Wann sich ein Bausparvertrag lohnt

Baufinanzierung Wann sich ein Bausparvertrag lohnt

Peter Rensch
von Peter Rensch
24.06.2018
Auf einen Blick
  • Durch den Abschluss eines Bausparvertrags können Sie von staatlichen Förderungen profitieren.

  • Banken bieten ihren Kunden oft vorfinanzierte Bausparverträge an. Es handelt sich hierbei um eine Kombination aus Bausparvertrag und Vorausdarlehen.
  • Bei einem Annuitätendarlehen können Sie eine Zinsgarantie von beispielsweise 15 Jahren festschreiben lassen, so dass Sie über die komplette Laufzeit mit festgelegten monatlichen Raten kalkulieren können.
Artikelbewertung
Teilen
Schrift

Die anhaltende Niedrigzinsphase hat am Geldmarkt vieles verändert und auch die Baufinanzierung nachhaltig beeinflusst. War es früher eine Selbstverständlichkeit, dass Bausparkassen ihren Kunden attraktive Guthabenzinsen für die Ansparsumme gezahlt haben, liegt dieser Wert heute in der Regel weit unter einem Prozent.

Durch das BGH-Urteil vom 21. Februar 2017 ist es Bausparkassen erlaubt, Verträge zu kündigen, die seit mehr als zehn Jahren zuteilungsreif und noch nicht vollständig angespart sind.

Für weitere Beiträge rund um das Thema Baufinanzierung abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein
Unsere Datenschutzerklärung finden Sie hier.

Nutzen Sie die staatlichen Förderungen für das Bausparen

Aber trotz Negativ-Presse wegen der Kündigungswelle von Altverträgen, mit denen sich die Bausparkassen von den für unrentablen Konditionen befreien wollen sowie den vergüteten Mikrozinsen, kann unter gewissen Umständen ein Bausparvertrag als Teil der Immobilienfinanzierung interessant sein. Auch wenn einige Experten anderer Meinung sind wie zum Beispiel Alexander Krolzik, Abteilungsleiter Immobilienfinanzierung, Bau- und Kaufvertrag bei der Verbraucherzentrale Hamburg: "Bausparen lohnt sich derzeit weder als bloße Geldanlage noch als Finanzierungsbaustein für eine künftige Finanzierung. Die Guthabenverzinsung fällt in der Regel so gering aus, dass nach Abzug der Kosten am Ende häufig ein Minus steht."

Er ist der Überzeugung, dass sich Bausparen nur in Ausnahmefällen lohnt, wie er nachfolgend konkret erläutert:

  1. Als Reparatur-Bausparvertrag für kleinere Umbau-/Sanierungsmaßnahmen in der Zukunft. Hier werden zum Teil kleinere Darlehen ohne Grundschuld vergeben, was Aufwand und Kosten spart.

  2. Unter Umständen für Vermieter, weil diese während der Zinsbindung – im Gegensatz zur Situation beim Annuitätendarlehen – eine durchgehende, gleichhohe Zinsbelastung haben, die von der Steuer abgesetzt werden kann. Das gilt aber nur für vermietete Objekte."

  3. Als VL-Sparvertrag um geschenktes Geld vom Arbeitgeber mitzunehmen und/oder um staatliche Zulagen (Wohnungsbauprämie/Arbeitnehmersparzulage) zu erhalten.

Bei einem Bausparvertrag wird zwischen Anspar- und Zuteilungsphase unterschieden. In der Ansparphase zahlen Sie monatliche Beiträge, die verzinst werden. Sobald im Normalfall mindestens 40 Prozent der vertraglich vereinbarten Bausparsumme geleistet worden sind, beginnt die Zuteilungsphase. Für die restlichen 60 Prozent erhalten Sie nach der Zuteilung ein Darlehen zum vereinbarten Zinssatz.

Weitere Vorteile vom Bausparen:

  • Die Darlehenszinsen sind bei Vertragsabschluss für die gesamte Laufzeit garantiert. Unabhängig von der zukünftigen Zinsentwicklung haben Sie Planungssicherheit zu Ihren Ausgaben der Baufinanzierung.

  • Finanztest weist darauf hin, dass die Zinsen bei einem Bausparvertrag unabhängig von der Kreditsumme sind. Bei Bank-Darlehen werden bei geringen Summen nicht selten hohe Zuschläge verlangt.

  • Sie sparen Gebühren, weil Bausparkassen bei Darlehen unter 30.000 Euro keine Grundschuld als Sicherheitsleistung verlangen. Das ist jedoch von Institut zu Institut unterschiedlich und hängt auch von Ihrer persönlichen Bonität ab.

