Baukindergeld: Käufe innerhalb der Familie werden nicht mehr gefördert

Immobilienförderung für Familien Baukindergeld: Käufe innerhalb der Familie werden nicht mehr gefördert

Update: 06.09.2019
von Eike Schulze Sebastian Schick
Update: 06.09.2019
Auf einen Blick
  • Das Baukindergeld ist das staatliche Förderinstrument für Selbstnutzer. Der Zuschuss beträgt jährlich 1.200 Euro pro Kind bis zum vollendeten 18. Lebensjahr für eine Dauer von zehn Jahren.

  • Einkommensgrenzen von 90.000 Euro für eine Familie mit einem Kind dürfen nicht überschritten werden. Für jedes weitere Kind erhöht sich der Freibetrag um jeweils 15.000 Euro.

  • Die Förderung gilt für zwischen dem 1. Januar 2018 und 31. Dezember 2020 erworbene Immobilien. Bei Neubauten ist das Datum der Baugenehmigung relevant.

  • Die für den Antrag erforderlichen Nachweise können seit Ende März 2019 im Zuschussportal der KfW hochgeladen werden. Nach erfolgreicher Prüfung seitens der KfW wird dann der erste Teilbetrag ausbezahlt. 
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Seit 17. Mai 2019 haben Familien mehr Zeit, um das Baukindergeld zu beantragen. Der Antrag muss spätestens sechs Monate nach Einzug in die selbstgenutzte Immobilie bei der Förderbank KfW eingehen. Vorher betrug die Antragsfrist drei Monate. Außerdem hat die KfW die Bestimmungen zur Antragsberechtigung sowie zu den Fördervoraussetzungen konkretisiert (s. u.).

Die Nachfrage nach dem Baukindergeld bleibt indes auf hohem Niveau. Stand 30. Juni 2019 hat die KfW bislang mehr als 112.000 Anträge mit einem Gesamtvolumen von 2,3 Milliarden Euro registriert. Das Land mit den meisten Anträgen ist Nordrhein-Westfalen. Auf den weiteren Plätzen folgen Baden-Württemberg, Bayern und Niedersachsen.

Lesen Sie auch: Bauzinsen markieren neues Allzeittief

Baukindergeld-Anträge pro Bundesland

BundeslandAnträgeVolumen Mio. €
Nordrhein-Westfalen24.719520
Baden-Württemberg15.097324
Bayern14.768308
Niedersachsen13.719289
Hessen8.166172
Rheinland-Pfalz6.729141
Sachsen5.153105
Schleswig-Holstein4.85399
Brandenburg4.43185
Sachsen-Anhalt3.39863
Thüringen2.99859
Mecklenburg-Vorpommern2.74053
Berlin1.67135
Saarland1.64833
Hamburg1.20826
Bremen90719
Gesamt112.2652.331
Quelle: KfW / Stand 30. Juni 2019
Biallo-Tipp

Sie wollen wissen, wie viel Kredit Sie erhalten können und wie sich das Baukindergeld auf Ihre Finanzierung auswirkt? Unser Baufinanzierungsrechner liefert die passenden Antworten.

Das Baukindergeld im Überblick

Höhe der Förderung

1.200 € pro Kind und Jahr, Anzahl der Kinder ohne Begrenzung.

Laufzeit der Förderung

10 Jahre

Auszahlung der Förderung

Jährlich, immer im selben Monat.


Welche Immobilien werden gefördert?

Erwerb eines Hauses oder Wohnung zur Selbstnutzung, egal ob Neubau oder Bestand, sofern noch keine eigene Immobilie vorhanden ist. Dies gilt nur für Gebäude, die zwischen dem 1. Januar 2018 und 31. Dezember 2020 erworben wurden. Für Neubauten muss die Baugenehmigung in diesem Zeitraum erfolgen.

Kinder

Bei Antragstellung dürfen Kinder noch nicht volljährig sein, müssen im selben Haushalt wie die Eltern oder der/die Alleinerziehende leben, es muss ein Kindergeldanspruch bestehen (bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres). Die Förderung ist ab dem 1. Kind möglich.

Einkommen

Das zu versteuernde jährliche Haushaltseinkommen darf mit einem Kind max. 90.000 € betragen, pro weiteres Kind gibt es einen Freibetrag von jeweils 15.000 €.

Ab wann wird das Baukindergeld ausbezahlt?

