Festgeldzinsen: Vorsicht vor langen Laufzeiten

Festgeld im August Festgeldzinsen: Vorsicht vor langen Laufzeiten

Horst Biallo
von Horst Biallo Sebastian Schick
20.08.2018
Auf einen Blick
  • Die Festgeldzinsen verharren im August auf dem Niveau des Vormonats. Laut Biallo-Festgeld-Index werden für einjähriges Festgeld derzeit im Schnitt 0,31 Prozent Zinsen bezahlt.

  • Unser Vergleich zeigt, dass die Top-Anbieter den Marktdurchschnitt deutlich schlagen können. Allerdings sollten sich Anleger derzeit nicht allzu lange binden.

  • Ein Festgeldkonto ist immer noch eine lohnende Anlage für den sicherheitsbedürftigen Anleger – auch wenn die Zinsen heute deutlich geringer ausfallen als noch vor einigen Jahren.
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Nach wie vor ist am Markt für Termineinlagen keine Zinswende in Sicht. Laut Biallo-Festgeld-Index – einer Zusammenschau von rund 130 Angeboten – verharren die Festgeldzinsen auf dem Niveau des Vormonats. Im Schnitt erhalten Anleger bei einer Laufzeit von zwölf Monaten und einem Anlagebetrag von 25.000 Euro magere 0,31 Prozent Zinsen. Das Positive: Es zeichnet sich zumindest eine Bodenbildung ab. Das Allzeittief lag Mitte Dezember 2017 bei 0,28 Prozent.

Ein positives Signal wäre es auch, wenn die Europäische Zentralbank endlich die Leitzinsen anheben würde. Angesichts der Inflationsraten von zuletzt 2,0 Prozent in Deutschland und 2,1 Prozent in der Eurozone hätten die Währungshüter eigentlich allen Grund dazu. Doch bei der jüngsten Ratssitzung am 26. Juli hat EZB-Chef Mario Draghi erneut betont, dass die Leitzinsen mindestens bis "über den Sommer 2019" auf dem aktuell niedrigen Niveau bleiben werden. Offenbar will Draghi angesichts des weiterhin starken Euro und der immensen Schuldenlast der Peripheriestaaten kein Risiko eingehen, zumal der US-Handelskonflikt nach wie vor wie ein Damoklesschwert über der europäischen Wirtschaft schwebt.

Diese Anlagedauer empfiehlt Biallo

Auffällig ist derzeit, dass viele Anbieter am langen Ende ihre Konditionen anheben. Wie etwa jüngst die Volkswagen Bank oder auch die Credit Europe Bank. Allerdings raten wir im Moment nur zu Laufzeiten bis maximal zwei Jahre, da wir mittelfristig von steigenden Festgeldzinsen ausgehen. Eine Ausnahme stellt derzeit das "Festgeld Plus" der FCA Bank dar. Hier winken jährlich zwei Prozent Zinsen bei einer Laufzeit von drei Jahren. Allerdings nur für Anleger, die bereits einen aktiven Finanzierungs-oder Leasingvertrag für ein Neufahrzeug der FCA-Gruppe mit der FCA Bank Deutschland haben.

Wahlweise können Anleger auch ihr Erspartes auf mehrere Festgeld-Anlagen zu unterschiedlichen Laufzeiten aufteilen. So bleiben sie flexibel und können mit dem freiwerdenden Kapital auf Zinsveränderungen reagieren.

Diese Angebote an Festgeldzinsen empfiehlt Biallo

Anleger sollten bei der Wahl eines Anbieters nicht alleine auf die Zinshöhe schauen. Wichtig ist auch die Einlagensicherung des jeweiligen Landes. Eine gemeinsame europäische Lösung wollen die EU-Finanzminister ab September verhandeln. Nach welchen Kriterien wir die einzelnen Festgeld-Anbieter bewerten, erfahren Sie in unserem Festgeld-Test.

