Value oder Growth: Welcher Anlagestil ist erfolgreicher?

Wertpapieranlage Value oder Growth: Welcher Anlagestil ist erfolgreicher?

von Peter Hermann
21.12.2018
Auf einen Blick
  • Die beiden wichtigsten und meist angewandten Anlagestile sind der Value- und der Growth-Ansatz.

  • Nach einer Reihe von Jahren, in denen Apple, Microsoft und Co. die Börsen dominierten, könnte eine Trendwende bevorstehen – weg von Growth hin zu Value.
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So unterschiedlich und vielfältig die Einstellung von Anlegern ist, so unterschiedliche sind die Anlagestile, die jeder einzelne bevorzugt. Da geht es wie immer um die Rendite, das Risiko eines Investments sowie um die Verfügbarkeit des eingesetzten Kapitals. Grob verallgemeinert gibt es zwei verschiedene Marschrichtungen: die Value- und die Growth-Strategie.

Welcher von den beiden Ansätzen der erfolgreichere ist, darüber streiten sich die Geister – und zwar, solange es Börsen gibt. Im Grunde ist die Frage nicht abschließend zu beantworten.

Einmal ist es nämlich der eine, in einer anderen Phase des Aktienmarkts der andere. Daher müssen Sie schon etwas genauer hinschauen, wenn Sie entscheiden müssen, welchen Weg Sie zu einem bestimmten Zeitpunkt beschreiten wollen.

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Wie funktioniert die Value-Strategie?

Konservativ-orientierte, also vorsichtig agierende Investoren sind eher von der Value-Strategie angetan. Der englische Begriff "Value" bedeutet "Wert", dabei geht es also um Aktien von möglichst werthaltigen Gesellschaften. Dementsprechend versuchen Value-Investoren Unternehmen zu finden, deren wirklicher Wert – auch innerer Wert oder Net Asset Value (NAV) genannt – zum Zeitpunkt des Investments noch im Verborgenen schlummert und deutlich über dem gegenwärtigen Aktienkurs liegt.

Solche "Perlen", die von der breiten Masse noch nicht entdeckt wurden, weisen in der Regel eine stabile Gewinnentwicklung, eine überdurchschnittliche Profitabilität und eine gute Positionierung am Markt auf.

In Anschluss an diesen Findungsprozess siebt der Investor gleichsam diejenigen heraus, die seiner Meinung nach verglichen mit ähnlichen Unternehmen unterbewertet sind. Man könnte auch sagen, der Value-Anleger setzt darauf, dass viele andere Markteilnehmer den Wert einer Gesellschaft unterschätzen in der Hoffnung, dass sich dies schon bald ändert.

Leichter gesagt als getan, denn in der Realität gestalten sich die beiden genannten Analyseschritte ungleich schwieriger, wie sie sich in der Theorie anhören mögen. Ohne sehr viel Mühe und Aufwand, sprich Erfahrung und unabhängige Recherche, winken maximal Zufallstreffer.

Der Guru der Value-Strategie, Warren Buffett, gilt seit Langem als erfolgreicher Verfechter des Ansatzes. Beleg dafür: die aktuellen Eckdaten seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway, deren Aktien auch in Deutschland handelbar sind.

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Die Vorteile des Value-Ansatzes

"Value Investing ist die erfolgreichste Art zu investieren. Das hat die Historie und die Wissenschaft gezeigt und Warren Buffett wie auch wir in der Praxis bewiesen", sagt Stefan Riße, Kapitalmarktstratege bei Acatis. "Es ist letztlich die einzige Börsenwahrheit, die immer gelten und funktionieren wird, weil es in Wirklichkeit eine betriebswirtschaftliche Wahrheit ist." Schließlich gehe es darum, was der wirkliche "innere Wert" eines Unternehmens in Bezug auf seine Substanz und seine zukünftigen Erträge ist. "Kaufe ich es unter diesem Wert, dann werde ich irgendwann immer eine positive Rendite erzielen, selbst wenn die Börse schließen würde", so der Value-Experte.

