Trade Republic: Smartphone-Broker ohne Provision

Wertpapierhandel Trade Republic: Smartphone-Broker ohne Provision

von Björn König
13.03.2019
Auf einen Blick
  • Mit Trade Republic startet erstmals in Deutschland ein Smartphone-Broker, bei dem Anleger ohne Provision handeln können.

  • Das Angebot wird zusammen mit der Berliner Solarisbank sowie HSBC Transaction Services realisiert. Genutzt wird LS Exchange als elektronischer Handelsplatz der Börse Hamburg.

  • Die Kursspannen (Spreads) der Werte sind an den Referenzmarkt Xetra gebunden. Investoren können zwischen 7.30 bis 23.00 Uhr und damit länger als an der Xetra selbst handeln.

  • Einen Haken gibt es dennoch: Ausländische Dividendenzahlungen sind über 15 Euro Erträgnis mit fünf Euro gebührenpflichtig.
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So ziemlich jedes Kind dürfte die Geschichte von Robin Hood kennen. Dieser betrieb mit Little John, Bruder Tuck und Will Scarlet im Sherwood Forest ein durchaus einträgliches Räubergeschäft. Allerdings nicht eigennützig: Die Bande setzte sich zum Ziel, habgierige Geistliche und Adelige Nottinghams finanziell zu erleichtern und den Reichtum an Bedürftige zu verteilen.

Die bekannte Geschichte wird seit 2013 neu aufgerollt. Diesmal jedoch nicht in England, sondern im sonnigen Palo Alto Kaliforniens. Dort ging nämlich unter dem Namen "Robinhood" eine Trading-App an den Start, die genau diesem Prinzip folgt. Man kann die Metapher hier schnell erkennen: Die habgierigen Adeligen sind Broker und Banken, die den Investoren das Geld mit hohen Provisionen aus der Tasche ziehen. Und genau denen wollen die Macher der Trading-App Robinhood an den Kragen, um das Geld den Investoren zurückzugeben.

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Nun hört die Geschichte allerdings weder in Nottingham noch Palo Alto auf. Tatsächlich hat es die Idee des wohl berühmtesten Räubers aller Zeiten mittlerweile sogar bis nach Berlin geschafft. Unter dem Namen "Trade Republic" bringen die ehemaligen Studierenden Christian Hecker, Thomas Pischke und Marco Cancellieri das erfolgreiche Prinzip des provisionsfreien Wertpapierhandels erstmals nach Deutschland. Und damit sogar noch schneller, als die amerikanischen Konkurrenten von Robinhood selbst.

Angriff auf Broker und Banken

Ganz klar, Aktienhandel in Deutschland ist maßlos überteuert. Selbst bei den günstigsten deutschen Online-Brokern geht unter sechs bis acht Euro pro Trade in der Regel gar nichts. Hohe Depotgebühren und Provisionen halten vor allem auch jüngere Menschen von der Börse fern. Doch gerade diese Klientel müsste vor dem Hintergrund eines dauerhaft niedrigen Zinsumfeldes unbedingt in Aktien investieren, um für das Alter vorzusorgen. Ein weiterer Punkt: Die Handelssysteme der traditionellen Banken sind hoffnungslos überaltert und nicht auf eine komfortable Nutzung an Smartphones ausgerichtet.

Genau hier setzt Trade Republic an: Ein modernes System soll die Kosten senken und Investieren am Smartphone möglichst einfach und komfortabel machen. Und tatsächlich, in unserem ersten Test hinterließ Trade Republic einen wirklich angenehmen Eindruck. Der Aktienhandel in der App ist selbst für Nutzer mit keiner oder wenig Erfahrung praktisch selbsterklärend, wenn man zumindest die Grundbegriffe wie Marktorder, Limitorder, Geld- und Briefkurs versteht. Aber dazu gleich mehr.

  • Biallo-Tipp: Auch Robo-Advisor bieten dank standardisierter Geldanlage und dem Investment in ETFs ein sehr kostengünstiges Investmentvehikel an. Wie die digitalen Vermögensverwalter genau funktionieren, erfahren Sie in unserem Ratgeber Robo-Advisor. Mit dem digitalen Assistenten von biallo.de finden Sie den passenden Anbieter.

Das Angebot

Der Handel von rund 6.100 Einzelaktien und zahlreichen ETFs ist mit einer Fremdkostenpauschale von einem Euro je Order aktuell unschlagbar günstig. Hinzu kommen attraktiv lange Handelszeiten (7:30 Uhr bis 23:00 Uhr) an der LS Exchange, dem elektronischen Handelssystem der Börse Hamburg. Verfügbare Indizes sind beispielsweise der Dax, S&P 500, Eurostoxx und der Nebenwerte-Index Russell 2.000.

