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Auf einen Blick
  • Biallo.de im Gespräch mit Architektin und Energieberaterin Barbara Wittmann-Ginzel vom Bundesverband für Gebäudeenergieberater, Ingenieure und Handwerker (GIH).

  • Fragen & Antworten rund um das Thema energetisch sanieren und sinnvolle Sanierungsmaßnahmen.
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Worauf sollten Hauseigentümer und Hauseigentümerinnen bei der energetischen Sanierung achten? Welche Sanierungsmaßnahmen zahlen sich aus? Biallo.de sprach mit Barbara Wittmann-Ginzel vom Bundesverband für Gebäudeenergieberater, Ingenieure und Handwerker (GIH). Sie ist Architektin und arbeitet seit 2006 hauptberuflich als Energieberaterin.

Barbara Wittmann-Ginzel vom GIH Bundesverband

Barbara Wittmann-Ginzel vom Bundesverband für Gebäudeenergieberater, Ingenieure und Handwerker (GIH).

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle meldet Rekordzahlen bei Förderanträgen. Ist gerade ein guter Zeitpunkt zum Sanieren?

Barbara Wittmann-Ginzel: Ich befürchte, es wird schwierig. Die Auftragsbücher der Handwerker sind voll. Oft bekomme ich zu hören, dass 2021 nichts mehr geht, erst wieder nächstes Jahr. Das war abzusehen. Der Staat hat die Fördermittel im vergangenen Jahr erhöht. Hinzu kommt die Corona-Krise. Viele Leute nutzen die Zeit, um ihre vier Wände zu modernisieren. Schwierig machen es zudem die steigenden Material- und Rohstoffpreise, der Markt dreht wegen der Lieferengpässe regelrecht durch. Es stellt sich zunehmend die Frage, ob sich Sanierungsmaßnahmen noch amortisieren.

Welches energetische Niveau sollten Eigentümer eines Altbaus bei der Sanierung anstreben?

Wittmann-Ginzel: Gut machbar ist meist ein Effizienzhaus 100. Auch die KfW-Standards 85 und 70 werden bei Altbauten häufig erreicht. Soll das Energieniveau noch besser sein, muss man deutlich mehr Geld investieren. Vielerorts setzen die baulichen Gegebenheiten Grenzen. Bei einem Reihenmittelhaus in der Stadt kann man nicht einfach eine 20 Zentimeter dicke Dämmung auf die Fassade montieren, man muss schauen, was die Abstandsflächenregelung zulässt.

Dach, Fassade, Fenster, Heizung – wo sollten Hauseigentümer zuerst ansetzen, wenn das Budget erst einmal nicht für eine Komplettsanierung reicht?

Wittmann-Ginzel: Wenn die Fenster 25 oder 30 Jahre alt und undicht sind, sollte man sie austauschen. Und ich rate, Fenstertausch und Fassadendämmung zusammen zu machen, sodass die Verbindung zwischen Fenster und Außenwand gleich richtig ausgeführt wird und keine Wärmebrücken entstehen. Zwei Maßnahmen, die relativ einfach sind, sind die Dämmung von oberster Geschossdecke und Kellerdecke. Das kann man auch selbst erledigen.

Empfehlen Sie eher ökologische oder konventionelle Dämmmaterialien?

Wittmann-Ginzel: Man muss immer sehen, was möglich ist. Nochmal das Beispiel Reihenmittelhaus: Bei ökologischem Material benötigt man eine relativ dicke Dämmung, das geht in der Praxis oft nicht. Oder man dämmt weniger, erreicht dann aber nicht den U-Wert, der Voraussetzung für die Förderung ist. Nach meiner Erfahrung kommt in solchen Fällen eher Polystyrol oder Polyurethan in Betracht. Bei den ökologischen Dämmstoffen ist es im Grunde die Frage, was jemandem am meisten zusagt. Die einfachste Lösung sind Holzfaserdämmstoffe. Beim Dach ist die Einblasdämmung mit Zellulose beliebt. Aber die Bandbreite der Materialien ist groß.

Wie viel mehr kostet das Dämmen mit ökologischem Material?

Wittmann-Ginzel: Derzeit lassen sich ganz schlecht Aussagen treffen. Die Dämmstoffindustrie bekommt nicht genug Materialien. Preise ändern sich ständig, Angebote von Handwerkern gelten nur kurze Zeit. Wer mit Holz sanieren will, muss schon sehr schlucken, die Preise haben sich vervierfacht. Die Preise für die Dachdämmung mit Mineralwolle liegen, alles in allem, mittlerweile bei über circa 300 Euro pro Quadratmeter. Auch bei Styropor gibt es Lieferengpässe.

Was gilt es, bei der Kalkulation mit Fördermitteln besonders zu beachten?

Wittmann-Ginzel: Viele sehen das Geld und vergessen, dass man dafür einiges tun muss. Die Anforderungen, die der Fördermittelgeber stellt, sind hoch. Wer am Ende durch die Prüfung fällt, muss das Geld zurückzahlen. Oder: Beim Heizungstausch zum Beispiel kommt es immer wieder vor, dass der hydraulische Abgleich und die Heizlastberechnung nicht durchgeführt werden. Der Hauseigentümer braucht aber den Nachweis, sonst erhält er die Fördermittel nicht. Manche übersehen, was einzelne Sanierungsmaßnahmen nach sich ziehen. Neue Fenster und die Fassadendämmung machen das Haus luftdichter, es muss ein Lüftungskonzept erstellt werden. Wenn sich dann herausstellt, dass eine Lüftungsanlage erforderlich ist, sieht die Kostenrechnung natürlich anders aus.

Wie lange zieht sich die Sanierung eines Ein- oder Zweifamilienhauses in der Regel hin?

Wittmann-Ginzel: Im Schnitt dauert es etwa ein Jahr. Es gibt wenige Kunden, die schon vorher genau wissen, was sie machen wollen. Bis das entschieden ist, vergeht einige Zeit, dann müssen Angebote eingeholt werden, und dann erst kann man den Fahrplan ausarbeiten. Wer seine Immobilie mit staatlicher Förderung auf Effizienzhaus-Niveau bringt, hat bei der Zuschussvariante nach Antragsbewilligung drei Jahre Zeit nachzuweisen, dass das sanierte Gebäude die Kriterien erfüllt. Wenn man die einzelnen baulichen Maßnahmen nach und nach in Angriff nimmt, dann kann es auch durchaus mal drei Jahre dauern.

Biallo-Lesetipp

Wie Sie Ihr Haus energetisch sanieren und damit Energie sparen und etwas für den Klimaschutz tun, erfahren Sie in unserem Ratgeber zur  Energetischen Sanierung. Welche staatlichen  Förderungen Ihnen dabei winken, wenn Sie Ihr Eigenheim energieeffizient sanieren.



Über den Autor Manfred Fischer
  Manfred Fischer
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