Energie

Mieterstrom vom Dach

11.07.2017
Auf einen Blick
  • Mit einem jüngst beschlossenen Gesetz sollen auch Mieter von der Energiewende profitieren.

  • Daneben soll das Gesetz die Akzeptanz für Ökostrom erhöhen.

  • Es regt sich aber auch Kritik am Mieterstrom.
Künftig profitieren auch Mieter von der Energiewende!
Diyana Dimitrova / Shutterstock.com

Der neue Mieterstrom kommt. Das Bundeskabinett hat den Gesetzesentwurf beschlossen. "Es ist höchste Zeit, dass auch Mieter von preiswerten Solarstromangeboten profitieren können", sagt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft. Bislang hatten Mieter wenig von der Energiewende. Brav zahlten sie die Ökostrom-Umlage, Profiteure waren jedoch andere. Das soll sich noch in diesem Jahr ändern. "Mit der Förderung von Mieterstrom beteiligen wir die Mieter direkt an der Energiewende. Bisher haben vor allem Eigenheimbesitzer die Möglichkeit, von Strom aus Photovoltaik-Anlagen vom Hausdach zu profitieren. Das soll jetzt auch für Mieter möglich sein", sagt Bundesenergieministerin Brigitte Zypries (SPD).

Künftig können Vermieter und Wohnungsbaugesellschaften eine Förderung erhalten, wenn diese in Form von Blockheizkraftwerk oder einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach eines Wohngebäudes Strom erzeugen. Diesen können die Mieter direkt verwenden. Bisher war das meist nicht wirtschaftlich. Die finanzielle Lücke soll nun seitens des Staats geschlossen werden. Versorgungslücken, also etwa bei zwischenzeitlichen Sonnenflauten, können durch das konventionelle Netz abgefangen werden.

Ökostrom soll mehr Akzeptanz finden

"Das Mieterstromgesetz kann dafür sorgen, dass die Akzeptanz für die Energiewende nicht nur bei Millionen von Mietern, sondern auch bei der Energie- und Wohnungswirtschaft weiter steigt. Sie alle können mit Hilfe lokal erzeugten Mieterstroms auch finanziell von der Energiewende profitieren", so Körnig.

Es soll günstiger werden

Vermietern soll das Modell mit einer staatlichen Unterstützung von 2,75 bis 3,80 Cent je Kilowattstunde schmackhaft gemacht werden. Der von den Mietern nicht verbrauchte Strom geht zurück uns allgemeine Netz und wird vergütet. Das Bundesministerium für Wirtschaft hält bis zu 3,8 Millionen Wohnungen für förderfähig.

Auch der Mieter soll sparen. Nicht nur die Verbrauchskosten sollen gedeckelt werden. Auch die üblichen Netzentgelte und Konzessionsabgaben sollen wegfallen. Schließlich ist das Mieterstrom-Modell vom öffentlichen Netz weitgehend entkoppelt. Der berechnete Strompreis muss außerdem mindestens zehn Prozent günstiger sein als der des örtlichen Grundversorgers. Dieser ist aber, wie der Biallo-Stromvergleich zeigt, oft kein Schnäppchen. So dass sich der Wechsel zu einem Discount-Anbieter weiterhin lohnen kann. Mieter werden auch in Zukunft ihren Strom-Anbieter selbst aussuchen dürfen.

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Kritik am Mieterstrom

Genau bei dieser Abspaltung aus dem konventionellen Netz sehen Kritiker ein Problem. "Wenige privilegierte Haushalte würden von den Netzentgelten befreit werden, während viele andere draufzahlen", sagte Stefan Kapferer, Vorsitzender des Branchenverbands BDEW, bereits Anfang des Jahres. Der Verband liefert hierzu ein Rechenbeispiel: Würden in Berlin 20 Prozent der geeigneten Mietwohngebäude das Mieterstrommodell nutzen, könnte das zu einem Anstieg des Netzentgelt-Grundpreises um über 13 Prozent führen.

Außerdem könnten in begehrten Städten neue Abhängigkeiten entstehen, schließlich sind hier Mieter meist in der schwächeren Position. Ob sie wollen oder nicht, würden Mieter in vielen Fällen neben dem Miet- auch gleich noch den Stromvertrag beim Vermieter abschließen. Diese Macht könnten Vermieter zur ihren Gunst ausnutzen, falls Mieter später nicht mehr den Stromanbieter wechseln können, befürchten Kritiker.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?

Damit die staatliche Förderung für den Mieterstrom fließt, müssen mindestens 40 Prozent der Gebäudefläche Wohnzwecken dienen. Auf der anderen Seite kann der Solarstrom auch gewerblich im Gebäude genutzt werden. Dazu darf die gewerblich genutzte Fläche jedoch höchstens 60 Prozent der Gesamtfläche ausmachen. Da die Mieter weiterhin frei wählen können, von wem sie ihren Strom beziehen - vom Vermieter oder von einem Energieerzeuger - müssen Mietvertrag und Stromvertrag getrennt voneinander abgeschlossen werden. Ein Anschlusszwang an die hauseigene Photovoltaikanlage können Vermieter nicht geltend machen.

Auch Eigentümergemeinschaften profitieren von Solaranlagen

Gehört das Gebäude mehreren Eigentümern, zum Beispiel bei Eigentumswohnungen, kann ebenfalls Mieterstrom produziert und an die Eigentümer bzw. deren Mieter weitergegeben werden. Dazu muss die Eigentümergemeinschaft die Solaranlage selbst betreiben und den Strom direkt an die Wohnungsnutzer durchleiten. Gefördert werden in diesem Fall aber nur Eigentümer, die ihre Wohnung vermietet haben. Eigentümer, die selbst ihre Wohnung nutzen und den produzierten Strom eigens verbrauchen, sind nicht förderberechtigt.




  Thomas Brummer
  Max Geißler


 
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