Mädels tut endlich was!

Frauen, Geld und die Zukunft... Mädels tut endlich was!

Ines Baur
von Ines Baur
11.08.2017
Auf einen Blick
  • Geldanlage ist in den meisten Beziehungen Männersache. Das ist für viele Frauen im Alter verheerend.

  • Dieses Thema der Woche gibt Frauen nützliche Tipps, wie sie erfolgreich Altersvorsorge betreiben können.
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Frauen studieren, Frauen arbeiten, Frauen ziehen Kinder groß, Frauen bekommen Quoten – und Frauen verarmen im Alter.

Viele Frauen in Deutschland leben in Altersarmut. Tendenz steigend. Neben dem Thema Rente gibt es weitere Gründe, warum es ausgerechnet Frauen so hart trifft. Paare in Deutschland leben immer noch – trotz aller Emanzipation – starre Rollenklischees. Frauen akzeptieren gravierende Verdienstunterschiede. Vermögensaufbau ist in vielen Partnerschaften Männersache, genauso wie ein Vollzeitjob. Frauen gehen nach der Babypause in die Teilzeit, suchen sich einen Minijob oder arbeiten gar nicht mehr in einem Beruf.

Vorerst stört das nicht, denn sie ist über den Mann ja versorgt. Doch leider währt nicht jede Ehe ewig und nach der Trennung kommt das Erwachen. Wie sieht es auf dem Konto aus, wenn die Ehe geschieden wird, der Gatte berufsunfähig ist oder gar verstirbt? Tatsache ist: Zu viele Frauen kümmern sich nicht um die Themen Altersvorsorge und Vermögensaufbau. Und wenn sie es tun, ist es oft kurz vor knapp oder schon zu spät.

1. Der aktuelle Gleichstellungsbericht …

2011 – der erste Gleichstellungsbericht der Bundesregierung erscheint. "…Frauen werden besser ausgebildet als je zuvor, gleichzeitig werden aber starke Anreize gesetzt, dass sie ihre Potenziale im Erwerbssystem nicht ausreichend nutzen. Dies erschwert nicht nur eine eigenständige Existenzsicherung im Erwerbsalter, sondern auch den Aufbau einer eigenen, armutsfesten Alterssicherung […]. Die Kommission empfiehlt daher neben einem Ausbau der Betreuungsangebote für Kinder, die besonderen Anreize für geringfügige Arbeit im Arbeits-, Sozial- und Steuerrecht zu beseitigen." Das hörte sich gut an.

Sechs Jahre später: Im zweiten Gleichstellungsbericht 2017 lesen wir bereits in der Einführung: "Gleichstellung der Geschlechter: ein nicht erreichtes Ziel".

Frauen sind in Deutschland bei Altersvorsorge, Verdienst, Rente immer noch benachteiligt. Ideen, um dem entgegenzuwirken, lauten zum Beispiel:

  • Einführung einer durchgängigen Rentenversicherungspflicht
  • Verbesserung der Anrechnung von Pflegezeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung
  • nachsorgender sozialer Ausgleich bei niedrigen Rentenansprüchen
  • Verbesserung des Zugangs von Frauen zur betrieblichen und privaten Alterssicherung

Das Fazit der Kommission: "Trotz der erreichten Fortschritte" auch in Zukunft ein "weiter zu verfolgendes Ziel".

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2. Von wegen Golden Girls – warum bekommen Frauen weniger Rente?

1. Weil sie weniger Rentenpunkte sammeln

Wer als Arbeitnehmer in Deutschland Geld verdient, kommt an der gesetzlichen Rentenversicherung nicht vorbei. Sie regelt nicht nur die (bescheidene) Altersrente, sondern deckt auch Risiken wie Arbeitsunfälle oder Berufskrankheiten ab. Im Jahr 2015 lag die durchschnittliche Altersrente laut Deutscher Rentenversicherung in den alten Bundesländern bei 1.014 Euro für Männer und 635 Euro für Frauen. Die monatliche Rentenzahlung spiegelt den lebenslangen Verdienst wieder. Die Rente errechnet sich aus Punkten. Arg vereinfacht lässt es sich so erklären: Arbeitnehmer bekommen einen Rentenpunkt, wenn sie in einem Jahr das Durchschnittsentgelt (aktuell 36.267 Euro) verdient haben. Verdienen sie mehr, erhalten sie mehr Rentenpunkte. Verdient jemand weniger, erhält er weniger Rentenpunkte.

