machen. Auch hiervon kann man zum Beispiel im UBS (Lux) Bond Sicav - Brazil (USD) P-acc profitieren.

Deutsche-Bank-Experte Stephan rechnet mit einer weiteren Aufwärtsentwicklung der brasilianischen Währung, würde aber in Sachen Brasilien trotzdem vor allem auf ein weiteres Plus an der Börse setzen:

"Ich würde nur ein kleines Gewicht auf Staatsanleihen legen und ansonsten den Aktienmarkt bevorzugen. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 12,7 ist nicht hoch und die Dividendenrendite von 3,2 ziemlich gut. Auch das erwartete Gewinnwachstum der Unternehmen ist mit 22,1 Prozent für 2017 bemerkenswert. Allerdings empfiehlt es sich hier, ganz genau hinzuschauen."

Besonders empfehlenswert scheint eine Investition in den Energiebereich, Materials und Firmen, die konjunkturelle Güter herstellen. Entsprechende Topperformer-Fonds erzielten 2016 stolze Gewinne.

Natürlich bieten auch die großen Rohstoff-Firmen wie der Bergbau-Gigant Vale S.A. oder der allerdings in Korruptions-Skandale verwickelte Öl-Multi Petrobras interessante Perspektiven. "Man muss bei Brasilien allerdings immer sehr aufmerksam sein, da der Markt stark schwankt und maßgeblich von der Politik abhängig ist", so Stephan. Brasilien bietet große Chancen, aber auch große Risiken – weil die Kurse Samba tanzen.

Biallo-Tipp

Brasilien kommt aus einer Depression und bietet große Renditechancen. Allerdings ist auch das Risiko vergleichsweise hoch. Deshalb höchstens zehn Prozent Ihres Vermögens hier investieren.

Beim Investment diversifizieren und auf große Firmen aus dem Energie-, Konsumgüter- und Rohstoffbereich setzen – dazu bieten sich die im Text erwähnten Topperformer-Fonds an.

Auch Staatsanleihen sind interessant, aber innerhalb des Brasilien-Portfolios nur mit höchstens zehn bis 20 Prozent gewichten. Immer genau die politischen Entwicklungen beobachten!

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de