Die erste Teilauszahlung erfolgt nach erfolgreicher Prüfung seitens der KfW. Die für den Antrag erforderlichen Nachweise können allerdings frühestens Ende März 2019 im KfW-Zuschussportal hochgeladen werden. Bis die ersten Antragsteller ihr Geld erhalten, kann es also noch bis April dauern.

Ab wann ist die Antragstellung möglich?

Der Antrag muss spätestens 6 Monate nach dem Einzug in die selbstgenutzte Wohnimmobilie gestellt werden. Eine Antragstellung vor Einzug ist nicht möglich. Maßgeblich ist das in der amtlichen Meldebestätigung angegebene Einzugsdatum.

Antrags-
zeitraum

Wer den Kaufvertrag zwischen dem 01.01.2018 und 31.12.2020 abgeschlossen beziehungsweise im genannten Zeitraum eine Baugenehmigung erhalten hat, kann bis spätestens 31.12.2023 einen Antrag auf Baukindergeld stellen. Maßgeblich ist, dass die Antragstellung spätestens sechs Monate nach Einzug erfolgt.

Antragsweg

Das Baukindergeld wird über das KfW-Zuschussportal beantragt und kann mit anderen KfW-Förderprogrammen kombiniert werden.

Voraussetzungen für den Erhalt des Baukindergelds

Einkommen als Fördergrenze

Entscheidend dafür, wer eine Förderung erhält oder nicht, ist zunächst das Einkommen. Hier gilt ein familiäres Einkommen von maximal 90.000 Euro zu versteuerndem Bruttoeinkommen als Grenze, für jedes weitere Kind kommen dann 15.000 Euro hinzu, sodass eine vierköpfige Familie Einkünfte bis zu 105.000 Euro im Jahr erzielen kann, um von der Förderung zu profitieren.

Bruttoeinkommen Definition:

Das Bruttoeinkommen beschreibt in diesem Fall das zu versteuernde Gesamteinkommen der Familie. Beim Arbeitseinkommen zählen auch Urlaubsgeld, das 13./14. Monatseinkommen, Tantiemen usw. hinzu, aber beispielsweise auch staatliche Transferleistungen wie Arbeitslosengeld oder Elterngeld. Das Kindergeld wird nicht gezählt, da es nicht der Einkommensteuer unterliegt.

Nachweispflicht beim Einkommen

Nachweisen müssen der oder die Antragsteller das Einkommen über die Steuererklärungen des zweiten und dritten Vorjahres, also wer 2019 die Förderung beantragen will, braucht hierzu die Steuerbescheide aus den Jahren 2016 und 2017. Dabei ist der Durchschnittswert der Einkünfte maßgeblich. Die Nachweispflicht gilt natürlich auch für Selbstständige, auch diese müssen ihre Steuerbescheide vorlegen.

Die für die Anträge notwendigen Nachweise können Antragsteller seit Ende März online über das KfW-Zuschussportal hochladen.

Zeitpunkt der Antragsstellung ist maßgeblich

Die Kinder dürfen vor Antragstellung nicht das 18. Lebensjahr vollendet haben. Und: Es gilt immer die Situation bei Antragstellung. Kommt ein weiteres Kind während der Laufzeit der Förderung hinzu, so ändert dies nichts mehr an der Förderung und der Förderhöhe. Gleiches gilt, wenn ein Kind während der Laufzeit versterben sollte. Auch wenn sich das Einkommen während der Laufzeit erhöht und so eigentlich die Fördergrenze überschritten wird, wird die Förderung nicht beendet. Denn für die Ermittlung des Einkommens sind – wie bereits erwähnt – das zweite und dritte Jahr vor Antragsstellung relevant.

Keine Sonderregelung für behinderte Kinder

Bei vielen Fördermitteln gelten für Kinder mit Behinderung Sonderregelungen, diese gibt es für das Baukindergeld nicht, da es sich nicht um ein klassisches Förderprogramm der KfW handelt. Unerheblich ist die Art der Immobilie, die selbst genutzt wird, das heißt, sowohl ein Einfamilienhaus wie auch eine Doppelhaushälfte oder eine Eigentumswohnung sind förderfähig. Allerdings: Der finanzielle Aufwand für das Gebäude (ohne Erwerbsnebenkosten) muss höher sein als die gesamte Fördersumme.