Beispiel: Anna hat ihre Ausbildung zur Optikerin gemacht. Nach der Lehre hat sie zehn Jahre Vollzeit in ihrem Beruf gearbeitet, geheiratet, ein Kind bekommen. Klar war: Anna bleibt zu Hause, kümmert sich um das Kind und geht nicht zurück in den Job. Anna hat nur zehn Jahre Rentenpunkte gesammelt. Ihr Mann Oli war 42 Jahre in Vollzeit beschäftigt und verbucht dementsprechend Punkte auf seinem Konto.

Wie bei Anja und Oli läuft es in vielen Familien. Eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach von 2014 (im Auftrag des Bundesfamilienministeriums) zeigt Erwerbskonstellationen nach der Geburt des ersten Kindes. Demnach entschieden sich:

  • 15 Prozent der befragten Paare für eine Vollzeit/Vollzeit-Konstellation,
  • 16 Prozent für eine Vollzeitbeschäftigung des Vaters und eine Teilzeitbeschäftigung der Mutter (25 bis 34 Wochenstunden),
  • 25 Prozent der Paare für eine Vollzeitarbeit des Vaters und eine kürzere Teilzeitarbeit der Mutter (15 bis 24 Wochenstunden),
  • 14 Prozent der Paare für Vollzeit des Vaters und eine stundenweise Beschäftigung (unter 15 Wochenstunden) der Mutter und
  • 17 Prozent der Paare für eine Vollzeitarbeit des Vaters, die Mutter ist nach der Elternzeit nicht berufstätig.

2. Weil sie weniger verdienen – "Gender Pay Gap"

Ein weiterer Grund für die schlechtere Rentensituation bei Frauen ist die allgemein schlechtere Bezahlung. Auf vergleichbaren Positionen ist die Bezahlung um etwa ein Fünftel niedriger. In den "frauentypischen" Branchen, etwa dem Pflegebereich, liegen die Gehälter oft erheblich unter denen eher männerdominierter Bereiche. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts war 2016 der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Frauen mit 16,26Euro um 21Prozent niedriger als der von Männern (20,71Euro). Interessant: Am größten ist der Unterschied – nach Schulabschluss gegliedert – bei Abitur und Fachabitur. Die Frauen haben einen Bruttostundenverdienst von 19,67 Euro, die Männer 27,05 Euro. Ein Unterschied von 27 Prozent! Das macht sich nicht nur im Alltag, sondern auch bei der Rente bemerkbar.

3. Weil nicht jede Ehe ewig hält

Das statistische Bundesamt meldet: Im Jahr 2016 wurden in Deutschland 162.397 Ehen geschieden. Bei einer Scheidung werden die Rentenansprüche von Mann und Frau während der gemeinsamen Ehejahre geteilt – das nennt man Versorgungsausgleich. Meistens bringt das finanzielle Nachteile für beide Seiten, da die magere Rente geteilt werden muss. "Nach einer Trennung haben Frauen durchschnittlich 40 Prozent weniger Geld zur Verfügung, Männer nur sieben Prozent", warnt Stephan Moltzen, Vorsorge-Experte der Deutschen Bank.

Weiter wirkt sich eine Trennung negativ auf das Arbeitsleben der Frau aus. Die Kinder bleiben bei der Mutter und als alleinerziehende Mutter einer Vollzeitbeschäftigung nachzugehen, ist fast utopisch. Je nach Alter der Kinder ist die Versorgung in Kita, Krippe oder Ganztagsschule zu organisieren. In Deutschland ein Abenteuer - das weiß jede Mutter, die auf der Suche nach einem Krippenplatz ist. Das Ergebnis: Teilzeitjob, weniger Geld für die Rentenkasse.

