Gebührenwucher bei neuem Fonds-Depot

Commerzbank Gebührenwucher bei neuem Fonds-Depot

Max Geißler
von Max Geißler
13.04.2017
Auf einen Blick
  • Die Commerzbank entwickelt neue Wertpapierdepots mit Pauschalgebühren zum Aktien- und Fondssparen.
  • Die Kosten der sogenannten Premium-Depots sind weit überdurchschnittlich.
  • Mit Direktbanken fahren Aktien- und Fondssparer viel preiswerter.
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Zu Jahresbeginn kam die Commerzbank auf die Idee, ein spezielles Depot für Fondssparer einzuführen. Dort können sich Anleger beraten lassen und rund 100 sogenannte Premium-Fonds ohne Ausgabeaufschlag oder sonstige Transaktionskosten handeln. "Ausgabeaufschläge von drei bis fünf Prozent sind nicht mehr zeitgemäß", begründet Michael Mandel, Vorstand Privatkunden bei der Commerzbank, die Entscheidung.

Das Depotmodell mit Pauschalgebühren sei mit Blick auf die Nullzinspolitik der EZB sowie sinkende Kapitalmarktrenditen ganz bewusst entwickelt worden. "Wir glauben, dass sich solche Modelle durchsetzen, und sehen uns als Trendsetter am Markt", betont sein Kollege Torsten Daenert.

Umstiegshürde hohe Kosten

Ob Fondssparer das Depot annehmen werden, ist allerdings fraglich. Die fälligen Depotgebühren sind nämlich happig. Das sogenannte "Premium-Fonds-Depot" kostet mindestens 90 Euro pro Quartal, also 360 Euro im Jahr. Überschreitet der Depotwert die Grenze von 40.000 Euro, wird es noch teurer. Denn dann übersteigen die geforderten 0,9 Prozent des Depotvermögens pro Jahr die Mindestkosten. Bei einer Depoteinlage von 50.000 Euro fallen demnach bereits Kosten von 450 Euro im Jahr an, ab 100.000 Euro sind es 900 Euro!

Eine weitere Schwachstelle ist, dass das Depot nur Fonds beherbergt. Wer sich eine Aktie oder Anleihe ins Depot legen möchte, der benötigt das umfassendere "Premium-Depot". Das aber kostet mindestens 145 Euro pro Quartal, also 580 Euro pro Jahr. Analog zum "Premium-Fonds-Depot" steigen die Kosten ab einer Depoteinlage von 40.000 Euro weiter, da dann das pauschale Depotentgelt in Höhe von 1,45 Prozent p.a. greift. Ein Depotwert von 50.000 Euro kostet demnach bereits 725 Euro pro Jahr.

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Premium-Depots stärken die Beratung

Wertpapierdepots mit Pauschalentgelt sollen eine unabhängige Bankberatung sicherstellen, so die Intention der Commerzbank. Bankberater hätten dadurch keinen Anreiz mehr, Fonds nach der Höhe des Ausgabeaufschlags anzupreisen. Vielmehr rücke die Qualität des Fonds in den Mittelpunkt. Unerfahrene oder bequeme Sparer, die ihre Anlageentscheidung lieber dem Berater überlassen, sind für diese Argumentation durchaus empfänglich, wie die Praxis zeigt. Immerhin lagern bereits gut 17 Milliarden Euro auf den "Premium-Depots" der Commerzbank.

Eigeninitiative spart viel Geld

Aufgeklärte beziehungsweise interessierte Anleger werden das anders sehen. Sie nutzen die vielfältigen Anlagemöglichkeiten und Informationstools, die das Internet und die vielen Onlinebroker bieten. Bei Direktbanken handeln schon heute Millionen von Kunden Aktien oder Fonds auf eigene Faust und zu extrem günstigen Konditionen. Dank niedriger Kosten ist der Zulauf ungebrochen.

Anbieter wie Consorsbank, DKB oder ING-Diba verzichten ohne Wenn und Aber auf Depotgebühren und offerieren Fonds und ETFs ohne Ausgabeaufschlag oder Transaktionskosten. Selbst ETF-Sparpläne sind vielfach zum Nulltarif zu haben. Bei der ING-Diba können Anleger fast 5.000 Fonds ohne Kaufgebühren erwerben - und nicht nur 100 wie beim "Premium-Fonds-Depot" der Commerzbank.

Trendsetter Direkt-Depot?

Immerhin bietet die Commerzbank dem selbstständig handelnden Teil ihrer Kundschaft mit dem "Direkt-Depot" eine Hintertür. Wird mindestens eine Order pro Quartal oder ein Fondssparplan getätigt, fällt für dieses Depot kein Depotentgelt an und Fondskäufer genießen 50 Prozent Rabatt auf den Ausgabeaufschlag. Vielleicht entpuppt sich ja das "Direkt-Depot" der Commerzbank als Trendsetter?

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Max Geißler
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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

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Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de