Wichtige Voraussetzung für das Baukindergeld ist auch, dass die Kinder bei Antragsstellung in der neuen Wohnung mit leben. Zudem muss eine Kindergeldberechtigung vorliegen: "Der Antragsteller muss für das im Haushalt lebende minderjährige Kind kindergeldberechtigt sein oder mit dem Kindergeldberechtigten (Ehe- oder Lebenspartner oder Partner aus eheähnlicher Gemeinschaft) in einem Haushalt leben", heißt es von Seiten der KfW.

Übrigens: Das Baukindergeld wird auch dann weiter bezahlt, wenn die Kinder während der Förderphase aus der Immobilie ausziehen. Eine Einschränkung der Regelung gilt allerdings im Todesfall der oder des Antragsteller(s).

Keine Förderung bei früherem Immobilienbesitz?

Es flatterten zuletzt viele Meldungen durch den Blätterwald, nur der Ersterwerb einer Immobilie sei förderfähig, doch dem ist nicht unbedingt so, es kommt auf den Einzelfall an.

Im Merkblatt der KfW steht "Zuschuss für den Ersterwerb von selbstgenutztem Wohneigentum für Familien mit Kindern aus Mitteln des Bundes". Dies führt zu Missverständnissen bei der Interpretation der Auslegung des Förderprogrammes.

Daher mehrere Beispiele zur Klarstellung:

Kauft sich ein Paar noch ohne Kinder Wohneigentum, hat aber aufgrund zunehmenden Platzbedarfes vor, sich zu vergrößern, und kauft sich nun eine weitere Immobilie neben der bestehenden, so ist keine Förderung möglich.

Anders im folgenden Fall: Ein Paar hat sich eine Immobilie gekauft, stellt nun fest, dass die Wohnung für eine Familie doch zu knapp ist, und veräußert diese gleichzeitig mit dem Neuerwerb – so verfügt die Familie nur über eine Immobilie, die dann auch wieder förderfähig ist. Allerdings müssen laut KfW zwischen dem Verkauf der ersten Immobilie und dem Neuerwerb mindestens 24 Stunden vergangen sein. "Stichtag ist das Datum des Kaufvertrags beziehungsweise der Baugenehmigung oder Bauanzeige für die neu erworbene beziehungsweise geschaffene Wohnimmobilie", heißt es hierzu im Merkblatt der KfW.

Die Ausnahme gilt auch, wenn nur einer der beiden Partner oder ein zum neuen Haushalt gehöriges Mitglied (Antragsteller sowie Ehe- oder Lebenspartner oder Partner aus eheähnlicher Gemeinschaft oder Kinder) bereits eine Immobilie besessen und diese rechtzeitig vor dem Erwerb der neuen Immobilie verkauft hat.

Zum Haushalt gehörige Großeltern, Freunde oder WG-Mitglieder bleiben außen vor und dürfen eine Immobilie besitzen. Die KfW prüft allerdings nach Antragstellung stichprobenartig, ob es sich dabei wirklich nur um ein WG-Mitglied handelt oder nicht doch um einen Ehe- beziehungsweise Lebenspartner. Denn bei falschen Angaben handelt es sich um Subventionsbetrug, wodurch empfindliche Strafen drohen.

 

Ein weiterer Punkt: Auch Nießbrauch schließt das Baukindergeld aus. Der Ausschluss gilt dabei doppelt. Wer ein Haus im Eigentum und dies per Nießbrauch überlassen hat, kann keine Förderung erhalten und auch beim umgekehrten Fall der Nießbrauchnutzung ist das Baukindergeld ausgeschlossen. Das gilt auch für den Fall, dass der Nießbrauch gegen eine Geldleistung gewährt wurde.

Kein Baukindergeld bei Hauskauf unter nahen Angehörigen

Nicht förderfähig ist der Erwerb oder die Eigentumsübertragung unter Ehegatten, Lebenspartnern oder bei einer auf Dauer angelegten Lebensgemeinschaft. Dies gilt ebenso unter Verwandten gerader Linie, Also Eltern, Großeltern Kinder. Auch wird bei Erwerb oder Übertragung kein Baukindergeld gewährt.

Baukindergeld zeitlich befristet

Das Baukindergeld ist zeitlich befristet, dies liegt an der maximal angepeilten Förderung von zwei Milliarden Euro. Anträge werden aus heutiger Sicht nur erfolgreich beschieden, wenn der Kaufvertrag der Immobilie zwischen dem 1. Januar 2018 und dem 31. Dezember 2020 geschlossen wird. Zwar wird auch auf politischer Ebene diskutiert, die Förderung darüber hinaus für Neuanträge fortzusetzen, jedoch ist dies zum heutigen Zeitpunkt unklar.