4. Weil man mit 17 noch Träume hat

Für eine Umfrage der Deutschen Bank zum Internationalen Tag der Jugend wurden mehr als 1.000 Schüler, Studenten und Berufstätige im Alter zwischen 14 und 25 Jahren zufällig ausgewählt und befragt. Erfreulich: Neun von zehn Jugendlichen halten finanzielle Rücklagen für wichtig. Bei den Sparzielen aller Jugendlichen stehen Konsumwünsche wie Führerschein, Auto, Reise oder Elektronik mit 52 Prozent an erster Stelle. 19 Prozent legen ihr Geld für die Ausbildung zurück. Insgesamt sparen nur 13 Prozent für die Altersvorsorge.

Die jungen Frauen haben im Schnitt 401 Euro im Monat zur Verfügung. Das Geld setzt sich zusammen aus Taschengeld sowie Geld aus Nebenjobs, Ausbildung und Berufstätigkeit. Hiervon legen die Mädchen über ein Viertel, rund 106 Euro, zurück. Positiver Trend: 37 Prozent investieren in ihre Ausbildung und 29 Prozent in die Altersvorsorge.

Fazit: Für Frauen, die im Alter lediglich das Geld aus ihren gesetzlichen Rentenansprüchen zur Verfügung haben, dürfte es sehr knapp werden. Zusätzliche Ersparnisse oder Einkünfte aus einer privaten Altersvorsorge sind ein Muss für eine finanziell sorgenfreie "Golden Girls Zeit".

3. Absicherung gegen Risiken

Stopp! Bevor man Geld für Altersvorsorge und Vermögensbildung anlegt, sollte man noch ein Thema abklären. Nämlich:

Was wäre, wenn …

  • ich einen Schaden verursache, für den ich finanziell gerade stehen muss?
  • ich von einem Tag auf den anderen ein Pflegefall werde?
  • ich berufsunfähig werde?
  • ich ums Leben komme und meine Familie allein zurückbleibt?

Frauen – und auch Männer – sollten die drei Situationen in Gedanken durchspielen. Haben sie für den Notfall einen Plan? Dann können sie dieses Kapitel überspringen. Falls nicht, sollten sie sich unbedingt über die Absicherung existenzbedrohender Risiken informieren.

Private Haftpflichtversicherung:

Sie sind mit dem Fahrrad unterwegs und stoßen (schuldig) mit einem Fußgänger zusammen. Sie verletzen ihn schwer. Schmerzensgeld, Behandlungskosten, Reha. Alles Forderungen, die auf Sie zukommen können. Denn: Jeder, der "vorsätzlich oder fahrlässig das Leben, den Körper, die Gesundheit, die Freiheit, das Eigentum oder ein sonstiges Recht eines anderen widerrechtlich verletzt, ist dem anderen zum Ersatze des daraus entstehenden Schadens verpflichtet" (Paragraph 823, Bürgerliches Gesetzbuchs (BGB)). Hier springt die private Haftpflichtversicherung ein und gleicht finanzielle Ansprüche aus. "Auch wenn das Budget klein und der Sparzwang hoch sind, sollte die Haftpflichtversicherung auf der Prioritätenliste ganz weit oben stehen. Ohne ausreichenden Schutz kann auch eine nur kleine Unachtsamkeit zu einem Schuldenberg führen, den der Einzelne im Zweifel sein Leben lang nicht mehr abtragen kann.", sagt Bernhard Gause, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des GDV. Und obwohl die private Haftpflichtversicherung so wichtig ist, haben rund 15 Prozent der deutschen Haushalte diesen Schutz nicht. Dabei ist sie nicht teuer. Für eine Singlefrau gibt es leistungsstarken Schutz ab circa 35 Euro, für Familien ab 45 Euro pro Jahr.

Pflegezusatzversicherung:

Eva hat eine 20-jährige Tochter. Das Mädchen studiert, geht ihre eigenen Wege und hat große Pläne. Neulich hat Eva überlegt, was wäre wenn sie zum Pflegefall wird. Reicht ihr Geld? Muss das Mädchen seine Träume aufgeben, um sich um die pflegebedürftige Mutter zu kümmern?

