Wann platzt die Immobilienblase?

Immobilienmarkt Wann platzt die Immobilienblase?

Sebastian Schick
von Sebastian Schick
15.01.2017
Auf einen Blick
  • Die Zinsen für Baukredite ziehen seit drei Monaten an. In vielen Metropolen explodieren die Immobilienpreise.
  • Experten sind uneins, ob sich Deutschland bereits in einer Immobilienblase befindet.
  • Das Rückschlagspotenzial in den Top-7-Städten liegt laut einer Empirica-Studie bei 27 Prozent.

 

 

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Der Immobilienboom in Deutschland läuft auf Hochtouren. Neue Häuser schießen wie Pilze aus dem Boden. Überall wird gebohrt, gehämmert und gemauert, was das Zeug hält. Die Baubranche erwartet in diesem Jahr das beste Geschäft seit mehr als 20 Jahren. Türmt sich da gerade eine gigantische Immobilienblase auf?

Nichts spaltet Deutschlands Ökonomen im Moment so sehr wie diese Frage. Die einen sehen keine Gefahr einer exzessiven Preisübertreibung, die anderen warnen immer wieder vor dem Platzen der Blase. Doch was stimmt nun?

IW sieht keinen Grund zur Besorgnis

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hält die Ängste vor einer Kreditblase für unbegründet. Auch wenn das Neugeschäftsvolumen von Wohnimmobilienkrediten 2016 auf ähnlich hohem Niveau wie 2015 lag und die Banken mittlerweile mehr als eine Billion Euro an Immobilienkäufer verliehen haben: Das Verhältnis von Bruttoinlandsprodukt zu Wohnungsbaukrediten sei nicht besorgniserregend, heißt es in der IW-Studie. „Das vergleichsweise geringe Kreditvolumen bedeutet jedoch nicht, dass nicht dennoch eine spekulative Blase entstehen kann“, räumen die Studienautoren zumindest ein.

Zinswende bei Baukrediten

Die Frage bleibt: Was passiert, wenn die Zinsen für Baukredite weiter anziehen? Laut Biallo-Index sind die Bauzinsen in den vergangenen drei Monaten bereits um durchschnittlich 0,3 Prozentpunkte gestiegen. Beschleunigt sich dieser Trend und fallen zugleich die Häuserpreise, erhöht sich auch das Ausfallrisiko bei Immobilienkrediten. Schließlich haben die meisten Baufinanzierungen derzeit nur eine Laufzeit von zehn Jahren. Dadurch könnten viele Eigenheimbesitzer Probleme mit der Anschlussfinanzierung bekommen, vor allem wenn sie ihre Eigenkapitalquote zu niedrig angesetzt haben.

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Anbieter
Monatliche Rate
effektiver
Jahreszins
 
1.
538,33
0,78%
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0,86%
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565,00
0,89%
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566,67
0,90%
5.
558,33
0,90%
Betrag 200.000 €, Laufzeit 5 Jahre, Beleihung 60 %

Enorme Rückschlagsgefahr

Zudem ist nicht ausgeschlossen, dass die Häuserpreise auch sehr schnell wieder fallen können. Laut Beratungsfirma Empirica liegt das Rückschlagspotenzial in den sogenannten Top-7-Städten (Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Köln, Frankfurt, Stuttgart und München) – gemessen an der Mietentwicklung - mittlerweile bei 27 Prozent.

Selbst die Bundesbank konstatiert Preisübertreibungen von bis zu 20 Prozent in einigen Metropolen. „Investoren sollten daher vorsichtig sein, wenn sie Preis- und Zinsentwicklungen in die Zukunft fortschreiben“, warnte Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch jüngst in einem Interview mit der Zeit. „Wenn die Zinsen wieder steigen, könnten viele Finanzierungsmodelle ins Wanken geraten.“

Neues Gesetz soll im Notfall gegensteuern

Die Bundesregierung bereitet sich bereits auf den Ernstfall vor. Dazu wird die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) mit umfangreichen Instrumenten ausgestattet, um bei spekulativen Übertreibungen schnell einzuschreiten. So kann die Bafin zum Beispiel bei Bedarf eine Obergrenze für das Verhältnis zwischen Darlehenshöhe und Immobilienwert festlegen.

„Diese präventiven Vorgaben zielen darauf ab, zu risikoreiche Finanzierungen zu vermeiden und Gefahren für die Finanzstabilität abzuwehren“, verlautete jüngst das Bundesfinanzministerium. Den entsprechenden Gesetzentwurf hat das Bundeskabinett kurz vor Weihnachten verabschiedet. Am 10. Februar wird der Bundesrat dann bei seiner ersten Plenarsitzung dazu Stellung nehmen. Direkt im Anschluss könnte der Bundestag das Gesetz dann beschließen. Das Ausfallrisiko bei den bestehenden Baufinanzierungen wird die Bafin mit den Instrumenten wohl kaum mindern.

Biallo-Tipp

Damit beim Erwerb von Wohneigentum alles glatt geht, sollten Käufer solide kalkulieren. Wer seine Finanzkraft schön rechnet, kann baden gehen.Mehr dazu lesen Sie in unserem Artikel: "Baufinanzierung - die sechs häufigsten Finanzierungsfehler".

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nach seinem Studium für das Lehramt an Gymnasien mit der Fächerkombination Deutsch/Latein/Geschichte in Würzburg und Berlin entschied sich Sebastian Schick für den Journalismus. 2005 absolvierte er die Ausbildung zum Rundfunkjournalisten an der Akademie für Neue Medien in Kulmbach.

Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

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Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de