Das Problem: Nach knapp zehnjähriger Börsenhausse ist es immer schwieriger geworden, die Rosinen beziehungsweise unterbewerteten Aktien herauszupicken. Nicht zuletzt auch deshalb, weil viele Investoren den Value-Ansatz verfolgen. "Außerdem verändert sich die Welt rasend schnell und Geschäftsmodelle klassischer Industrien, in die Value-Investoren gerne investiert haben und die Jahrzehnte ungestört gewachsen sind, bekommen plötzlich Probleme", erklärt Riße. Oft seien es auch neue Technologien, die hier für Veränderungen sorgen. "Wir haben Value-Investing deshalb weiterentwickelt – Stichwort Buffett 2.0, und öffnen uns neuen Technologien, um dort zu investieren."

Wie funktioniert die Growth-Strategie?

"Wer nicht wagt, der nicht gewinnt" – das könnte die Devise eines Growth-Anlegers sein. Denn dieser muss auch größere Risiken in Kauf nehmen als ein Value-Investor. Die Growth-Strategie konzentriert sich nämlich weniger auf die Analyse einzelner Aktiengesellschaften als auf die Beobachtung kompletter Branchen.

Zunächst unternimmt der Growth-Anleger den Versuch, möglichst frühzeitig Wachstumsmärkte zu identifizieren. Danach fahndet er nach den Unternehmen, denen er die größte Wachstumsdynamik zutraut. Das höhere Risiko der Growth-Strategie ist darin begründet, dass die Anlageentscheidungen vor allem auf Erwartungen und weniger auf Fakten beruhen.

So kann es beispielsweise vorkommen, dass sich ein Growth-Investor auch an einem Unternehmen beteiligt, das tief in den roten Zahlen steckt, weil er der Meinung ist, dass die Gesellschaft schon bald den Turnaround schafft. Klappt das nicht beziehungsweise werden die Markterwartungen verfehlt, stößt der Growth-Anleger die Aktie wieder ab. Notfalls mit Verlust.

3
 
Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
245,49
1,22%
2.
 241,44
1,20%
3.
241,44
1,20%
Betrag 10.000 €, Laufzeit 2 Jahre

Gewinnwachstum ist entscheidend

Einer der bekanntesten Growth-Fonds mit einer äußerst erfolgreichen Vergangenheit ist der Fidelity European Growth. Dessen Fondsmanager, Matt Siddle, investiert vorzugsweise in attraktiv bewertete Qualitätsunternehmen. "Um diese ausfindig zu machen, wende ich verschiedene quantitative Raster an und stütze mich auf Fidelitys Research. Anschließend nehme ich eigene Fundamentalanalysen vor", erklärt Siddle im Gespräch mit biallo.de. Ein Merkmal, auf das er besonderen Wert legt, sind "dauerhaft hohe Kapitalrenditen, die das Unternehmen in die Lage versetzen, schneller zu wachsen als die Konkurrenz und hohe Cashflows zu erwirtschaften". Der Growth-Experte ist davon überzeugt, dass Unternehmen mit diesen Eigenschaften langfristig tendenziell besser abschneiden als der breite Markt.

Die Aussichten für Growth-Fonds sind laut Siddle weiterhin gut: "Die Weltwirtschaft ist insgesamt in einer guten Verfassung. Die Arbeitslosigkeit ist auf einem niedrigen Stand, und die Investitionen der Firmen und Automobilabsätze nähern sich dem Höchststand." Vor allem europäische Aktien hält der Experte für "relativ attraktiv". Zwar hätten sich die Frühindikatoren verlangsamt, doch das Wachstum bleibe insgesamt solide. "In diesem Umfeld sehe ich mittelfristig gute Aussichten für ausgewählte Positionen in den Sektoren IT/Software, Energie und Healthcare", sagt Siddle.

Value auf dem Vormarsch

Bei näherer Betrachtung der Kapitalmarktforschung lässt sich resümieren: Überdurchschnittliche Renditen lassen sich dann erzielen, wenn günstig eingekauft wird. Oder wie der alte, prägnante Spruch der Kaufleute schon besagt: "Im Einkauf liegt der Gewinn". Dennoch sind Value-Strategien in den zurückliegenden zehn Jahren etwas ins Hintertreffen geraten. Nach der jüngsten Korrektur bei den Wachstumswerten deutet sich nach Meinung vieler Experten gerade jetzt eine Trendwende an. So erklärt Norbert Keimling, Manager des Starcapital Priamos: "In den vergangenen Wochen entwickelten sich Value-Aktien jedenfalls besser als Growth-Titel und auch besser als der Gesamtmarkt."