Frauen werden laut Statistik älter als Männer. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Mädchens liegt heute bei 83 Jahren. Die eines Jungen bei 78 Jahren. Damit ist wahrscheinlich, dass mehr Frauen Pflege in Anspruch nehmen. Doch nicht nur das Alter kann einen Menschen zum Pflegefall machen – auch eine schwere Erkrankung wie ein Schlaganfall oder ein Unfall. Die Investition in eine Pflegezusatzversicherung kann eine sinnvolle Sache sein. Kosten: Eine heute 30-jährige Frau zahlt rund 20 Euro pro Monat in eine Pflegetagegeldversicherung. Bekommen wird sie im Versicherungsfall 50 Euro pro Tag (in der höchsten Pflegestufe).

Berufsunfähigkeitsversicherung:

Die Arbeitsfähigkeit ist das wichtigste wirtschaftliche Kapital. Verliert man dieses Besitztum aufgrund einer Krankheit – was dann? Vom Staat ist hier nicht allzu viel zu erwarten. Anspruch auf eine staatliche Berufsunfähigkeitsrente hat nur, wer vor 1961 geboren ist. Alle, die jünger sind, erhalten eine Erwerbsminderungsrente. Die beträgt maximal ein Drittel des letzten Einkommens. Das ist in den meisten Fällen sicherlich viel zu wenig.

Nicht nur für berufstätige Frauen kann eine Berufsunfähigkeitsversicherung wichtig sein. "Mütter, die Haushalt und Familie versorgen, erhalten dafür kein Einkommen", sagt Silke Barth, Vorsorgeexpertin bei Cosmos Direkt. "Deshalb wird der Wert ihrer Arbeitskraft oft unterschätzt. Können sie aus gesundheitlichen Gründen ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen, muss die Familie finanziell für diesen Ausfall aufkommen."

Eine 30-jährige Frau, die nicht in einem Risikoberuf arbeitet, kann eine Berufsunfähigkeitsversicherung ab circa 40 Euro im Monat abschließen. Je nach Vertrag erhält sie im Versicherungsfall eine garantierte monatliche Rente von 1.500 Euro.

Risikolebensversicherung

Es ist nicht schön über den eigenen Tod nachzudenken. Aber noch unschöner wäre es, den Partner oder kleine Kinder mittellos zurückzulassen. Eine unkomplizierte und kostengünstige Möglichkeit dagegen zu halten, ist der Abschluss einer Risikolebensversicherung. Mit einem Beitrag von rund sechs Euro pro Monat kann eine 30-jährige Frau ihren Lieben im Todesfall 150.000 Euro hinterlassen. Die Risikolebensversicherung ist keine Kapitalanlage. Sie ist Katastrophenschutz. Denn: Passiert der versicherten Person nichts – was wir hoffen – bekommt sie nach Ablauf der Laufzeit kein Geld.

Das bedeutet Pi mal Daumen:

Haftpflichtversicherung 5,00 Euro

Berufsunfähigkeitsversicherung 40,00 Euro

Pflegezusatzversicherung 20,00 Euro

Absicherung gegen Risiken 65,00 Euro

Für rund 65 Euro pro Monat kann sich eine junge Frau bereits gegen existenzgefährdende Risiken absichern. Für insgesamt rund 70 Euro ist sogar ihre Familie noch zusätzlich über eine Risikolebensversicherung geschützt.

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Name
ISIN
Wertzuwachs p.a.
 
1.
DWS Aktien Strategie Deutschland LC
DE0009769869
18,14%
2.
DWS German Equities Typ O
DE0008474289
15,19%
3.
DWS Deutschland LC
DE0008490962
15,13%
Laufzeit: 5 Jahre

4. Ärmel hoch, Krönchen richten, loslegen!