  • Kostenfreie Sondertilgungen sind während der Kreditabzahlungsphase immer möglich.

  • Biallo-Tipp: Bei steigenden Bauzinsen können Sie sich mit einem Bausparvertrag eine Zinsgarantie zusichern und müssen bei einer möglichen Anschlussfinanzierung nicht mit höheren Ratenzahlungen rechnen.
3
 
Anbieter
Monatliche Rate
effektiver
Jahreszins
 
1.
646,67
1,39%
2.
656,67
1,45%
3.
668,33
1,54%
Betrag 200.000 €, Laufzeit 15 Jahre, Beleihung 60 %

Bausparen kann vor einer Zinsfalle schützen

Dies bestätigt Alexander Nothaft, Leiter Kommunikation vom Verband der Privaten Bau-sparkassen e.V.: "Nach wie vor stehen die eigenen vier Wände auf der Wunschliste der Menschen ganz oben. Die Bauzinsen sind immer noch extrem niedrig. Jedoch besteht die Gefahr, bei einem späteren Zinsanstieg in eine Zinsfalle zu geraten. Mit einer Zinsabsicherung über das Bausparen kann das verhindert werden. Auch werden durch rechtzeitig angespartes Eigenkapital leichter die verschärften gesetzlichen Anforderungen an die Kreditwürdigkeitsprüfung der Kreditinstitute erfüllt. Wer als Normalverdiener zu Rentenbeginn schuldenfrei sein will, braucht ein finanzielles Polster. Weniger Schulden heißt weniger Zins- und Tilgungsleistung. Nur so ist die Investition solide zu stemmen."

Die Nachteile einer Finanzierung über einen Bausparvertrag fokussieren sich auf die relativ lange Ansparphase, bis die Kreditsumme zur Verfügung steht. Weiterhin werden Kosten für Kontoführung und Abschlussgebühren erhoben. Da die Tilgungszeit recht kurz gehalten wird, müssen Sie mit hohen Tilgungsraten rechnen. Zudem besteht eine Ungewissheit bezüglich der Darlehenszuweisung, die von einem Punktesystem abhängig ist. Aktuell sind weiterhin die Guthabenzinsen auf einem niedrigen Niveau.

Weiterhin besteht das Risiko einer Zwischenfinanzierung, wenn die Zinsbindung der Vorausfinanzierung endet und der Bausparvertrag noch nicht zuteilungsreif ist.

Unter Umstände profitieren Sie von den staatlichen Förderungen Arbeitnehmerzulage, Wohnbauprämie, vermögenswirksame Leistungen und Riester-Förderung, was die niedrigen Guthabenzinsen mehr als kompensieren kann. Dies ist letztlich von einem individuellen Rechenbeispiel abhängig.

Bausparvertrag mit Vorausdarlehen kombinieren

Jan Ebert, Abteilungsleiter Produktmanagement der BHW Bausparkassen erklärt: "Der Staat unterstützt Bausparer auf unterschiedlichen Wegen: innerhalb bestimmter Einkommensgrenzen mit der Wohnungsbauprämie und der Arbeitnehmersparzulage; und ohne Einkommensgrenzen mit der Wohn-Riester-Förderung. Von den Kinderzulagen dieser Förderung profitieren besonders Familien. Attraktive Niedrigzins-Angebote findet auch derjenige, der sofort finanzieren will: Wer bei seinem Bausparvertrag das Mindestbausparguthaben erreicht hat, kann einen Zwischenkredit erhalten, der später mit dem zugeteilten Bausparvertrag abgelöst wird. Wer kurzfristig bauen, kaufen oder modernisieren will, kann einen Bausparvertrag mit einem Vorausdarlehen kombinieren und sein Projekt sofort starten."

Alexander Krolzik ist jedoch der Auffassung, dass Bausparen für eine Sofort-Finanzierung eher ungeeignet ist. Seine Argumente: "Durch rechtliche Forderungen wie zum Beispiel Abtretung des Guthabens, verschiedene Laufzeiten usw. und den vielen Verträge oder Verschachtelung ist die Abwicklung komplex. Zudem sind in den meisten Fällen die Kosten wie Abschlussgebühren, Zinsen höher als vergleichbare Annuitätendarlehen." Und er weist auf die ungewisse Zuteilung hin: "Diese darf nicht garantiert werden. Neben der Sparrate und der Dauer muss auch ausreichende Zuteilungsmasse vorliegen, was keineswegs gewiss ist. Dadurch gibt es häufig (nicht immer) ein erhebliches Zwischenfinanzierungsrisiko, wenn die Zinsbindung ausläuft, der Bausparvertrag aber noch nicht zuteilungsreif ist."

