Baugeld wird teurer: Wie sollten Immobilienkäufer jetzt agieren?

Baufinanzierung Baugeld wird teurer: Wie sollten Immobilienkäufer jetzt agieren?

Max Geißler
von Max Geißler
15.02.2018
Auf einen Blick
  • Nach Ansicht vieler Experten werden sich Immobilienkredite kurzfristig weiter verteuern.

  • Wer jetzt eine Baufinanzierung abschließt, sollte die günstigen Konditionen langfristig festschreiben, zum Beispiel mit einem Volltilgerdarlehen.

  • Steht in naher Zukunft die Verlängerung der Baufinanzierung an, hilft ein Forward-Darlehen, heutige Tiefzinsen für später zu sichern.
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Volksbanken, Sparkassen, Direktbanken: Durch die Bank verteuern Geldhäuser derzeit ihre Baukredite, teilweise um bis zu einem Viertelprozentpunkt. Begnügte sich Marktführer ING-Diba kürzlich mit einer Erhöhung um 0,15 Prozentpunkte, so ging die Aachener Bausparkasse um 0,2 Prozentpunkte nach oben, die BW Bank sogar um 0,25 Prozentpunkte.

Ein Zehnjahreskredit über 150.000 Euro hat sich dadurch nach Berechnung der Santander um gut 3.800 Euro verteuert. Experten erwarten im Augenblick zwar keine gravierenden Zinsschübe, doch der Trend zeigt weiter nach oben. Angesichts dieser Entwicklung stehen potentielle Immobilienkäufer vor der Frage: Schnell den Baukredit unter Dach und Fach bringen oder abwarten?

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Steigen die Zinsen weiter?

"Schnell irgendetwas kaufen, nur um des Kaufens willen, ist nie eine gute Idee", sagt Thomas Hain, Leiter Partnervertrieb bei der ING-Diba. Zwar geht Deutschlands führende Direktbank in den nächsten Monaten von leicht steigenden Baufinanzierungszinsen aus, "aber ein Immobilienerwerb ist eine wichtige Entscheidung und sollte wohlüberlegt sein", so Hein. Und selbst wenn die Zinswende endgültig komme, sei kein sprunghafter Anstieg der Konditionen zu erwarten.

Nichts überstürzen, das rät auch Stefan Kohler, Fachbereichsleiter bei Allianz Baufinanzierung: "Wer eine Immobilie kaufen möchte, sollte das nicht von der Zinsentwicklung abhängig machen, sondern von seiner ganz persönlichen privaten und finanziellen Situation und natürlich von dem passenden Objekt."

Nach Ansicht der Allianz werden die Kreditzinsen in naher Zukunft in kleinen Schritten ansteigen. Eine zügige Zinswende bei kurzen Zinslaufzeiten sei aber nicht in Sicht, schließlich habe die EZB signalisiert, die Zinsen im ersten Halbjahr nicht anheben zu wollen. Für die Entwicklung langfristiger Hypothekenzinsen sei die Zinsentwicklung in anderen Währungen und die Erwartungen der Märkte von großer Relevanz. "Aber auch hier sehen wir keine drastischen Veränderungen", so Kohler.

3
 
Anbieter
Monatliche Rate
effektiver
Jahreszins
 
1.
538,33
0,78%
2.
556,67
0,86%
3.
565,00
0,89%
Betrag 200.000 €, Laufzeit 5 Jahre, Beleihung 60 %

Wie sollten Immobilienkäufer agieren?

"Bei bereits bestehendem Baufinanzierungskredit und einem Zinsfälligkeitstermin in den nächsten sechs bis 36 Monaten ist es durchaus empfehlenswert, über die Absicherung des jetzigen Zinsniveaus mittels Forward-Darlehen nachzudenken", empfiehlt Oliver Lange von der Santander.

Ein Forward-Darlehen sichert Kreditnehmern aktuelle Konditionen für einen spätere Kreditverlängerung. Allianz-Experte Kohler sieht das ganz genauso: "Eigentümer, bei denen in ein oder zwei Jahren eine Anschlussfinanzierung ansteht, sollten überlegen, ob ein Forward-Darlehen eine Option ist."