Erstens: Der Wiedereinstieg

Es ist wunderbar, wenn eine Frau – solange die Kinder klein sind – verkürzt oder gar nicht im Job arbeitet. Aber kleine Kinder werden große Menschen. Dann ist es Zeit, in den Job zurückzukehren. So bleiben Frauen am Ball:

a. Planen Sie, wie es nach der Babypause weitergehen soll. Verlieren Sie den beruflichen Wiedereinstieg nicht aus den Augen. Hilfe und Anregungen finden Sie beispielsweise auf diesen Internetseiten: https://www.perspektive-wiedereinstieg.de/ http://www.power-m.net/,

b. Ein guter Weg ist es auch, die Zeit daheim für die Fortbildung zu nutzen. Erkundigen Sie sich nach Seminaren zur Fortbildung in Ihrem Beruf. Auch Fernunis, E-Learning oder ein Kurs für Business-Englisch bringen Sie weiter. Die Möglichkeiten zur Weiterbildung von zu Hause sind vielfältig. Infos gibt es bei:

c. Fixieren Sie sämtliche Absprachen, die Sie vor der Elternzeit mit ihrem Arbeitgeber treffen, schriftlich. Halten Sie den Kontakt zum Arbeitgeber und den Kollegen. Mal ein kurzer Abstecher bei den Kollegen und eine "Happy Birthday"-WhatsApp bringen gute Laune und Sie geraten nicht in Vergessenheit.

Zweitens: Früh loslegen

Je eher sich Frauen mit dem Thema Altersvorsorge und Vermögensaufbau beschäftigen und damit loslegen, desto besser. Wer früh beginnt, kann bereits mit geringen Sparbeträgen ein kleines Vermögen aufbauen. So reicht es, wenn eine 20-jährige rund 50 Euro im Monat zur Seite legt. Eine 30-jährige benötigt rund 150 Euro und mit 40 sollte eine Frau rund 200 bis 300 Euro monatlich zur Seite legen. Ergo: Wer zu lange wartet, muss tief in die Handtasche greifen.

Beispiel: Zahlt eine 30-jährige Frau Monat für Monat 75 Euro in einen Fonds ein, kommt sie bis zum 65. Geburtstag – fünf Prozent Rendite vorausgesetzt – auf einen Betrag von circa 83.500 Euro. Beginnt sie zehn Jahre später, müsste sie jeden Monat das Doppelte sparen, um auf das gleiche Ergebnis zu kommen.

Welche Anlageform für wen richtig ist, muss jede Frau für sich entscheiden. Achten Sie dabei auf mehrere Faktoren: Alter, Lebensumstände, Risikobereitschaft und steuerliche Aspekte.

Drittens: Zähne zusammenbeißen und durchhalten

Frauen sind oft verleitet, während der Kindererziehung die Beiträge für ihre Altersvorsorge zu reduzieren oder auszusetzen. Großer Fehler! Wird beispielsweise ein Fondssparplan aufgrund einer kinderbedingten Job-Pause gleich zu Beginn wieder für drei Jahre stillgelegt, verringert sich das Sparergebnis um rund 14.000 Euro. Und das, obwohl insgesamt nur 2.700 Euro weniger eingezahlt wurden.

Denkbar und fair: Ein Finanzausgleich. Der Ehemann zahlt regelmäßig einen Betrag an seine Frau aus. Diesen Betrag nutzt sie gezielt für den eigenen Vermögensaufbau und die Altersvorsorge. Ist die finanzielle Lage der Familie entspannt, kann die Mutter auch monatlich 100 Euro vom Kindergeld abzweigen und in eine Altersvorsorge investieren.

5. Private und betriebliche Altersvorsorge: Bert, Walter und der Arbeitgeber

Vater Staat möchte seine Kinder zum Sparen anregen. Dazu unterstützt er vorsorgewillige Sparer beim Kapitalaufbau fürs Alter. Zwei Schlagworte, die jeder schon mal gehört haben dürfte, sind Rürup und Riester. Diese zwei vom Staat geförderten Renten sollen Sparwilligen bei der privaten Altersvorsorge helfen.

