Recht, Finanzen, Versicherungen

Pflegefamilie werden Recht, Finanzen, Versicherungen

Annette Jäger
von Annette Jäger
05.02.2018
Auf einen Blick
  • Im Jahr 2016 lag die Zahl der Kinder, die nicht mehr bei ihren leiblichen Eltern bleiben konnten, bei 236.000.

  • Die Pflegeeltern übernehmen nur die Alltagssorge. Dazu gehören tägliche Entscheidungen, die etwa den Schulbesuch betreffen, einen Arztbesuch oder die Freizeitgestaltung.

  • Das sogenannte Pflegegeld variiert und liegt laut Empfehlung des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge je nach Alter des Kindes bei maximal 920 Euro pro Monat.
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Die Zahl der Kinder, die nicht mehr bei ihren leiblichen Eltern leben können und anderweitig untergebracht werden müssen - im Heim, in betreuten Wohnformen, in Pflegefamilien - steigt stetig. Während es im Jahr 2010 noch rund 173.000 Kinder und Jugendliche waren, ist die Zahl im Jahr 2016 auf 236.000 gestiegen. Diese wachsende Anzahl ist auch auf den steigenden Anteil unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge zurückzuführen. Sie werden überwiegend in Heimen oder betreuten Wohnformen untergebracht.

Die Unterbringung in Pflegefamilien ist für alle Kinder in Not ein wichtiger Standpfeiler in der Betreuung. In einer Pflegefamilie haben die Kinder die Chance, in einem intakten Familienverbund aufzuwachsen. Allerdings finden nur 37 Prozent aller Kinder, die auf eine sogenannte Fremdunterbringung angewiesen sind, auch einen Platz in einer solchen Familie.

Die Entscheidung, ein Pflegekind aufzunehmen, womöglich für viele Jahre, ist ein großer Schritt. Geduld, Toleranz und der Wille, Elternverantwortung zu übernehmen, sind dabei eine zwingende Voraussetzung. Erfahren Sie auf den folgenden Seiten, wie Sie zu Pflegeeltern werden können und was Sie in Sachen Recht, Finanzen und Versicherungsschutz wissen müssen.

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So funktioniert die Pflegefamilie

     

Warum benötigen Kinder Pflegeeltern?

Es gibt viele Gründe, warum manche Kinder für einige Zeit oder dauerhaft nicht bei ihren leiblichen Eltern leben können. Ursache können Überforderung sein, schwere Krankheit, Suchtmittelabhängigkeit, der Tod eines Elternteils, aber auch eine geistige oder psychische Behinderung von Mutter oder Vater, sexuelle Übergriffe oder eine Inhaftierung eines Elternteils. Der Umzug in eine Pflegefamilie kommt in Frage, wenn die leiblichen Eltern ihr Kind nicht mehr selbst erziehen und versorgen können, oder wenn es vernachlässigt, misshandelt oder missbraucht wird.

Muss das Jugendamt den Eltern das Sorgerecht entziehen, was in etwa 40 Prozent der Fälle geschieht, müssen die Kinder in ein Heim umziehen oder - was sich normalerweise als vorteilhafter für die Kinder erweist - sie kommen in eine Pflegefamilie. Diese Familie bietet den Kindern ein neues, geborgenes Zuhause. Sie soll Sicherheit und Stabilität gewähren.

Kinder, die zu Pflegekindern werden, gibt es in allen Altersstufen. Sie sind neugeboren oder schon in der Pubertät. Ein Großteil der Kinder kommt noch vor dem Schulalter in eine Pflegefamilie. Häufig sind die Kinder traumatisiert und psychisch belastet. Pflegeeltern müssen sich im Klaren sein, dass diese Schützlinge nicht nur einfühlsame, belastbare und tolerante Eltern benötigen, sondern diese müssen eventuell auch Therapeuten aufsuchen, um das Kind in seiner seelischen Entwicklung zu unterstützen. Pflegeeltern müssen sich darauf einstellen, vor allem bei kleinen Kindern ihre berufliche Tätigkeit zurückzustellen oder zumindest einzuschränken.

Wer kommt als Pflegefamilie in Frage?