Ausgewählte Anbieter bei einjähriger Anlagedauer (Länder mit hoher Bonität)

BankZins p.a.EinlagensicherungAnlagebetragZinszahlungS&P-Rating
BESV0,90%100.000 € pro Person / Frankreich10.000 - 100.000 €am LaufzeitendeAA
Oney0,80%100.000 € pro Person / Frankreich1 - 100.000 €am LaufzeitendeAA
Amsterdam Trade Bank0,75% 100.000 € pro Person / Niederlandeab 5.000 €monatlichAAA

Biallo-Tipp: Wenn Sie auf einen Link klicken, schließen Sie noch keinen Vertrag ab. Sie gelangen erst einmal zur Bank. Dort erhalten Sie noch mal einen detaillierten Überblick über das Angebot. Anbieter, welche nicht verlinkt sind, suchen bei uns derzeit nicht aktiv nach neuen Kunden. Wie wir uns finanzieren, haben wir in der Rubrik "Über uns" offengelegt.

Ausgewählte Anbieter bei zweijähriger Anlagedauer (Länder mit hoher Bonität)

BankZins p.a.  EinlagensicherungAnlagebetragZinszahlungS&P-Rating
Bigbank1,15%100.000 € / Estland1.000 - 100.000 €jährlichAA-
Crédit Agricole1,11%         100.000 € pro Person / Frankreich5.000 - 500.000 €   jährlichAA
Ziraat Bank1,10%100.000 € pro Person / Deutschland2.500-250.000 €am LaufzeitendeAAA

Funktionsweise eines Festgeldkontos und die Rolle der Zinsen

Bei einem Festgeldkonto wird das Geld über einen bestimmten Zeitraum zu einem vereinbarten Zinssatz angelegt. Wenn die Zinsen gerade niedrig sind, sind auch die Festgeldzinsen entsprechend. Aber: Sollte der Zinssatz im Laufe der Zeit weiter sinken, bleiben Ihre Festgeldzinsen gleich. Als Auszahlungsvariante bei Ihren Festgeldzinsen sollten Sie die Variante "Zinszahlung zum Jahresende" wählen, denn so können Sie Ihren Sparerpauschbetrag voll ausschöpfen.

An das Geld auf Ihrem Festgeldkonto kommen Sie während der Laufzeit eigentlich nicht heran. Es gibt aber Ausnahmen. Nämlich besonders wichtige Gründe. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn Sie arbeitslos werden und Hartz IV empfangen. Mehr dazu lesen Sie in unserem Ratgeber Festgeld kündigen.

Festgeldzinsen: Noch immer wichtig für den Inflationsausgleich

Wie hoch die Festgeldzinsen ausfallen, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zum einen spielt natürlich die aktuelle Marktlage eine Rolle. Sowohl die Zinslage auf dem nationalen als auch dem internationalen Geldmarkt haben einen Einfluss. Die Hauptrolle hat dabei ganz klar der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB), der das allgemeine Zinsniveau prägt.

Der Einfluss der Finanzkrise auf die Festgeldzinsen 

Das zeigt sich auch, wenn man auf die Zinsentwicklung der letzten Jahre blickt. Zwischen 2005 und 2014 zahlten die Banken bei Laufzeiten zwischen einem und zwei Jahren im Durchschnitt 2,6 Prozent Festgeld-Zinsen. Doch schaut man sich die Jahre im Einzelnen an, wird der Einfluss der Finanzkrise deutlich: Noch im Jahr 2008 bekamen deutsche Anleger bei einer Anlagedauer von zwei Jahren 4,6 Prozent für ihr Festgeld und legten insgesamt mehr als 30 Milliarden Euro an. Doch das Vertrauen in die Banken wurde erschüttert – und das hatte einen Einfluss auf die Festgeld-Zinsen: Im Jahr 2014 gab es nur noch ein Prozent Rendite auf das Festgeld – und nur noch acht Milliarden Euro wurden angelegt.