Wer ein Haus selbst baut, muss die Baugenehmigung im genannten Zeitraum erhalten haben, um von der Förderung zu profitieren. Bei einer sogenannten Bauanzeige weist die KfW auf folgende Regelung hin: "Nach dem jeweiligen Landesbaurecht nur anzeigepflichtige Vorhaben sind förderfähig, wenn die zuständige Gemeinde nach Maßgabe der jeweiligen Landesbauordnung (LBauO) durch die Bauanzeige Kenntnis erlangt hat und mit der Ausführung des Vorhabens frühestens zwischen dem 01.01.2018 und dem 31.12.2020 begonnen werden durfte."

Nur Immobilien in Deutschland werden gefördert

Die Förderung gilt nur für Wohneigentum in Deutschland und für den Hauptwohnsitz. Weder Wohneigentum im Ausland noch die Staatsangehörigkeit sind ein Förderausschluss. Auch Kinder könnten im Ausland Wohneigentum besitzen, ohne dass die Förderung infrage steht.

Hinweis

Eine Bauanzeige ist ein behördlicher Vorgang. Damit sind alle nicht genehmigungspflichtigen Bauwerke gemeint, für die lediglich die erforderlichen Bauunterlagen eingereicht werden müssen. Diese Erleichterung gilt besonders für Wohngebiete innerhalb des Bebauungsplans.

Das Baukindergeld könnte bald durch die EU-Kommission unter Beschuss geraten. Denn es wird eine Diskriminierung vermutet. Hintergrund: Es werden nur Häuser in Deutschland gefördert, ausgenommen sind damit Grenzgänger, die in Deutschland arbeiten, hier steuerpflichtig sind aber im benachbarten Ausland leben. Diese erhalten bislang kein Baukindergeld bei Erwerb oder Bau einer Immobilie. Hier gegen wehrt sich die EU-Kommissarin für Soziales Marianne Thyssen. Ende August 2019 wandte sie sich deshalb an die Bundesregierung. Im Extremfall könnte jetzt ein Vertragsverletzungsverfahren drohen, und dieses würde ein Fortbestehen des Baukindergeldes in der jetzigen Form gefährden.

Muss das Haus oder die Wohnung vollständig im Eigentum des oder der Antragsteller sein?

Nein. 50 Prozent Eigentumsanteil reichen aus. Die anderen 50 Prozent können beispielsweise im Eigentum der Eltern sein. Hingegen sind geschenkte oder geerbte Immobilien beispielsweise im Rahmen einer Erbengemeinschaft nicht förderfähig, selbst wenn sich daraus finanzielle Verpflichtungen ableiten. Anders sieht dies nur bei Grundstücken aus, die dann mit dem förderfähigen Wohneigentum bebaut werden.

Auch nicht förderfähig beziehungsweise zum Ausschluss der Förderung führen Immobilien, die sich nicht im Eigentum, aber im Besitz befinden. Dazu zählen beispielsweise beim Nießbrauch oder unentgeltlich überlassene Immobilien oder leerstehende Wohnimmobilien, die zur Dauernutzung geeignet sind. In diesen Fällen ist keine Förderung möglich.

Förderung auch für Alleinerziehende und Unverheiratete mit Kindern

Alleinerziehende und unverheiratete Paare mit Kindern können das Baukindergeld ebenfalls bekommen. Die Förderung hängt vom Bezug des Kindergeldes ab und nicht von der Art der Familie. Die Förderung entfällt, falls das Haus verkauft oder vermietet wird oder die Familie auszieht (Wohnsitzveränderung). Eine Scheidung hingegen ist nicht zwingend ein Ausschlussgrund, solange der Antragsteller im Haus wohnen bleibt.

Höhe des Baukindergelds

Pro Kind erhält die Familie insgesamt bis zu 12.000 Euro, verteilt auf die nächsten zehn Jahre ab Antragstellung, bei zwei Kindern wären dies also insgesamt 24.000 Euro.
Eine Begrenzung gibt es für den Kinderzuschuss nicht, wer also beispielsweise sieben Kinder hat, der erhält insgesamt 84.000 Euro Förderung. Die Förderhöhe ist grundsätzlich gleich, es gibt die gleiche Förderbeträge in Hamburg wie in Kelbra in Thüringen.

