Der Anbieter "Gratisbroker" im Test

Wertpapierhandel Der Anbieter "Gratisbroker" im Test

von Björn König
06.12.2019
Auf einen Blick
  • Die Gratisbroker GmbH aus München bietet Privatanlegern ein kostenloses Wertpapierdepot mit Realtime-Handel über die Börse Gettex an.

  • Der Anbieter verzichtet ebenfalls auf Fremdkostenpauschalen sowie Negativzinsen auf dem Verrechnungskonto. Dieses wird bei der Baader Bank geführt.

  • Trades von weniger als 500 Euro sind allerdings ebenso wenig möglich wie eingehende Depotüberträge.
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Wertpapierhandel gehörte in Deutschland traditionell noch nie zu den günstigsten Dienstleistungen. Wobei die Vergangenheitsform hier schon ziemlich gut den Nagel auf den Kopf trifft, denn mittlerweile sieht es anders aus. Zu verdanken ist dies vor allem dem Markteintritt des Berliner Smartphone-Brokers "Trade Republic".

Für lediglich einen Euro Fremdkostenpauschale kann man nach Lust und Laune Wertpapiere kaufen und verkaufen. Erst kürzlich kamen sogar noch kostenfreie ETF-Sparpläne hinzu. Doch selbst dieses fast schon unschlagbare Angebot bekommt noch einmal Konkurrenz – und zwar aus der bayerischen Landeshauptstadt München. Dort hat die Gratisbroker GmbH ihren Sitz und ging kürzlich mit einem eigenen Depotprodukt für Privatanleger an den Markt.

Wesentlicher Unterschied ist neben dem Wegfall jeglicher Fremdkostenpauschale die Option, Wertpapiergeschäfte auch am PC oder Notebook abwickeln zu können. Das Angebot umfasst rund 3.600 Einzelaktien aus 52 Ländern, darunter wichtige Blue Chips und Mid Caps sowie 300 ETFs von DWS und Amundi. Hinzu kommen über 2.100 Fonds verschiedener Gesellschaften.

Laut Pressesprecherin Kristin Niggl soll darüber hinaus noch im laufenden Jahr der Handel mit Optionsscheinen und Zertifikaten möglich sein, Gespräche mit einem dritten ETF-Anbieter liefen ebenfalls bereits. Wir haben uns das Produkt im Test genauer angeschaut.

Unser Test

Da aktuell noch keine Android-App zur Verfügung steht, haben wir das Web-Interface im Browser am Notebook getestet. Als Basis diente Linux Mint Cinnamon in der Version 19.2 mit Google Chrome 78.0. Wir verwendeten ein bereits verifiziertes Depot, weswegen nicht näher auf den Identifikationsprozess eingegangen wird. Der Login erfolgt zunächst via Email-Adresse und Passwort, im Anschluss befindet man sich auf der Depot-Übersichtsseite. Diese zeigt zunächst den Gesamtkontostand inklusive Einzelguthaben im Verrechnungskonto und Depot.

Konkrete Charts zu den enthaltenen Werten beziehungsweise ausgewählten Wertpapieren fehlten allerdings in der Übersicht. Das sollte in einem der kommenden Updates nachgereicht werden. Im Bereich Umsätze gibt es eine Orderhistorie mit bereits aufgelaufenen Transaktionen, für die jeweils ein PDF mit der entsprechenden Abrechnung heruntergeladen werden kann. Einzelne Orders erfolgen entweder im Modus "Billigst" (entspricht Marktorder zum nächst handelbaren Preis), "Limit" (entspricht Limitorder zum maximalen Ankaufspreis) oder "Stop" (entspricht Kauf erst beim Überschreiten des Stop-Wertes).

Transaktionen müssen grundsätzlich zu einem Mindestvolumen von 500 Euro ausgeführt werden. Als Test orderten wir 30 Aktien des italienischen Versicherers Assicurazioni Generali. Die Transaktion über Gettex wurde unmittelbar und fehlerfrei ausgeführt. Eine Bestätigung erfolgte per Pop-up-Fenster im Browser. Handelszeiten an der Gettex sind jeweils Montags bis Freitags zwischen acht und 22 Uhr, liegen damit allerdings etwas ungünstiger als zum Beispiel an der LS Exchange, jedoch besser als an der Xetra direkt.

