Trotz Zinstief: Cash ist King

Bundesbank-Studie Trotz Zinstief: Cash ist King

Kevin Schwarzinger
von Kevin Schwarzinger Sebastian Schick
17.01.2018
Auf einen Blick
  • Das private Vermögen der Bundesbürger erreicht einen neuen Rekordwert: Das gesamte Kapital ohne Immobilien beträgt 5,8 Billionen Euro.

  • Trotz Zinstief und steigender Inflation ist Bargeld nach wie vor beliebt. Die Präferenz für "liquide und risikoarme Geldanlagen" sei ungebremst, so die Bundesbank.
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Es klingt paradox: Trotz des nicht enden wollenden Zinstiefs sind private Haushalte in Deutschland so reich wie nie zuvor. Laut Bundesbank stieg das Geldvermögen im dritten Quartal 2017 auf den Rekordwert von 5,8 Billionen Euro. Ein Plus von 1,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Eigentlich könnte der Wert noch höher ausfallen, denn Immobilien sind nicht mit eingerechnet.

Miteinbezogen sind dagegen Bargeld, Bankeinlagen, Versicherungsansprüche sowie Wertpapiere. Letztere schlugen mit 19 Milliarden Euro positiv zu Buche. Ein weiterer Grund für den Vermögenszuwachs: Der robustere Arbeitsmarkt und steigende Reallöhne. Dadurch konnten Verbraucher wieder mehr auf die hohe Kante legen können.

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Mehr Geld trotz Niedrigzinsen

Deutsche Privathaushalte bunkerten außerdem ihr Vermögen als Bargeld oder parkten es als Sichteinlagen bei Banken, wie etwa auf Girokonten und Tagesgeldkonten. Hier kamen im dritten Quartal noch einmal 23 Milliarden Euro obendrauf. Aus Spareinlagen und –briefen sowie Festgeld zogen die Bundesbürger dagegen Geld ab. Insgesamt belief sich das Volumen an Bargeld und Einlagen Ende September 2017 auf knapp 2.270 Milliarden Euro. Das sind rund 39 Prozent des gesamten Geldvermögens.

Weiterhin hoch im Kurs stehen Versicherungen und Pensionseinrichtungen, in die Privathaushalte im dritten Quartal 15 Milliarden Euro pumpten. Die Bestände summierten sich so auf rund 2.156 Milliarden Euro.

So trotzen Anleger der Zinsflaute und Inflation

Die anhaltende Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank sorgt für einen Anlagenotstand und zwingt Anleger regelrecht in riskantere Geldanlagen wie Aktien oder Fonds. Mit klassischen Spareinlagen, Tages- oder Festgeld kann die Inflation nur noch zum Teil ausgeglichen werden. Unter dem Strich erzielen Anleger eine negative Realrendite.

Wer langfristig Vermögen aufbauen oder zumindest erhalten will, kommt deshalb an Wertpapieren nicht mehr vorbei. Das Problem: Die Aktienmärkte notieren in der Nähe ihrer historischen Höchststände. Größere Rücksetzer sind kurz- bis mittelfristig nicht ausgeschlossen. Eine breite Diversifizierung über verschiedene Anlageklassen hinweg ist deshalb wichtiger denn je.

Anlageexperten raten zu Fonds- oder ETF-Sparplänen. Hier kann man schon mit geringen monatlichen Beträgen ab 50 Euro langfristig Vermögen aufbauen. Der Vorteil bei Sparplänen ist der sogenannte Cost-Average-Effekt (Durchschnittskosteneffekt). Dieser sorgt dafür, dass bei gleichbleibenden Sparraten in schwachen Börsenphasen mehr preiswerte Fondsanteile im Depot landen als in starken Börsenphasen, wenn die Anteile teurer sind. Unterm Strich entsteht ein günstiger Durchschnittspreis und Kursschwankungen werden langfristig ausgeglichen.

Langfristig zahlen sich Wertpapiere aus

Der Anlagehorizont bei Aktien oder Fonds sollte mindestens zehn Jahre betragen, am besten fünfzehn Jahre. Das Rendite-Dreieck des Deutschen Aktieninstituts zeigt: Wer in den vergangenen Jahrzehnten einen Dax-Aktienkorb kaufte und diesen mindestens 15 Jahre hielt, hat zu jedem Zeitpunkt eine positive Rendite erzielt. Das ist allerdings keine Garantie, dass das auch die nächsten 50 Jahre so sein wird.

In der Regel reicht ein einziger ETF aus, der einen breit gestreuten Index wie den MSCI World abbildet. Der Weltaktienindex MSCI World spiegelt die Entwicklung von rund 1.600 Aktien aus 23 Industrienationen wider. Das reicht für die Risikodiversifizierung vollkommen aus.

Wer seine Geldanlage nicht komplett selbst in die Hand nehmen will oder kann, für den sind sogenannte Robo-Advisor eine geeignete Alternative. Bei den digitalen Vermögensverwaltern gibt es Beratung, Sparplan, Konto- und Depotführung bereits für Kosten von unter einem Prozent pro Jahr - inklusive Fonds- und Transaktionskosten. Wir können die Anbieter Quirion (Quirin Bank), Scalable (Kooperation mit ING-Diba), Robin (Deutsche Bank) und Liqid (Familie Quandt) empfehlen.

Tages- und Festgeld gehören nach wie vor dazu

Einen Teil des Vermögens sollten Anleger nach wie vor sicher in Tages- oder Festgeld "parken". Beim Tagesgeld erhöht das "Zins-Hopping" die Erträge, indem Sparer die Neukunden-Aktionen nutzen. Spitzenreiter ist im Moment die Consorsbank. Sie garantiert bis zu einem Anlagevolumen von 50.000 Euro anteilig ein Prozent p.a. für die ersten sechs Monate. Danach sinkt der Zins allerdings drastisch ab auf 0,01 Prozent. Bei der ING-Diba gibt es für die ersten vier Monate 0,75 Prozent, danach nur noch 0,10 Prozent.

Beim Festgeld sollten Anleger einen Anlagezeitraum von maximal zwei Jahren wählen. Denn wir gehen davon aus, dass die EZB die Zinswende spätestens Ende 2019 einläuten wird, was dann auch höhere Festgeldzinsen zur Folge hätte.

Bester Anbieter im Biallo-Vergleich – mit einem hohen Länderrating im Hinblick auf die Einlagensicherung – ist bei einem Anlagezeitraum von zwölf Monaten die niederländische Amsterdam Trade Bank mit einem Zinssatz von 0,80 Prozent pro Jahr. Die maltesische Ferratum Bank bietet zwar 15 Basispunkte mehr, nämlich 0,95 Prozent. Allerdings ist das Risiko eines Zahlungsausfalls hier auch höher.

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Jahrgang 1988, studierte Geschichte und Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und war währenddessen bereits als Werkstudent bei biallo.de angestellt. Seit 2016 ist er Mitglied der Redaktion und verfasst dort überwiegend Artikel zu Geldanlagethemen. Daneben publiziert er regelmäßig in Tageszeitungen, wie Münchner Merkur, Rhein Main Presse, Frankfurter Neue Presse oder Donaukurier.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de