Beispiele für in Deutschland verfügbare Aktienfonds mit Value-Strategie:

Fonds ISIN/WKN Anlageschwerpunkt Entwicklung 1 Jahr Entwicklung 3 Jahre Entwicklung 5 Jahre
First Eagle Amundi International Fund

LU0068578508

/ 635297

Investiert vorwiegend in Aktien und Anleihen ohne Beschränkungen in Bezug auf Marktkapitalisierung oder geografische Streuung

-1,09%

+3,69%

+34,60%

Vontobel Fund - Global Equity A

LU0218910023

/ A0EQVB

Der Fonds verfolgt eine substanzwert-orientierte Anlagepolitik (Value-Ansatz). Der Liquiditätsanteil darf 20% des Fondsvermögens nicht überschreiten.

+1,73%

+18,76%

+72,27%

Hier zwei Beispiele für in Deutschland handelbare Aktienfonds mit Growth-Strategie:

Fonds ISIN/WKN Anlageschwerpunkt Entwicklung 1 Jahr Entwicklung 3 Jahre Entwicklung 5 Jahre

Comgest Growth World

IE0033535075

/ A0BK3M

Portfolio besteht aus internationalen und diversifizierten Wachstumswerten mit einem Schwerpunkt auf Aktien.

+7,46%

+28,96%

+81,71%

Robeco Global Growth Trends Equities

LU0974293671

/ A1W6M7

Investiert in erster Linie in Aktien von Unternehmen weltweit, die von strukturellen globalen Wachstumstrends profitieren.

-1,43%

+25,43%

+60,54%

Auch im Bereich der ETFs mit Value- oder Growth-Ansatz gibt es zahlreiche durchaus empfehlenswerte Vertreter. Hier je ein Beispiel eines entsprechenden Finanzprodukts.

ETF ISIN/WKN Benchmark

Performance

1 Jahr

Performance

3 Jahre

Performance

5 Jahre
Xtrackers MSCI World Value UCITS ETF 1C

IE00BL25JM42/ A1103E

DB Equity Value Factor Index

-2,53%

+4,58%

-

Deka STOXX Europe Strong Growth 20 UCITS ETF

DE000ETFL037

/ ETFL03

Dow Jones STOXX Strong Growth 20 Index

-1,99%

+28,26%

+56,17%

Quelle: fondsdiscount.de; eigene Recherche; Stand: 20. Dezember 2018.

  • Biallo-Tipp: Erfolgreiche Fonds mit den Anlagestrategien Value oder Growth gibt es beinahe in allen erdenklichen Börsenphasen. Mal hat die eine die Nase vorn, mal fahren Anleger mit der anderen besser. Derzeit scheint sich eine Renaissance des Value-Ansatzes anzubahnen. Investoren sollten die Augen offenhalten.

Biallo-Tipp

Ein Investment in Fonds oder Aktien sollte immer langfristig sowie breit gestreut über verschiedene Länder und Branchen angelegt sein. Zudem befinden sich die Aktienmärkte derzeit in einer heißen Phase, weitere Rücksetzer sind kurz- bis mittelfristig nicht ausgeschlossen. Mit einem monatlichen Sparplan nutzen Sie den sogenannten Cost-Average-Effekt (Durchschnittskosteneffekt). Dadurch können Sie größere Kursschwankungen langfristig ausgleichen.

Wer seine Geldanlage nicht komplett selbst gestalten will oder kann, für den sind die sogenannten Robo-Advisor eine geeignete Alternative. Hier gibt es die Vermögensverwaltung inklusive Transaktionskosten, Depot- und Kontoführung bereits für deutlich weniger als ein Prozent des Anlagevolumens. Mehr dazu lesen Sie in unserem Ratgeber Robo-Advisor.

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