Bert (Rürup): "Altersvorsorge ist Rente"

Die Basisrente, genannt "Rürup-Rente" (nach Bert Rürup), wurde vor über zehn Jahren als steuerlich begünstigte Form der privaten Altersvorsorge eingeführt. Sie gilt als höchstmögliche Steuersparmöglichkeit im Bereich Altersvorsorge in Deutschland. Sparerinnen können Geld flexibel einzahlen, es gibt

keine feste jährliche Prämie. Beides macht die Rürup-Rente vor allem für Selbständige attraktiv. Im Ruhestand müssen die Rentenzahlungen entsprechend des individuellen Steuersatzes versteuert werden.

Walter (Riester): "Private Altersvorsorge muss Pflicht werden!"

Die Riester-Rente ist eine vom Staat durch Zulagen geförderte Rente. Sie soll es möglich machen, die Lücke zwischen "Rente haben" und "Rente brauchen" zu schließen. Mit der Riester-Rente möchte der Staat vor allem Geringverdienern, Alleinerziehenden und Familien mit normalen Einkommen eine zusätzliche Rente ermöglichen. Aufgrund hoher Kinderzulagen sind Riester-Sparprodukte für Mütter besonders interessant. Den Vertrag bezuschusst der Staat pro Kind mit 300 Euro (185 Euro für bis Ende 2007 geborene Babys).

Dazu kommt die jährliche Grundzulage von 154 Euro (ab dem 1. Januar 2018 soll die Grundzulage von 154 auf 175 Euro ansteigen). Das bedeutet:

2 Kinder x 300 Euro x 20 Jahre = 12.000 Euro,

+1 Person x 154 Euro x 20 Jahre = 3.080 Euro

Zuschuss vom Staat 15.080 Euro

Tipp: Wer bei langem Sparhorizont auf Riester-Fondssparpläne oder eine fondsgebundene Riester-Rentenversicherung setzt, hat die Chance auf eine interessante Rendite. Sparerinnen müssen bei keinem Crash um ihr Erspartes bangen – Riester-Produkte müssen das eingezahlte Kapital plus Zulagen zum Vertragsende garantieren, Verluste sind also ausgeschlossen.

Der Arbeitgeber:

Die betriebliche Altersvorsorge ist der Dinosaurier im deutschen Sozialversicherungssystem. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Versorgungswerke für in Not geratene Arbeiter und deren Familien gegründet.

Arbeitnehmer in Deutschland haben das Recht, dass ein Teil des Gehalts nicht ausgezahlt wird, sondern in eine betriebliche Altersvorsorge fließt. Je nach Betrieb hat der Arbeitgeber die Wahl, was er seinen Angestellten anbieten möchte:

  • Pensionskasse
  • Direktversicherung
  • Pensionsfonds
  • Direktzusage
  • Unterstützungskasse

Private Rentenversicherung

Die Lücke zwischen "habe ich" und "brauche ich" können Sparerinnen auch mit einer privaten Rentenversicherung auffüllen. Sie ist die klassische Altersvorsorge-Police. Die private Rentenversicherung wird zwar nicht staatlich gefördert, jedoch punktet sie mit geringen Abgaben im Alter.

Private Rentenversicherung: Was Versicherte mit 50 Euro Monatsbeitrag erzielen können

Anbieter

Mögliche monatliche Rente

Mögliche Kapitalabfindung

Basler Versicherung

327 Euro

91.460 Euro

Nürnberger

Versicherungsgruppe

309,50 Euro

80.080 Euro

DBV

306,15 Euro

85.169 Euro

Hanse Merkur

304,38 Euro

89.577 Euro

Alte Leipziger

293,88 Euro

83.186 Euro

Quelle: biallo.de
Berechnungsgrundlage / Modellfall: Private Rentenversicherung, 25 Jahre alt bei Versicherungsbeginn 01.09.2017,monatl. Beitrag 50€, Rentenbezug teildynamisch, Vertragslaufzeit 40 Jahre bis zum 01.09.2057 mit 65, Todesfallschutz mit Beitragsrückgewähr/Guthaben in der Ansparzeit, Todesfallschutz Rentengarantiezeit 10 Jahre im Rentenbezug, fondsbasierte Rentenversicherung


Das einbezahlte Kapital ist bei einer finanziellen Schieflage der Versicherung über die Sicherungseinrichtung "Protektor" abgesichert. Im Falle des Falles übernimmt sie die Policen und führt sie weiter.