Viele Sparer sattelten auf Tagesgeldkonten um. Was sie damals nicht wussten: Die Zinsen fielen weiter und im Gegensatz zum Tagesgeld kann das Festgeld noch immer einen Großteil der Inflationsverluste ausgleichen. Für Sie lohnt es sich also, in Festgeldkonten zu vertrauen und mit unserem Festgeldvergleich das Maximum an Zinsen herauszuholen.

Doch wie holen Sie das Maximum aus Ihren Festgeld-Zinsen heraus? 

Der wichtigste Einflussfaktor auf die Höhe Ihrer Festgeld-Zinsen ist heute die Laufzeit. Je länger Sie das Geld anlegen, desto höher ist der Zins.

Fragen Sie vor Abschluss: Wann werden die Zinsen gezahlt? Meist erst zum Ende der Laufzeit. Einige Banken zahlen diese jedoch jährlich. Wer sich dieses Geld am Ende des Jahres nicht ausschütten, sondern stehen lässt, erzielt einen Zinseszinseffekt.

Biallo-Tipp: Achten Sie auf die Einlagensicherung. Diese schützt Ihr Vermögen im Falle einer Bankenpleite.

Vergleichen Sie die Zinshistorie bei den Festgeld-Zinsen

Wenn es um die Festgeldzinsen geht, lohnt sich vor allem auch ein Blick auf die Zinshistorie. Denn diese zeigt Ihnen, wie sich die Zinsen im Laufe der letzten zwölf Monate verändert haben und wo die Entwicklung möglicherweise hingeht.

Biallo Index (1 Jahr)
Festgeld 25.000 € 12 Monate
Chart Festgeld 25.000 € 12 Monate
Biallo-Index
0,31%
basierend auf
135Angeboten
Tief/Hoch
0,28% / 0,36%

Sie sehen anhand dieses Zwölf-Monats-Charts, dass die Zinsentwicklung bis zum Jahreswechsel eine klare Abwärtstendenz aufzeigt. Das sieht erst einmal negativ aus. Dennoch: Seit Jahresanfang haben die Festgeldzinsen leicht angezogen. Der Markt scheint die bevorstehende Zinswende der EZB bereits anzudeuten.

Zinsausblick

Die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) hat die Märkte weiter fest im Griff. Der Einlagezins, zu dem die Banken kurzfristig überschüssiges Geld bei der EZB parken, liegt nach wie vor bei minus 0,4 Prozent. Eine Zinsanhebung erwarten Ökonomen frühestens im zweiten Quartal 2019.

Die Inflationsrate betrug im Juni 2,1 Prozent (Mai: 2,2 Prozent). In der Eurozone stiegen die Verbraucherpreis um 2,0 Prozent zum Vorjahresmonat (Mai: 1,9 Prozent). Mittelfristig streben die Währungshüter für den gesamten Euroraum eine dauerhafte Inflationsrate von "unter, aber nahe zwei Prozent" an – diese Benchmark sieht die EZB als wichtiges Kriterium für optimales Wachstum. Erst wenn dieses Ziel erreicht ist, seien Zinsschritte nach oben denkbar, betonte EZB-Chef Mario Draghi in den vergangenen Monaten immer wieder.

Die Inflationsprognose für das Gesamtjahr 2018 erhöhte die EZB bei ihrer Sitzung in Riga im Juni. Für 2018 wird nun 1,7 (zuvor 1,4) Prozent Wachstum erwartet, für 2019 ebenfalls 1,7 (zuvor 1,4) Prozent und für 2020 gleichfalls 1,7 (zuvor 1,7) Prozent.

Häufige Fragen zum Thema Festgeldzinsen

Kann ich mein Geld auf dem Festgeldkonto frühzeitig abheben?

Nein, das können Sie in aller Regel nicht. Es gibt nur wenige Ausnahmen, die eine Kündigung vom Festgeld erlauben – wie etwa der Bezug von Hartz IV oder die drohende Pleite Ihrer Bank. 

