Aufmerksam Lesen erspart Ärger

Versicherungen Aufmerksam Lesen erspart Ärger

Annette Jäger
von Annette Jäger
10.12.2016
Auf einen Blick
  • Versicherte sollten stets das Kleingedruckte im Vertrag lesen.
  • Der Versicherungsschein hat Priorität.
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Versicherungsdokumente sind keine beliebte Lektüre – viele Seiten, eng bedruckt und das auch noch in Verwaltungssprache. Es lohnt sich aber. Denn manchmal steht im Kleingedruckten etwas, das im Leistungsfall zum Nachteil des Versicherungsnehmers führt. Wie wichtig die Lektüre ist, zeigt ein aktuelles Gerichtsurteil.  

Versicherungsschein hat Priorität  

In einem Urteil des Bundesgerichtshofs (AZ: IV ZR 431/14 22.6.2016) gab das Gericht einer Versicherungsnehmerin Recht: Im Antrag auf eine Berufsunfähigkeitsversicherung stand die Klausel, das unter bestimmten Voraussetzungen die abstrakte Verweisung gilt, sprich: der Versicherer darf die Kundin im Falle einer Berufsunfähigkeit auf eine andere Tätigkeit – hier: einen anderen Ausbildungsberuf - verweisen und sich so die Rentenzahlung sparen. Im später ausgestellten Versicherungsschein, der Police, fand sich diese Klausel aber nicht mehr wieder – der Versicherer hatte sie wohl vergessen.

Die Versicherungsnehmerin wurde tatsächlich berufsunfähig und das Gericht verdonnerte den Versicherer, die Rente auszubezahlen. Dieser pochte zwar auf die andere Formulierung im Versicherungsantrag, aber das Gericht entschied, dass das gilt, was im Versicherungsschein steht.

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Berechnungsgrundlage / Modellfall: 

Stillschweigen gilt als Zustimmung

 Auch wenn der Fall zugunsten der Versicherungsnehmerin entschieden wurde, meist geht es andersherum aus – nämlich zu Lasten der Kunden, erinnert Versicherungsberater Thorsten Rudnik. So kann es sein, dass der Kunde im Antrag Angaben macht – zum Beispiel zu seinem Gesundheitszustand – die den Versicherer bei Prüfung des Antrags dazu bewegen, einen Risikoaufschlag zu verlangen. Oder auch, eine bestimmte Erkrankung komplett von den Leistungen auszuschließen. Diese Bedingungen schreibt er dann in den Versicherungsschein.

„Solche Änderungen muss der Versicherer deutlich markieren, bevor der Versicherungsschein an den Kunden geht“, betont Rudnik. Der Versicherungsschein gilt samt der neuen Bedingungen als angenommen, wenn der Kunde nicht innerhalb eines Monats widerspricht oder vom Vertrag zurücktritt. „Reagiert der Kunde nicht, gilt sein Stillschweigen als Zustimmung“ - auch wenn in der Police für ihn nachteilige Bedingungen formuliert sind.

Das Fazit: „Die Entscheidungsfreiheit, ob er einen Antrag annimmt oder nicht, hat der Versicherungsnehmer nur, wenn er den Versicherungsschein auch nochmal durchliest“, erinnert Rudnik. „Viele Verbraucher bemerken Abweichungen vom Antrag erst, wenn es zum Leistungsfall kommt.“ Und dann ist es zu spät. Dass es so läuft wie beim zitierten Fall vor dem Bundesgerichtshof war reine Glücksache.

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während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de