  • Biallo-Tipp: Da das Baukindergeld nur eine Finanzspritze ist, benötigen Familien ohne viel Eigenkapital meist zusätzlich noch eine Baufinanzierung. Die besten Konditionen am Markt finden Sie in unserem Baufinanzierung-Vergleich.

Anzahl der Kinder

Maximales Einkommen

Höhe des Baukindergeldes

1

90.000 Euro

12.000 Euro

2

105.000 Euro

24.000 Euro

3

120.000 Euro

36.000 Euro

4

135.000 Euro

48.000 Euro

...

+ 15.000 Euro pro weiteres Kind

+ 12.000 Euro pro weiteres Kind

Biallo-Tipp: Sondertilgung mit Baukindergeld

Kreditnehmer können den jährlichen Zuschuss als Sondertilgung für eine beschleunigte Entschuldung einsetzen. Wird das Baukindergeld regelmäßig als Extrazahlung in den Darlehensvertrag eingezahlt, erhöht sich der finanzielle Vorteil beträchtlich. Grund: Kreditnehmer sparen Zinsen, die Restschuld des Erstdarlehens fällt geringer aus und der Kredit ist früher abgezahlt.

Beispiel:

Eine Familie mit zwei Kindern nimmt einen Baukredit in Höhe von 200.000 Euro mit 15-jähriger Sollzinsbindung auf. Der effektive Jahreszins beträgt 1,80 Prozent. Bei einer Anfangstilgung von 3,8 Prozent beträgt die monatliche Kreditrate exakt 933 Euro. Das Baukindergeld in Höhe von 2.400 Euro bringen die Eltern als jährliche Sondertilgung ein. Ohne Förderung wären über die Kreditlaufzeit rund 37.238 Euro an Zinszahlungen zu leisten, mit Baukindergeld dagegen nur 32.727 Euro – rund 4.500 Euro weniger.

Zudem verbliebe am Ende der 15-jährigen Zinsbindung nur noch eine Restschuld von 40.727 Euro. Ohne Baukindergeld bestände hingegen noch eine Restschuld von 69.238 Euro.

Sonderfall Bayern

Einen regionalen Unterschied gibt es tatsächlich, dieser hat weniger mit dem eigentlichen Baukindergeld als mit der zusätzlichen Förderung in Bayern zu tun. Hier werden zusätzlich noch die bayerische Eigenheimzulage und das "Baukindergeld Plus" gezahlt. Pro Kind und Jahr werden noch einmal 300 Euro spendiert, zuzüglich einer Eigenheimzulage von 10.000 Euro extra, die allerdings auch Familien ohne Kinder und Singles erhalten.

Gegenüber 24.000 Euro beim Baukindergeld erhalten Familien mit zwei Kindern in Bayern inklusive Eigenheimzulage 40.000 Euro. Ob sich noch weitere Bundesländer diesem Beispiel anschließen wollen, ist zurzeit unklar. Bereits seit 1. September 2018 ist eine Antragstellung für die Eigenheimzulage möglich. Zuständig hierfür ist die BayernLabo. 

Die Einkommensgrenze für die bayerische Eigenheimzulage liegt je nach dem zu versteuernden Einkommen für Alleinstehende bei 50.000 Euro, für Haushalte ohne Kinder bei 75.000 Euro, für Familien mit einem Kind bei 90.000 Euro, für Familien mit zwei Kindern bei 105.000 Euro. Für jedes weitere Kind erhöht sich dieser Betrag um jeweils 15.000 Euro.

Hinweis

Die Eigenheimzulage erhalten auch Familien ohne Kinder oder auch Alleinstehende. Dies ist eine allgemeine Bau- oder Kaufförderung in Bayern.

Lesen Sie dazu auch: Baufinanzierung für Alleinerziehende

Beantragung des Baukindergeldes

Der Antrag muss bei der KfW eingereicht werden. Dies ist spätestens nach sechs Monate nach Einzug in die zu fördernde Immobilie (Meldebestätigung) möglich. Der Antrag auf Zuschuss erfolgt online über das KfW-Zuschussportal.

