Auf einen Blick
  • Durch geförderten Mieterstrom sollen sich Mieter und Vermieter an der Energiewende beteiligen und von ihr profitieren. Für alle Seiten ist er jedoch bislang zumeist kein Erfolgsmodell.

  • Im Bereich von Mehrfamilienhäusern steckt großes Potential für die Energiewende.

  • Erleichtert wurde nun der rechtliche Rahmen, wenn Mieter oder Vermieter Ladesäulen für Elektroautos aufstellen möchten.
  • Die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetztes (EEG) 2021 soll Verbesserungen in Sachen Mieterstrom bringen. 

Mieterstrom soll sich für Mieter und Vermieter lohnen und zugleich die Energiewende voranbringen.
Siegi / Shutterstock.com

Mieter haben es im Vergleich zu Immobilienbesitzern schwerer, sich an der Energiewende zu beteiligen und von ihr zu profitieren. Dies sollte der 2017 beschlossene sogenannte geförderte Mieterstrom ändern. Die Idee: Mieter sollen vergünstigt Strom beziehen, der auf dem Dach des Mietshauses produziert wird. Von der staatlichen Förderung sollen sowohl Mieter als auch Vermieter profitieren. Doch bislang bleibt die Nutzung weit hinter den Erwartungen zurück.

Eine weitere Hürde, die Energiewende in Mietsaushalten ankommen zu lassen, wurde nun zumindest etwas gesenkt: Seit dem 1. Dezember 2020 haben Mieter einen Rechtsanspruch, dass sie Ladestationen für Elektroautos errichten dürfen, allerdings auf ihre Kosten. Möchte der Wohnungseigentümer eine Ladesäule aufstellen, so bedarf es bei Wohnungseigentümergemeinschaften nicht mehr der Zustimmung aller Eigentümer. Das sieht das sogenannte Wohnungseigentumsmodernisierungsgesetz vor. E-Autos können Mieterstromanlagen theoretisch ideal ergänzen, da sie als Speicher für überschüssigen Strom dienen können. 

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Wer auf Strom statt Sprit setzt, kann von bis zu 9.000 Euro staatlicher  Förderung für Elektroautos profitieren.

In einer Online-Diskussionsrunde der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein ging es nun darum, wie Mieter von der Energiewende profitieren können und welche Hemmnisse bestehen. Teilgenommen haben unter anderem Vertreter aus dem Bereich Wohnungswirtschaft, Contracting, der Stadtwerke sowie vom Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung des Landes Schleswig-Holstein sowie der Landeskoordinierungsstelle Elektromobilität Schleswig-Holstein.   

Das Fazit: Weitgehend einig waren sich die Vertreter, dass im Bereich von Mehrfamilienhäusern ein großes Potential für die Energiewende steckt. Auch eine große Bereitschaft, dieses Potential zu nutzen, zeigte sich. Die Technologien sind da, es bestehen aber erhebliche rechtliche und steuerliche Hürden.

 Was ist Mieterstrom?

Mieterstrom im Sinne der staatlichen Förderung liegt vor, wenn Mieter den auf dem Dach ihres Mietshauses durch eine Photovoltaikanlage erzeugten Strom direkt erhalten. Er fließt nicht erst durch das öffentliche Stromnetz. Dafür müssen sie einen entsprechenden Vertrag mit ihrem Vermieter abschließen oder mit einem Mieterstromanbieter. Oftmals scheuen Vermieter davor zurück, selbst Mieterstromversorger zu werden und somit als Energieversorgungsunternehmen zu agieren – mit den entsprechenden rechtlichen Pflichten und dem damit verbundenen Aufwand. Stattdessen können sie auch ein Unternehmen einschalten, an das sie Dach oder Anlage vermieten und das sich um alles Weitere kümmert. Nicht verbrauchter Strom fließt in das öffentliche Netz oder in einen Zwischenspeicher. Umgekehrt ist eine Stromversorgung über das öffentliche Netz gesichert, falls die produzierte Strommenge nicht ausreicht.

Daneben gibt es ungeförderten Mieterstrom. Hierfür fließen zwar keine staatlichen Fördergelder. Dafür sind die Beteiligten jedoch freier in der Gestaltung, was ein erheblicher Vorteil sein kann. So kann ungeförderter Mieterstrom auch aus einem kleinen Blockheizkraftwerk um die Ecke stammen und der Vermieter hat weniger Vorgaben, was die Vertrags- und Preisgestaltung angeht.

Was spricht für das Mieterstrommodell?