Das Pflegekinderwesen ist in Deutschland nicht einheitlich geregelt. Jedes Bundesland und sogar jedes Jugendamt hat eigene Richtlinien aufgestellt. Allgemein gelten diese Voraussetzungen, um sich als Pflegefamilie zu bewerben:

  • Verheiratete, unverheiratete und gleichgeschlechtliche Paare ohne eigene Kinder oder mit eigenen Kindern sowie Alleinerziehende und Alleinstehende können Kinder aufnehmen.
  • Intakte Familienverhältnisse.
  • Stabile finanzielle Situation.
  • Der Altersabstand zwischen Pflegekind und Eltern muss ein Eltern-Kind-Verhältnis zulassen.
  • Eine ausreichend große Wohnung ist notwendig, ein eigenes Zimmer jedoch nicht.
  • Pflegeltern müssen bereit sein, den Kontakt zu den leiblichen Eltern, soweit es sinnvoll ist, zu pflegen und regelmäßige Kontakte zwischen dem Kind und seiner biologischen Familie aktiv zu unterstützen.
  • Die Teilnahme an Schulungen und am Eignungsverfahren ist zwingend.

Der gestattete zeitliche Umfang der Berufstätigkeit der Eltern ist in den Bundesländern unterschiedlich geregelt. Ob Eltern geeignet sind oder nicht, entscheidet in den meisten Fällen das jeweils zuständige Jugendamt.

Die Motivationen, Pflegeeltern zu werden, sind völlig unterschiedlich. Einige Familien haben eigene Kinder, wünschen sich aber noch mehr Kinder und wollen eine Aufgabe übernehmen. In anderen Familien sind die eigenen Kinder schon auf dem Weg in die Selbständigkeit oder schon ausgezogen, die Eltern wollen aber Eltern bleiben und entscheiden sich so für die Aufnahme eines Pflegekindes.

Es gibt auch Paare oder Personen, die keine eigenen Kinder haben, aber trotzdem Eltern sein wollen. Was für alle gleichermaßen gilt: Wer ein Kind aufnimmt, muss sich im Klaren darüber sein, dass es seine eigene Geschichte mitbringt. Diese gilt es anzunehmen. Dazu gehört auch, die biologische Familie des Kindes wertschätzend anzuerkennen.

Rechtliche Stellung

Ein Pflegekind ist kein Adoptivkind. In etwa 60 Prozent der Fälle bleibt das Sorgerecht bei den leiblichen Eltern. Das Kind bleibt dann mit seinen Eltern verbunden. Diese haben somit auch in der Zeit, in der ihr Kind in der Pflegefamilie lebt, die Verpflichtung den Kontakt zu ihm aufrechtzuerhalten. Auch Umgang mit leiblichen Geschwistern kann für ein Pflegekind wichtig und sinnvoll sein.

Wie im Einzelnen diese Kontakte gestaltet werden, ist im Rahmen der Hilfeplanung abzusprechen. Das können monatliche Treffen oder Kontakte übers Telefon sein. Die Pflegeeltern sollten bereit sein, die Kontakte des Pflegekindes zu seinen Eltern zu unterstützen, wenn dies für das Kind sinnvoll und gut ist.

Trotzdem haben die Pflegeeltern Entscheidungsbefugnisse, auch wenn das Sorgerecht bei den leiblichen Eltern bleibt. So liegt die sogenannte Alltagssorge in den Händen der Pflegeeltern. Dazu gehören die täglichen Entscheidungen, die etwa den Schulbesuch betreffen, einen Arztbesuch oder die Freizeitgestaltung.

Geht es aber um grundlegende Entscheidungen, die den weiteren Lebensweg des Kindes beeinflussen, liegt die Entscheidung in den Händen der leiblichen Eltern. Dazu gehört die Wahl der Schulart, aber auch alle Fragen, die das Vermögen des Kindes betreffen. Eventuell ist bei solchen Entscheidungen auch das Jugendamt einzubeziehen.

Biallo-Tipp: Ob das Kind dauerhaft oder befristet in einer Pflegefamilie lebt, ist unabhängig vom Sorgerecht. Es gibt Pflegeverhältnisse, bei denen das Kind dauerhaft in der Pflegefamilie lebt, auch wenn die leiblichen Eltern das Sorgerecht behalten. Manchmal ist das Kind auch nur befristet in der Pflegefamilie untergebracht und kehrt wieder zurück in seine leibliche Familie.

