Rentenfrage: Moneten und Moral?

Altersvorsorge Rentenfrage: Moneten und Moral?

Manfred Fischer
von Manfred Fischer
12.12.2016
Auf einen Blick
  • Verbraucherschützer werfen Versicherungen vor, Sparer nicht ausreichend über ökologische und soziale Aspekte von Geldanlagen aufzuklären.

  • Der Gesetzgeber zertifiziert private Altersvorsorge-Produkte, ohne ethische Kriterien abzufragen.
  • Wer mit gutem Gewissen vorsorgen möchte, für den bieten sich Ethik-Fonds an.
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BAE Systems, Raytheon, Northrop Grumman, United Technologies, Safran Industries, Honeywell: Wer die Jahresberichte begehrter Aktienfonds durchflöht, stößt auf Firmennamen, die auf kaum einer internationalen Waffenmessen fehlen. Es sind Firmen, von denen Sparer in vielen Fällen nicht wissen, dass deren Geschäfte das Ruhekissen für das Alter federn. Und es sind nicht die einzigen, die Rentenversicherungen aus ethischer Sicht fragwürdig erscheinen lassen.

Ob Gentechnik-Konzerne oder Ölmultis, ob Alkoholhersteller oder Pornoindustrie – fondsgebundene Policen streuen Geld in Unternehmungen, die nicht zu jedermanns Wertvorstellungen passen.

Nimmt der Staat Versicherungen und Banken in Sachen Transparenz nicht genug in die Pflicht? Wie steht es um das Verhältnis von Moneten und Moral in der deutschen Altersvorsorge?

Vage Auskünfte

Versicherungen müssen Riester-Kunden darüber informieren, inwieweit die eingezahlten Beiträge nach ökologischen, sozialen und ethischen Belangen (ESG) angelegt werden. Das steht im "Altersvorsorge-Zertifizierungsgesetz". Vor Vertragsabschluss und danach einmal im Jahr bekommen Riester-Sparer schriftlich Bescheid. Doch die meisten Anbieter formulieren nur ein paar allgemeine Sätze über ESG-Kriterien.

"Nebulös" nennt Ulrike Brendel diese Formulierungen. Brendel leitet bei der Verbraucherzentrale Bremen das Projekt "Gut fürs Geld, gut fürs Klima". Sie hat sich die Jahresmitteilungen von 48 Anbietern von Riester-Produkten angesehen. "Viele Anbieter informieren unzureichend über ESG-Kriterien bei ihren Anlageentscheidungen", resümiert sie. Ob Versicherungen, Fondsgesellschaften, Sparkassen, Volks- oder Genossenschaftsbanken – klare Angaben suche man zumeist vergebens.

Und es wird nicht besser, im Gegenteil. Zum Jahreswechsel greift eine neue gesetzliche Regelung. Die vorvertragliche Informationspflicht entfällt. Wer einen Riester-Vertrag abschließt, erhält künftig erst nach zwölf Monaten einen Hinweis auf ESG-Belange seiner Geldanlage. Ein Vertragswechsel ist dann mit finanziellen Einbußen verbunden.

Transparenz in Jahresmitteilungen ist nicht zu erwarten. Die Bundesregierung sieht keinen Handlungsbedarf. Sie habe keine Informationen, dass die Anbieter privater Rentenpolicen "ihrer gesetzlichen Informationspflicht nicht nachkommen und entgegen einschlägiger Leitlinien und Prinzipien" handelten, heißt es in der Antwort auf eine Anfrage von Bundestagsabgeordneten.

Gleichgültiger Gesetzgeber

Auch an der Zertifizierungspraxis für Rentenprodukte hält der Gesetzgeber fest. Es interessiert ihn nicht, ob ethische Aspekte bei privaten Rentenanlagen eine Rolle spielen. Die Fördermilliarden nach "Riester" fließen unabhängig davon, ob die Versicherung Beiträge in Firmen steckt, die Geld mit ABC-Waffen, Kinderarbeit oder der Abholzung von Regenwald verdienen; bei der Zertifizierung von Renten-Produkten durch das Bundeszentralamt für Steuern, Voraussetzung für die Förderung, wird so etwas nicht abgefragt.

Auch gibt es keine gesetzliche Definition oder Mindeststandards, wofür "nachhaltig" oder "ethisch-ökologisch" stehen sollen. "Jeder Anbieter kann seine Anlagegrundsätze selbst definieren", kritisiert Ulrike Brendel.

„Satte Rendite“

Rentensparer stecken in einem Dilemma. Aktien von Rüstungs- oder Ölkonzernen werfen in der Regel überdurchschnittliche Renditen ab. Aus ethischer Sicht unkritische Unternehmen wie etwa alternative Energieerzeuger erweisen sich selbst nicht immer als nachhaltig. Immer wieder platzen Renditeversprechen, Immer wieder prozessieren Anleger, die sich getäuscht fühlen. Prominentes Beispiel ist Prokon ("Gier frisst Hirn").

Der umgekehrte Fall scheint kaum vorzukommen."Bei uns hat sich noch nie jemand beschwert, der eine nachhaltige Geldanalage wollte und sich falsch beraten fühlte", sagt Brendel. Von Kollegen anderer Verbraucherzentralen habe sie auch nicht gehört, dass es deswegen Beschwerden gegeben hätte.

Liegt es an der Unwissenheit von Anlegern, oder ist es Gleichgültigkeit? 

"Zwei Prozent der Verbraucher verlangten explizit eine ethisch saubere Geldanlage", berichtet Brendel. "20 Prozent wollen ein bisschen 'grün', alle anderen fragen nur nach einer möglichst satten Rendite."

Biallo-Tipp

Einen Überblick über renditestarke Aktienfonds, die ökologische Kriterien berücksichtigen, bietet Ihnen unser Aktienfondsvergleich unter „Neue Energien“ und „Umwelt“.

Alternative - Ethik-Fonds: Wer  mit gutem Gewissen vorsorgen möchte, sollte vor Vertragsabschluss bei seinem Anbieter gezielt nachfragen. Oder sich von vornherein an eine Ethik-Bank wenden. Ethik-Fonds wie zum Beispiel „ÖkoWorld ÖkoVision“  oder „Triodos  Sustainable  Equity  R“ schließen problematische Geschäftspraktiken aus.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de