Doch: Zwar können Sie das eigentliche Guthaben nicht vorzeitig abheben. Wohl aber die Sparzinsen des letzten Jahres. Bis Ende Februar des Folgejahres können Sie die Ihrem Konto gutgeschriebenen Sparzinsen aus dem Vorjahr problemlos abheben. Falls das nicht fristgerecht geschieht, wird das Geld Ihrem Kapital zugerechnet. Dann ist es bis zum Ende der Laufzeit ebenso wenig kündbar wie der ursprüngliche Sparbetrag. 

Muss ich die Erträge, die ich durch die Festgeld-Zinsen erhalte, versteuern?

Grundsätzlich ja. Denn Kapitalerträge unterliegen der Abgeltungssteuer. Allerdings können Sie einen Freistellungsauftrag erteilen und so dafür sorgen, dass Ihnen die gesamten Festgeldzinsen erhalten bleiben. Der Freistellungsauftrag hilft Ihnen dabei, Ihren Sparerpauschbetrag wahrzunehmen und somit Erträge von bis zu 801 Euro ohne steuerliche Abzüge einzustreichen. Für Ehepaare gilt der doppelt so hohe Satz.

Was bringt mir mehr: Tagesgeld- oder Festgeld-Zinsen?

Sowohl Tagesgeld- als auch Festgeldkonten gelten als sichere Anlageformen. Der Hauptunterschied liegt darin, dass Sie auf das Geld auf einem Tagesgeldkonto jederzeit zurückgreifen können und das Geld auf dem Festgeldkonto für die gewählte Laufzeit nicht verfügbar ist. Allerdings sind die Festgeldzinsen höher. Sie sollten Tagesgeld in Höhe von zwei oder drei Nettomonatsgehältern als Reserve für Notfälle anlegen und den Rest in Festgeld.

Wie hoch sind die Festgeldzinsen?

Wie hoch die Festgeldzinsen sind, hängt von vielen Faktoren ab, am meisten von der Laufzeit. Je länger die ist, desto höher sind die Zinsen.

Wie hilft mir ein Freistellungsauftrag?

Den Freistellungsauftrag erteilen Sie Ihrer Bank und sichern sich so, dass Ihr Kapital bis zu 801 Euro (das ist die Höhe des Sparerpauschbetrags) steuerfrei bleibt, bei Ehepaaren bis 1.602 Euro. Nur Zinsen darüber werden besteuert.

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Horst Biallo
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Herausgeber und Gründer biallo.de
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Jahrgang 1954, studierte Wirtschaft und absolvierte eine Ausbildung zum Wirtschaftsjournalisten bei der Tageszeitung Die Welt. Später machte er sich selbstständig, schrieb für Wirtschaftswoche, Stern und zahlreiche Tageszeitungen. Er ist Autor mehrerer Fachbücher, u.a. "Die geheimen deutschen Weltmeister" und "Die Doktormacher". Im Jahr 1999 gründete er das Verbraucherportal www.biallo.de, vier Jahre später www.geldsparen.de und 2009 www.biallo.at. Horst Biallo ist verheiratet und hat drei Kinder.

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Jahrgang 1954, studierte Wirtschaft und absolvierte eine Ausbildung zum Wirtschaftsjournalisten bei der Tageszeitung Die Welt. Später machte er sich selbstständig, schrieb für Wirtschaftswoche, Stern und zahlreiche Tageszeitungen. Er ist Autor mehrerer Fachbücher, u.a. "Die geheimen deutschen Weltmeister" und "Die Doktormacher". Im Jahr 1999 gründete er das Verbraucherportal www.biallo.de, vier Jahre später www.geldsparen.de und 2009 www.biallo.at. Horst Biallo ist verheiratet und hat drei Kinder.

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Quelle: www.datenschutzbeauftragter-info.de