Der nächste Schock für Verbraucher

Strompreis Der nächste Schock für Verbraucher

Sebastian Schick
von Sebastian Schick
29.12.2016
Auf einen Blick
  • 350 Stromanbieter erhöhen zum Jahreswechsel die Strompreise.
  • Viele Versorger dürften im Frühjahr nachziehen.
  • Verbraucherschützer raten zum Anbieterwechsel.
Artikelbewertung
Teilen
Schrift

Die Tariferhöhung kommt oft durch die Hintertür. „Der Versorger schickt einen Brief mit dem Hinweis Tarifinformation“, erklärt Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen im Interview mit dem Handelsblatt. „Dann macht er ein neues Angebot, das gar nicht attraktiv ist, um dann auf Seite drei oder vier anzukündigen, dass er den Verbraucher ansonsten ab dem Tag x zu neuen Konditionen beliefert – und zwar zu schlechteren.“

Der Verbraucherschützer fordert vom Gesetzgeber, für klare Richtlinien zu sorgen: „Es müsste verpflichtend sein, dass ein Versorger bei einer Preiserhöhung deutlich zu erkennen den alten und den neuen Preis gegenüberstellt.“

Rund 350 Stromversorger drehen zum Jahreswechsel an der Preisschraube. Das ergibt eine Auswertung des Preisportals Verivox. Die Erhöhungen belaufen sich im Schnitt auf 3,6 Prozent. Für eine drei- bis vierköpfige Familie mit einem jährlichen Stromverbrauch von 4.000 Kilowattstunden beträgt die Mehrbelastung gut 40 Euro. Im Gegenzug senken nur 23 Anbieter die Preise um durchschnittlich zwei Prozent.

Große regionale Unterschiede

Bayern, Sachsen und Hessen trifft es laut Verivox diesmal besonders hart. Hier hätten einzelne Versorger ihre Preise um bis zu 15 Prozent angehoben. Die Mehrkosten belaufen sich für eine Durchschnittsfamilie damit auf 190 Euro.

Hauptgrund für die regionalen Unterschiede sind die zum Teil rasant gestiegenen Netzentgelte. In Bayern zum Beispiel gibt es relativ viele Wind- und Solarkraftanlagen. Dadurch steigen die Gebühren für den Stromtransport besonders stark. Denn um die starken Schwankungen der Erneuerbaren bei der Stromerzeug abzufedern, müssen die Netzbetreiber Milliarden in die Infrastruktur investieren.

Netzausbau hinkt hinterher

Der für Norddeutschland und Bayern zuständige Übertragungsnetzbetreiber Tennet kündigte bereits Ende September an, seine Netzentgelte zum Jahreswechsel um satte 80 Prozent zu erhöhen. Als Grund führte der Konzern an, dass der Netzausbau nicht so schnell vorankomme wie der Zubau der erneuerbaren Energien.

„Die Stromversorger stehen vor großen Herausforderungen. Beschaffung, Vertrieb und Erlös machen mittlerweile nur noch 21 Prozent des Strompreises für private Haushalte aus“, sagt Verivox-GeschäftsführerJan Lengerke. „Die restlichen 79 Prozent entfallen auf Steuern, Abgaben, Umlagen und Netzentgelte.“

Energiewende wird immer teurer

Eine Erhöhung der Strompreise hatte sich bereits im Oktober angedeutet, als bekannt wurde, dass die EEG-Umlage 2017 um mehr als acht Prozent steigen wird. So müssen Verbraucher statt derzeit 6,35 Cent pro Kilowattstunde im nächsten Jahr 6,88 Cent pro Kilowattstunde für die Energiewende bezahlen. Das allein verteuert die Stromrechnung im Schnitt um rund 20 Euro.

Was für viele paradox erscheint: Die Einkaufspreise für Strom sind an der Strombörse in den vergangenen sechs Jahren kontinuierlich gesunken. Und zwar um fast 40 Prozent. Doch die niedrigen Börsenstrompreise lassen die EEG-Umlage ansteigen. Denn die Umlage berechnet sich aus der Differenz des Börsenstrompreises und dem garantierten Abnahmepreis für Ökostrom. Je höher diese Differenz ausfällt, desto mehr müssen Verbraucher für die Energiewende im Endeffekt zahlen.

Nächste Preiswelle voraus?

