Mini-Zinsen treiben Anleger in Aktien

Geldanlage Mini-Zinsen treiben Anleger in Aktien

Kevin Schwarzinger
von Kevin Schwarzinger
21.02.2018
Auf einen Blick
  • Niedrigzinsen und Börsenboom haben die Zahl der Aktionäre in Deutschland auf den höchsten Stand seit zehn Jahren getrieben.

  • Insgesamt besaßen 2017 mehr als zehn Millionen Bundesbürger oder 15,7 Prozent der Bevölkerung Aktien oder Aktienfonds, das heißt rund jeder Sechste.

  • Trotzdem: Im Vergleich zu anderen Staaten bleibt Deutschland das Land der Börsenmuffel.
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Den Deutschen sind Aktien nicht ganz geheuer. Viele Bundesbürger meiden die Börse und setzen lieber auf konservative Geldanlagen wie Festgeld oder Tagesgeld. Der Fondsmanager Jens Ehrhardt beschrieb einmal die Aktienkultur in Deutschland mit den Worten:

"Die Deutschen empfinden die Börse stets als etwas Anrüchiges. Der Aktienmarkt ist für sie der Ort, an dem sich Menschen tummeln, die unverdient zu Geld kommen wollen."

Doch der kräftige Anstieg der Börsenkurse 2017 und das niedrige Zinsniveau haben die Zahl der Aktionäre hierzulande auf den höchsten Stand seit zehn Jahren getrieben. Laut einer aktuellen Studie des Deutschen Aktieninstituts (DAI) besitzen insgesamt mehr als zehn Millionen Bundesbürger Aktien oder Aktienfonds – das ist gut jeder Sechste.

Weil die meisten Deutschen immer noch einen weiten Bogen um die Börse machen, spricht das DAI noch nicht von einer Trendwende. "So erfreulich die Entwicklung 2017 war, Entwarnung für die Aktienkultur bedeutet dies nicht", erklärt das DAI. Denn im Vergleich zu anderen Industrienationen, in denen eine bessere Aktienakzeptanz vorherrsche, sei das Niveau hierzulande noch sehr gering.

Von Zeiten um die Jahrtausendwende, als unter anderem die "Volksaktie" der Deutschen Telekom zu einer regelrechten Börseneuphorie führte, sind die Aktionärszahlen weit entfernt: 2001 gab es in der Bundesrepublik fast 13 Millionen Aktionäre oder Aktienfondsbesitzer, die Aktionärsquote lag damals bei 20 Prozent. Das Platzen der Dotcom-Blase vertrieb Kleinanleger dauerhaft von der Börse.

Altersvorsorge mit Aktien

"Geld für die Altersvorsorge muss endlich in Instrumente fließen, die ausreichend Rendite erwirtschaften. Andere hochentwickelte Nationen wie die USA, die Niederlande und Schweden machen uns vor, wie die Aktie zum Einsatz kommen kann – und zwar in der langen Frist des Aufbaus von Altersvorsorgevermögen quasi ohne Verlustrisiko", konstatiert das Frankfurter Institut. Vor allem für jüngere Menschen mit niedrigen Einkommen müsse der Zugang zum Aktienmarkt erleichtert werden, etwa durch Steuerbegünstigungen.

Im aktuellen Marktumfeld bleibt Vorsorgesparern nichts anderes übrig, als das Risiko zu erhöhen. Finanzexperten raten dazu, das Sparverhalten umzustellen, wenn es mit der Zusatzrente im Alter klappen soll. Deshalb sollte ein Teil des Geldes in jedem Fall in den Kapitalmarkt fließen, um von den höheren Renditen zu profitieren. Da Einzelaktien und Derivate zu riskant sind, sollten Anleger ihren Fokus auf Indexfonds, sogenannte ETFs legen.

Lesen Sie auch: Altersvorsorge mit ETF

Biallo-Tipp: Nachdem die Märkte jüngst eine Talfahrt hingelegt haben, sind sich die Experten uneins. Während für einige der sogenannte Flash-Crash lediglich eine gesunde Marktkorrektur darstellt, sehen andere einen neuen Börsenknall am Horizont. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag: Dax und Dow Jones: Vorboten eines großen Börsencrashs?

Sparer verloren 2017 38 Milliarden Euro

Aufgrund des negativen Realzinses haben deutsche Sparer im vergangenen Jahr insgesamt 38 Milliarden Euro an Vermögen verloren – zumindest dann, wenn sie keine Aktien im Portfolio hatten. Das zeigt eine Studie der genossenschaftlichen DZ Bank. Zwar wuchs im gleichen Zeitraum das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland um 300 Milliarden Euro auf 6,1 Billionen Euro an, doch die meisten Bundesbürger erwirtschaften mit ihren Ersparnissen keinen Gewinn.

Eine aktuelle Umfrage der ING-Diba zeigt außerdem, dass gut jeder Vierte überhaupt keine Ersparnisse hat. "Aus volkswirtschaftlicher Sicht hat das sicher auch damit zu tun, dass die Einkommensschere in den vergangenen Jahren weiter auseinander gegangen ist und es einen großen Unterschied zwischen Arm und Reich gibt. Das Einkommen reicht bei vielen einfach nicht mehr aus, um Ersparnisse aufzubauen", sagt Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING-Diba.

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Jahrgang 1988, studierte Geschichte und Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und war währenddessen bereits als Werkstudent bei biallo.de angestellt. Seit 2016 ist er Mitglied der Redaktion und verfasst dort überwiegend Artikel zu Geldanlagethemen. Daneben publiziert er regelmäßig in Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de