Service-Pauschalen sorgen für neuen Ärger

Bausparverträge Service-Pauschalen sorgen für neuen Ärger

Manfred Fischer
von Manfred Fischer Kevin Schwarzinger
09.02.2017
Auf einen Blick
  • Finanzdienstleister verlangen von Bausparern jetzt eine "Servicepauschale". Kostenpunkt: bis zu 24 Euro pro Jahr.

  • Verbraucherschützer raten Betroffenen, Widerspruch einzulegen.
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Neues Jahr, neue Gebühren. Geht es nach dem Willen von Finanzdienstleistern, sollen Bausparer für Service extra bezahlen - egal, ob er in Anspruch genommen wird oder nicht. Betroffen sind etwa Kunden der Signal-Iduna. 15 Euro pro Jahr verlangt das Unternehmen jetzt pauschal für seinen Service. "Mit der Pauschale sind bestimmte Leistungen abgegolten", erklärt Unternehmenssprecher Axel Berberich. Als Beispiele nennt er das Teilen oder Zusammenlegen von Verträgen.

Für so etwas mussten Kunden bisher nicht eigens in die Tasche greifen. Warum auf einmal? "Das hängt mit der Kapitalmarktsituation und der Zinspolitik zusammen", begründet Berberich den Schritt.

Verbraucherschützer raten zum Widerspruch

Kunden erhalten von der Signal Iduna Post mit einem Hinweis auf eine Änderung der allgemeinen Bausparbedingungen (ABB). "Innerhalb von zwei Monaten können die Kunden widersprechen". Wer das tut, für den "ist die Sache vom Tisch", versichert der Sprecher.

Und was, wenn sich viele querstellen? "Pech", bringt er es auf den Punkt, was das für Signal Iduna bedeutete.

Kunden, die nicht zahlen, müssen unter Umständen Nachteile in Kauf nehmen. Einzelne Leistungen, wenn sie denn in Anspruch genommen werden, könnten teurer kommen als im Falle einer Pauschalvergütung, heißt es.

Ein anderer Finanzdienstleister, der die Servicepauschale einführt, ist die Debeka Bausparkasse. Jährlich 12 oder 24 Euro - ja nach Bauspartarif- sollen Kunden berappen. Verlangt wird das Geld während der Sparphase, nicht bei Bausparverträgen, die im Zuge einer Vor- und Zwischenfinanzierung an die Bausparkasse abgetreten sind.

Fehler: Wenn die Frist verstreicht

"Wir sehen uns aufgrund der schlechten Ertragslage gezwungen, diese Gebühr einzuführen", sagt eine Sprecherin. Sie verweist darauf, dass die Kontoführung seit vielen Jahren kostenlos sei, wären die Zinsen so nicht niedrig, könnte es bleiben, wie es ist.

Auch die Debeka räumt in ihren Schreiben eine zweimonatige Widerspruchsfrist ein. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg rät Betroffen, rasch zu handeln. Zumal es Bausparverträge gebe, in denen die Einspruchsfrist im Kleingedruckten mit sechs Wochen bemessen sei. Wenn jemand später Widerspruch einlegt, könne das unter Umständen rechtlich knifflig werden, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale.

Neben Signal Iduna und Debeka kalkulieren auch andere Finanzdienstleister mit neuen Gebühren. Bei der Landesbausparkasse Bayern (LBS) kostet die Servicepauschale 9,60 Euro pro Jahr. Verbraucherschützer befürchten, dass weitere Landesbausparkassen nachziehen könnten.

Geldhäuser wollen Altverträge loswerden

"Die Bausparkassen müssen Spargelder, die nach den Vorgaben des Baussparkassengesetzes in risikoarme Wertpapiere anlegen, die aufgrund der Politik der Europäischen Zentralbank kaum noch Rendite erbringen", beschreibt ein LBS-Sprecher das Problem.

Hochverzinste Altverträge belasten zunehmend die Bausparkassen. Trotz Auszahlungsreife nehmen viele Kunden ihr Darlehen nicht in Anspruch, um von den satten Guthabenzinsen der 90er Jahre zu profitieren. Daher kündigen Finanzdienstleister Altverträge, die seit mindestens zehn Jahren in Darlehen umgewandelt werden können.

Verbraucherschützer Niels Nauhauser empfiehlt Bausparern im Zweifelsfall, ihren Vertrag daraufhin zu prüfen, ob sich aus den ABB überhaupt ein Anspruch auf neue Gebühren ableiten lässt.

Biallo-Lesetipp: Darlehensgebühren bei der Auszahlung von Bausparkrediten sind unzulässig. Viele Bausparer haben Anspruch auf Erstattung. Mehr lesen Sie in unserem Beitrag: "Kreditgebühren rechtzeitig zurückfordern".

Biallo-Tipp

Verbraucherschützer raten Kunden, gegen die Servicepauschale Widerspruch einzulegen, und haben dafür einen Musterbrief erstellt.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de