Zinsen für Bankdarlehen sind in der Regel günstiger

Bei einem Annuitätendarlehen von einer Bank erhalten Sie aktuell niedrigere Zinsen als bei einem Darlehen über eine Bausparkasse, was sich bei steigenden Zinsen jedoch jederzeit ändern kann. Weiterer Pluspunkt: Die Gesamtkosten sind günstiger. Dem gegenüber stehen folgende Nachteile:

  • Eventuell höhere Zinsen durch eine notwendige Anschlussfinanzierung.

  • Sondertilgungen können limitiert oder ausgeschlossen sein.

Bei einem Annuitätendarlehen von einer Bank können Sie eine Zinsgarantie von beispielsweise 15 Jahren festschreiben lassen, so dass Sie über die komplette Laufzeit mit den festgelegten monatlichen Raten kalkulieren können. Sondertilgungen sind nur in Höhe der vertraglich vereinbarten Summe möglich. Bei einer vorzeitigen Ablösung des Darlehens fällt eine nicht unerhebliche Vorfälligkeitsentschädigung an.

Banken bieten ihren Kunden oft vorfinanzierte Bausparverträge an. Es handelt sich hierbei um eine Kombination aus Bausparvertrag und Vorausdarlehen. Hierbei wird die später ausgezahlte Bausparsumme vorfinanziert, wodurch Sie von Beginn einen garantierten Zinssatz zugewiesen bekommen.

Vergleich der Angebote oft kompliziert

Vergleichen Sie die Konditionen vom Kombi-Modell genau mit denen eines Bankdarlehens. Beim Kombi-Modell zahlen Sie nämlich nur die Zinsen und keine Tilgung. Im Gegensatz zum Annuitätendarlehen. Nach Ablauf der Zinsbindung ist die Restschuld deshalb niedriger als beim Kombi-Modell.

Sie sollten bei Ihrer Bank einen transparenten Vergleich zwischen Kombi-Modell und einem reinen Annuitätendarlehen einfordern, um Klarheit zu bekommen, welches Finanzierungsmodell für Sie wirklich das attraktivste ist.

Lesen Sie auch: Ratentilgungsdarlehen: Alternative zum Annuitätendarlehen

Fazit

Ob sich ein Bausparvertrag für Sie lohnt ist zum einen von Ihren persönlichen Interessen abhängig wie Zinsgarantie und staatlicher Förderungen. Vor Abschluss eines Vertrages sollten Sie auf jeden Fall unterschiedliche Tarife vergleichen und nicht nur auf die Guthabenzinsen achten, sondern auch auf Anspar- und Tilgungszeiträume sowie Darlehenszins.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Peter Rensch
Peter Rensch
Autor
Jetzt Artikel bewerten
E-Mail an den Autor
Peter Rensch
Peter Rensch
E-Mail an den Autor
Artikelbewertung
Teilen
Drucken
Zur Startseite
Peter Rensch
Peter Rensch
E-Mail an den Autor
Newsletter
Keine News mehr verpassen
Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein:
Unsere Datenschutzerklärung finden Sie hier.

Regeln für das Schreiben von Kommentaren:

  1. Kommentieren Sie sachlich und ohne persönliche Angriffe.
  2. Verfassen Sie keine Beiträge mit strafbarem, diskriminierendem, rassistischem, anstößigem, beleidigendem oder kommerziellem Inhalt und verweisen Sie nicht auf Seiten mit solchem Inhalt.
  3. Stellen Sie weder zu lange Texte noch Bilder ein, außer, wenn es unbedingt nötig ist.
  4. Veröffentlichen Sie keine personenbezogenen Daten Dritter, wie Namen, Adressen, Telefonnummern oder E-Mail-Adressen.
  5. Wenn Sie persönliche Mitteilungen oder Texte anderer Verfasser einstellen oder Kommentare anderweitig veröffentlichen möchten, beachten Sie die Rechte Dritter. Bei einer Verletzung dieser Rechte (z.B. Persönlichkeitsrecht, Urheberrecht, Datenschutz) haften Sie.
  6. Sie haben die Möglichkeit, Ihren Benutzernamen frei zu wählen. Sie sollten aber im eigenen Interesse markenrechtlich geschützte Namen vermeiden.

Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de