Wer noch keine Post von seinem Stromanbieter erhalten hat, sollte sich nicht zu früh freuen. „Viele Versorger stellen im Herbst groß heraus, dass sie die Preise zum Jahreswechsel konstant halten. Bei diesem Termin schauen eben viele genau hin“, sagte Verbraucherschützer Sieverding dem Handelsblatt. „Wenig später, wenn die Aufmerksamkeit nicht mehr so hoch ist, ziehen die Unternehmen dann doch nach.“

Sieverding erwartet die nächste Preiswelle spätestens Anfang März. Der Energieexperte rät Stromkunden, bei einer Preiserhöhung ihr Sonderkündigungsrecht zu nutzen und zu einem günstigeren Anbieter zu wechseln. Wer noch in der Grundversorgung ist – und das ist laut Bundesnetzagentur immerhin fast jeder dritte Haushalt – kann seinen Vertrag jederzeit unabhängig von einer Preiserhöhung mit einer Frist von zwei Wochen kündigen (§ 41 Abs. 3 Satz 2 EnWG).

Biallo-Tipp

Wenn Sie das Sonderkündigungsrecht nach einer angekündigten Preiserhöhung nutzen wollen, sollten Sie zügig handeln. Die Kündigungsfrist beträgt in der Regel zwei Wochen. Dabei ist es wichtig, dass Sie die Kündigung selbst vornehmen und nicht durch den neuen Anbieter ausführen lassen. Achten Sie bei der Wahl Ihres neuen Stromlieferanten auf kurze Vertrags- und Kündigungszeiten. Das erhöht Ihre Flexibilität, um auch künftig schnell zu einem preiswerteren Anbieter wechseln zu können. Eine Auswahl der günstigsten Stromlieferanten in Ihrer Region finden Sie in unserem Stromvergleich.

Ihre Meinung ist uns wichtig
Sebastian Schick
Sebastian Schick
Redaktionsleitung
Jetzt Artikel bewerten
E-Mail an den Autor
Sebastian Schick
Sebastian Schick

nach seinem Studium für das Lehramt an Gymnasien mit der Fächerkombination Deutsch/Latein/Geschichte in Würzburg und Berlin entschied sich Sebastian Schick für den Journalismus. 2005 absolvierte er die Ausbildung zum Rundfunkjournalisten an der Akademie für Neue Medien in Kulmbach.

Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

E-Mail an den Autor
Artikelbewertung
Teilen
Drucken
Zur Startseite
Sebastian Schick
Sebastian Schick

nach seinem Studium für das Lehramt an Gymnasien mit der Fächerkombination Deutsch/Latein/Geschichte in Würzburg und Berlin entschied sich Sebastian Schick für den Journalismus. 2005 absolvierte er die Ausbildung zum Rundfunkjournalisten an der Akademie für Neue Medien in Kulmbach.

Direkt im Anschluss volontierte er beim Deutschen Anleger Fernsehen (DAF), wo er sich in seiner zehnjährigen Laufbahn ein umfangreiches Fachwissen zum Thema Geldanlage und Börse aneignete. Zuletzt baute er als Chefredakteur in Kooperation mit dem Kurier Medienhaus den österreichischen TV-Sender DAF Austria mit auf. Bei biallo.de schreibt er als Redakteur über das Thema Kredit und Geldanlage. 

E-Mail an den Autor
Newsletter
Keine News mehr verpassen
Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein:
Unsere Datenschutzerklärung finden Sie hier.

Regeln für das Schreiben von Kommentaren:

  1. Kommentieren Sie sachlich und ohne persönliche Angriffe.
  2. Verfassen Sie keine Beiträge mit strafbarem, diskriminierendem, rassistischem, anstößigem, beleidigendem oder kommerziellem Inhalt und verweisen Sie nicht auf Seiten mit solchem Inhalt.
  3. Stellen Sie weder zu lange Texte noch Bilder ein, außer, wenn es unbedingt nötig ist.
  4. Veröffentlichen Sie keine personenbezogenen Daten Dritter, wie Namen, Adressen, Telefonnummern oder E-Mail-Adressen.
  5. Wenn Sie persönliche Mitteilungen oder Texte anderer Verfasser einstellen oder Kommentare anderweitig veröffentlichen möchten, beachten Sie die Rechte Dritter. Bei einer Verletzung dieser Rechte (z.B. Persönlichkeitsrecht, Urheberrecht, Datenschutz) haften Sie.
  6. Sie haben die Möglichkeit, Ihren Benutzernamen frei zu wählen. Sie sollten aber im eigenen Interesse markenrechtlich geschützte Namen vermeiden.

Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de