Ist den leiblichen Eltern das Sorgerecht entzogen worden, kann es durchaus auf die Pflegefamilie übergehen. Manchmal ist es besser für das Kind, seine leiblichen Eltern eine Weile nicht zu sehen. Wie genau die Beziehung zwischen Pflegekind und leiblichen Eltern gestaltet wird, hängt immer vom Einzelfall ab.

So werden Sie zu Pflegeeltern

Wer ein Pflegekind aufnehmen möchte, stellt einen Antrag beim Jugendamt. Dazu benötigt die potentielle Pflegeperson

  • ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis,
  • ein Gesundheitsattest,
  • je nach Bundesland auch einen Drogentest und einen Verdienstnachweis.

Das Jugendamt macht Hausbesuche und führt Gespräche mit den künftigen Pflegeeltern. Auch eine Schulung ist nötig, der Umfang variiert allerdings je nach Bundesland. Vom ersten Informationsgespräch über den Antrag bis zur Aufnahme des Pflegekindes können Monate vergehen.

Finanzielle Unterstützung der Pflegefamilie

Pflegegeld

Pflegeeltern erhalten eine finanzielle Unterstützung, wenn sie ein Pflegekind aufnehmen. Das jeweils zuständige Jugendamt zahlt ein Pflegegeld. Es soll einerseits den Unterhalt decken (Ernährung, Unterkunft, Kleidung, Schulbedarf, Taschengeld) und andererseits auch die Pflegeeltern für ihre Erziehungsleistung ein wenig entlohnen. So ist der Betrag in eine Summe für "Sachaufwand" und "Pflege und Erziehung" aufgeteilt.

Die Höhe des Pflegegelds variiert nicht nur von Bundesland zu Bundesland, sondern sogar von Kommune zu Kommune. Der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge gibt jedes Jahr eine Empfehlung zur Höhe des Pflegegeldes ab (siehe Tabelle). Die Empfehlung hat keine rechtsbindende Wirkung, die Kommunen sind frei darin, zu entscheiden, wie viel sie an Pflegegeld bezahlen. Ob Eltern mit dem gezahlten Geld auskommen, liegt an der individuellen Lebensführung.

Zusätzlich zum Pflegegeld können Pflegeeltern auf Antrag eine finanzielle Hilfe für Erstausstattung, Klassenfahrten, Kommunion, Bekleidung, Mobiliar und Ähnliches erhalten. Auch dafür ist das Jugendamt zuständig. Eltern erhalten außerdem einen Zuschuss zum Versicherungsschutz (siehe Punkt 3).

Biallo-Tipp: Pflegeeltern haben Anspruch auf Elternzeit, allerdings nicht auf Elterngeld.

Empfehlung Pflegegeldzuschuss 2018

Alter

des Pflegekindes

Zuschuss für

Sachaufwand in Euro

Zuschuss für

Pflege und Erziehung in Euro

Pflegegeld insgesamt in Euro

0 bis 5 Jahre

522

240

762

6 bis 11 Jahre

592

240

832

12 bis 18 Jahre

676

240

916

Quelle: Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V./Stand Januar 2018

Kindergeld

Das Kindergeld beträgt 194 Euro für das erste und zweite Kind, 200 Euro für das dritte Kind und 225 Euro für jedes weitere Kind. Ob Pflegeeltern diese monatlichen Summen zustehen, hängt davon ab, wie das Kind bei ihnen untergebracht ist. Lebt das Kind dauerhaft in der Pflegefamilie und besteht nur gelegentlich Kontakt zu den leiblichen Eltern, erhalten Pflegefamilien in der Regel auch das Kindergeld.

Das Kindergeld wird auf das Pflegegeld angerechnet. In welcher Höhe hängt davon ab, welche Altersposition das Kind innerhalb der Familie einnimmt. Ist das Pflegekind das älteste Kind, wird das Kindergeld zur Hälfte auf das Pflegegeld angerechnet. Steht das Pflegekind in der Altersfolge an zweiter Stelle, wird nur ein Viertel des Kindergeldes angerechnet.