Es stehen auf Mehrfamilienhäusern immense Dachflächen ungenutzt zur Verfügung, auf denen durch Photovoltaikanlagen Strom produziert werden könnte. So ließe sich ein wichtiger Beitrag zur Energiewende leisten. Erhebliche Mengen CO2 könnten eigespart werden. Wird direkt unterm Dach Strom von den Mietern benötigt, liegt es nahe, dass dieser in die Wohnungen fließen könnte, ohne einen Umweg über das öffentliche Netz zu machen. Das wäre auch im Hinblick auf die zunehmende Verbreitung von Elektrofahrzeugen und damit Ladestationen nützlich. Die Elektroautos können als Speichermedium für überschüssig produzierten Strom dienen.

Für Mieter kann sich zudem ein Preisvorteil von gefördertem Mieterstrom ergeben. Vermieter können hierdurch die Attraktivität ihrer Immobilie erhöhen und eventuell neue Renditemöglichkeiten schaffen. Zuweilen ist die Errichtung einer Photovoltaikanlage für Vermieter sogar unumgänglich, wenn sie eine bestimmte Effizienz ihres Gebäudes erreichen wollen beziehungsweise die Vorschriften vor Ort dies vorsehen.

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Wie hoch ist der Mieterstromzuschlag?

2017 wurde eine staatliche Förderung von Mieterstrom eingeführt, um diesen attraktiver zu machen. Den Mieterstromzuschlag können Betreiber von Anlagen bis zu einer installierten Leistung von 100 Kilowatt-Peak vom Netzbetreiber erhalten. Die Höhe des Mieterstromzuschlags ist abhängig von der Größe der Anlage sowie den Sätzen der Einspeisevergütung für Solaranlagen. Beim Mieterstrom werden bislang je nach Anlagengröße 8,0 beziehungsweise 8,5 Cent pro Kilowattstunde von der Einspeisevergütung abgezogen, da die Anlagenbetreiber ja Einnahmen durch die Mieter haben. Aktuell lieg der Mieterstromzuschlag somit jedoch aufgrund der gesunkenen Einspeisevergütung bei null. Netznutzungsentgelte und daran gekoppelte Umlagen und Abgaben fallen für Mieterstrom nicht an, die EEG-Umlage ist jedoch fällig.

Die für 2021 geplante Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) soll Verbesserungen beim Mieterstromzuschlag bringen. Sie sieht eine feste Höhe unabhängig von der Einspeisevergütung vor. Je nach Anlagengröße sind im Gesetzesentwurf vom 19.10.2020 Werte zwischen 2,37 und 3,79 Cent pro Kilowattstunde genannt.

Für die Kosten der Errichtung einer Photovoltaikanlage gibt es unter bestimmten Voraussetzungen Fördermittel durch die KfW.

Was kostet Mieterstrom?

Um Mieterstrom auch für Mieter attraktiv zu machen und sie so an der Energiewende zu beteiligen, ist vorgeschrieben, dass Mieterstrom zehn Prozent günstiger sein muss als der Grundversorgungstarif. Was gut klingt, muss aber kein Schnäppchen sein. Ein Blick in den Strom-Vergleich auf biallo.de zeigt: Am Strommarkt findet ein starker Wettbewerb statt. Es gibt in der Regel zahlreiche Anbieter, deren Stromtarif erheblich günstiger ist als der Grundversorgungstarif.

Biallo-Tipp

Bei vielen Stromtarifen gibt es Stolperfallen. Deshalb sollte man beim  Strom- und Gasanbieterwechsel genau das Kleingedruckte lesen und sich insbesondere nicht von einmaligen – oft an bestimmte Bedingungen geknüpfte – Boni blenden lassen.

Wie wird Mieterstrom abgerechnet?

Mieter und Vermieter schließen einen Sondervertrag über die Mietstromversorgung. Hat der Vermieter die Dachfläche verpachtet, so schließt der Mieter den Vertrag mit dem Mieterstromanbieter ab. Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein listet auf, welche Rechte des Mieters mit einem solchen Sondervertrag einhergehen:

  • Anspruch auf ordnungsgemäße und nachvollziehbare Abrechnung
  • Sonderkündigungsrecht bei Preiserhöhung
  • Recht auf Informationen (etwa zu Vertragsdauer und Kündigungsfristen)
  • Anspruch auf angemessene Abschläge
  • Recht auf Anrufung der Schlichtungsstelle Energie nach Paragraf 111b Energiewirtschaftsgesetz (EnWG)

Mieter müssen nicht fürchten, im Dunklen zu stehen, sollte die Solaranlage nicht ausreichend Strom liefern. Der Mieterstromanbieter muss gewährleisten, dass bei zu wenig produziertem Strom der Restbedarf aus dem öffentlichen Stromnetz gedeckt wird.