  • Biallo-Tipp: Es ist das Datum entscheidend, an dem der oder die Antragsteller in dem neuen Zuhause gemeldet sind. Ziehen beispielsweise die Partner aus unterschiedlichen Wohnungen erstmals zusammen, so gilt das Datum an dem der erste Antragsteller in der neuen Immobilie gemeldet ist. Zieht der weitere Antragsteller dort später mit ein, so gilt trotzdem das Datum des Einzugs des ersten Antragstellers als maßgeblich. Beim Kauf der bereits genutzten Mietwohnung gilt das Datum des notariellen Kaufvertrages. In beiden Fällen greift die neue Sechs-Monats-Frist. Eine Antragstellung vor Einzug wird hingegen abschlägig beschieden.

Nun ist noch eine Identifizierung nötig. Dies erfolgt entweder über Video-Identifizierung oder über das PostIdent-Verfahren. Danach gilt es, die Nachweise vollständig über das KfW-Zuschussportal hochzuladen.

  • Biallo-Tipp: Fehlende Seiten führen meist zu Rückfragen. So kann es dann beispielsweise bei Steuerbescheiden auch zu Verwirrungen kommen, wenn das Finanzamt unter jeder Seite "folgende Seite" stehen hat, aber keine weitere Seite mehr folgt. Auf diese Eigenart sollten dann Antragsteller gleich bei der Antragstellung hinweisen.

Im nächsten Schritt erfolgt die Eingangsbestätigung durch die KfW. Für die Originalnachweise gilt eine Aufbewahrungsfrist von 10 Jahren nach Beginn der ersten Zahlung durch die KfW.

Diese Nachweise müssen innerhalb von drei Monaten nach Antragstellung hochgeladen werden:

  • Einkommensnachweise des zweiten und dritten Jahres vor Antragsstellung
  • Nachweis über den Bezug von Kindergeld
  • Meldebestätigung von allen Familienmitgliedern an der Adresse des gekauften oder gebauten Hauses, die zur Bemessung der Förderhöhe dienen.
  • Wird eine bereits bewohnte Mietwohnung gekauft, so muss statt der Meldebestätigung eine formlose Beschreibung des Sachverhaltes (also der Übernahme der Mietwohnung) als Nachweis erbracht werden.
  • Außerdem muss ein Grundbuchauszug hochgeladen werden, aus diesem müssen die Eigentumsverhältnisse hervorgehen. Liegt ein Grundbuchauszug bei Antragstellung noch nicht vor, so kann alternativ auch eine "Auflassungsvormerkung" verwendet werden. Der Grundbuchauszug muss dann aber nachgereicht werden.
  • Die KfW kann im Einzelfall auch noch weitere Dokumente, wie den notariellen Kaufvertrag anfordern, um die Fördervoraussetzungen abzuklären.
3
 
Anbieter
Monatliche Rate
effektiver
Jahreszins
gebundener
Sollzins
 
1.
1.723,74
0,45%
0,45%
2.
1.741,71
0,59%
0,59%
3.
1.754,60
0,69%
0,69%
Betrag 300.000 €, Laufzeit 15 Jahre, Beleihung 60 %

Auszahlung des Baukindergeldes

Sind alle erforderlichen Unterlagen bei der KfW eingegangen und ist dann der Antrag positiv beschieden, kann im Prinzip die Auszahlung auch beginnen. Die Auszahlung erfolgt dann jährlich in einer Summe, also beispielsweise für ein Kind 1.200 Euro. Diese Summe wird dann die nächsten neun Jahre, jährlich im gleichen Monat überwiesen. 

Der Zuschuss wird in der Regel zum nächsten Monatsende auf das angegebene Konto überwiesen. Den genauen Auszahlungstermin finden die Antragsteller in ihrer Auszahlungsbestätigung, die unter dem Menüpunkt "Meine Anträge" im KfW-Portal abgelegt ist.

Lohnt sich das Baukindergeld?

In jedem Fall ist das Baukindergeld eine gute Sache. Gerade beim Hausbau in ländlichen Regionen ist das schon ein ordentlicher Betrag. Außerdem erhöht auch das Baukindergeld in gewissem Umfang die Bonität gegenüber Banken. Eingesetzt werden kann das Baukindergeld auch im Rahmen der Sondertilgung.

Nach Berechnungen des Immobiliendienstleisters CERES beträgt die durchschnittliche Ersparnis bei einem Kind vier Prozent, bei drei Kindern sogar zehn Prozent gegenüber einer nicht beantragten Förderung. In größeren Städten, im ländlichen Raum und besonders in Bayern ist dieser Effekt nochmals deutlich größer.