Lesen Sie auch: Anschlussfinanzierung: Preiswert in die zweite Finanzierungsrunde

Immobilienkäufer, die gerade auf der Suche nach einem Baukredit sind, müssen bei steigenden Zinsen mit höheren Finanzierungskosten rechnen, hier gelte es zügig zu handeln, so Kohler. "Allerdings hängen die Gesamtkosten nicht nur von den Zinsen, sondern auch von der Höhe der Tilgungsrate und möglichen Sondertilgungen ab." Wer mit hoher Tilgung einsteigt und ab und an eine Sonderzahlung leistet, der komme schnell von seinen Schulden herunter und mindere entscheidend seine Zinslast.

Die ING-Diba sieht in langen Kreditlaufzeiten ein probates Mittel gegen steigende Zinsen: "In vielen Fällen ist eine lange Zinsbindung, bei Bedarf in Verbindung mit einem Forward-Darlehen, der beste Weg, um sich gegen schlechtere Konditionen abzusichern", rät Hein.

Zinstief mit Volltilgerdarlehen ausnutzen

Dass man das Zinstief nicht ungenutzt verstreichen lassen soll, hat sich unter Kreditnehmern inzwischen herumgesprochen: "Wir beobachten, dass unsere Kunden die historisch niedrigen Zinsen nutzen, um deutlich höher zu tilgen und so schneller ihr Kreditvolumen zu senken", berichtet Kohler.

Erst-Kreditnehmern empfiehlt der Finanzierungsprofi den Abschluss eines Volltilgerdarlehens: "Damit stehen Zins- und Tilgungsraten für die komplette Laufzeit fest und der Kunde weiß immer, wie hoch seine monatliche finanzielle Belastung ist." Volltilgerdarlehen böten volle Planungssicherheit und schützten vor Zinsänderungsrisiken. Außerdem lassen sich solche Kredite mit Forward-Darlehen kombinieren.

Vorteilhaft für Eigentümer kann der Abschluss eines Bausparvertrages sein, betont Santander-Sprecher Lange: "Damit lassen sich günstige Konditionen für spätere Renovierungen oder den Kauf einer neuen Immobilie sichern." Der finanzielle Vorteil sei aber davon abhängig, ob und wie der Zinsanstieg in Zukunft ausfällt.

Biallo-Buchtipp

Bau- oder Kaufwillige haben alle Hände voll mit ihrem neuen Heim zu tun. Wie kann der künftige Immobilienbesitzer sich aus dem Wust an Informationen das heraussuchen, was wirklich wichtig ist? Das Fachbuch von Horst Biallo "Hilfe! Ich kaufe eine Immobilie" bietet die wichtigsten Fragen und Antworten – mit den Fakten, die wirklich entscheidend sind. Und der biallo.de Baufinanzierungsvergleich bietet einen Überblick über Anbieter und Konditionen. 

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Max Geißler
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Max Geißler
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nach dem Studium der Politikwissenschaft in München arbeitete ich als Redakteur im ökom-Verlag. Zeitgleich begann ich freiberuflich über Wirtschafts- und Finanzthemen für verschiedene Tageszeitungen zu schreiben. Über mehrere Lektoratsstellen in verschiedenen Bucherverlagen (u.a. Meister Verlag, Gerling Akademie Verlag) kam ich 1998 zu biallo.de.

Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

Darüber hinaus berichte ich regelmäßig in Tageszeitungen über Finanz- und Wirtschaftsthemen, u.a. für Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Westdeutsche Zeitung, Kölner Stadtanzeiger, Ruhrnachrichten und Badische Zeitung.

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Für das Finanzportal bearbeite ich seither die Themen Geldanlage, Vorsorge, Immobilien und Steuern. Im Rahmen der Zusammenarbeit erschienen die Biallo-Bücher: „Immobilienfinanzierung“ und „Tages- und Festgeld“. 2006 veröffentliche ich das Fachbuch: „Börse für jedermann“ (Linde Verlag, Wien).

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de