Zu Rentenbeginn können Vorsorge-Sparerinnen wählen, wie sie das Geld bekommen möchten: als regelmäßige Rentenzahlung oder als einmaliges Kapital.

Tipp: Bei allen Vorsorgeformen sollten Interessierte im Vorfeld gründlich vergleichen, denn je nach Anbieter gibt es deutliche Kostenunterschiede.

Das bedeutet für die Haushaltskasse:

Das bedeutet Pi mal Daumen:

Backup gegen Risiken 65,00 Euro

+ Altersvorsorge 50,00 Euro

Sorglos Paket 1.0 115,00 Euro

Für weniger als 120 Euro pro Monat können Sie sich sowohl gegen existenzbedrohende Risiken absichern als auch eine Zusatzrente fürs Alter abschließen.

6. Sorglos-Paket 2.0: Vermögensaufbau

Haben Frauen sich über die Rente abgesichert und noch Geld über, sollten sie mit dem Vermögensaufbau beginnen. Sicherer und solider Vermögensaufbau ist ein Projekt, das über die Jahre wächst. Sparerinnen brauchen ein wenig Geduld – aber es wird sich lohnen.

ETF – günstig an der Börse mitmischen

ETF = Exchange Traded Funds = börsengehandelte Fonds. Fonds bedeutet: Viele Sparer werfen ihr Geld in einen Topf (Fonds) und das Fondsvermögen wird dann investiert. ETF bedeutet: Dieser Fond wird mit Aktien bestückt, die ein Länder- oder Branchenindex vorgibt. Es gibt keinen Fondsmanager, der den Fonds verwaltet – diesen Job übernehmen Computer Daher nennt man ihn auch passiv gemanagten Fonds. Die Gebühren für ein Management entfallen. Gut für den Anleger – es gibt keinen Ausgabeaufschlag und keine hohen Managementgebühren. Die jährlichen Kosten sind mit rund 0,15 Prozent wesentlich niedriger als die eines aktiv gemanagten Fonds.

Vorteil: Mit einem ETF-Sparplan können Frauen mit monatlich kleinen Summen – zum Beispiel 50 Euro – an der Börse "mitspielen". Haben Sie Vertrauen in den deutschen Aktienmarkt, können Sie in einen Dax-ETF investieren. Es sind alle Werte des deutschen Aktienindex vertreten. Sparerinnen investieren ihr Geld in eine Anlageform, bei der sie mit kleinen Beträgen an Top-Aktien beteiligt sind und keine hohen Gebühren zahlen müssen.

ETF-Sparpläne gibt es ab 50 Euro pro Monat. Consorsbank oder Comdirect bieten Sparpläne ab 25 Euro. Die Erwerbskosten werden oft prozentual abgerechnet. Die Consorsbank verlangt 1,50 Prozent vom Odervolumen, aber es gibt auch kostenfreie. Die Commerzbank berechnet 2,50 Euro Grundgebühr plus 0,25 Prozent vom Kaufwert an. Interessant auch die DKB, die generell nur 1,50 Euro pro Sparplan-Oder kassiert. Das macht aufs Jahr gesehen gerade mal 18 Euro Kaufgebühr - egal wie hoch die Sparrate ist.

Immobilienbesitzerin werden

Eine klassische Geldanlage ist die Immobilie. In Gebieten mit guter Infrastruktur und in Großstädten ist eine Wohnung eine sichere Geldanlage mit Wertzuwachs. Die Wohnung selbst steigt im Wert, bei Vermietung bringen die Mieteinnahmen Geld oder können zur Tilgung verwendet werden. Achtung beim Kauf einer Wohnung in Ballungsräumen: Bei überhöhten Preisen in Städten besteht die Gefahr einer Immobilienblase. Nachteil der Immobilie: Wenn Besitzerinnen mal auf die Schnelle Geld benötigen, können sie Ihre Wohnung nicht einfach in Bares wandeln. Es dauert einfach länger ein Haus zu verkaufen, als eine Aktie oder einen Fonds…

Immobilienfonds: Eine Immobilie ist teuer. Und der Kauf einer Immobilie erfordert ein gewisses Maß an Grundkapital und Finanzkraft. Wer sich keine Immobilie leisten kann, kann dennoch am Markt mitmachen – über einen Immobilienfonds.

