Geldanlage ETF

Diese Tücken sollten Sie kennen

30.04.2017
Auf einen Blick
  • Ein Investment in Indexfonds ist kein Rundumsorglos-Paket.

  • Der zugrundeliegende Börsenindex kann Übertreibungen im Aktienbestand oder durch Ersatz-Wertpapiere im Fonds ein überhöhtes Risiko aufweisen.

  • Sparer sollten sich nicht in trügerischer Sicherheit wiegen und riskante Anlagemuster vermeiden.
ETF - diese drei Buchstaben sind derzeit in aller Munde, es gibt aber auch Tücken.
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Keine Anlageform hat in den vergangenen Jahren so rasant an Bedeutung gewonnen wie ETFs. Mehr als 3.000 Milliarden Euro sind weltweit in Indexfonds investiert. Bis zum Jahr 2020 wird sich nach Schätzungen von Christian Staub, Deutschland-Chef des weltgrößten ETF-Anbieters Blackrock, diese Zahl verdoppeln. Die Vorzüge von ETFs liegen auf der Hand: Sie sind schnell und flexibel handelbar, die Wertentwicklung ist transparent und die Kosten niedrig. Unsere ETF-Tabellen zeigen die besten Fonds der wichtigsten Indizes. Aber Achtung: Ein Rundumsorglos-Packet sind ETFs nicht. Diese Anlagetücken bestehen:

1. Überbewertung einzelner Aktien

Die meisten ETFs bilden große Indizes ab, etwa den Dax oder den Euro Stoxx 50. Das kann problematisch sein, "denn Indizes setzen nicht auf die Qualität einzelner Aktien oder Unterbewertung, sondern auf schiere Größe. Das aber bedeutet häufig das Gegenteil, denn ein Index wählt die einzelnen Titel nach dem Börsenwert (Marktkapitalisierung) aus", sagt Rainer Laborenz, Chef von Azemos Vermögensmanagement aus Offenburg. Sind zum Beispiel Technologie- und Telekomtitel besonders teuer, wie um das Jahr 2000 herum, kauft man im Index folglich einen besonders hohen Anteil davon. Nach dem Platzen der Technologieblase im Jahr 2000 fielen Titel wie die Deutsche Telekom oder Intel jedoch ins Bodenlose, teilweise um mehr 90 Prozent.

Folge: Die entsprechenden Indizes erlitten überdurchschnittliche Kursverluste. Als Gegenstrategie empfiehlt sich eine Vermögensstreuung auf verschiedene, teils gegensätzliche Indizes.

2. Fake-Aktien im Fonds

Viele ETFs investieren nicht in die tatsächlichen Aktien des Index, sondern in beliebige Wertpapiere und Derivate. Diese Papiere garantieren aber lediglich stellvertretend die Renditen des Index. "Das ist eine Riesen-Mogelpackung, weil hier mit synthetischen Produkten etwas suggeriert wird, was tatsächlich nicht vorhanden ist", bemängelt Laborenz. Vor einiger Zeit berichtete die "Wirtschaftswoche" von einem Dax-ETF, der rund 30 Prozent japanische Aktien enthielt.

Das Problem: Mit "echten" Aktien könne man jeden noch so schweren Börsenkollaps aussitzen, während man bei synthetischen ETFs abhängig sei von der Bonität des garantiegebenden Emittenten. Und dieser wiederum ist abhängig von den Emittenten seiner im ETF verbauten Derivate und Finanzprodukte. "Lehman Brothers lässt grüßen", warnt der Fondsexperte. Zu allem Überfluss dürfen ETF-Underlyings auch noch vom Emittenten beliehen werden, was die Sicherheit der Fonds weiter beeinträchtigt. Unter Sicherheitsaspekten sollte man ETFs bevorzugen, die in echte Aktien investieren.

Rechner topfondsad
3
 
Name
ISIN
Wertzu-
wachs p.a.
 
1.
DWS German Small/Mid Cap LD
DE0005152409
9,02%
Zum Chart
2.
Fondak A EUR
DE0008471012
4,12%
Zum Chart
3.
MEAG Proinvest A
DE0009754119
3,45%
Zum Chart
Laufzeit: 5 Jahre

3. Zu häufiges Handeln, falscher Zeitpunkt

Ein drittes Risiko besteht nicht im ETF selbst, sondern im Anlegerverhalten. "Eine Studie aus dem Jahr 2013 mit dem Titel "The dark side of ETFs" belegt, dass Anleger, die erstmalig in ETF investieren, sehr schlecht abschneiden", berichtet der Münchner Vermögensverwalter Thomas Freiberger. Der Grund: Die einfache und kostengünstige Handelbarkeit von ETFs verführe dazu, durch häufigen An- und Verkauf Gewinne erzielen zu wollen (Market Timing). "Dies durchkreuzt aber die Grundidee passiver Indexfonds, die ja gerade darin besteht, Indizes nachzubilden und im Index längerfristig investiert zu bleiben, anstatt ständig hin und her zu handeln", so der Finanzprofi. Die mit dem ETF eingesparten Kosten würden so wieder aufgebläht. Außerdem kann falsches Market Timing zu Underperformance führen. Ein ETF sei letztlich nur ein Werkzeug. Das tollste Werkzeug nütze aber nichts, wenn man es falsch anwendet.

4. Keine ausgewogene Depot-Zusammensetzung

Die ETF-Welle lässt manche Privatanleger blind werden. Indexfonds sind nicht die alleinige, beste Anlagemöglichkeit für alle Sparziele. "Es besteht immer die Gefahr, dass man blind in eine Richtung läuft und substanzielle Gefahren oder Argumente außer Acht lässt", gibt Anlageprofi Andreas Görler von der Berliner Wellinvest zu bedenken. Das könne zu Übertreibungen an den Märkten führen. Aber auch zu Schieflagen im Depot. Außerdem entstünde, wenn man wegen geringer Kosten ausschließlich auf passive Investmentansätze setzt, meist keine optimierte Asset-Allocation, die Parameter wie Volatilität und Anlagerisiko ausreichend berücksichtigt. "Eine ausgewogene Vermögensanlage bedarf aller Anlageklassen", fordert Görler. Dazu benötige man unterschiedliche Investmentphilosophien.

Bevor Anleger investieren, sollten sie sich allerdings wie bei jeder Geldanlage darüber Gedanken machen, welche Sparziele sie verfolgen und ob sie sich selbst um ihre Geldanlage kümmern wollen. Kauf-Tipp vom Profi: "Die beste Zeit für den Handel mit ETFs ist nicht der Börsenbeginn, sondern die Mitte des Tages." Die zuständigen Market Maker warten nämlich erst mal ab, zu welchen Kursen die dem Index zugrundeliegenden Wertpapiere gehandelt werden. In hektischen Börsenphasen sollte man ETF-Orders unbedingt mit Limits versehen.




  Max Geißler


 
 
 
 
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