Ziehen die älteren Kinder einer Familie nach und nach aus, die Familie erhält aber trotzdem noch Kindergeld für sie, rückt das noch bei den Pflegeeltern wohnende Pflegekind in der Altersposition nach vorne. Damit verändert sich der Anteil, zu dem das Kindergeld auf das Pflegegeld angerechnet wird.

Vergleich Haftpflichtversicherung

  Anbieter Tarif Beitrag  
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Versicherungsschutz der Pflegefamilie

Dem Versicherungsschutz in einer Pflegefamilie kommt eine besondere Bedeutung zu. Es gibt in Pflegefamilien andere Risiken als in üblichen Familien und somit große Deckungslücken im Versicherungsschutz. Leider klären viele Jugendämter darüber nur unzureichend auf, lautet die Kritik aus der Versicherungsbranche.

Krankenversicherung

Unkompliziert ist das Thema Krankenversicherung. Wie das Pflegekind krankenversichert ist, hängt von der Lebenssituation ab. Liegt das Sorgerecht weiter bei den leiblichen Eltern und sind diese gesetzlich krankenversichert, kann das Kind bei ihnen in der Familienversicherung versichert bleiben. Liegt das Sorgerecht nicht mehr in der leiblichen Familie, kann das Pflegekind auch bei den Pflegeeltern in der Familienversicherung aufgenommen werden. Ist das Kind Halbwaise – also ein Elternteil ist gestorben – kann es sogar einen eigenen Krankenversicherungsstatus erhalten.

Private Haftpflichtversicherung

In Pflegefamilien gibt es ganz besondere Haftungssituationen, die ein erhebliches finanzielles Risiko bergen. So deckt die übliche private Haftpflichtversicherung Schäden, die die Familienmitglieder Dritten zufügen, seien es Personen-, Sach-, oder Vermögensschäden. Gemeint sind Schäden an Dritten, also wenn Schäden außerhalb der Familie entstehen. Für Schäden, die das Pflegekind verursacht, kommt die private Haftpflichtversicherung aber nicht automatisch auf. Deshalb sollte das Pflegekind unbedingt in die Haftpflichtpolice der Familie aufgenommen werden. Das geht problemlos und ist kostenfrei. Dann sind die Ansprüche Dritter auch gegenüber dem Pflegekind versichert.

Haftpflicht im Innenverhältnis

Ganz besonders wichtig ist es für Pflegefamilien, auch das sogenannte Innenverhältnis abzusichern. Denn Haftpflichtansprüche der Pflegekinder gegenüber den Pflegeeltern und umgekehrt sind über die übliche private Haftpflichtversicherung nicht gedeckt. Dieses Risiko können Familien nur über eine spezielle Zusatzhaftpflichtversicherung vereinbaren.

Einen solchen Versicherungsschutz bieten in der Regel nur Spezialanbieter an. Über den Bundesverband der Pflege- und Adoptivfamilien e.V. (PFAD) können sich Familien über einen Rahmenvertrag für rund 26 Euro im Jahr gegen dieses Haftpflichtrisiko versichern. Nicht-Mitglieder bezahlen rund 38 Euro. Rahmenvertragspartner ist in allen Versicherungssparten (siehe auch die Punkte 3c, 3d, 3e) ein Versicherungsmakler, die Heinrich Poppe GmbH bei Hamburg, der sich auf den Versicherungsschutz von Pflegefamilien spezialisiert hat.

Unfallversicherung

Pflegeeltern steht laut Gesetz ein Unfallversicherungsschutz zu. Er soll das Äquivalent zum gesetzlichen Unfallschutz sein, den Angestellte genießen. Pflegeeltern haben gegenüber den Jugendämtern einen Anspruch auf Erstattung der Aufwendungen, wenn sie eine solche private Unfallversicherung abschließen und Beiträge nachweisen. Die Erstattung der Kosten handhabt aber jedes Jugendamt anders.