Dass die Wirkung in ländlichen Regionen größer ist als in den Metropolen, ist durchaus beabsichtigt. Denn in den großen Städten ist der Wohnraum sowieso knapp, wer nun ins ländliche Umfeld zieht, profitiert dann doppelt, in Form von niedrigeren Immobilienpreisen und einer anteilmäßig höheren Förderung.

Allerdings äußern sich auch ernst zu nehmende Kritiker mit der Befürchtung, dass das Baukindergeld wiederum zur Erhöhung der Immobilienpreise auch im ländlichen Raum führt, da das Baukindergeld dann als Sockel mit eingepreist wird.

Die nachfolgende Tabelle zeigt, welchen Anteil das Baukindergeld beim Neubau eines Einfamilienhauses hat.

Wichtig in diesem Zusammenhang: Das Grundstück muss noch erworben werden oder ist bereits vorhanden. Falls es gekauft werden muss, erhöht sich die Summe natürlich entsprechend. In der Stadt dürften die Grundstücke eher kleiner sein, im ländlichen Raum größer.

Neubau eines Hauses mit 140 qm Wohnfläche nach Bundesländern

inklusive Förderungsanteil für eine Familie mit 2 Kindern = Gesamtförderung 24.000 Euro

Bundesland

Durchschnittliche

Baukosten/qm

Gesamtpreis Neubau

ohne Grundstück

Gesamtförderung

Anteil Baukindergeld

in Prozent

Baden-Württemberg

1.840 Euro

257.600 Euro

24.000 Euro

9,32

Bayern

2.018 Euro

282.520 Euro

40.000 Euro *

14,16

Berlin

1.450 Euro

203.000 Euro

24.000 Euro

11,81

Brandenburg

1.437 Euro

201.180 Euro

24.000 Euro

11,93

Bremen

1.280 Euro

179.200 Euro

24.000 Euro

13,39

Hamburg

1.653 Euro

231.420 Euro

24.000 Euro

10,37

Hessen

1.614 Euro

225.960 Euro

24.000 Euro

10,62

Mecklenburg- Vorpommern

1.452 Euro

203.280 Euro

24.000 Euro

11,82

Niedersachsen

1.382 Euro

193.480 Euro

24.000 Euro

12,4

Nordrhein-Westfalen

1.544 Euro

216.160 Euro

24.000 Euro

11,1

Rheinland-Pfalz

1.745 Euro

244.370 Euro

24.000 Euro

9,82

Saarland

1.751 Euro

245.140 Euro

24.000 Euro

9,79

Sachsen

1.485 Euro

207.900 Euro

24.000 Euro

11,54

Sachsen-Anhalt

1.273 Euro

178.220 Euro

24.000 Euro

13,47

Schleswig-Holstein

1.524 Euro

213.360 Euro

24.000 Euro

11,25

Thüringen

1.512 Euro

211.680 Euro

24.000 Euro

11,34

* inklusive Baukindergeld Plus und Bayrischer Eigenheimzulage
Quelle: Daten Neubaukosten Statista.de für das Jahr 2017; eigene Berechnungen

Kritik am Baukindergeld

Das Baukindergeld soll vor allem junge, finanziell nicht so gut gestellte Familien beim Immobilienerwerb unterstützen. Genau hier sehen Kritiker aber den Knackpunkt. Ihrer Meinung nach sei der Zuschuss nicht sinnvoll, da die Falschen vom Baukindergeld profitieren. Nämlich jene, die sich sowieso eine eigene Immobilie leisten können. Oder aber Familien, die in ländlichen Gegenden oder strukturschwachen Städten bauen möchten. Aber hier gebe es bereits genug Immobilien, von denen viele leer stehen. Neubebauung überflüssig.

In Ballungszentren ist der Wohnraum so extrem überteuert, dass die 12.000 Euro pro Kind laut Kritiker nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind. Junge Familien ließen trotz der Subvention die Finger vom Wohnungskauf, von Alleinerziehenden ganz zu schweigen.