 

Sind Mieter zur Abnahme von Mieterstrom gezwungen?

Mieterstrom darf keine Bedingung für das Mietverhältnis sein. Sprich: Mieter sind nicht verpflichtet, einen Mieterstromvertrag einzugehen. Auch dürfen die Regelungen zum Mieterstrom nicht Teil des Mietvertrags sein. Stattdessen muss ein gesonderter Vertrag abgeschlossen werden.

Gut zu wissen: Mieter haben das Recht, vom Mieterstrom wieder zu einem anderen Stromtarif zu wechseln. Die Vertragslaufzeit darf höchstens zwölf Monate betragen. Mit dem Ende des Mietverhältnisses endet auch der Mieterstrom-Vertrag.

 

Was sind die Nachteile von Mieterstrom?

Mieter finden durchaus deutlich günstigere Stromtarife am Markt. Viele Vermieter schrecken vor dem Aufwand zurück, selbst Energieversorger zu werden.

Im „Mieterstrombericht nach § 99 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes 2017“ aus dem Jahr 2019 heißt es, dass pauschale Aussagen zur Rentabilität von Mieterstromprojekten nicht möglich seien. „Allerdings zeigen der niedrige Zubau sowie die Wirtschaftlichkeitsberechnungen von ZSW [Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg, Anmerkung der Redaktion] im Rahmen des EEG-Erfahrungsberichts, dass die jährlichen Einnahmen aus dem Mieterstromzuschlag immer seltener zur Deckung der laufenden mieterstromspezifischen Mehrkosten ausreichen. Die Transaktionskosten zur Verwirklichung von Mieterstromprojekten sind höher als im Fall einer Volleinspeisung des erzeugten Solarstroms.“ Die Förderung von Mieterstrom wurde auf einen Ausbau von 500 Mega-Watt gedeckelt. Laut Bericht von 2019 war dieser zum Untersuchungszeitpunkt gerade einmal zu gut einem Prozent ausgenutzt.

Einige Hemmnisse sollen durch die für 2021 geplante Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes verbessert werden. So soll der Mieterstromzuschlag künftig unabhängig von der Einspeisevergütung sein und zwischen 2,37 und 3,79 Cent pro Kilowattstunde betragen (Gesetzentwurf vom 19.10.2020). Zudem ist mehr Rechtssicherheit vorgesehen, wenn beim Mieterstrom Dienstleister mit ins Boot geholt werden, die die Abwicklung für Vermieter und Mieter erleichtern. Außerdem soll es Verbesserungen geben, wenn mehrere einzelne Anlagen auf baulich verbundenen Gebäuden errichtet werden. 

Für Mieter ist keine Veränderung bei den Stromkosten vorgesehen. Demnach würde es dabei bleiben, dass der Strompreis höchstens 90 Prozent des Grundversorgertarifs betragen darf. 


Artikel Quellen

Die im Artikel verwendeten Quellen stammen in erster Linie aus Primärquellen wie zum Beispiel Studien, Analysen, Bundesstatistiken, Geschäftsberichte oder Interviews mit Branchenexperten. Gegebenenfalls verweisen wir auch auf Originalrecherchen anderer seriöser Verlage. In unseren  Redaktionellen Richtlinien erfahren Sie mehr über die Kriterien, die wir bei der Erstellung genauer und unvoreingenommener Inhalte einhalten.
Die im Artikel ausgewiesenen Konditionen stammen vom jeweiligen Anbieter.

  • „Mieterstrom – Rechtliche Einordnung, Organisationsformen, Potenziale und Wirtschaftlichkeit von Mieterstrommodellen". Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, durchgeführt von Prognos AG und der Kanzlei Boss Hummel & Wegerich. 2017. https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Publikationen/Studien/schlussbericht-mieterstrom.html
  • Mieterstrombericht nach § 99 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes 2017 aus dem Jahr 2019.https://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/134/1913430.pdf
  • Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, https://www.durchblick-energiewende.de/mieterstrom
  • Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/FAQ/Mieterstrom/faq-mieterstrom.html
  • Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und weiterer energierechtlicher Vorschriften. Stand 19.10.2020.


 




  Sabina Hoerder


 
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