Auf einen Blick
  • Fondsmanager Andreas Beck hat die Aktienquote in seinem Global Portfolio One (GPO) aufgestockt.

  • Der antizyklische Investor partizipiert breit gestreut mit knapp 9.000 Aktien an der Entwicklung der Weltwirtschaft.

  • Im Interview mit biallo.de warnt Beck davor, dass Deutschland den Anschluss an die Weltwirtschaft verliert und die jetzige Krise für Europa „sehr teuer und schädlich“ ist.

Vom Schlosserlehrling zum erfolgreichen Portfoliomanager – Dr. Andreas Beck hat eine beeindruckende Karriere auf dem Börsenparkett hingelegt. Sein finanztechnisches Handwerk lernte er in den 90er-Jahren bei der Münchner Rück, wo er die Risiken institutioneller Portfolios bewertete. 2005 gründete er das Institut für Vermögensaufbau (IVA) und beriet rund um den Globus zahlreiche Banken und Vermögensverwalter in den Bereichen Asset Management und Kapitalmarktrisiken. Zusammen mit der Deutschen-Bank-Tochter DWS legte er 2008 den weltweit ersten Portfolio-Index auf: den Xtrackers Portfolio ETF (ISIN: LU0397221945), der heute auf ein Volumen von mehr als 500 Millionen Euro kommt. 2018 folgte mit dem Global Portfolio One (GPO) die nächste Entwicklungsstufe, zunächst nur für institutionelle Investoren. Seit Anfang 2020 steht das GPO auch Privatanlegern zum Investieren offen (ISIN: AT0000A2B4T3).

Herr Beck, Sie haben vor einer Woche angefangen, die Aktienquote auf 90 Prozent aufzustocken. Was war der entscheidende Auslöser?

Andreas Beck: Wenn ich weltweit breit gestreut investiere, wirken Einbrüche an der Börse langfristig wie ein Renditeturbo. Von einem Einbruch spricht man ab einem Verlust von 20 Prozent und eben diese Schwelle haben wir vergangene Woche gerissen. Wir prüfen dann noch andere Kennzahlen, insbesondere die Entwicklung der Unternehmensgewinne.

Welche Sektoren und Länder haben Sie in den vergangenen Tagen hinzugekauft?

Beck: Wir kaufen die Welt AG, das sind über 8.700 Unternehmen in den Industrie- und Schwellenländern. Große, mittlere und kleine Unternehmen. Ziel ist, die Erträge der Weltwirtschaft einzusammeln.

Gehen Sie davon aus, dass wir die Tiefs vom Corona-Crash im März 2020 noch mal sehen werden, als der Dax bis auf 8.250 Punkte abstürzte?

Beck: Also das ist nicht in Sicht, es sei denn, Russland stoppt schlagartig seinen Rohstoffexport nach Deutschland. Dann würde es in der heimischen Wirtschaft drunter und drüber gehen.

Welche Signale müssen vorliegen, dass Sie auf 100 Prozent Aktien gehen?

Beck: Der Einbruch muss dann insgesamt 40 Prozent überschreiten. Das ist zugegebenermaßen ein sehr seltenes Ereignis. Wir hatten es in den Krisen 2001/03 und 2007/09, also zwei Mal in einem Jahrzehnt. Das ist aber absolut atypisch für die Weltwirtschaft. Selbst so radikale Schocks wie der Stillstand in der Corona-Krise haben nur zu einem Verlust von 35 Prozent geführt.

Sie haben im Biallo-Youtube-Interview gemeint, dass Ihnen die Rezession als Fondsmanager egal sein kann. Das hat bei dem einen oder anderen Marktteilnehmer doch für etwas Verwirrung gesorgt. Haben Sie gar keine Sorge, dass Putin den Gashahn komplett zudrehen könnte und unser BIP um bis zu zwölf Prozent einbrechen könnte, wie "Wirtschaftsweise" Veronika Grimm kürzlich gegenüber der Funke Mediengruppe gewarnt hat?

Beck: Wenn man in die Welt AG investiert, sind die meisten Bedrohungsszenarien nur Phasen der Anpassung und der Verschiebung von Wertschöpfungsketten. Die jetzige Krise mit den Sanktionen ist für Europa sehr teuer und schädlich. Aber es ist ein Konjunkturprogramm in den USA als Exporteur von Waffen und Fracking-Gas et cetera. Auch China, Indien und viele andere Länder sichern sich jetzt langfristige Rohstoff- und Energielieferungen zu besonders günstigen Preisen aus Russland. Die Ölsorte Ural kostete zeitweise 25 Prozent weniger als die Ölsorte Brent. Langfristig sind das nur Verschiebungen von Unternehmensgewinnen. Ich sage das jetzt ganz unpolitisch, rein aus der wirtschaftlichen Perspektive.

Erfahren Sie in zwei weiteren Artikeln, was eine Rezession eigentlich ist und welche Aktien auch in Krisenzeiten eine sichere Anlagemöglichkeit sein können.

Sie warnen davor, dass Deutschland aufpassen muss, nicht den Anschluss an die Weltwirtschaft zu verlieren. Utopisch gefragt: Wenn Sie jetzt Bundeswirtschafts- und Finanzminister in Personalunion wären – was würden Sie Herrn Habeck und Herrn Lindner mit auf den Weg geben?

Beck: Die EU ist politisch, militärisch und finanziell wahnsinnig schwach. Das muss kein Nachteil sein, aber es wird zum Problem, wenn wir trotzdem als Moralpolizei in der Welt auftreten wollen. Die Rolle mag wünschenswert sein, aber sie funktioniert nicht.

Herr Beck, vielen Dank für das Interview.

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