Schluss mit EZB-Enteignung

Niedrigzinspolitik Schluss mit EZB-Enteignung

Thomas Brummer
von Thomas Brummer
30.08.2017
Auf einen Blick
  • Banker: EZB soll Ausstieg aus Negativzinsen entschlossen angehen.

  • Hoffnungen auf höhere Sparzinsen geben ausgerechnet die Südstaaten.
Artikelbewertung
Teilen
Schrift

Vor der kommenden EZB-Sitzung am 7. September positioniert sich der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) eindeutig. "Ein rasches Auslaufen des Anleihekaufprogramms und ein Ende der Negativzinsen 2018 wäre nicht nur geldpolitisch richtig, sondern auch ein willkommenes psychologisches Signal, dass wir die Krisenjahre hinter uns lassen", sagt BVR-Vorstand Andreas Martin. Der Branchenverband der VR-Banken hält das Instrument der Anleihenkäufe auch für rechtlich bedenklich. Ob und in welchem Umfang Staatsanleihekäufe der Notenbank aus geldpolitischen Gründen rechtmäßig sind, sei umstritten.

Lesen Sie auch: So vermeiden Sie Negativzinsen

Für den Bankenverband war schon vor Wochen klar: Mit den Mini-Zinsen in der Eurozone muss bald Schluss sein. "Die Europäische Zentralbank (EZB) macht zwar erste Trippelschritte in Richtung Ausstieg aus der extrem expansiven Geldpolitik", sagt Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes. "Angesichts der positiven und stabilen Konjunkturentwicklung im Euro-Raum sowie der erkennbar stabilen Preisentwicklung hätte ich mir aber ein entschlosseneres Vorgehen gewünscht", so Kemmer nach der EZB-Sitzung Anfang Juni 2017. Der Banker hält es für sinnvoll, das Anleihenkaufprogramm ab 2018 schrittweise zurückzufahren. Andererseits sei für die Banken im Euro-Raum das Ende der Negativzinsen von besonderer Bedeutung.

Wenn Sie das Thema Fest- und Tagesgeld interessiert, ist der kostenlose Biallo-Newsletter genau der richtige für Sie.

Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein

Hoffnung kommt aus Süd-Europa

Ein wichtiger Grund, weshalb sich die EZB für die sparerunfreundliche Zinspolitik entschieden hat, sind die Haushalte der Süd-Staaten des Euroraums – allen voran Griechenland. Zum einen sollten die niedrigen Zinsen zu mehr Investitionen der Wirtschaft führen, zum anderen drückte die Schuldenlast bereits so, dass hohe Zinszahlungen langfristig kaum tragbar gewesen wären.

Am 21. April überraschte jedoch das viel gescholtene Griechenland mit einem Haushaltsüberschuss. Der Staat erzielte im vergangenen Jahr einen Überschuss von knapp sieben Milliarden Euro, wenn man die Kosten für laufende Kredite herausrechnet. Dieser sogenannte Primärüberschuss (ohne Schuldendienst) betrug damit 3,9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Ziel waren lediglich 0,5 Prozent. Prognosen zufolge soll die Wirtschaft Hellas 2017 zum ersten Mal seit zehn Jahren deutlich zulegen.

Und auch in Portugal scheint sich die Lage aufzuhellen. Das während der Euro-Krise vorübergehend mit einem Hilfsprogramm bedachte Portugal hat im vergangenen Jahr so wenige neue Schulden angehäuft wie noch nie seit der Rückkehr des Landes zur Demokratie anno 1974. Staatseinnahmen und – ausgaben näheren sich an. Außerdem ist die Wirtschaft zuletzt drei Jahre hintereinander gewachsen.

In Italien klaffen Einnahmen und Ausgaben immer noch weit auseinander. 2016 lag der Fehlbetrag bei knapp 41 Milliarden Euro. Positiv: Die Differenz war 2009 noch doppelt so hoch. Seit 2014 wächst auch die Wirtschaft wieder.

Die Genesung von Griechenland, Portugal und Italien liefert Gegnern der gegenwärtigen Geldpolitik der EZB neues Futter. Aus geldpolitischer Sicht ist nach Ansicht des BVR eine Kursänderung der EZB vor allem wegen der stabilen und allmählich steigenden Inflation nötig.

Vielleicht ist der Spuk für Sparer bald vorbei und die Zinsen für Tagesgeld und Festgeld erholen sich wieder. Dazu müsste aber die EZB einlenken.

Das gibt es derzeit für Festgeld:

3
 
Anbieter
Zinsertrag
Zinssatz
 
1.
100,00
1,00%
2.
95,00
0,95%
3.
80,30
0,80%
Betrag 10.000 €, Laufzeit 12 Monate
Ihre Meinung ist uns wichtig
Thomas Brummer
Thomas Brummer
Redakteur
Jetzt Artikel bewerten
E-Mail an den Autor
Thomas Brummer
Thomas Brummer

Jahrgang 1985, schloss eine kaufmännische Ausbildung ab. Anschließend studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Universität Augsburg und war währenddessen als Werkstudent bei LV 1871 und Wealthcap (Fondsgesellschaft von Unicredit) tätig. Nach Beendigung des Studiums schrieb er für das Anlegermagazin „Der Aktionär“. Im Anschluss absolvierte er eine Hospitanz in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf.

Seit Januar 2014 ist er bei biallo.de und verfasst dort überwiegend Artikel zu Geldanlagethemen. Daneben publiziert er regelmäßig in Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier.

E-Mail an den Autor
Artikelbewertung
Teilen
Drucken
Zur Startseite
Thomas Brummer
Thomas Brummer

Jahrgang 1985, schloss eine kaufmännische Ausbildung ab. Anschließend studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Universität Augsburg und war währenddessen als Werkstudent bei LV 1871 und Wealthcap (Fondsgesellschaft von Unicredit) tätig. Nach Beendigung des Studiums schrieb er für das Anlegermagazin „Der Aktionär“. Im Anschluss absolvierte er eine Hospitanz in der Wirtschaftsredaktion der Rheinischen Post in Düsseldorf.

Seit Januar 2014 ist er bei biallo.de und verfasst dort überwiegend Artikel zu Geldanlagethemen. Daneben publiziert er regelmäßig in Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier.

E-Mail an den Autor
Newsletter
Keine News mehr verpassen
Bitte geben Sie eine korrekte E-Mail Adresse ein:

Regeln für das Schreiben von Kommentaren:

  1. Kommentieren Sie sachlich und ohne persönliche Angriffe.
  2. Verfassen Sie keine Beiträge mit strafbarem, diskriminierendem, rassistischem, anstößigem, beleidigendem oder kommerziellem Inhalt und verweisen Sie nicht auf Seiten mit solchem Inhalt.
  3. Stellen Sie weder zu lange Texte noch Bilder ein, außer, wenn es unbedingt nötig ist.
  4. Veröffentlichen Sie keine personenbezogenen Daten Dritter, wie Namen, Adressen, Telefonnummern oder E-Mail-Adressen.
  5. Wenn Sie persönliche Mitteilungen oder Texte anderer Verfasser einstellen oder Kommentare anderweitig veröffentlichen möchten, beachten Sie die Rechte Dritter. Bei einer Verletzung dieser Rechte (z.B. Persönlichkeitsrecht, Urheberrecht, Datenschutz) haften Sie.
  6. Sie haben die Möglichkeit, Ihren Benutzernamen frei zu wählen. Sie sollten aber im eigenen Interesse markenrechtlich geschützte Namen vermeiden.

Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de