Auch hier hat der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge Empfehlungen ausgesprochen. Für das Jahr 2018 liegt der empfohlene Zuschussbetrag bei rund 160 Euro im Jahr pro betreuender Person, unabhängig davon, wie alt das Pflegekind ist. Viele Jugendämter bezahlen aber nur etwa 80 Euro im Jahr, andere bezahlen den Betrag grundsätzlich nur für eine Person in der Familie.

Auch hier bietet der Bundesverband der Pflege- und Adoptivfamilien (PFAD) einen passenden Gruppenvertrag an, der sich an dem jeweils vom Jugendamt gewährten Zuschussbetrag orientiert. Mit einem Jahresbeitrag von rund 160 Euro ist eine Versicherungssumme von 750.000 Euro bei Vollinvalidität, 150.000 Euro im Todesfall und 50 Euro Krankenhaustagegeld abgedeckt. Auch eine Unfallversicherung anderer Anbieter kommt in Frage.

Altersvorsorge für Pflegefamilien

Pflegeeltern haben Anspruch auf einen Zuschuss zu einer privaten Altersvorsorge durch das Jugendamt. Voraussetzung ist, dass sie selbst mindestens den gleichen Betrag in eine solche Absicherung investieren.

Auch in diesem Fall hat der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge eine Empfehlung ausgesprochen. Sie orientiert sich am Mindestbeitrag für freiwillig gesetzlich Rentenversicherte, der bei rund 85 Euro pro Monat liegt. Die Hälfte davon sollte das Jugendamt laut Empfehlung als Zuschuss gewähren. Dieser Zuschuss gilt jeweils pro Pflegekind. Viele Jugendämter halten sich an diese Vorgaben, andere bezahlen sogar mehr, andere jedoch auch weniger.

Der Zuschuss ist an bestimmte Voraussetzungen geknüpft, die ein Altersvorsorgevertrag erfüllen muss. So muss er "Hartz-IV-sicher" sein, sprich: Wird eine Hartz-IV-Leistung gewährt, muss der Vertrag unangetastet bestehen bleiben. Zudem muss eine lebenslange Rente gewährt sein und die angesparte Summe sollte bei Tod vor Rentenbeginn vererbbar sein.

Praktisch kommt damit in erster Linie ein zertifizierter Rürup-Vertrag in Frage. Alternativ können Pflegeeltern sich auch hier über einen Gruppenvertrag des Bundesverbandes (PFAD) absichern. Nach Beendigung des Pflegeverhältnisses kann der Vertrag einfach ruhen bis die Rentenzahlung fällig wird.

Rechtsschutzversicherung

Es ist eine unangenehme Tatsache: Pflegeeltern können durchaus auf einen Rechtsanwalt angewiesen sein. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn das Kind vorzeitig aus der Pflegefamilie genommen wird und wieder bei den leiblichen Eltern wohnen soll (Kindesrückführung). Diese Entscheidungen werden oftmals schnell und bürokratisch getroffen, die Pflegefamilien werden aber nicht ausreichend angehört, lautet der Vorwurf von Betroffenen.

Will die Pflegefamilie gegen die Herausgabe des Kindes gerichtlich vorgehen, deckt eine übliche Rechtsschutzversicherung diese Auseinandersetzung vor dem Familiengericht nicht ab. Auch hier bietet der Bundesverband PFAD einen Gruppenvertrag an. Die Police deckt auch das Risiko, falls Pflegeeltern gegen Missbrauchsvorwürfe rechtlich vorgehen wollen. Ein Zuschuss vom Jugendamt ist für diese Art von Versicherungsschutz aber nicht vorgesehen.

Hausrat- und Wohngebäudeversicherung

Bei einigen Versicherungspolicen sollten Pflegeeltern beim Versicherungsumfang nachbessern. Dazu gehören die Hausrat- und die Wohngebäudeversicherung. Hier gilt es zu prüfen, ob die Versicherung auch bei grob fahrlässigem Handeln zahlt. Dieser Zusatz empfiehlt sich in jedem Fall, auch ohne dass ein Pflegekind in der Familie lebt.