Sofern es an einer Börse technische Probleme gibt oder bei einer Order unterschiedliche Spreads vorliegen, wäre ein zweiter Handelsplatz neben Gettex auf Dauer natürlich wünschenswert. So setzt beispielsweise der Mitbewerber JustTrade neben LS Exchange auch auf die Option, den Handelsplatz Quotrix auszuwählen.

Vergleich zum Wettbewerb

Direkte Konkurrenten zu Gratisbroker wären natürlich die bereits genannte Trade Republic sowie JustTrade und das Depot von Revolut. Letztere zwei Angebote sind allerdings aktuell nur schwierig als Vergleichsgrundlage heranzuziehen. Das liegt einerseits daran, dass JustTrade zum Zeitpunkt unseres Tests nach wie vor nicht offen verfügbar war sowie das Angebot von Revolut sehr unvollständig und teils intransparent ist. Viele für den deutschen Markt interessanten Aktien und ETFs sucht man dort nach wie vor vergebens.

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Andere Produkte, wie beispielsweise das britische Freetrade.io oder das US-Unternehmen Robinhood hatten zwar bereits einen Start in weiteren europäischen Ländern (darunter auch Deutschland) angekündigt, waren aber zum Testzeitpunkt ebenfalls nicht verfügbar. Daher kämen als direkte Wettbewerber nur Trade Republic und Degiro in Frage.

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Anleger sollten allerdings bedenken, dass zum Beispiel die Abführung der Kapitalertragssteuer bei einem inländischen Broker üblicherweise automatisch abläuft, wohingegen diese bei einem ausländischen Broker vom Anleger selbst in die Steuererklärung eingetragen und abgeführt werden muss.

Dies ist natürlich weniger komfortabel. Dafür haben Anleger bei Degiro wiederum direkten Zugriff auf In- und Auslandsbörsen wie Xetra, New York Stock Exchange sowie NASDAQ und müssen ihre Transaktionen nicht über einen Börsenmakler (Market Maker) abwickeln. Gleichwohl sind Market Maker natürlich nicht per se negativ für den Kunden. Sie können auch signifikante Vorteile bei Handelszeiten und Gebühren bieten, wofür die neuen Start-up-Broker ja durchaus ein positives Beispiel sind.

Wertpapiere

Gratisbroker

Trade Republic

Degiro

Einzelwerte (Dax)

Kostenlos (ab 500 Euro)

1 Euro

2 Euro + 0,026 Prozent

ETFs

Kostenlos

1 Euro

2 Euro + 0,038 Prozent (ausgewählte kostenlos)

Quelle: Preisverzeichnisse, eigene Recherche

Unser Fazit

Alle wesentlichen Basisdienstleistungen eines Wertpapierdepots bekommen Kunden von Gratisbroker tatsächlich kostenlos. Einzige Maluspunkte: Die Order muss mindestens in Höhe von 500 Euro ausgeführt werden und eingehende Depotüberträge sind nicht möglich. Zudem erwartet das Unternehmen im Rahmen einer "Fair Use Policy" die aktive Depotnutzung.

Das bedeutet, Kapital soll nicht dauerhaft auf dem Verrechnungskonto verbleiben, sondern muss investiert sein. Für die mobile Nutzung ist das Depot allerdings zumindest aktuell nur bedingt geeignet, da noch keine App verfügbar ist.

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Diese soll aber voraussichtlich im kommenden Jahr nachgereicht werden. Im Gesamtbild gehört das Angebot also aktuell durchaus zu den attraktiveren Angeboten am Markt, sofern man nicht beabsichtigt, über spezielle Börsenplätze zu handeln oder sehr exotische Einzelwerte ordern möchte.

Biallo-Tipp

Wer hauptsächlich ETF-Sparpläne ausführt, sollte bei einem Depot-Vergleich auch immer aktuelle Aktionsangebote der Banken und Broker im Auge behalten.

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