Offene Immobilienfonds sind heute wieder eine stabile Anlageform. Nach dem Desaster vor rund zehn Jahren gibt es heute strenge Auflagen. Dazu gehören die Halte- und Kündigungsfristen des Fonds. Für einen neuen Immobilienfonds beträgt die Haltedauer zwei Jahre. Das gilt übrigens auch für Sparpläne. Die Kündigungsfrist beläuft sich beim offenen Immobilienfonds auf ein Jahr.

Die Welt gehört den Mutigen – Probieren Sie doch mal Aktien

Aktien haben immer noch einen schwierigen Ruf in breiten Teilen der Sparwilligen. Zockerpapiere! Aber, betrachten Sie die Historie, sehen Sie: Im Gegenteil. Aktien sind Sachwerte, die Erträge aus der Zusammenarbeit von Unternehmen, Angestellten, Arbeitern und Wissenschaftlern erwirtschaften. Im historischen Durchschnitt haben Aktienbesitzer die höchsten Renditen im Vergleich zu anderen Anlageformen verbucht. Stellen Sie sich anlagetechnisch breit auf und umgehen Sie das Zins-Dilemma, indem sie auf Wertpapiere setzen. Denn: Aktien und Fonds besitzen gute Renditechancen. Und auch weniger mutige Damen müssen ihr Erspartes nicht im Sparstrumpf verstecken. Sind Sie risikoscheu? Dann investieren Sie in etablierte Großunternehmen mit historisch gesehen stabilem Wachstum. Interessant sind Unternehmen mit einer beständigen "Seitwärtsbewegung" – statt sprunghafter Wachstumskurven.

Wer sich nicht so richtig traut, kann es ja mit "Aktien Light" versuchen: Kaufen Sie einen Aktienfonds. So können Sie breit streuen und sich nach Branche oder Region orientieren.

Sind Sie bereit, langfristig in Aktien zu investieren? Dann kann das Wertpapier bei langer Anlegedauer als relativ sichere Geldanlageform bezeichnet werden.

Das bedeutet Pi mal Daumen

Vermögensbildung 100,00 Euro

+ Sorglos Paket 1.0 115,00 Euro

Sorglos Paket 2.0 215,00 Euro

Ab circa 250 Euro im Monat können Sie sich gegen existenzbedrohende Risiken absichern, eine Zusatzrente fürs Alter abschließen und anfangen, Ihr Vermögen aufzubauen.

7. Kapitalaufbau mit verzinsten Geldanlagen ist out, Reserve ist in! Plan B für Notfälle

Jede Frau hat es mitbekommen – wir haben ein Zinstief. Das Ersparte auf einem Festgeld- oder Tagesgeldkonto anzulegen ist nicht lukrativ. Bei einem Prozent Zins bleibt Ihnen nach Abzug von 25 Prozent Abgeltungssteuer und zwei Prozent Inflationsrate nicht mal mehr Null, sondern ein Minus!

Tipp: Tagesgelder sind prima als "Backup". Legen Sie für Extra-Ausgaben und unvorhergesehene Engpässe eine Finanzreserve zur Seite. Experten raten zu drei Netto-Monatsgehältern. Autoreparatur, Urlaub, Waschmaschine kaputt… Dafür eignen sich die kostenlosen Tagesgeldkonten hervorragend. Ihr Geld ist jederzeit abrufbar, es stehen keine Vorfälligkeitszinsen an und: Sie sparen sich die Dispozinsen, falls Sie mal schnell Geld benötigen und Ihr Girokonto nicht überziehen müssen.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de