Ein gutes Beispiel, was damit genau gemeint ist, zeigt ein Urteil des Oberlandesgerichts Nürnberg (Urteil vom 11.04.2016, Az. 8 U 1688/15). Dabei ließ die Mutter das achtjährige Kind allein am Computer spielen. In der Schreibtischschublade fand es ein Feuerzeug – das Kind entfachte in der Folge einen Brand. Der Hausratversicherer wollte den Schaden nur zu 50 Prozent ersetzen, da der Brand grob fahrlässig herbeigeführt worden sei. Der Fall landete in der Folge vor dem OLG Nürnberg. Das Gericht entschied, dass der Versicherer die Leistungen zwar nur um 25 Prozent kürzen darf, hielt aber am Vorwurf der groben Fahrlässigkeit fest: Feuerzeuge sind so aufzubewahren, dass Kinder unter zwölf Jahren keinen Zugang haben.

Der Fall zeigt, wie wichtig es ist, grob fahrlässiges Handeln mitzuversichern. Das ist gegen geringe Mehrkosten möglich.

Glasbruchversicherung

Kommt ein besonders ungestümes Pflegekind in die Familie, kann eine Glasbruchversicherung sinnvoll sein, vorausgesetzt es gibt große Fensterflächen im Haus oder wertvolle Glasmöbel. Ansonsten ist die Glasbruchversicherung eine Police, auf die man meist verzichten kann.

Kfz-Versicherung

Manche (Pflege-)Eltern haben beim Thema Kfz-Versicherung schon böse Überraschungen erlebt. Immer wieder hört man, dass vor allem Söhne, die noch keinen Führerschein besitzen, trotzdem das Familienauto für eine unerlaubte Spritztour entwenden. Das kann natürlich auch Pflegekindern in den Sinn kommen. Entsteht dabei ein Schaden an anderen Fahrzeugen, kommt die Kfz-Haftpflichtversicherung dafür auf.

Der Schaden am eigenen Auto ist aber nur dann durch die Vollkaskoversicherung gedeckt, wenn sie auch für Schäden durch zum Haushalt gehörender Personen aufkommt, die das Auto unbefugt genutzt haben. Darauf ist in den Versicherungsbedingungen besonders zu achten.

Vergleich Unfallversicherung

  Anbieter Tarif Beitrag  
1 Tarif Comfort 71,40 Euro weiter
2 KAB-Schutz-TOP 74,97 Euro weiter
3 Tarif Basic Trend 80,92 Euro weiter
4 CIF Pro Classic 82,11 Euro weiter
5 GVO-VIT 85,68 Euro weiter
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Flüchtlinge als Pflegekinder aufnehmen

Pflegefamilien können sich auch als sogenannte Gastfamilien engagieren und ein unbegleitetes, minderjähriges Flüchtlingskind bei sich als Pflegekind aufnehmen. Die meisten dieser Jugendlichen sind zwischen 14 und 18 Jahre alt – manche auch jünger. Sie sind in der Mehrzahl in Heimen oder anderen betreuten Wohnformen untergebracht. Eine Unterbringung in einer Familie kann einen positiven Beitrag zu einer gelungenen Integration leisten. Oft ist hier mehr individuelle Förderung möglich.

Wer sich entscheidet, ein Flüchtlingskind aufzunehmen, wird zur Gastfamilie, der Status entspricht aber dem der oben beschriebenen Pflegefamilie (§ 33 SGB VIII).

Es gelten dieselben rechtlichen und finanziellen Regelungen. Zuständig für eine Vermittlung sind die Jugendämter. Unterstützung bietet das Wegweiser-Telefon "Menschen stärken Menschen" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. (Telefonnummer: 0800 – 2005070, Montag bis Freitag 7.30 bis 16 Uhr.

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während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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während meines Studiums der Neueren Geschichte in München begann ich als freie Journalistin zu arbeiten, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung. Im Jahr 2000 kam ich zu biallo.de, damals waren Versicherungsthemen für mich Neuland, über Gesundheitspolitik las ich in der Zeitung oder bekam die Auswirkungen als Patientin zu spüren.

Schnell stellte ich fest, dass der unverstellte Blick von außen durchaus von Vorteil ist bei der kritischen Aufbereitung dieser Themen. Bei Biallo schreibe ich noch immer über Versicherungen, Gesundheit und Soziales. Neuland sind diese Themen heute nicht mehr.

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