Lesen Sie auch: Baufinanzierung für Alleinerziehende

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) geht mit ihrer Kritik noch weiter: Die Zuschüsse für Familien würden lediglich "den ohnehin schon boomenden Wohnimmobilienmarkt weiter anheizen, der unter Arbeitskräfteengpässen und einer unzureichenden Angebotsflexibilität leidet", heißt es in einer Veröffentlichung. Ihrer Meinung nach wäre es besser "sich auf weitere Investitionen in Bildung und Infrastruktur zu konzentrieren, die zu Produktivitätswachstum und Inklusivität beitragen."

Sonderfall Tod des Antragstellers

Wird die Immobilie durch den Tod des Antragstellers nicht mehr förderfähig? In diesem Fall ist eine Einzelfallentscheidung durch die KfW notwendig. Verbleiben die Kinder im Haushalt, die ihren ‚Beitrag‘ zur Finanzierung leisten, entfällt normalerweise nicht der Zuschuss. Anders sieht dies aus, wenn die Kinder die Immobilie nicht weiter nutzen.

Hinweis

Daher ist es umso wichtiger, auch für den Todesfall gut vorzusorgen. Achten sollte man immer auf die volle Absicherung der Darlehensschuld. Hierzu eignen sich insbesondere Restschuld- oder Risikolebensversicherungen.

Vergleich Baukindergeld und Eigenheimzulage (alt)

Die Eigenheimzulage wurde durch das Eigenheimzulagengesetz geregelt und galt für Bauvorhaben bis zum 31. Dezember 2005. Die Reglung hatte einen anderen Ansatz, dabei wurde die Eigenheimzulage im Rahmen der Einkommenssteuererklärung abgehandelt. Der Zuschuss landete dann auf dem angegebenen Konto des Antragstellers.
Die tatsächliche Förderung durch die Eigenheimzulage ist höher als beim heutigen Baukindergeld. Erst ab vier Kindern bietet das Baukindergeld eine bessere Förderung. Allerdings muss bedacht werden, dass vor 15 oder 20 Jahren die Kosten für den Hausbau und Erwerb des Grundstücks deutlich unter dem jetzigen Niveau lagen.

Baukindergeld Eigenheimzulage (alt)

Höhe der Förderung

1.200 Euro je Kind und Jahr

max. 2.556 Euro, für Wohnungen und Altbauten max. 1.278 Euro, 767 Euro pro Kind

Laufzeit der Förderung

10 Jahre

8 Jahre

Auszahlung der Förderung

jährlich

jährlich über die Einkommenssteuer

Welche Immobilien werden gefördert?

Ersterwerb eines Hauses/einer Wohnung zur Selbstnutzung

Erwerb eines Hauses/einer Wohnung zur Selbstnutzung

Kinder

bei Antragstellung dürfen Kinder noch nicht volljährig sein, müssen im selben Haushalt leben, es muss ein Kindergeldanspruch bestehen. Die Förderung ist ab dem 1. Kind möglich.

keine Voraussetzungen

Einkommen

max. 75.000€ zu versteuerndes Einkommen der Familie plus 15.000€ pro Kind

70.000€ bei Alleinstehenden, 140.000€ bei Verheirateten zzgl. 30.000€ je Kind

Ab wann wird das Baukindergeld ausbezahlt?

Voraussetzung für die Förderung ist die Meldebestätigung durch das Einwohnermeldeamt

.....

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Eike Schulze

entstammt aus einer Familie von Zigarrendrehern, Strandräubern und Baumeistern und entschloss sich entgegen der Familientradition Geographie und BWL bis zum guten Ende zu studieren. Nach Zwischenstation als Vertriebsspezialist und Trainer eines Versicherungsunternehmens entdeckte er seine Leidenschaft für Wirtschaftsjournalismus. Seit 20 Jahren gibt es von ihm etwas zu lesen, zunächst nur in Zeitschriften und zwischen Buchdeckeln und seit gut 10 Jahren auch im Netz. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Immobilien, Versicherungen und Geldanlage.

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entstammt aus einer Familie von Zigarrendrehern, Strandräubern und Baumeistern und entschloss sich entgegen der Familientradition Geographie und BWL bis zum guten Ende zu studieren. Nach Zwischenstation als Vertriebsspezialist und Trainer eines Versicherungsunternehmens entdeckte er seine Leidenschaft für Wirtschaftsjournalismus. Seit 20 Jahren gibt es von ihm etwas zu lesen, zunächst nur in Zeitschriften und zwischen Buchdeckeln und seit gut 10 Jahren auch im Netz. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Immobilien, Versicherungen und Geldanlage.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de