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Auf bestimmte Features wie das regelmäßige automatische Besparen von Einzelaktien oder dem Depotübertrag müssen Kunden zwar aktuell noch verzichten, doch Pressesprecherin Bettina Fries kündigte auf Biallo-Anfrage bereits an, dass insbesondere das Thema Depotwechsel zu Trade Republic hohe Priorität hat.

Aktuell gibt es bei der Anmeldung noch eine Warteliste, diese soll aber in Kürze zügig abgearbeitet werden. Zwar handelt es sich bei Trade Republic um ein Mobile Only-Angebot, die künftige Einführung eines Web-Interface sei aber laut Fries mit Blick auf die Kundenbedürfnisse immer möglich. So hole das Unternehmen regelmäßig Feedback bei den Nutzern ein. Zudem ist geplant, die App permanent um neue Funktionen, wie beispielsweise der personalisierten Analyse des eigenen Portfolios, weiterzuentwickeln.

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Wie günstig das Angebot von Trade Republic ausfällt, zeigt der Vergleich mit anderen Online-Brokern:

Produkt

Trade Republic 

Flatex

Consorsbank

Onvista Bank (Festpreis-Depot)

Dax-Aktie

1 Euro                                           

5,90 Euro zzgl. Börsengebühren

4,95 Euro + 0,25 % vom Ordervolumen

5,00 Euro zzgl. 2,00 Euro Handelsplatzgebühr

ETF-Sparplan/
einmaliger ETF-Kauf                                 

derzeit nicht möglich /
1 Euro

1,50 Euro /
3,80 Euro zzgl. Fremdkosten (ausgewählte Sparpläne kostenlos)

1,5 % vom Sparbetrag / 4,95 Euro + 0,25 % vom Ordervolumen (ausgewählte Sparpläne kostenlos)

Kostenlos / 5,00 Euro zzgl. 2,00 Euro Handelsplatzgebühr (Standardgebühr außerhalb Aktions-ETFs)

Quelle: Preisverzeichnisse der Anbieter / eigene Recherche

Der Test

Getestet haben wir die App auf einem Android-Smartphone Modell Nokia 3 mit der Version 8.1. Der gesamte Registrierungsprozess inklusive Video-Ident wurde vollständig und papierlos am Smartphone abgewickelt. Wie bei der Eröffnung eines Bankkontos war lediglich der Personalausweis nötig.

Investoren erhalten ein separates Verrechnungskonto, welches wiederum mit einem Referenzkonto verbunden wird. Von diesem Girokonto kann dann direkt auf das Verrechnungskonto eingezahlt und mit dem Guthaben gehandelt werden. Um den Überblick zu behalten, gibt es eine Watchlist mit Speichermöglichkeit für relevante Wertpapiere.

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Das Referenzkonto kann jederzeit mit einer persönlichen PUK geändert werden, die dem Kunden per Überweisung im Verwendungszweck des erstmals hinterlegten Referenzkontos mitgeteilt wird. Zu Testzwecken führten wir eine reguläre Limit-Order eines US-Einzelwertes aus. Die Kursstellung erfolgte Realtime, ebenso wurde die Order unmittelbar und fehlerfrei ausgeführt. Der gesamte Orderprozess an der LS Exchange war mit dem Direktkauf an der New Yorker Börse beziehungsweise der Xetra bei anderen Brokern vergleichbar.

Unser Fazit

Wer vor allem günstig deutsche Einzelwerte sowie breit gestreute ETFs handeln möchte, wird aktuell kaum ein attraktiveres Angebot als Trade Republic finden. Da lediglich bestimmte Fremdgebühren in Höhe von einem Euro berechnet werden, kostet eine Order nur ein Bruchteil von dem, was traditionelle Broker verlangen. Dennoch: Anleger, die hauptsächlich in ausländische Dividendentitel investieren, fahren nicht zwangsläufig günstiger. Wer zum Beispiel ausländische Einzelaktien im Depot liegen hat und bei jedem Wert quartalsweise über 15 Euro Dividendenzahlung erhält, den bittet Trade Republic laut Preisverzeichnis bei jedem Erträgnis mit fünf Euro zur Kasse.

  • Biallo-Tipp: Wer sich (noch) nicht an den Handel mit Einzelaktien traut, kann bei Trade Republic – wie bereits erwähnt – auch ETFs handeln. Einen Überblick der Top-Performer erhalten Sie in unserem ETF-Vergleich. In jedem Falle sollten Sie immer auch die Sparplan-Angebote anderer Broker im Auge behalten werden, um das individuell beste Angebot zu finden.

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Biallo-Lesetipp

Seit Jahresanfang werden Fonds anders besteuert. Anleger müssen neue Spielregeln beachten und ihre Geldanlagen neu aufstellen. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag: Neue Steuerregeln für Fonds.

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